Archiv von 'Laos'

Die Krüge… hoch!

Nach einer unruhigen Nacht sind wir pünktlich um 8:00 Uhr beim Frühstück. Es gibt Toast mit Spiegelei, Marmelade und Butter, Kaffee und Tee und sogar gebratene Nudeln mit Gemüse und grünes Curry mit Hühnchen und Reis. Und halbwegs gut schmeckenden Orangensaft. Für umgerechnet 50 Cent pro Person gibt es da echt nix zu meckern! Danach werden wir vom Shuttle zum Flughafen gebracht. Da wir nicht mehr so ganz viel Zeit in Laos übrig haben und diese nicht stundenlang im Bus verbringen wollen, fliegen wir die Strecke für 76 US$ mit Lao Airlines bis nach Phonsavan. Hier wollen wir uns vor allem die „Plain of Jars“ ankucken, die „Ebene der Tonkrüge“. Diese über ein großes Gebiet verstreuten Krüge wurden 1930 wiederentdeckt und es ist bis heute nicht ganz geklärt, was es damit auf sich hat. Hört sich interessant an! Es ist wieder der gleiche Flugzeugtyp wie von Luang Namtha nach Vientiane gestern. Nach einer halben Stunde Flug landen wir auch schon wieder. Mit dem Bus wären wir über zwölf Stunden durch die Berge gefahren. Ein Minivan nimmt uns mit in die Stadt. Der Fahrer spricht super Englisch und macht selbst auch Touren, war ja klar. Er hilft uns ein ganz nettes Hotel, das „Dok Koun Hotel“ zu einem guten Preis zu finden. Dafür will er später aber nochmal vorbeikommen und uns seine Touren vorstellen. Während Florian eMails abholt, geht Liane los um sich mal nach Preisen zu erkundigen für Touren zu den Tonkrügen. Als Verhandlungsgrundlage. Im Reiseführer steht was von ca. 12 € p. P. mit englischsprachigem Guide. Zwei im Reiseführer empfohlene Agenturen wollen laut Aushang aber 100 US$ mit Guide. Puh, hoffentlich finden wir noch jemanden, der mitgeht, dann wirds billiger. Ein paar Minuten später ist der Minivan-Fahrer wieder da und zeigt uns seine Tour-Optionen. Außerdem erzählt er, dass alle englischsprachigen Guides momentan im Krankenhaus mithelfen bei irgendeiner Hilfsaktion und er der einzige ist, der noch einen Guide besorgen kann. Nee, is klar! Und die Preise? Transport und Fahrer kosten 100 US$. Dazu nochmal 25 US$ für den Guide. Und Eintrittsgelder sind da noch nicht mal dabei. Bevor wir uns so über’s Ohr hauen lassen, mieten wir uns doch lieber für 10 Dollar einen Roller für einen Tag und fahren selbst. Um besser überlegen zu können, was wir machen sollen, gehen wir zum angeblich besten Inder der Stadt, „Nisha“, vermutlich auch der einzige! Hier treffen wir Yasni und Tajana aus Bayern. Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit den beiden und essen nebenher. Echt lecker, ist wirklich der beste Inder bisher in Laos! Gegen Abend gehen wir noch ins „MAG Information Centre“ direkt neben unserem Hotel. „MAG“ steht für Mines Advisory Group. Diese Organisation bildet mit Hilfe von Fachleuten aus der ganzen Welt junge Laoten für die Kampfmittelbeseitigung aus. Im Center kann man sich über den „Secret War“ der USA informieren. Während des Vietnam-Krieges geriet Laos nämlich zwischen die Fronten und wurde zum am heftigsten bombadierten Land der Welt-Geschichte. In der Hochphase des Krieges, von 1964 – 1973, flog die USA unglaubliche 580 000 Luftangriffe, bei denen insgesamt 2,5 Mio. Tonnen Bomben abgeworfen wurden. Die meisten waren Raketen, die sich einige Meter über der Erdoberfläche öffneten und 630 tennisballgroße „Cluster-Bomben“ in einem großen Umkreis verteilten. Echt unglaublich! Es wird vermutet, dass ca. 30% der abgeworfenen Bomben Blindgänger waren, die jetzt noch überall in Laos herumliegen. Ziel der Amis rund um Phonsavan und im Süden, war die Zerstörung des „Ho Chi Minh Trail“ der zum Teil durch den laotischen Dschungel verlief und für die Kriegslogistik der Vietcong wichtig war. Das bedeutet es liegen noch unzählige Blindgänger, „UXO“ (Unexploded Ordnance) genannt, im Boden von Laos. Jeden Tag gibt es neue Verletzte oder Tote durch die Bomben, vor allem Kinder, die die kleinen ballartigen „Bombies“ finden und damit spielen. Auch die Reisbauern sind betroffen. Oft können sie nicht genug Reis für das ganze Jahr anbauen, weil sie sich nicht trauen weiteres Land zu bepflanzen, aus Angst vor den Bomben, die dort evtl. schlummern. Außerdem gibt es Infos zu den Ländern die mit Spenden helfen, die Bomben zu beseitigen. Die USA, quasi als Verursacher des Übels, haben sich bisher mit 40 Mio. US$ beteiligt. Eine vermeintlich große Summe, wenn man aber hört, dass die damals abgeworfenen Bomben PRO TAG 40 Mio. US$ gekostet haben, geht einem doch echt das Messer im Sack auf! Das ist doch wieder typisch „Weltmacht“ Amerika! Mit Gewalt überall einmarschieren um die eigenen „Interessen“ zu wahren und dann nicht aufräumen helfen. In den letzten  Jahren wurden erst wenige Prozent der Fläche durch die MAG-Teams gesäubert. In dem Tempo wird es aber noch hunderte von Jahren dauern, bis Laos bombenfrei ist. Keine schöne Aussicht! Viele der neu ausgebildeten MAG-Leute sind junge Frauen, die in ihrem Dorf keine Alternative außer Landwirtschaft haben. So können sie sogar einigermaßen gut verdienen, aber es ist eben auch ein sehr gefährlicher Job. Krasse Geschichte, von der wir bisher eigentlich ziemlich wenig Ahnung hatten! Im Anschluss daran holen wir uns einen Kaffee und machen uns dann ans Fotos sortieren. Liane geht noch kurz ins Internet-Cafe und trifft auf dem Weg dorthin drei junge Leute, zwei Engländerinnen und einen Australier, die ebenfalls gerade eine Tour zu den „Plain of Jars“ buchen wollen. Zusammen kriegen wir dann einen annehmbaren Preis von 15 US$ pro Person ausgehandelt, incl. Guide, Eintritt und sogar noch eine Nudelsuppe zum Mittag. Da wird Florian sich freuen, dass er nicht kilometerweise Holperstrecken mit dem Motorroller fahren muss. Von der Aussicht war er nämlich alles andere als begeistert…

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Da wir etwas zu spät aufstehen, gibt es zum Frühstück nur einen Kaffee und ein paar Kekse. Um 9:00 Uhr geht dann die Tour los, unser Guide „Lee“ wartet schon. Zunächst fahren wir ca. 16 km zur „Plain of Jar Site No. 1“, insgesamt gibt es über 52 solche Stellen, davon sind acht für Besucher von Bomben gesäubert und freigegeben. Aber man muss innerhalb eines weiß markierten Weges bleiