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Und täglich grüßt der Papagei

In Lima kommen wir um 21:30 Uhr an. Dank Katia und Sandrine wissen wir auch schon wo wir übernachten. Wir teilen uns mit zwei Engländern ein Taxi und lassen uns direkt zum „Hostal Espana“ bringen, die knurrige Alte am Empfang braucht ewig bis sie uns ein Zimmer klar gemacht hat. In der Zwischenzeit gibt es aber genug zu kucken, es ist ein altes Herrenhaus, sehr schön hergerichtet, mit riesigen Gemälden in protzigen Goldrahmen und großen weißen griechisch aussehenden Büsten. Schließlich werden wir zu unserem Zimmer auf dem Dach gebracht, zuerst müssen wir uns aber durch einen halben Urwald kämpfen. Hier gibt es zwei Schildkröten, einen Pfau, einen Ara und einen kleineren grünen Papagei. Ein halber Zoo! Unser Zimmer ist dann tatsächlich ein Bretterverschlag auf dem Dach, außerhalb der anderen Zimmer und der Dachterrasse, ohne Geländer. Aber da es wohl das letzte Zimmer ist und wir einen Spezial-Preis dafür bekommen haben, ist das dann trotzdem ok. Dann klopfen wir vorsichtig bei Katia und Sandrine um Hallo zu sagen und uns fürs Frühstück am nächsten Morgen zu verabreden.

Morgens werden wir von einem lauten „Hola, Hola“ geweckt. Der grüne Papagei vor unserer Türe ist schon wach! Die Vögel haben die Flügel gestutzt bekommen, damit sie nicht wegfliegen. Psychologisch scheint das ziemlich problematisch zu sein, der Ara sitzt auf einer griechischen Statue, der er schon den Hintern und Teile des Rückens weggebissen hat. Und der grüne Papagei tut nur so freundlich. Zuerst will er bei uns auf den Arm klettern und als wir ihn wieder absetzen wollen, fängt er tatsächlich an zu beißen! Wir frühstücken im Hostel auf der Dachterrasse, allerdings ist der Kaffee eher braunes Wasser als Kaffee! Da das Frühstück nicht lange hält, essen wir in einer Bäckerei aus der es sehr lecker durftet Apfelküchlein und Empanadas. Außerdem kucken wir uns ein paar Kirchen und Gebäude an und gehen Souvenirs shoppen. Die „Plaza Mayor“ ist komplett abgesperrt, überall laufen Polizisten mit Polizeihunden rum. Als wir nachfragen, was denn eigentlich los ist, bekommen wir als Info, dass im Regierungssitz an der einen Seite des Platzes ein Politiker-Treffen stattfindet. Da Katia und Sandrine heute Abend mit dem Bus in Richtung Huaraz fahren, gehen wir mit ihnen auf ein frühes Abschieds-Abendessen in ein altes, peruanisches Restaurant, wo es für 10 Soles ein Drei-Gänge-Menü gibt. Gerade als wir schlafen gehen wollen klopft es an der Tür. Komisch. Naja, manchmal kommen andere Touris aufs Dach um zu kucken was da ist. Florian steht nochmal auf und kuckt nach – die zwei Mädels sind wieder da! Anscheinend ist gerade irgendein Streik und die Busse fahren nicht. Morgen aber hoffentlich wieder, also verabreden wir uns noch einmal zum Frühstück…

lima-01 unser Hostel Espana

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lima-28 unser "Zimmer" auf dem Dach

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lima-22 psychisch labiler Ara

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lima-13 Rathaus

lima-15 Regierungssitz

lima-18 Kathedrale von Lima

lima-20 Kloster San Francisco

Dieses Mal gehen wir aber in ein kleines Café an der Plaza zum Frühstücken! Nochmal Wasser-Kaffee im Hostel tun wir uns nicht an. Es dauert eine Weile bis wir ein offenes finden… um 8:30 Uhr! Wir frühstücken gemütlich und machen uns dann mit dem Bus auf den Weg nach Miraflores, dem Reichen-Viertel Limas. Hier gibt es schicke Designer-Läden und etliche große Handarbeits- und Souvenirmärke. Leider werden wir nicht fündig. Also schlendern wir die Einkaufsstraße runter bis ans Meer. Von einer Art Park auf der Klippe kann man schön aufs Wasser kucken. Wir sehen viele Surfer und ein paar Delfine springen direkt vor der Küste aus dem Wasser! Dann laufen wir zurück und beschließen, mal noch in einem Reisebüro nach Busverbindungen nach Guayaquil/Ecuador zu fragen. Dort müssen wir spätestens am 13.11.2011 ankommen. Die einzige Direktverbindung geht am nächsten Tag mit „Cruz del Sur“, einem der besten und teuersten Busunternehmen in Peru, und die Fahrt dauert insgesamt 27 Stunden. Puh! Und es sind noch genau drei Plätze frei. Da die Trantüte im Reisebüro unglaubliche 1 ½ h braucht um unsere Tickets zu buchen und auszudrucken, müssen wir anschließend schon wieder mit dem Bus zurückfahren, weil wir uns zum zweiten Abschiedsessen, dieses Mal Grillhähnchen, mit Katia und Sandrine verabredet haben.

lima-11 Plaza Mayor

lima-25 Kloster Santa Rosa

lima-26 Strand in Miraflores

lima-21 2. Abschied von Katia und Sandrine...

Heute ist Souvenir-Kaufen angesagt. Nach einem Café sind wir bereit für die Verhandlungen (und die sind nötig, sonst zahlt man schon mal den dreifachen Preis!) und stürzen uns ins Gewühl. Mit unseren Schätzen geht’s zurück ins Hostel, wo wir unser Zeug packen und noch im „El Cesar“ essen gehen. Nochmal das Nationalgericht „Ceviche Mixto“ (roher Fisch mit Oktopus und Garnelen in Limetten-Soße, Zwiebeln und Süßkartoffeln). Lecker! Um 14:30 Uhr fährt am riesengroßen Busterminal von Cruz del Sur unser Bus nach Guayaquil ab. 27 h Busfahrt, wie sollen wir das nur überstehen? Aber es geht ganz gut, die Sitze sind schön breit, das Essen ist hervorragend und während der ganzen Fahrt zeigen sie 8 Videos. Und auf peruanischer Seite haben wir sogar die ganze Zeit richtig schnelles WLAN! Ziemlich cool, so können wir die Zeit sinnvoll nutzen und noch ein paar Mails verschicken. Am Grenzort Tumbes müssen wir dann mal wieder anstehen für Stempel im Pass, das gleiche nochmal auf ecuadorianischer Seite, dort dauert das Ganze aber dreimal so lang. Warum wird uns klar, als wir an der Reihe sind: Statt einem Stempel bekommt man hier einen Eintrag in den Pass gedruckt, und bis der Drucker anfängt zu drucken, dauert es halt mal gefühlte 3 min… Und lesen kann man den Eintrag erst nicht. Egal, Hauptsache, sie lassen uns rein ins Land! Bis nach Guayaquil sind es dann nochmal ein paar Stunden. Dort entscheiden wir uns relativ schnell für ein einfaches Hostel am zentralen „Parque del Centenario“. Ein paar Häuser weiter finden wir ein kleines Lokal mit ecuadorianischen Speisen in dem viele Einheimische sitzen. Für ein paar Dollar essen wir hier zu Abend, bevor wir uns nach der anstrengenden Nacht im Bus in unser schönes sauberes Bett kuscheln.

Sonntags ist ein guter Tag um gemütlich in einem Café zu frühstücken, denken wir uns. Aber das ist hier einfacher gesagt als getan, das im Reiseführer empfohlene Café macht nämlich erst um 12:00 Uhr auf?!?!!? Also laufen wir zuerst zur neu angelegten Promenade, wo wir einige nette Cafés vermuten… aber Pustekuchen! Im zugehörigen Park gibt es zwar eins, aber das macht auch erst um 12:00 Uhr auf!?! Sind die denn doof? Oder frühstückt in Ecuador keiner? Da wir noch ein schickes Schulschiff entdecken, welches kostenlos besichtigt werden kann, kriegen wir die Zeit bis mittags auch noch rum, und setzen uns dann ins auf gefühlte 5° C heruntergekühlte „Coffee&Sweet“. Nach einer Stunde wird es Liane zu kalt und sie geht wieder in den Park an der Promenade um ein bisschen zu lesen, während Florian im Internet unterwegs ist. An der Promenade ist mittlerweile ganz schön was los, aber fast nur Einheimische, ganz wenig Touristen. Da wir wissen, dass ein Kollege von Liane seit heute auch in Guayaquil ist und wir ihn und seine Freundin am nächsten Tag überraschen wollen, müssen wir ein bisschen vorsichtig sein, damit sie uns nicht zufällig entdecken…

lima-33 Promenade in Guayaquil

lima-34 Segelschulschiff

Hier das ganze Album:

Piranhas angeln am Amazonas

Heute ist unser Flug-Tag! Nach einer Zwischenlandung in Lima kommen wir um 19:30 Uhr in Iquitos an. Es hat gefühlte 34° C bei 85 % Luftfeuchtigkeit. Ächz! Die Stadt liegt im Amazonasgebiet, hat 400 000 Einwohner und ist nur per Boot oder Flugzeug erreichbar. Autos gibt es nur wenige, dafür aber ca. 30 000 Moto-Taxis (quasi ein Motorrad mit Kutsche), die einen Höllenlärm veranstalten. Da die Taxifahrer am Flughafen mal wieder unmöglich sind und wild durcheinander schreiend auf uns zustürmen, entscheiden wir uns für einen Fahrer der das Spektakel amüsiert aus der zweiten Reihe betrachtet. Die Fahrt in die Stadt dauert ungefähr 30 min und trotz Fahrtwind fühlen wir uns total dreckig und nassgeschwitzt als wir ankommen. Am Hostel „Charapas“ haben wir uns mit Katia und Sandrine von der „Wild Group“ vom Salkantay-Trek verabredet. Nun merken wir, dass unser Fahrer doch nicht ganz unproblematisch ist, er bleibt gleich an der Rezeption stehen und verhandelt mit dem Besitzer, da er noch Vermittlungs-Provision vom Hostel kassieren will. Obwohl wir ja gezielt hierhergefahren sind und er uns ja nix empfohlen hat! Da das Hostel aber direkt an der Hauptstraße liegt und uns eh zu laut ist, schauen wir uns schnell nach einem anderen um und wechseln ins „Hostel La Casa del Frances“, bevor wir uns zum Abendessen im Restaurant „Dawn on the Amazon Café“ treffen. Hier kann man an der Promenade schön raussitzen und das Essen ist auch ziemlich gut. Mit dabei ist auch noch Francois, ein Kanadier, denn die beiden Mädels auf der Suche nach einer nicht zu teuren 4-Tages-Dschungel-Tour getroffen haben. Sie erzählen uns, dass sie sich für den Anbieter „Ecological Jungle Trips“ entschieden haben. Hört sich gut an und zu fünft bekommen wir einen Super-Preis, daher schließen wir uns kurzerhand an. Da Halloween ist, laufen wir noch ein bisschen durch die Straßen, aber das einzige was hier gefeiert wird, ist wieder der „Senor de los Milagros“, der „Herr der Wunder“, mit kitschigen Altaren mit weiß-lila Luftballons am Straßenrand und nerviger Heiligen-Musik!

iquitos-01 Moto-Taxi

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Als erstes treffen wir uns im Office des Tour-Veranstalters um zu besprechen, was wir so alles mitbringen müssen um 4 Tage Dschungel zu überleben. Alex Weill, der Besitzer, redet ohne Punkt und Komma und zeigt uns zu viele Bilder seiner Touren. Irgendwann gelingt uns dann zum Glück die Flucht! Der Inhaber des Dawn on the Amazon-Cafés hat uns fürs Frühstück das „Amazon Bistro“ empfohlen, welches unter französischer Führung ist. Und tatsächlich würde das Bistro eher nach Paris passen, als nach Iquitos. Das Frühstück ist super! Endlich mal wieder richtiges Baguette. Mmmh! Und superguten Kaffee. Da es uns draußen eh viel zu heiß und drückend ist, verbringen wir fast den ganzen Tag im gemütlichen Café, in dem es praktischerweise auch noch ziemlich schnelles, kostenloses Internet gibt! Abends essen wir mit Katia und Sandrine in der „Antica Pizzeria“.

Um 5:45 Uhr werden wir von Alex am Hostel abgeholt und bringen unser großes Gepäck zu ihm nach Hause. In zwei Autos fahren wir 120 km nach Nauta, der zweitgrößten Stadt in diesem Gebiet. Sie ist sozusagen das „Tor zum Amazonas“. Hier fahren die ganzen Schiffe ab. Wir nehmen zusammen mit unserem Guide „Halcon“ ein mit Palmwedeln gedecktes Wasser-Taxi, welches uns in ca. 2 h Fahrt bis zur Delfin-Lodge am Yarapi-Fluss, einem Seitenarm des Amazonas bringt. Unterwegs sehen wir tatsächlich Delfine vorbeischwimmen, es sind die berühmten rosa Amazonasdelfine! Die sind ziemlich groß, aber leider springen sie fast nie. Wir müssen daher mit der Rückenflosse zufrieden sein. Die Lodge steht auf Pfählen, da das Gebiet in der Regenzeit überflutet ist. Sie besteht aus 5 Zimmern, die sehr einfach sind und nur zwei Betten mit Matratze und Moskitonetz beinhalten. Zuerst machen wir etwas Pause, suchen uns passende Gummistiefel aus und unterhalten uns mit den anderen beiden Gästen, eine Französin und ein total verstochener Engländer. Die beiden machen aber nur Tagestouren in den Dschungel, übernachten dort zwar, aber kommen zu den Mahlzeiten zurück zum Camp. So ein Blödsinn! Dann geht es auf zur ersten Dschungelwanderung. Begleitet werden wir von unserem Guide Halcon und Clever, mit 14 Jahren der älteste Sohn (von insgesamt 7 Kindern!) auf der Delfin-Lodge. Es ist sein Ferienjob, außerdem will er später mal Guide werden und kann so schon mal üben. Liane bleibt in der Lodge, da sie sich nicht gut fühlt, vermutlich zu viel Sonne und zu wenig getrunken. Auf der Dschungelwanderung sehen wir eine Tarantel, eine Olive Whipsnake, Bullet Ants (tropische Riesenameisen – ihr Stich gilt als der schmerzhafteste Insektenstich der Welt und fühlt sich wohl an als würde man bei lebendigem Leib verbrennen, die Schmerzen dauern 24 Stunden lang!) und einige Pygmy Marmoset, eine ziemlich kleine Affenart hoch oben in den Bäumen. Und die ersten Moskitos sind auch schon da. Halcon empfiehlt uns die Hand an einen Baum zu halten, bis genügend Termiten draufgekrabbelt sind und uns dann mit ihnen einzureiben. Wirkt wie Antibrumm. Riecht auf jeden Fall ganz erfrischend… Außerdem können wir ein bisschen Tarzan spielen und an einer Liane durch den Dschungel schwingen. Nach dem Mittagessen (Fisch, Reis, Kartoffeln, Salat) geht es mit dem Kanu in Richtung Amazonas, wir sehen nochmal die rosa Delfine und machen dann eine kleine Wanderung auf der anderen Seite des Flusses um Faultiere zu suchen. Tatsächlich entdeckt Clever nach kurzer Wanderung durchs hohe Gras eines weit oben im Baum. Wir laufen hin und entdecken ein zweites und dann ein drittes in anderen Bäumen. Clever klettert im Affenzahn auf einen der Bäume, der nach oben hin immer dünner wird um ein Faultier nach unten zu holen. Halcon beginnt damit aus Lianen ein Seil zu basteln um das Tier damit zum Boden zu lassen. Als Clever versucht nach ihm zu greifen, stürzt es ab und fällt einige Meter, bevor es sich mit einem Arm an einem Ast festhalten kann. Wir kriegen einen Riesenschreck, aber Halcon meint, dass Faultiere öfter mal abstürzen. Sie holen für die Touris wohl immer mal wieder welche aus den Bäumen. Aber wir wollen gar nicht so in die Natur eingreifen und lassen das arme Tier jetzt lieber in Ruhe und kucken zu, wie es wieder gaaaaaanz laaaaangsaaaam nach oben klettert. An einer kleinen „Sand-Insel“ machen wir Halt und können ins Wasser und mit den rosa Delfinen schwimmen. Tatsächlich schwimmen zwei ganz nah vorbei, als sie die Geräusche von uns hören. Katia und Florian geben sich noch eine Ganzkörper-Schlammpackung. Im Spa müsste man dafür viel Geld zahlen! Dann geht es zurück in die Lodge zum Abendessen. Danach setzen wir mit dem Kanu nochmal  auf die andere Seite des Flusses über und machen dort eine Nacht-Wanderung. Es ist abartig heiß, die lange Kleidung zum Moskitoschutz macht die Sache nicht besser. Nach kurzer Zeit sind wir total nassgeschwitzt. Und wir haben keine Aussicht in den nächsten 4 Tagen duschen zu können! Aber egal. Mit Taschenlampen bewaffnet stapfen wir hinter Halcon her, der den Weg mit einer Machete freimacht. Gleich nach ein paar Metern finden wir an einem Baumstamm eine handtellergroße Tarantel. Ein paar Bäume weiter sitzt ein schwarzer Skorpion, der gerade einen kleinen hellen Skorpion frisst. Halcon meint, der Schwarze ist der Böse. Wären wir jetzt echt nicht drauf gekommen! Als wir am Rande eines Tümpels entlanglaufen wird es ganz schön matschig. Länger stehenbleiben ist nicht, denn sonst versinkt man im Schlamm. Im Tümpel sieht man gar nicht weit weg im Schein der Taschenlampen die Augen von Kaimanen aufblitzen. Sie interessieren sich aber zum Glück nicht für uns. Auf dem Rückweg finden wir nochmal eine Olive Whipsnake. Sandrine springt bei jedem Ast und jedem Stück Laub das raschelt kreischend in die Luft. Was Florian ziemlich lustig findet. Zurück an der Lodge fallen wir aufgrund der ungewohnten Hitze todmüde ins Bett.

iquitos-03 Wasser-Taxi

iquitos-05 Pygmy Marmoset

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iquitos-12 Survival-Essen

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iquitos-18 Wo ist das Faultier?

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iquitos-25 Kannibalen-Skorpion

iquitos-27 Tarantel

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Wir werden um 6 Uhr früh geweckt und fahren gleich vor dem Frühstück mit dem Boot los um mal zu kucken, was für Tiere schon so wach sind. Einmal steigen wir aus um uns ein paar Affen genauer anzukucken, aber leider sitzen sie in den Baumwipfeln. Dann machen wir noch Halt im Dorf „Liberdad“, da wir einfach mal sehen wollen, wie die Leute hier im Amazonasgebiet so leben. Der Onkel von Halcon wohnt auch dort und wir können ihn in seinem Haus besuchen. Es besteht aus einem abgetrennten Schlafzimmer, einem Wohnzimmer, in dem aber nur eine Bank steht und der offenen Küche. Das Dorf ist um einen Fußballplatz herum gebaut, am Rand stehen Holz-Tribünen, Halcon erzählt uns, dass immer sonntags Mannschaften aus den umliegenden Dörfern kommen und dann gewettet wird und die Sieger dann das Geld mitnehmen dürfen. Ansonsten bauen die Menschen alles an, was sie so zum Leben brauchen: Mais, Yuca, Kartoffeln und anderes Gemüse. Ein Mann stampft gerade in einem großen Mörser Reis um die Körner von ihren Schalen zu befreien. Überall rennen magere Hühnchen rum. Außerdem besuchen wir noch kurz die Dorfschule, in der 24 Kinder in zwei Klassen unterrichtet werden. Katia hat Stifte für die Kinder mitgebracht über die sie sich riesig freuen. Dann fahren wir zurück zur Lodge um zu frühstücken, es gibt leckere Pancakes mit Marmelade und Kaffee. Nun beginnt das eigentliche Dschungel-Abenteuer, denn wir werden jetzt drei Tage und zwei Nächte dort verbringen. Halcon meint, theoretisch braucht man nur eine Machete, um im Dschungel überleben zu können. Das wollen wir dann aber doch nicht ausprobieren. Nach dem Frühstück beladen Halcon und Clever daher das Boot und auch wir packen unsere 7 Sachen zusammen. Dann fahren wir den Rio Yarapi entlang tiefer in den Dschungel hinein. Je weiter wir fahren, desto mehr Baumstämme liegen im Wasser und desto mehr Seerosen und andere Wassergewächse wuchern an der Oberfläche. Halcon sitzt vorne auf dem Kanu und gibt Rechts-/Links-Anweisungen und Clever ist der Steuermann. Über die Baumstämme kommen wir mit genug Schwung meistens drüber, wobei es jedes Mal ein Balanceakt ist. Ab und zu bleiben wir in leichter Schräglage an einem Stamm hängen, einmal müssen Halcon und Clever baden gehen, bzw. sogar tauchen um das Boot wieder flott zu bekommen. Schließlich halten wir an und laden unsere Ausrüstung aus. Da wir nicht direkt am Fluss sondern tiefer im Dschungel übernachten wollen, laufen wir ca. 1 h durch den dichten Wald, bis wir eine geeignete Stelle finden an der wir unser Lager aufschlagen. Das heißt konkret: Zwei Bäume finden, die nicht zu nah und nicht zu weit auseinander stehen und die Hängematte dazwischen aufhängen. Um die Hängematte herum ist eine Art Stoffzelt, das gleichzeitig auch als Moskitoschutz fungiert. Bisher sind die Viecher zwar einigermaßen zurückhaltend, aber man weiß ja nie! Nachdem wir alles aufgebaut haben, laufen wir zurück zum Fluss, wo Clever (!) schon das Mittagessen gekocht hat. Es gibt Spaghetti mit Tomatensoße. Hat er echt super hinbekommen! Sobald man sich nicht bewegt sind doch gleich etliche Moskitos da. Wir sind gerade fertig mit dem Essen und fangen an zu angeln, als es zu regnen beginnt. Innerhalb kürzester Zeit sind wir klatschnass, trotz dem grünen Poncho den wir uns extra noch gekauft haben. Aber die Qualität ist so schlecht, dass nach 1 Minute die Nähte an den Ärmeln halb offen sind und überhaupt läuft überall das Wasser rein. Ohne Poncho wären wir auch nicht nasser geworden! Egal. Die Angeln hat Halcon zuvor aus Ästen, Nylonschnur und Haken hergestellt. Wir verwenden zunächst Brot als Köder, bis ein kleiner Catfish anbeißt. Halcon schneidet ihn in Stücke und wir benutzen sie als Köder, damit größere Fische und auch Piranhas anbeißen. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis bei Katia ein kleiner Piranha anbeisst. Als sie die Angel hochreißt und der Fisch an der Schnur durch die Luft fliegt, fällt sie vor Schreck hin, landet aber zum Glück gerade noch im Boot. Der nächste Fisch, der bei Liane anbeißt, wehrt sich so arg, dass die Angel abbricht! Da Sandrine, als überzeugte Vegetarierin nicht mitmacht, haben wir zum Glück noch eine Rute übrig. Wir versuchen unser Glück also in strömendem Regen noch ein bisschen weiter. Liane erwischt schließlich auch einen Piranha, der sich allerdings von der Leine befreien kann und ins Boot fällt. Wir wollen gleich mal ein „Hab ich gefangen“-Foto machen, aber der Fisch ist vom Dreck im Boot ganz braun und nicht als Piranha zu erkennen. Deshalb will Liane ihn waschen, als er sich nicht mehr bewegt. Leider ist es ein schlauer Fisch, der sich nur tot stellt und sich, als er mit dem Wasser in Berührung kommt, glitschig zappelnd befreien kann. Kommentar Florian: „Bleeed halt!“ Florian fängt auch noch einen Piranha und Liane ganz zum Schluss einen kleinen Oscar-Fisch. Bevor wir zurückfahren und die Sachen zusammenpacken, die wir vorher zum Schutz vor dem Regen nur schnell unter eine Plastikplane geschmissen hatten. Allerdings wird es schon dunkel und wir müssen ja noch zum Lager laufen. Deshalb beschließen wir nur das nötigste mitzunehmen und machen uns gleich auf den Weg. Halcon hat den Pfad gekennzeichnet, indem er mit der Machete alle paar Meter die Rinde der Bäume eingeritzt hat. Zum Abendessen gibt es Kaffee und Tee und trockenes Brot, alles andere ist am Fluss geblieben. Sobald die Dunkelheit einbricht schwirren doch viele Moskitos herum – warum fliegen die eigentlich immer zu den Ohren?! Deshalb liegen wir um 20:00 Uhr schon in unseren Hängematten und lauschen den Geräuschen des Dschungels. Es ist ganz schön laut! Überall quaken Frösche, brüllen Affen und krächzen Papageien.

iquitos-32 Liberdad

iquitos-33 Dorfkirche

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iquitos-39 Schulweg

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iquitos-47 Achtung Kopf!

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iquitos-54 Aufbau Dschungel-Camp

iquitos-56 Fertig!

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Da es morgens früh hell ist und der Zeltstoff durchscheinend ist, sind wir früh wach. Wir brechen unsere Zelte ab und laufen zurück zum Fluss, wo Clever, der vorausgelaufen ist, schon das Kaffeewasser überm Feuer heißgemacht hat. Zum Frühstück gibt es Tortillas, mit Mehl , Wasser, Eiern, Kraut und Tomaten. Das Ganze in viel Öl gebacken. Während wir alles zusammenpacken und auf dem Boot verladen, erzählt uns Francois eine unglaubliche Geschichte, die er in Kolumbien in einem Hostel erlebt hat: Er ist nachts aufgewacht, als er ein Kitzeln in der Nase gespürt hat. Das Tierchen wollte aber freiwillig nicht wieder rauskommen, daher hat er so lange an der Nase rumgedrückt, bis es dann wohl tot war. Leider kam es auch durch Schnäuzen nicht raus und so blieb es drin und fing am nächsten Tag dann noch an zu stinken! Bevor er am Tag darauf ins Krankenhaus fahren konnte um es entfernen zu lassen, kam es dann doch beim Naseputzen raus und entpuppte sich als ca. 3 cm große Kakerlake. Waaaah, wie eklig! Uns schüttelt es schon beim Gedanken daran!!! Dann fahren wir mit dem Boot nochmal weiter den Rio Yarapi hoch, bei einem weiteren unfreiwilligen Stopp auf einem Baumstamm geht Halcons Rucksack über Board und wir müssen ein Stückchen zurückrudern. Zum Glück ist so viel Luft im Rucksack, daß er nicht untergeht! Nach 20 min Fahrt machen wir eine Dschungelwanderung zu der wir lustigerweise auch die Angeln mitnehmen. Sandrine hat derweil beschlossen, dass der Dschungel nicht so ihr Ding ist und Clever bringt sie daher mit dem Boot zurück zur Lodge, von wo sie zusammen mit dem Engländer am gleichen Tag zurück nach Iquitos fährt. Der Rest der Gruppe läuft mit Halcon quer durch den Dschungel, auf der Suche nach Tieren. Plötzlich hören wir ein komisches Geräusch. Hunde!!! Im Dschungel??? Nein, erklärt uns Halcon, das ist der „Horned Screamer“, ein ziemlich großer, schwarz-weißer Vogel. Wir sehen dann auch gleich drei Exemplare auf einem Baum in der Nähe. Etwas weiter kommen wir zu einem kleinen Fluss mitten im Dschungel. Aha, dafür dann auch die Angeln. Der Oskarfisch muss als Köder herhalten, aber so richtig anbeißen will nichts. Das Wasser ist auch nicht sehr tief. Aber immerhin fangen wir drei kleine Wolffische! Plötzlich fängt es ohne große Vorwarnung an zu schütten wie aus Kübeln. Wir sind sofort klatschnass, die Bäume halten den Regen nicht wirklich ab. Wir laufen noch ein Stückchen weiter in den Dschungel hinein, Halcon erklärt uns verschiedene Heilpflanzen. Zum Beispiel gibt es hier einen Baum namens „Umos“, dessen Rinde wird mit der Machete etwas abgeschabt, riecht sehr frisch und holzig, und ist das beste Mittel bei juckenden Stichen. Es hört auch bald auf zu regnen, dafür dampft nun alles und es wird sehr, sehr heiß! Die Moskitos freuen sich auch, dass der Regen aufgehört hat und frisches Blut durch den Dschungel läuft. Nix wie weg! Auf dem Rückweg läuft Florian gegen eine auf Halshöhe quer über den Weg hängende Liane. Nur Minuten später leuchtet an seinem Hals ein knallrotes Würgemal. Eigentlich sollte er doch wissen, dass man sich mit einer Liane besser nicht anlegt! ;-) Zurück am Rio Yarapi „trampen“ wir mit einem anderen Boot zurück zum Lager. Hier ist Clever schon fast fertig mit dem Mittagessen kochen. Wir fangen gleich an unsere Hängematten und Zelte aufzubauen mit einer Plane als Regenschutz obendrüber. Das ist auch dringend nötig, denn schon bevor wir essen können fängt es wieder an zu regnen. Wir verkriechen uns daher unter die Plane eines Schlafplatzes, damit das leckere Essen nicht so verwässert! Da es einfach nicht aufhören will zu regnen, beschließen wir eine Mittagspause zu machen. Jeder verzieht sich in seine Hängematte und schläft eine Runde bis es aufhört. In der Zwischenzeit bauen Halcon und Clever aus einer Plane einen richtigen Unterstand, damit auch das Feuer vor dem Regen geschützt ist. Nach dem Kaffee wird es auch schon dunkel und wir starten mit dem Boot zu einer Nachtfahrt um die am und im Fluss lebenden Tiere zu hören und zu sehen. Leider hören wir nur und sehen nix. Gar nix! Immerhin zeigt uns Halcon noch, wie die Indianer mit Hilfe eines Speers die in Ufernähe schlafenden Fische fangen. Besser gesagt aufspießen. Francois will das auch unbedingt probieren, aber ohne Erfolg. Dann haben wir genug und wir fahren zurück zum Camp, wo eine leckere Suppe auf uns wartet. Diese schlingen wir aber hinunter, weil sich bei den Moskitos wohl herumgesprochen hat, dass es frisches Blut im Dschungel gibt. Allerdings erzählt uns Halcon, dass man hier in der Regenzeit, wenn alles überflutet ist, vor lauter Moskitos seinen Arm nicht mehr sehen könnte, so würden die über einen herfallen. Na, zum Glück sind wir in der Trockenzeit da! So schnell wie möglich verschwinden wir jeder in seinem Zelt. Im Dschungel zu sein ist aber auch anstrengend! Hitze und Feuchtigkeit und dann auch noch Wandern…

iquitos-72 Tortillas zum Frühstück

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iquitos-80 klares, reines Wasser aus dem Ast

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Nach dem frühen Frühstück bauen wir die Zelte ab, verstauen alles im Boot und machen uns auf den Weg zurück in Richtung Lodge. Durch die Regenfälle am Vortag und in der Nacht ist der Fluss ziemlich angestiegen und man kann die Baumstämme noch schlechter sehen als vorher. Ein paarmal klappt es durch ordentlich Gas geben wieder freizukommen, aber dann hängen wir richtig fest. Und zwar so schräg, dass Wasser ins Boot läuft! Halcon und Clever „steigen aus“, d. h. sie stehen rechts und links auf die Baumstämme auf denen wir festsitzen und versuchen das Boot davon herunter zu heben. Ohne Erfolg. Zuerst müssen drei Leute ganz nach vorne sitzen. Bringt nix. Dann muss Liane aussteigen und auf den Baumstamm mitten im Wasser stehen. Immerhin ist der relativ breit und stabil. Immer noch zu schwer, also muss Katia auch raus auf den Stamm. Aber erst als Francois noch mithilft das Boot anzuheben, kommen wir los und können weiterfahren. War aber ganz schön knapp. Viel hätte nicht gefehlt und wir wären – mal wieder – gekentert! Je weiter wir zur Lodge kommen, desto breiter wird der Fluss und desto weniger Baumstämme liegen im Wasser. Unterwegs sehen wir noch zwei Aras ganz versteckt hoch oben im Baum sitzen und einen Leguan, der gerade einen Baum hochklettert. In der Lodge ruhen wir uns ein bisschen aus, essen dann zu Mittag und machen uns dann mit dem Wasser-Taxi auf den Weg zurück nach Nauta. Dort werden wir mit dem Auto abgeholt und fahren wieder die ganze lange Strecke zurück nach Iquitos, wo wir um 18:00 Uhr ankommen. Wir haben uns schon vor der Dschungeltour ein anderes Hostel gesucht, das „Yacuruna Inn“. Als allererstes stehen wir unter die herrlich kalte Dusche. So nötig hatten wir die noch nie zuvor! Auf 19:00 Uhr verabreden wir uns mit den beiden Mädels zum Abendessen im „Amazon Bistro“, wo wir uns nach den anstrengenden 4 Tagen ein frisch gebackenes, innen noch flüssiges, unglaublich leckeres Schokotörtchen gönnen! Mmmmjam!

iquitos-87 Lianen-Würgemal

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iquitos-90 Sowas von festgefahren!

iquitos-95 Dschungel-Überlebende

iquitos-99 Schokotörtchen!!! *schmelz*

Heute ist definitiv eines angesagt: Ausschlafen! Nachdem wir feststellen, dass das Frühstück im Hostel absolut ungenießbar ist, essen wir eine Kleinigkeit in einem Café und machen uns dann auf zum Markt im Stadtteil Belen. Der Markt zieht sich über mehrere Straßen und Gebäude und es gibt wohl nichts was es nicht gibt. Eine Sektion mit Früchten, eine mit fangfrischen Fischen, die zum Teil noch zappeln, eine mit kitschigem Krimskrams, und eine mit Kräutern, Tinkturen und alles was ein Schamane so braucht. Hier werden auch einige illegale Souvenirs angeboten, wie z.B. die Haut einer Schlange oder die Füße eines Kaimans als Trophäe zum Aufstellen. Es ist ein ziemliches Gewühle und man tut gut daran, alles Wertvolle im Hostel zu lassen. Auf dem Heimweg werden wir von einem Europäer mit auffallend blauen Augen angesprochen, ob wir Hilfe benötigen oder wir ihm helfen können. Uns ist gleich klar, wen wir hier vor uns haben, da in einer Tourizeitung und in verschiedenen Hostels vor diesem Typen gewarnt wurde. Er ist wohl Amerikaner und schon seit Jahren in Iquitos. Er spricht anscheinend immer wieder Touris an, und bittet um Geld für eine dringende Arztbehandlung. Wir sagen ihm ganz klar, dass wir wissen wer er ist und wir vor ihm gewarnt wurden und er mit seinen Lügen bei uns nicht weiterkommt. Er ist ziemlich verdutzt und verzieht sich auch gleich, beobachtet uns aber noch eine Weile. Unglaublich! Wir setzen uns den Rest des Tages bei gutem Kaffee und leckerer selbstgemachter Limonade ins „Amazon Bistro“ und schreiben Mails und machen einen neuen Blogeintrag. Abends kommen Sandrine und Katia dazu und wir essen mit ihnen zu Abend. Da wir noch nicht müde sind, gehen wir zusammen in eines der vielen Kasinos. Die beiden Mädels haben auch gleich Glück und hören noch rechtzeitig mit Gewinn auf. Uns wird dagegen in einem kurzen unbeobachteten Augenblick der Becher mit den Spielchips von der neben uns sitzenden älteren Frau geklaut! Wir sprechen sie an, ob das nicht unser Becher ist. Sie streitet es ab, aber sie reagiert ziemlich nervös, daher holen wir jemanden vom Personal und erklären die Situation. Sie ist wohl Stammgast und macht so etwas öfters. Wir bekommen die Chips vom Casino ersetzt. Wir haben nun auf jeden Fall keine Lust mehr und gehen zurück zum Hostel.

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iquitos-104 Harnischwelse

iquitos-105 Proteine am Spieß!

Heute fahren wir mit dem Moto-Taxi ca. eine halbe Stunde in Richtung Nauta, hier ist das IIAP, ein Zentrum in dem verwaiste Manatis aufgezogen und für ein Leben in Freiheit vorbereitet werden. Am Eingang haben wir zunächst das Problem, dass der Angestellte uns partout nicht reinlassen will, ohne dass wir ihm unsere Ausweise gezeigt haben. Wofür das nötig sein soll verstehen wir überhaupt nicht, da es sich ja eigentlich nur um eine Art Zoo handelt. Aber gut. Nach einiger Diskussion in Hand-Fuß-Spanisch – zurück in die Stadt fahren und die Ausweise holen kann ja wohl nicht sein Ernst sein – geben wir ihm zwei Kreditkarten und dürfen passieren. Das soll mal jemand verstehen!? Zum Glück treffen wir dann gleich auf einen Angestellten, der gerade haufenweise Grünpflanzen in einen kleinen See schüttet. Er heißt Leonardo, kann super Englisch und bietet uns eine Führung an. Klasse! In einem kleinen Becken schwimmt ein ganz junger Manati, dieser ist gerade erst „eingeliefert“ worden und befindet sich in Quarantäne. Aber ein Becken weiter schwimmen zwei etwas größere Manatis, Nauta, 1 Jahr und 10 Monate und Yuri, 1 Jahr und 6 Monate um die 60 Kilogramm schwer. Sie werden mit der Flasche aufgezogen, die Milch wird in den USA im Dallas World Aquarium hergestellt und die Menge, die die kleinen Manatis alle zwei Tage wegschlabbern kostet 80 $! Wir dürfen ihnen eine Flasche geben, und es ist echt faszinierend wie diese Tiere mit ihren Lippen, die wie Finger sind, die Flasche umfassen. Außerdem bekommen sie noch Bananen gefüttert. Leonardo erzählt uns noch ein bisschen über die Tiere und warum sie so wichtig für die Natur im Amazonasgebiet sind. Die Tiere fressen nämlich jeden Tag ungefähr 5-10 % ihres Körpergewichts (bis zu 500 kg) an Wasserpflanzen. Wenn sie dies nicht tun würden, würden die Seen und Flüsse zuwuchern, es würde keine Sonne mehr ins Wasser kommen und die Fische würden sterben. Leider bekommen die Tiere nur alle 4-5 Jahre ein Junges, was natürlich nicht gerade zur massenhaften Vermehrung beiträgt. Sie haben noch 4 ausgewachsene Tiere im See außerhalb, diese gewöhnen sich gerade daran, dass sie sich ihr Futter selbst suchen müssen und keinen Kontakt mehr mit Menschen haben. Vor einigen Wochen wurden erfolgreich 5 Tiere in die Freiheit entlassen. Diese werden nun über ein Jahr mit Hilfe von Sensoren überwacht. Echt interessant und eine tolle Einrichtung, die privat und über Spenden finanziert wird. Wir machen uns auf zurück in die Stadt und holen bei Alex im Büro einen Beutel mit Sachen ab, die Katia in der Dschungel-Lodge vergessen hatte. Dabei treffen wir noch Tobi, der morgen die Dschungel-Tour startet und dabei unbedingt zur Bewusstseinserweiterung die Dschungel-Droge „Ayahuasca“ probieren will. Das ist ein aus einer Liane hergestelltes Halluzinogen. Danach wollen wir im Restaurant „Al Frío y Al Fuego“ etwas außerhalb der Stadt zu Abend essen. Leider ist montags zu. Aber unser Moto-Taxi-Fahrer empfiehlt uns ein anderes, original peruanisches Restaurant und fährt uns direkt hin. Hier gibt es verschiedenste Spieße (Hühnchen, Fisch, Gemüse) die mit einer leckeren Limetten-Marinade gegrillt werden, dazu gibt es Yuca und Salat. Außer uns sind nur Einheimische da und das Restaurant ist sehr gut besucht, das ist immer ein gutes Zeichen!

iquitos-109 abgetauchter Manati

iquitos-110 neugieriger Manati

iquitos-111 Manati-Fütterung

iquitos-113 "Greif-Lippen"

Bei unserem Moto-Taxi-Fahrer hatten wir gestern noch nach einem Guide für Belen gefragt, da wir gerne mal gesehen hätten, wie die Leute dort leben, es aber nicht gerade ungefährlich ist alleine hinzugehen. Daher treffen wir uns um 9:00 Uhr mit unserem Guide Andre, der zunächst allerdings einen viel zu hohen Preis nennt. Nachdem er mehr als 50 % runtergegangen ist, sind wir einverstanden. Zunächst laufen wir mit ihm nochmal über den Markt, er erklärt uns alle möglichen Dinge, vor allem in einer Straße in der es die Kräuter und Flüssigkeiten für diverse Krankheiten und schamanische Rituale gibt. Teilweise ist das Zeug nicht ohne und bewirkt Halluzinationen, daher sollte man es nur mit dem „Schamanen seines Vertrauens“ einnehmen. Wir verzichten dankend. Vermutlich hat der komische Ami mit den blauen Augen zu viel von dem Zeug intus! Wir laufen immer tiefer in das Marktgewühl hinein, bis wir an einer Art Plaza stehen. Hier sieht man an den Häuserwänden den Pegelstand vom Hochwasser der letzten Regenzeit, d.h. in dieser Zeit können die Bewohner aus dem zweiten Stock direkt ins Boot einsteigen! Die unteren Stockwerke werden dann immer vor der Regenzeit komplett geräumt. Der Markt erstreckt sich bis zum Wasser, die Waren sind hier etwas günstiger als oben auf dem Markt, weil sie nicht erst weiter zum Markt transportiert werden müssen. Wir trinken einen frischen, ungesüßten „Purple-Corn-Saft“, sehr erfrischend! Dann fahren wir mit einem Kanu auf die andere Seite des Flusses und machen dort einen Spaziergang zu den schwimmenden Häusern, die im Moment aber alle auf dem Boden stehen, da ja kein Hochwasser ist. An vielen Häusern wird ein bisschen gebaut und ausgebessert um für das nächste Hochwasser bereit zu sein. In manchen Häusern gibt es kleine Shops. Die Schule steht auf hohen Betonstelzen. Das Wasser steigt bei Hochwasser bis zu 6 m hoch. In den zwei Monaten in denen das Gebiet überschwemmt ist, ist dann auch kein Unterricht, weil es zu gefährlich wäre, jeden Tag hierherzukommen. Wir laufen noch ein Stück am Wasser entlang, ins nächste Dorf. Auf dem Rückweg nehmen wir wieder ein Kanu auf die andere Seite, essen dort noch eine frische Wassermelone mit ganz vielen Kernen, eigentlich sind es eher Kerne mit ein bisschen Wassermelone. Am Ufer liegt ein schwimmendes Haus, welches wir besichtigen dürfen. Die Küche ist außerhalb des Hauses und besteht nur aus einem Tisch und einer Kochstelle. Auch das „Klo“ ist außerhalb, es ist eigentlich nur ein 1 m² großer Holzverschlag mit einem Loch. Die Fäkalien landen direkt im Fluss. Im gleichen Fluss wird aber auch die Wäsche gewaschen und gebadet. Na lecker! Aber unser Guide meint, dass wär alles halb so schlimm, schließlich gibt es Fische, die wirklich alles essen. Na dann. Und die Fische werden dann gefangen und… Okay, nicht drüber nachdenken! Dann laufen wir noch auf dieser Seite durchs Dorf, besuchen ein paar Verwandte von unserem Guide, bevor wir uns durch den Markt hindurch auf den Rückweg machen. Es war auf jeden Fall sehr interessant zu sehen, wie die Leute hier wohnen! Da wir noch keinen Hunger haben setzen wir uns nochmal auf einen Kaffee ins „Amazon Bistro“. Gegen 16:30 Uhr wollen wir dann nochmal einen Versuch starten, ins „Al Frío y Al Fuego“ zu gehen. Es bleibt leider beim Versuch, da von 16:00 -19:00 Uhr geschlossen ist. Mist! Und wir hatten beim ersten Mal extra gefragt, ob durchgehend auf ist! Wir landen schließlich im „Karma Café“, wo wir noch eine Kleinigkeit essen, bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machen und zurück nach Lima fliegen. In Lima kommen wir um 21:30 Uhr an.

iquitos-122 Belen Market

iquitos-115 Honig-Produktion

iquitos-118 Krokodil-Fuß-Angriff

iquitos-120 Darf's noch ein Baby sein?

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iquitos-128 Schwimmende Häuser (ohne Überflutung)

iquitos-133 Toilette am Fluss

Hier das ganze Album:

Kondore beobachten im Colca Canyon

Am frühen Morgen kommen wir in Arequipa an. Mit dem Taxi fahren wir bis zu dem Hotel, das uns Maaike und Jeroen empfohlen haben, dem „Hostal Santa Catalina“. Wir haben ziemlich Hunger, daher beschließen wir, zuerst frühstücken zu gehen und uns danach ein bisschen hinzulegen. Leider haben nur zwei Cafés an der Plaza de Armas auf, wir entscheiden uns für das „Turututu“. Lustiger Name! Hier können wir auf dem Balkon in der Sonne sitzen. Leider ist das das einzig Gute an dem Café! Der Kaffee ist so bitter, dass man ihn nicht trinken kann. Mit den Brötchen könnte man jemanden erschlagen. Und das Omelette ist halb roh! Dazu kommt noch eine schlechte Bedienung und lange Wartezeit, obwohl wir quasi die einzigen Gäste sind. Als wir dann auch noch das „Highly recommended at TripAdvisor“-Schild sehen, reicht es uns. Wir beschweren uns zum ersten Mal richtig über das Essen. Mit dem Hinweis, dass wir einen netten Eintrag im TripAdvisor hinterlassen werden, verabschieden wir uns. Zurück im Hostel holen wir ein bisschen Schlaf nach, bevor wir uns aufmachen, eine Tour in den Colca Canyon zu buchen. Dieser Canyon ist besonders bekannt für die Kondore, die man dort beobachten kann. Wir entscheiden uns für die etwas teurere Tour mit „Land Adventures“, da uns die anderen etwas arg billig vorkommen. Außerdem fahren die meisten Anbieter nachts um 3:30 Uhr in Arequipa los. Darauf haben wir ja mal gar keine Lust! Bei Land Adventures werden wir erst um 7:00 Uhr abgeholt, die Tour an sich führt aber zu den gleichen Orten. Zum Mittagessen probiert Liane „Ceviche“, ein Nationalgericht in Peru. Roher Fisch und Meerestiere in Limetten-Vinaigrette mit Süßkartoffeln und Zwiebeln. Sehr lecker! Für den Nachmittag haben wir uns vorgenommen das 1579 gegründete Kloster „Santa Catalina“ zu besichtigen. Eine Führung auf Deutsch mit Milena hat kurz zuvor begonnen, wir können uns noch anschließen. Das Kloster ist wirklich riesig und sehr gepflegt. Es leben allerdings nur noch 20 Nonnen hier. Früher war es Tradition, dass die reichen spanischen Familien ihre zweite Tochter ins Kloster geschickt haben. Allerdings mussten diese eine hohe Mitgift bezahlen um ins Kloster einzutreten. Dafür hatten sie hier dann auch ein sehr luxuriöses Leben mit Dienerinnen. Die anderen Deutschen, die die Führung mitmachen, sind mal wieder komische Gestalten, für deren schlechte Witze gegenüber Milena wir uns echt schämen. Den Knaller des Tages bringt ein etwas älterer Herr, als er Liane anraunzt, dass dies eine private Führung ist und wir sollen uns hier nicht so frech dazumogeln und dann auch noch vordrängeln. Dass wir genauso bezahlen wie er, will er dann aber gar nicht hören. Im Kloster-Café trinken wir noch einen Cappuccino, bevor wir uns auf den Rückweg ins Hostel machen. Zum Abendessen gibt es richtig leckere (dafür aber auch ganz schön teure) Pizza. Dann gehen wir früh ins Bett um fit zu sein für die Colca-Tour.

colca-01 Kloster Santa Catalina

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colca-06 Waschplatz im Kloster

Um 7:00 Uhr werden wir von unserem Guide „Pepe“, eigentlich Jose Luiz, abgeholt. Er meint, sein richtiger Name klingt so schwul, deshalb ist ihm Pepe lieber. Wir fahren in einem Minibus, unser Fahrer heißt Juan Carlos. Wir haben echt Glück und sind insgesamt nur 4 Leute + Guide! Die anderen zwei sind Stephanie aus der Schweiz und Michael aus den USA. Nach 3 Stunden machen wir einen Stopp auf 4900 m um einen Coca-Mint-Tee zu trinken. Unser Fahrer kauft eine Zeitung und Pepe erzählt uns, was so drin steht. Das große Titelthema ist, dass zwei Tage zuvor die Leiche eines jungen Mannes aus Lima im Canyon gefunden wurde, der dort mit seiner Freundin vor einem halben Jahr wandern war. Seine Freundin wurde direkt nach ihrem Verschwinden lebend gefunden. Da es einige Ungereimtheiten gibt wird sie nun verdächtigt, ihn umgebracht zu haben. Drama! Zwischendurch machen wir noch ein paar Stopps um Vicuñas, Lamas und Alpakas zu fotografieren. In Chivay holen wir einen Snack ab, quasi als Ersatzfrühstück. Florian hat allerdings Magen-Darm-Probleme und verzichtet daher. In Cabanaconde auf 3287 m Höhe gibt es Mittagessen im Hostel „Posada del Conde“, eine Spargelsuppe, dann Lomo saltado mit Reis und Pommes. Von hier aus fahren wir nochmal 5 min mit dem Bus und dann beginnt der Abstieg in den Canyon, der angeblich der tiefste der Welt sein soll – 4160 m an der tiefsten Stelle. Zuerst erzählt uns Pepe noch ein bisschen was über die Gegend und die Leute, die im Canyon leben. Außerdem berichtet er uns interessante Sachen über die Pflanzen die hier wachsen, unter anderem einen Kaktus, der „San Pedro“ heißt. Der Name kommt daher, dass die Pflanze als Droge verwendet werden kann und man auf dem Trip bei Petrus an die Himmelspforte klopft… Er gibt uns den guten Rat, das Zeug nur unter Aufsicht zu probieren, da doch ziemlich seltsame Reaktionen dabei rauskommen können. Alles klar, Pepe! ;-) Im Zick-Zack geht’s nun runter in den Canyon, die Wege sind ziemlich steinig und es macht nicht wirklich Spaß hier zu laufen, da man ständig am Rutschen ist. Zwischendurch ruft plötzlich jemand hinter uns „Kondor!“, alle schauen in den Himmel. Tatsächlich fliegt oben am Canyon-Rand einer dieser riesigen, beeindruckenden Vögel. Leider sehen wir ihn nur kurz, dann lässt er sich am Fels nieder. Wir kommen schließlich auf 2200 m unten an einer Hängebrücke an, die über den Rio Colca nach San Juan de Chucho führt. Hier ist für Florian erst mal Schluss. Kreidebleich im Gesicht, mit Magenkrämpfen meint er zwar, es geht schon. Aber erst nachdem er seinen Mageninhalt den Büschen als Dünger hinterlassen hat, kriegt er wieder etwas Farbe ins Gesicht. Die letzten Meter zu unserer Unterkunft kriegen wir dann noch hin und Florian bekommt von Pepe einen speziellen Tee kredenzt (ohne San Pedro, hoffen wir!), bevor er sich gleich ins Bett legt. Hier gibt es keinen Strom, die kleinen Bungalows werden von Kerzen erhellt. Zum Abendessen gibt es superleckere, frische Avocado gefüllt mit Tomaten und Reis. Mmmh! Da es im Canyon ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem gibt, bauen die Leute hier alles was sie an Essen brauchen selbst an. Außerdem gibt es sehr viele Heilpflanzen und die Bewohner des Canyons haben ein großes Wissen, wofür sie anwendbar sind. Daher sind diese Leute für Pepe die „wahren Schamanen“. Es gibt keine Straßen für Autos, alles was benötigt wird muss mit dem Esel über den Weg den wir gekommen sind, von Cabanaconde hierher transportiert werden. Das ist ein halber Tag Fußmarsch. Uff!

colca-10 Vicuña

colca-11 Dalmatiner-Lama

colca-12 zotteliges Alpaka - die teuerste Variante

colca-15 Blick auf die Dörfer im Colca Canyon

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colca-17 der Colca Canyon - der tiefste der Welt?

Zum Frühstück gibt es leckere Pfannkuchen mit Bananen gefüllt. Mjam! Florian geht es auch besser und so laufen wir los. Zuerst geht es ein Stück fast flach, dann 20 min Zick-Zack bergauf. Oben hat eine junge Frau einen kleinen Verkaufsstand aufgebaut. Sie hat auch die Frucht des Kaktus „Sancallo“, über die Pepe uns erzählt hat. Die wird natürlich gleich probiert. Ziemlich lecker, allerdings zu viele Kerne! Das auf 2900 m Höhe liegende Dorf heißt Cosñirwa, hier leben fast nur alte und ganz junge Leute, die anderen sind wegen Studium oder Arbeit in die größeren Städte gegangen. Das Dorf ist seit einiger Zeit auch an den Strom angeschlossen, aber durch irgendein Problem in den Leitungen kann er schon länger nicht mehr genutzt werden. Wir besuchen die Dorf-Schule. Hier werden alle Klassen zusammen unterrichtet von einem Lehrer. Die Schüler sind zwischen 6 und 13 Jahre alt. Wir bringen ihnen ein Softgetränk und Kekse mit und erzählen anhand einer Landkarte, wo wir herkommen, wie lange die Reise bis nach Cosñirwa gedauert hat und wo wir noch überall in Peru hingehen. Die Schüler sind ziemlich neugierig und fragen auch, wie alt wir sind und was wir arbeiten. Dann bekommen sie von uns noch ein bisschen Englisch-Unterricht: Tiere, Zahlen, einfache Sätze. Im Kindergarten kucken wir auch noch kurz vorbei, bevor wir uns auf den Weg ins Nachbardorf Tapay machen. Hier gibt es eine einfache Kirche mit einer Plaza davor, auf der jedes Jahr einmal ein großes Fest stattfindet, bei dem für die Besucher alles umsonst ist. Es wird jedes Jahr von verschiedenen Familien gesponsert und das ganze Jahr über kräftig gespart, da das für die Vermögensverhältnisse hier sehr, sehr teuer ist! Ein Stückchen weiter befindet sich ein kleines Museum in dem verschiedene Tiere, Gegenstände zum Jagen und Kochen und einige Trachten gezeigt werden. Eine nette Frau in Tracht erzählt uns ein bisschen die Hintergründe. Dann können wir noch das traditionelle Bier „Chicha de Maiz“ probieren. Es wird aus Mais gebraut und schmeckt sehr gewöhnungsbedürftig! Wir laufen weiter und Pepe zeigt uns noch eine Kaktusart auf der komische weiße Knubbel sind. Es sind kleine Käfer, die ihr ganzes Leben auf dem Kaktus verbringen. Sie werden hier geboren, ernähren sich vom Kaktus und sterben darauf. Man kann sie mit den Fingern zerdrücken, dann kommt eine sehr intensive rote Farbe heraus, die schon von den Inkas zum Färben benutzt wurde. Die Bauern haben richtige Plantagen dieser Kakteen, da vor allem die Kosmetikindustrie dieses natürliche Färbemittel für viel Geld kauft. Allerdings ist die Ernte ziemlich gefährlich, da die Kakteen auf sehr steilem Gelände wachsen und zwischendrin eine sehr unscheinbare, aber gefährliche Pflanze namens „Jatupa“ wächst. Sie hat keine Blätter und die Äste brechen sehr leicht, wenn man dran hängenbleibt. Dann tritt eine Flüssigkeit aus, die auf der Haut ätzend wirkt und richtige Brandblasen verursacht. Wir halten uns daher lieber fern. Der Weg geht nun noch weiter nach unten in den Canyon in die „Oase Sangalle“ auf 2200 m, auch „Oasis Paraiso“ genannt. Untypischerweise für die Jahreszeit fängt es ein bisschen an zu tröpfeln. Und das ist echt schlecht, da wir uns in Erwartung eines schönen erfrischenden Bades in einem Pool durch die Hitze quälen… Aber unten angekommen, kommt schon wieder ein bisschen die Sonne raus und wir kühlen uns im Pool ab, während Pepe unser Mittagessen kocht. Es gibt zur Vorspeise Kräcker mit Guacamole. Superlecker! Pepe muss im früheren Leben Koch gewesen sein. Zum Hauptgericht gibt es Spaghetti mit einer etwas pikanten Tomaten-Zwiebel-Soße. Sogar ein Dessert gibt’s! Eine Art Gelee aus dunkelrotem Mais, sehr süß, aber echt gut. Nach einer kurzen Mittagspause machen wir uns dann an den Aufstieg. Wir müssen wieder hoch bis Cabanaconde! Theoretisch gibt’s das Angebot einen Esel zu mieten, der einen hochträgt, aber wir entscheiden alle, dass wir lieber laufen wollen. Insgesamt brauchen wir ungefähr 2 ½ h, was wohl gar nicht schlecht ist. Auf halbem Weg können wir drei Kondore beobachten, die sich fast ohne Flügelschlag in den Himmel tragen lassen. Echt tolle Tiere. Pepe erzählt uns, dass die Kondore für ihr ganzes Leben eine Partnerschaft mit einem anderen Kondor eingehen. Wenn der Partner stirbt begehen sie Selbstmord, indem sie so hoch fliegen wie sie können, (das sind beeindruckende 8000 m!) und von hier aus stürzen sie sich dann in den Tod und enden zerschmettert an einer Felswand. Krass! Trotzdem ist es dunkel, als wir oben ankommen. Mit unseren Taschenlampen bewaffnet schaffen wir den restlichen Weg durch die Felder bis zum Hostel. Wir sind im „Posada del Conde“ untergebracht, wo wir am ersten Tag schon zu Mittag gegessen haben. Unser erster Gang ist der in die Dusche, um den Schmutz und Schweiß der vergangenen zwei Tage wegzubekommen, bevor wir uns zum Abendessen treffen. Am Nebentisch hat sich eine deutschsprachige Reisegruppe breitgemacht, mit natürlich deutschsprachiger Reiseleiterin. Wir geben uns mal wieder lieber nicht als Deutsch zu erkennen, zu peinlich sind die Gespräche und Meinungen über Peru die dort geführt werden. Sagen wir’s mal so: Typisch Pauschal-Touri! :-( Nach dem Abendessen gehen wir noch in die „Pachamama“-Bar und lassen uns zeigen, wie man einen Pisco Sour zubereitet. Da wir zu spät dran sind, setzt Pepe eine Verlängerung der Happy-Hour für uns durch! Der Besitzer der Bar, Mirko, ist ein Kumpel von Pepe und hat Geburtstag, seine Freunde haben eine Sahne-Torte organisiert. Nachdem Pepe Mirko die Torte in Gesicht gedrückt hat, bekommen wir noch was von den Resten ab, bevor wir uns hundemüde auf den Weg ins Bett machen.

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colca-18 Pepe

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colca-22 Schule in Cosñirwa

colca-23 ...und hier wohnen wir!

colca-27 im Museum

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colca-33 Halbzeit beim Aufstieg!

colca-34 Abendstimmung mit Kondor

Am nächsten Morgen machen wir uns dann auf den Rückweg. Unsere erste Station ist das berühmte „Cruz del Condor“, hier hat man quasi eine Garantie die Vögel relativ nah zu sehen, da sie hier viel Futter finden. Außer uns sind nur noch schätzungsweise 250 weitere Touristen da. Wir warten eine Weile, sehen zwei Kondore in weiter Ferne. Und plötzlich lassen sich zwei Kondore den Hang hochtreiben und fliegen direkt an uns vorbei. Sie kreisen zwei, dreimal direkt über unsere Köpfe hinweg und drehen richtig den Kopf um die Tourimassen zu beobachten. Ziemlich cool! Wir wollen nach einer dreiviertel Stunde gerade gehen, als nochmal zwei Kondore am Cruz auftauchen. Diesmal ist auch ein dunkelbraunes Jungtier dabei, das aber auch schon richtig groß ist, nur hat es noch nicht die schwarz-weiß Färbung der älteren Tiere und keinen Halskranz. Wir fahren weiter und machen noch einen Stopp an einem Aussichtspunkt, von dem aus man gut die terrassenförmig angelegten Felder sehen kann. Hier herrscht ein Mikroklima, bereits ein Meter höher oder tiefer lässt manche Früchte gut gedeihen oder eben nicht. Irgendwo mitten in der Pampa halten wir an um „Colca Sour“ zu probieren. Hier wird als saure Frucht nicht Limette benutzt, sondern die Frucht des Kaktus „Sancallo“, die ein bisschen wie Kiwi aussieht und sehr sauer ist. Schmeckt sehr erfrischend! Hier stehen Frauen in Trachten mit einem Lama oder Alpaka, mit dem man sich fotografieren lassen kann. Gegen Geld versteht sich. Normalerweise machen wir das ja nicht, aber das Alpaka ist so süß, dass wir nicht widerstehen können! Es gibt sogar Bussis! OK, bei Florian versucht es eher den Bart zu fressen… Weiter geht’s zu einem Restaurant, wo wir ein Mittagsbuffet bekommen mit vielen lokalen Köstlichkeiten, unter anderem auch Alpaka (süßes Tier hin oder her – wir haben nun mal Hunger!), Lamm, Hühnchen und verschiedene Gemüsearten. Sehr lecker alles und wir sind nach dem Essen mal wieder total vollgefuttert. Auf der Rückfahrt machen wir noch einen kurzen Stopp in Maca. Auf der Plaza stehen zwei kleine Mädchen in Tracht mit Alpakas und lassen sich fotografieren. Ein Alpaka-Baby ist gerade 9 Tage alt und sooooooo flauschig, das muss man einfach einmal knuddeln! :-) Auf dem Rückweg nach Arequipa spielt Pepe uns dann seine spanischen Lieblingslieder vor, singt in voller Lautstärke mit und spielt dazu Luftgitarre…

colca-41 unglaublich majestätisch...

colca-42 der Kondor, der größte Raubvogel der Welt

colca-45 junger Kondor mit Braunfärbung

colca-46 Terrassenbau

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colca-51 Bussis!!!

colca-52 Mjam, lecker Bart! ;-)

colca-55 Frau beim Spinnen in typischer Tracht

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colca-59 Das Viech wird doch wohl nicht...? Doch!

Da heute Liane von Montezumas Rache betroffen ist, bleiben wir fast den ganzen Vormittag im Hostel, bzw. gegen Mittag treibt uns der Hunger dann doch kurz in die Stadt. Nachmittags machen wir eine kleine Führung in der Kathedrale von Arequipa mit. Hier ist ein Museum angegliedert in dem es haufenweise wertvolle Reliquien in Silber und Gold zu bestaunen gibt. Die Führerin kann ein bisschen Deutsch und übt mit uns. Außerdem können wir auf den Kirchturm hoch, in dem eine riesengroße, 5 Tonnen schwere Glocke hängt. Beim letzten großen Erdbeben im Juni 2001 wurde der Turm zerstört und an einer Stelle direkt daneben innerhalb von zwei Jahren wieder aufgebaut. Auf der Plaza de Armas sehen wir kurz darauf ein Hochzeitspaar, mit 6 mexikanischen Musikanten mit Sombrero (Mariachis) im Schlepptau. Sieht witzig aus, wie sie einmal über den Platz schlendern und dabei ein Video drehen. Ist anscheinend so Brauch, denn 10 min später kommt ein zweites Brautpaar vorbei. Auf der Plaza sind haufenweise Tauben, die alles verk***. Kein Wunder, man bekommt überall Mais und Getreide in kleinen Plastiktüten angeboten um damit die Tauben zu füttern! Wir kucken uns noch den Markt an, der sich aber nicht wirklich unterscheidet von den Märkten die wir in den anderen Städten schon gesehen haben. Aber es gibt sehr leckeren Fruchtsaft zu unschlagbaren Preisen! Außerdem entdecken wir bei unserem kleinen Spaziergang durch die Stadt ein Starbucks-Café! Das merken wir uns gleich mal für den Frühstücks-Kaffee am nächsten Morgen, denn wirklich guten Kaffee bekommt man hier ziemlich selten! Kaum im Hostel angekommen hören wir ein Feuerwerk, wir machen uns auf die Suche und werden gleich um die Ecke bei der Kirche San Augustin fündig: Ein hölzernes Gestell, von dem aus die irrsten Figuren und Farben abgebrannt werden. Das Ganze hört fast nicht mehr auf und ist rein feuerschutztechnisch gesehen die reinste Katastrophe! Das Spektakel wird zu Ehren des „Senor de los Milagros“, der „Herr der Wunder“ veranstaltet. Dann gehen wir im „El Turko“ noch einen peruanischen Döner essen.

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colca-69 Plaza de Armas

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colca-77 Markthalle

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colca-85 Kathedrale von Arequipa

Wir machen uns morgens gleich auf den Weg zu den Reisebüros um uns nach Flügen nach Iquitos zu erkundigen. Ein Reisebüro bietet uns einen „Promo-Preis“ für einen bestimmten Rückflug an, das macht gleich mal 100 US$ aus, daher schlagen wir zu. Arequipa-Lima vormittags und dann am späten Nachmittag weiter nach Iquitos. Zum Mittagessen erinnern wir uns an eine Empfehlung von Pepe, wir sollen unbedingt „Adobo“ probieren, eine pikante Biersuppe mit Schweinefleisch und Zwiebeln. Das ist eine Spezialität, die es nur sonntags und nur in Arequipa gibt. Wir fahren mit dem Taxi zu dem Restaurant „Super Adobo“, das etwas außerhalb liegt. Aber Pepe war absolut überzeugt, dass es hier das beste Adobo der Stadt gibt. Und es ist tatsächlich sehr gut! Mit Brot wird die Suppe gedippt. Das Schweinefleisch hat eine dicke, fette Schwarte. Wir essen eine Portion zusammen, weil Pepe meinte, das reicht übrig für zwei. Allerdings kennt er wohl unseren Hunger nicht! ;-) Zurück in der Stadt setzen wir uns auf einen Kaffee ins Starbucks und surfen im Internet. Abends treffen wir uns mit Stephanie um „Cuy“ essen zu gehen – also Meerschweinchen. Auch dafür hat uns Pepe ein Restaurant empfohlen und da er sonst nix vorhat, kommt er gleich mit. Wir fahren wieder mit dem Taxi in einen Bereich etwas außerhalb. Pepe will schon bezahlen, da machen wir ihn darauf aufmerksam, dass das Restaurant ziemlich geschlossen aussieht. Oh, meint er, stimmt! Aber Pepe kennt ein anderes Restaurant ein paar Straßen weiter. Wir sehen schon aus dem Taxi, daß es leider auch geschlossen hat, also weiter. Das dritte Restaurant „El Chactao“, laut Schild gibt es hier das beste Cuy der Stadt, hat auch zu, aber hier ist noch Licht an. Pepe klopft, redet kurz mit dem Besitzer und der macht nur für uns nochmal auf! Wir probieren einen Mix-Teller mit Cuy, Hase und Schwein. Dazu gibt es Kartoffeln und Mais. Florian macht sich an ein ganzes Cuy. Und wenn wir sagen „ganzes“, dann ist das wörtlich gemeint. Das Meerschweinchen ist quasi aufgeschnitten, dann paniert und dann mit einem Stein in der Pfanne plattgedrückt worden. Man sieht noch schön den Kopf mit Augen, Zähnen und Ohren und die Krallen… Mmmmh! ;-) Aber eigentlich schmeckt es ganz lecker. Ein bisschen nach Hühnchen, aber das Fleisch ist viel weicher und fetter. Aber durch die Zubereitungsart ist es ziemlich knusprig! Stephanie berichtet von einem anderen Cuy, das sie in Cusco probiert hat. Dort ist die Zubereitung ganz anders und das Meerschweinchen wird mit verschiedenen Gemüsen gestopft und die Haut ist dann eher labberig. Naja, also einmal probiert haben muss man das schon, wenn man in Peru ist, aber unser Leibgericht wird das bestimmt nicht! Nach so viel fettigem Essen brauchen auf jeden Fall noch einen Absacker. In den ganzen Bars ist abends immer Happy Hour. Das nutzen wir natürlich, aber wir trinken nun doch lieber Mojito. Dem Pisco Sour mit dem rohen Ei trauen wir nämlich nicht mehr so ganz über den Weg, nachdem wir in Peru nun doch schon öfter mit Magenproblemen zu kämpfen hatten… Pepe kommt auch mit und erzählt uns noch einige mehr oder weniger ernstgemeinte Geistergeschichten aus dem Colca Canyon…

colca-86 Cuy - gebratenes Meerschweinchen

colca-88 "Ich glaub mich kratzt ein Cuy!"

Hier das ganze Album:

Mit der Wild Group zum Machu Picchu

Morgens um 4:50 Uhr kommen wir am Busterminal von Cusco an und lassen uns mit dem Taxi zum „Samay Wasi 1 Hostel“ fahren, ein Tipp aus dem Buch im Café in Copacabana. Wir dürfen für umsonst im Dorm noch drei Stunden schlafen und ein tolles Frühstück mit frisch gepresstem O-Saft kriegen wir sogar auch! Da die Sonne scheint, setzen wir uns auf die Terrasse mit tollem Blick auf Cusco. Dort unterhalten wir uns noch eine Weile mit Sandra und Yohannes, zwei Kölnern, die ein halbes Jahr in Südamerika unterwegs sind. Wir tauschen ein paar Tipps aus. Die beiden haben eine „Jungle-Machu-Picchu-Tour“ gemacht (die Aktion-Variante mit Fahrradfahren, Wandern, Abseilen, etc.) bei James in unserem Hostel gebucht und sind sehr zufrieden. Wir sind uns noch nicht sicher, welche Route wir machen wollen. Den Inka-Trail oder den Salkantay-Trek. Hört sich beides super an! Für den „Original-Inka-Trail“ braucht man ein spezielles Permit (es dürfen pro Tag max. 500 Leute inkl. den Guides und Trägern drauf). Das haben wir natürlich nicht, aber evtl. können wir freie Plätze vom Touranbieter „Wayki Trek“ übernehmen, da dort zwei Leute gecancelt haben. Dazu müssen wir zum „Instituto National de Cultura“ und versuchen, die Namen umschreiben zu lassen. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir sind stundenlang kreuz und quer durch die Stadt geschickt worden, ohne dass irgendwer „zuständig“ war. Schließlich haben wir aufgegeben und uns für die Alternativ-Route über den Salkantay entschieden, da sind dann vermutlich auch viel weniger Leute unterwegs. Abends gehen wir noch ins Restaurant „Sumoq“ gleich um die Ecke eine Pizza essen. Eigentlich gibt’s noch einen Pisco Sour (das Nationalgetränk) für umsonst dazu, auf den wir uns echt gefreut haben. So zum Frust wegspülen. Aber heut ist wohl nicht unser Tag, sie haben keinen Pisco mehr! Wir beschließen schlafen zu gehen und den Tag abzuhaken.

Heute treffen wir uns mit James. Er erzählt uns einiges zu dem Salkantay-Trek. Ein Freund von ihm ist Guide und hat seine eigene Agentur, am Montag soll‘s losgehen. Da wir viel Wert darauf legen, direkt bei der Agentur zu buchen, die dann auch die Wanderung durchführt, akzeptieren wir auch den genannten Preis, der ein kleines bisschen teurer ist, aber immer noch vollkommen ok für 5 Tage mit allem drum und dran. Er klärt alles ab und abends kommt sogar noch der Guide „Walter“ vorbei um uns Details zu erzählen, wie das Programm aussieht und was wir mitbringen sollen. Mittags laufen wir in die Stadt und gehen knusprige Hähnchen essen, hier gibt es auch die von Florian geliebte „Inca-Kola“, ein mega-süßes gelbes Getränk. Schmeckt ein bissle wie „Red Bull“. Heute ist Faulenz-Tag, wir haben Bock auf gar nix! Nachdem der Guide nochmal da war und uns noch die Schlafsäcke gebracht hat, kucken wir einen Film an und gehen schlafen.

Heute ist Sonntag und wir ruhen uns aus um uns physisch und psychisch auf die folgenden 5 Tage einzustimmen. Mittags sitzen wir auf der Terasse und plötzlich hören wir Böllerschüsse und Blasmusik?! Also nix wie runter an die „Plaza de Armas“. Hier ist eine Tribüne aufgebaut auf der viele wichtig aussehende, meist uniformierte Leute sitzen und dem Umzug rund um die Plaza zukucken. Wir werden allerdings mal wieder nicht ganz schlau draus, wofür der Umzug genau ist. Es laufen viele Leute mit Plakaten für Krankenhäuser mit. Außerdem sehr viele Behinderte, meist mit Down-Syndrom. Eine Militärkapelle spielt dazu immer das gleiche Lied… Wir laufen noch ein bisschen durch die Straßen, gehen im „Bagdad Café“ eine Kleinigkeit essen und dann ins Hostel um noch bissle Bilder zu sortieren und eMails zu schreiben. Da es morgens früh losgeht, gehen wir auch früh schlafen. Vorher packen wir noch alles was wir für den Trek brauchen in den kleineren Rucksack, wir dürfen zusammen max. 10 kg mitnehmen. Der leere Rucksack wiegt alleine schon 3 kg…

salkantay-02 Inka-Wand in einer Gasse in Cusco

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salkantay-13 12-eckiger perfekt eingepasster Stein

salkantay-28 4 h Aufstieg

salkantay-31 am Gipfel auf 4600 m

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salkantay-35 zweites Camp

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Um 4:30 h sind wir startbereit, unser restliches Gepäck ist sicher im Hostel verstaut und von der Rezeptionistin alles fein säuberlich notiert, damit auch nix wegkommt. Der Guide ist auch pünktlich. Allerdings ist es ein anderer als der, der am Samstag das Briefing gemacht hat?! Naja. Wir holen noch eine weitere Person in der Nähe ab und laufen dann zum Bus. Als der Bus immer voller und voller wird, befürchten wir schon das schlimmste! Denn eigentlich sind pro Guide max. 11 Personen zugelassen, soweit wir wissen. Nach ca. 2 h Fahrt kommen wir in Mollepata auf 2900 m an, wo wir frühstücken und unser Gepäck für die Mulis fertigmachen. Hier kommen auch der „Horseman“ Clever, und die beiden Köche Damian und Heronimo dazu. Zum Glück stellt sich heraus, dass im Bus zwei Gruppen mitgefahren sind. Wir sind 11 Leute aus 8 Nationen in unserer Gruppe: Helen aus Kanada, Amy aus England, Maaike und Jeroen aus Holland, Keila und Rodrigo aus Brasilien, Katia aus der Schweiz, Sandrine aus Belgien, German aus Argentinien und wir zwei natürlich. Unser Guide heißt Roily, kurz Roy, und er fordert uns auf, erst mal einen Namen für unsere Gruppe zu finden. Wir entscheiden uns für „Wild Group“, da der Pass über den wir laufen werden „Salkantay“ heißt, auf deutsch „Wilder Berg“. Da das Wetter super ist, empfiehlt uns Roy, dass wir mit dem LKW der das Gepäck bis zum ersten Nachtlager transportiert, hinten auf der Ladefläche ein Stück weit mitfahren um dann einen alternativen Weg durch die Berge und nicht entlang der Straße zu nehmen. Das wird die erste „Group-Decision“, alle sind einverstanden. Die 5 Mulis, die das Gepäck ab dem zweiten Tag tragen werden, werden vor dem Auto hergescheucht… Dann heißt es auch für uns: Laufen! Zuerst geht es ziemlich hoch und wir schnaufen alle ganz schön schwer hinter Roy her! Als wir nach ca. 30 min das erste Mal Pause (O-Ton Roy: „Okay, lazy time!“) machen, fällt uns auf, dass zwei fehlen: die beiden Brasilianer! Sie brauchen fast doppelt so lang wie wir anderen und haben dann auch fast keine Pause, weil wir gleich weiterlaufen… Unterwegs werden wir von nervigen Sandfliegen belästigt, die sich trotz Insekten-Spray auf uns stürzen. Bevorzugt am Sockenbund, wo sich Schweiß sammelt und wir nicht schnell genug hinschlagen können! Nach kurzer Zeit sind wir total verstochen. Um 14:30 Uhr bekommen wir ein leckeres Mittagessen serviert. Es gibt Suppe und dann Papas Fritas und ein Fleisch-Zwiebel-Tomaten-Gemisch. Wir haben echt gute Köche dabei! Von hier können wir auch schon das Camp sehen, unterhalb des schneebedeckten Salkantay. Bis dorthin sind es nochmal zwei Stunden zu laufen, nun an der Straße entlang. Total kaputt kommen wir um ca. 17:00 Uhr in Soraypampa an, die Zelte sind in einem Unterstand schon aufgebaut und es wartet ein heißer Kaffee oder Tee auf uns und – Popcorn! Sobald die Sonne weg ist, wird es hier auf ca. 3850 m bitterkalt und der Wind bläst ganz schön vom Gletscher herunter! Deshalb gibt es nach dem Abendessen (erst Suppe, dann Gemüse, Hähnchenschlegel und Reis) niemanden mehr der aufbleiben will und wir verziehen uns alle in unsere Zelte. Zum Zähneputzen gibt es nur einen Wasserhahn aus dem eiskaltes Quellwasser kommt. Aber wir können natürlich nicht schlafen gehen, ohne vorher noch die Milchstraße und die vielen Sterne bewundert zu haben! Da es keine störenden Lichtquellen gibt, hat man hier eine hervorragende Sicht auf den Sternenhimmel! Dick eingemummelt versuchen wir zu schlafen, was theoretisch kein Problem gewesen wäre, aber ein Hund beginnt genau jetzt zu bellen, von weit entfernt antwortet ein anderer… und so geht es die ganze Nacht!

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salkantay-16 Glücksschweine

salkantay-21 Salkantay, 6264 m hoch

Nach der unruhigen Nacht müssen wir uns am nächsten Morgen wecken lassen. Um 5:00 Uhr würden wir freiwillig auch nicht aufstehen! Wir bekommen gleich einen heißen „Mate de Coca“, einen Coca-Tee ans Zelt serviert. Dieser ist gut gegen die Höhenkrankheit, mit der wir aber bisher keine Probleme haben. Aber wir sind nun auch schon fast 3 Wochen fast ständig über 3000 m, manchmal sogar länger auf 4000 m gewesen. Von daher sind wir ziemlich gut akklimatisiert! Heute ist der härteste Tag des Treks, wir wandern zuerst 4 h immer bergauf, bis auf 4700 m. Wir hätten uns theoretisch auch ein Muli mieten können, dass uns hochträgt. Aber aus unserer Gruppe haben das Angebot nur die zwei Brasilianer angenommen, aus der anderen Gruppe reiten fast alle, darunter sogar die „sportlich“ aussehenden! Ab heute übernehmen die Mulis den Transport unseres Gepäcks (zumindest 5 kg p. P.), da es keinerlei Straßen gibt. Sie werden beladen, nachdem wir schon losgelaufen sind. Nach ca. 3 h strammen Laufens werden wir dann von den Mulis und „Horseman“ Clever und den beiden Köchen überholt. Sie werden ohne größere Pause bis zum nächsten Camp durchlaufen und dort schon die Zelte aufbauen und anfangen zu kochen. Echt wahnsinnig! Roy erklärt uns, dass die Peruaner zwar klein sind, wegen des Kalziummangels im Essen, dafür haben sie eine breite Brust und eine große Lunge, aber vor allem haben sie eines: ein großes Herz! ;-) Oben am Gipfel machen wir an einem Steinhaufen ein „Opferungsritual“ wie früher die Inkas. Wir opfern nur Coca-Blätter, aber eigentlich hätten wir alle gerne den Bell-Hund von letzter Nacht geopfert! Von hier aus geht es nochmal 2 h abwärts bis zum Mittagessen, diesmal gibt es Suppe und Spaghetti mit Tomatensoße. Während des Essens ziehen dunkle Wolken auf und es wird ganz schön kalt. Deshalb machen wir uns gleich auf zum Camp für diese Nacht. Nach 20 min. Bergablaufen ändert sich plötzlich, wie von Roy angekündigt, die Vegetation und wir sind im Regenwald. Schlagartig wird es feucht-heiß und die Sonne scheint auch wieder. Hier fühlen sich auch die Moskitos wohl! Kaum bleibt man stehen geht das Gepiekse los… Nach weiteren 3 h und insgesamt anstrengenden 21 km kommen wir in Challway an. Wir richten uns wieder gemütlich im Zelt ein, diesmal läuft kein Hund rum, dafür aber ein Schwein… Das Klo ist eher ein Plumpsklo, die Spülung ein Eimer Wasser vom Brunnen außerhalb und eine Dusche gibt’s immer noch nicht. Nach Tee, Kaffee und Popcorn erklärt uns Roy das (Sauf-)Kartenspiel „Nervous“. Es wird ziemlich lustig und laut! Zum Abendessen gibt es dieses mal eine Art Schnitzel, Gemüse, Reis und Papas Fritas. Unser Koch Damian spielt uns auf der Flöte, bzw. es ist eher ein abgesägtes Eisenrohr, ein paar peruanische Melodien zur Unterhaltung. Im Anschluss spielen noch eine Weile „Nervous“ weiter, während bei der anderen Gruppe auf dem Zeltplatz nebenan schon lange alle Lichter aus sind!

salkantay-38 Beladung eines Mulis

salkantay-41 Nervous!

Am Morgen werden wir um 6:00 Uhr von einer Nebelsuppe begrüßt. Während des Frühstücks fängt es auch noch an zu regnen! Die anderen ziehen ihre Ponchos über, wir haben keine, geht aber auch so. Roy tauft uns um in „Wild Poncho Group“. Wir laufen durch den Matsch und müssen öfter mal kleinere Bäche und einen Wasserfall überqueren. Diesmal wandern wir nur bis mittags und fahren dann mit dem Minibus noch ca. 10 min. zum Mittagessen nach Playa Sahuayaco. Hier gibt es ein Fußballfeld und je 5 von beiden Gruppen spielen gegeneinander. Dann gibt wieder eine Suppe, Hähnchen, Gemüse und Reis. Von hier fahren wir mit dem Bus ca. 1 ½ h bis nach Santa Theresa zu unserem Nachtquartier. Nach einer kurzen Tee-Pause starten wir zu den heißen Quellen ein paar km weiter . Sehr entspannend nach dem vielen Wandern die letzten Tage! :-) Es gibt zwei heiße Becken und ein eiskaltes. Roy führt auch hier eine „Group-Decision“ ein. Diese heißt: alle 5 Minuten muss die ganze Wild-Group einmal ins kalte Wasser! Und keiner kneift. Sogar die beiden Brasilianer sind nach anfänglichem Zögern mit dabei! Abends kochen unsere Leib-Köche das letzte leckere Abendessen. Außerdem steht eine neue „Group Decision“ an: Wollen wir am nächsten Morgen 3 h wandern bis zur nächsten Station oder wollen wir mit dem Bus dorthin fahren? Roy meint, dass der Weg nicht sonderlich schön ist, weil er nur an der Straße entlang führt. Einstimmige Entscheidung: Wir fahren mit dem Bus. :-) Damit ist der Weg frei für: Party!!! Es gibt ein Lagerfeuer mit Bänken außen rum, Musik, Lichtorgel, dazu Pisco Sour und andere alkoholhaltige Getränke. Es wird ein lustiger Abend, bis wir um Mitternacht hundemüde ins Zelt kriechen.

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salkantay-46 "Küche" mit Chefkoch Damian

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Heute heißt es ausschlafen – wir werden erst um 7:00 Uhr geweckt! Zum letzten Frühstück gibt es heute außer dem Üblichen noch eine Überraschung von den Köchen: Einen Kuchen! Klar, heute gibt’s auch Trinkgeld zum Abschied. ;-) Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Damian und Heronimo. Laut Roy ist es üblich eine „Speech“ (Rede) auf die Köche zu halten, wofür sich Amy bereit erklärt. Gut gestärkt steigen wir in den Bus und fahren los. Die Straße ist gerade so breit, dass zwei Minibusse aneinander vorbeipassen und auf der einen Seite geht es einen steilen Abhang runter. Nach ca. 30 min. ist allerdings ein unplanmäßiger Stopp angesagt: Durch den Regen in der vergangenen Nacht hat es einen Erdrutsch gegeben, bzw. es sind riesengroße Felsbrocken auf die Straße gestürzt. Aber es ist schon ein Bagger da, der aufräumt, bzw. in dem Fall die Brocken einfach von der Straße den Abhang auf der anderen Seite runterschiebt. Wir steigen alle aus und machen Fotos, plötzlich rumpelt und kracht es gewaltig: Es stürzen noch mehr große Felsbrocken auf die Straße und fast kommt Panik auf, als alle wegrennen und die Autos rückwärts aus dem Gefahrenbereich fahren. Wer weiß, wie viel noch runterkommt! Das ist ganz schön gefährlich. Vor allem auch für den Baggerfahrer! Da die Straße nun wohl noch länger gesperrt sein wird, müssen wir doch laufen. Zuerst geht es im Zick-Zack den steilen Abhang runter, dann in Richtung Fluss. Dort gibt es eine Art Seilbahn mit einem Korb, an dem man sich durch eigene Kraft selbst über den Fluss ziehen kann. Jeweils zu zweit sitzen wir in den Korb und überqueren den Fluss. Das macht echt Laune. Als schließlich alle auf der anderen Seite angekommen sind, laufen wir los, die Straße entlang, bis uns der Minibus, der ein ganzes Stück Umweg gefahren ist, wieder aufsammelt. Wir fahren bis zu einem Ort namens „Hydroelectric“, hier müssen wir unsere Tickets und unsere Pässe zeigen. Dann laufen wir los, immer den Schienen der Eisenbahnstrecke entlang nach Aguas Calientes, d. h. zur Ausgangsbasis zum Machu Picchu. Im Endeffekt laufen wir einmal im Tal um Machu Picchu herum. Wir sehen von unten schon das am höchsten stehende Gebäude, das Wärterhäuschen. Roy erzählt uns, dass der Name aus der Quechua-Sprache kommt und fragt uns dann der Reihe nach, wie wir denn Machu Picchu aussprechen würden. Hm? Naja. „Matschu Pitschu“ halt. Er grinst sich eins und erklärt uns dann, dass das was wir da gerade alle gesagt haben, übersetzt „alter Penis“ bedeutet! Ups! Korrekt wäre „Matschu Piktschu“ (also mit dem k dazwischen), was dann übersetzt „alter Gipfel“ heißt. Na, wie gut, dass er uns das nach 4 Tagen „Matschu Pitschu“ dann auch mal sagt! ;-) Nach ca. 2 h Fußmarsch machen wir Mittagspause und essen unsere Lunchbox (Nudeln, Reis und Ei), dann geht es nochmal ca. 2 h weiter bis nach Aguas Calientes. Hier beziehen wir unser Hostel und schlafen erschöpft direkt mal 1 ½ h. Vorher haben wir unser Gepäck sowieso noch nicht. Das wird mit dem Zug mitgebracht. Als wir dann unser Zeugs am Bahnhof geholt haben, wollen wir duschen. Aber es kommt nur kaltes Wasser aus dem Hahn. Und das in einem Ort der übersetzt „heißes Wasser“ heißt. Sowas! Nachdem wir dreimal nachgefragt haben, schaltet der Hostelbesitzer netterweise die Gasheizung auf dem Dach ein und wir haben schönes heißes Wasser zum Duschen! Wir fühlen uns wie neugeboren und treffen uns mit den anderen zum Abendessen in einem Restaurant, wo wir zwischen Rind, Schwein oder Fisch wählen können. Hier kommen zwei deutsche Mädels zu unserer Gruppe hinzu, Anna und Mascha, sie haben eine etwas andere Tour gemacht und gehen am nächsten Tag aber mit uns mit. Da es am nächsten Morgen gaaaaanz früh losgeht in Richtung Machu Picchu kaufen wir noch ein bisschen Proviant und gehen dann schlafen.

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Um 4:00 Uhr klingelt der Wecker. Ausgeschlafen ist was anderes! Um 4:25 Uhr soll es losgehen. Alle sind startklar, aber die zwei „neuen“ Mädels kommen zu spät. Nicht gerade typisch deutsch und absolut nicht „Wild Group“-würdig! Wir warten nicht, sondern machen uns auf den Weg. Zuerst geht es 30 min. flach bis zu einer Brücke. Hier müssen wir nochmal unser Ticket zeigen und dann geht es die Stufen eines alten Inka-Pfads hoch. Zwischenzeitlich fängt es noch an zu regnen. Und die Stufen sind riesig. Wir fragen uns, warum die Inkas so große Stufen gemacht haben, wo sie doch eher klein waren… Nach ca. 1 ½ h Aufstieg kommen wir ziemlich durchgeschwitzt und nassgeregnet oben an. Die zwei Brasilianer und Roy sind mit dem ersten Bus hochgefahren. Um 6:00 Uhr gehen die Tore auf. Wir müssen nochmal die Pässe zeigen und dann bekommen wir eine Führung von Roy mit vielen Infos zu den verschiedenen Gebäuden und der Inka-Kultur überhaupt. Wir besuchen Machu Picchu genau 100 Jahre nach der Wiederentdeckung im Jahre 1911 durch den Amerikaner Hiram Bingham. Machu Picchu wurde im 15. Jahrhundert auf 2360 m, oberhalb des Urubamba-Tals von den Inkas gebaut. Die Stadt umfasste 216 steinerne Bauten, die auf Terrassen gelegen und durch Treppen verbunden waren. Es wird angenommen, dass bis zu 1000 Menschen hier gleichzeitig gelebt haben. Es ist bis heute nicht wissenschaftlich geklärt, welchen Zweck Machu Picchu genau hatte. Die wahrscheinlichste Theorie ist es, dass es sich um eine Zufluchtstätte der Inkas gehandelt haben könnte. Es gibt drei verschiedene Bauarten bei denen die Steine jeweils ohne Mörtel zusammengefügt wurden: der einfache „Prä-Inka-Style“, der etwas aufwendigere „Inka-Style“ und für die Tempel den perfekten „Imperial-Style“. Leider sind um 6:00 Uhr schon so viele Leute oben, dass Bilder ohne Touris quasi nicht möglich sind. Es regnet immer noch und ist sehr bewölkt, so dass man die Berge außen rum und Teile von Machu Picchu gar nicht sehen kann. So ein Mist! Aber um 9:00 Uhr ungefähr hat sich die Sonne durch die Wolken gekämpft und es wird dämpfig schwül. Wir kucken uns zusammen mit Maaike und Jeroen noch die Ruinen an und machen ein bisschen Pause an einem tollen Aussichtspunkt. Dann laufen wir zum Eingang zum Wayna Picchu, übersetzt „junger Gipfel“. Dies ist der Berg hinter dem Machu Picchu. Hier dürfen morgens zwischen 7:00 und 8:00 Uhr 200 Leute hoch und zwischen 10:00 und 11:00 Uhr nochmal 200. Wir haben zum Glück Tickets für die zweite Runde, jetzt ist nämlich richtig tolles Wetter und man sieht auch die Berge! Aber vor dem tollen Ausblick heißt es nochmal 30 min. Treppensteigen, ca. 300 Höhenmeter. Wir können jetzt bald keine Treppen mehr sehen! Aber es lohnt sich. Von hier oben sieht man gut, wie hoch Machu Picchu eingebettet im Urubamba-Tal liegt. Als wir genug gesehen haben, machen wir uns wieder an den nicht ganz ungefährlichen steilen Abstieg. Unten angekommen brauchen wir zuerst eine Pause. Wir legen uns auf eine der Terrassen mit super Aussicht auf die Ruinen und machen ein kleines, erholsames Mittagsschläfchen… Danach haben wir wieder genug Energie um noch die Wanderung zum Sun Gate (Sonnentor) zu machen. Von hier aus hat man einen tollen Überblick. Nochmal 30 min eine Strecke. Es ist quasi das letzte Stück des Inka-Trails, früher war das der einzige Zugang nach Machu Picchu. Als wir oben ankommen ist die Sonne leider schon hinter den Bergen verschwunden. Denken wir. Aber als wir kurz warten, kommt die Sonne nochmal zurück und „erleuchtet“ Machu Picchu. Sieht echt super aus! Dann laufen wir zurück und fahren mit dem Bus nach Aguas Calientes. Hier treffen wir wieder die anderen, essen zusammen noch eine Kleinigkeit und gehen dann zum Bahnhof um den Zug nach Ollantaytambo zu nehmen. Zwei Stunden geht die Zugfahrt und da Aguas Calientes nicht mit dem Auto zu erreichen ist, sondern nur per Zug ist die Fahrt dementsprechend teuer: 35 $ für eine Strecke. Dafür gibt’s in jedem Waggon einen Kellner, der heiße oder kalte Getränke reicht und ein paar Snacks. Nun ja. Von Ollantaytambo geht es dann per Bus nach Cusco zurück, d. h. nochmal 2 ½ h Busfahrt über Holperstraßen! :-( Wir versuchen ein bisschen zu schlafen. Kurz vor Cusco will Florian den Arm um Liane legen, die hebt aber grade den Kopf und dabei schaffen wir es tatsächlich, dass Lianes Brille kaputt geht. So ein Mist! Das Glas ist voll durch. Naja, zum Aufregen sind wir zu müde… und als wir endlich in Cusco sind wollen wir nur noch schlafen. Nach 83 km zu Fuß zurückgelegter Gesamtdistanz wohl auch kein Wunder!!!

salkantay-68 Machu Picchu mit Nebelsuppe

salkantay-70 Roy mit Imperial-Stil-Mauer - perfekte Handarbeit!

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salkantay-78 Postkarten-Motiv

salkantay-81 Handwerker-Viertel

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salkantay-91 Sun Gate

Nach den anstrengenden letzten Tagen ist heute ein Ruhetag angesagt. Ausschlafen. Frühstücken. eMails beantworten. Kaffee trinken an der Plaza de Armas und Leute beobachten. Außerdem müssen wir noch Lianes Brille reparieren lassen! Unglaublicherweise können wir die Brille mit einem neuen Glas in perfekter Sehstärke 4 Stunden später schon abholen und das zu dem Hammer-Preis von 15 €! Mit James haben wir am Abend noch eine kleine Diskussion. Er hatte nicht mit offenen Karten gespielt. Sein „Freund“ hat die Tour selbst gar nicht durchgeführt, sondern war nur Vermittler. So blieb jetzt bei jedem „Zwischenhändler“ etwas hängen. Wir wollten ja aber, dass unser Geld direkt denen zugutekommt, die auch die ganze Arbeit mit uns hatten auf dem Trek, also vor allem den Köchen, dem Horseman und dem Guide! Da wir aber nur im Kreis herumdiskutieren, lassen wir es dann irgendwann gut sein.

salkantay-100 "Kusi" - Alpaka im Garten des Tourismus-Ministeriums

salkantay-101 ein Vicuna - Kumpel von Kusi, aber ohne Namen

Heute machen wir uns dann doch noch auf, die Stadt ein bisschen genauer anzukucken. Allerdings besichtigen wir die Kirchen nur von außen, da unverschämt viel Eintritt verlangt wird. Bei der Plaza de Armas ist eine kleine Prozession, bei der eine Heiligen-Statue zur Kathedrale getragen wird. Die Träger bekommen zwischendurch alle mal einen Schnaps verabreicht, evtl. ist das der Lohn!? Hier gibt es auch einige Bettler, die vor allem vor den Kirchen sitzen. Dazu gibt es noch, was wir „spontane Bettler“ nennen, die laufen ganz normal durch die Straße und sobald sie einen Touri sehen, ziehen sie einfach die Mütze vom Kopf und halten sie hin. Abends treffen wir uns mit dem verbliebenen Rest der „Wild-Group“ der noch in Cusco ist. Roy ist auch mit dabei und sogar seine Freundin kommt dazu. Es wird ein lustiger Abend im „Café Trotamundos“, mit einigen Pisco Sour. Roy ist immer noch ganz hin und weg von unserer tollen Gruppe und meint, so einen Zusammenhalt hat er bisher noch nie erlebt!

salkantay-103 Prozession

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Heute gibt’s kein Frühstück im Hotel, wir haben uns mit Maaike und Jeroen im Café Trotamundos verabredet. Amy kommt auch noch vorbei. Maaike erzählt, dass sie festgestellt haben, dass auf allen Bildern die sie von Machu Picchu gemacht haben, ein Moskito auf der Linse war! Wir lachen uns fast kaputt, als wir die Fotos sehen und bieten den beiden natürlich gleich an, dass sie von uns Moskito-freie Bilder bekommen können… Nach dem späten Frühstück schleppen uns Maaike und Jeroen mit ins Casino. Hier gibt es noch die alten einarmigen Banditen für umgerechnet 3 €-Cent das Spiel. Mit 2 € können wir fast zwei Stunden zocken. Außerdem bringen einem Kellnerinnen unaufgefordert Desserts oder Getränke vorbei um einen bei Laune zu halten! Am späten Abend fährt unser Bus nach Arequipa, wir haben uns Liegesessel gegönnt, der Spaß geht nämlich mal wieder 10 h. Dieses Mal gibt’s sogar ein kleines Abendessen im Bus. Mit Schlafen wird’s allerdings die erste Hälfte nix, da der Bus über ziemlich schlechte, kurvige Straßen rumpelt…

Hier das ganze Album: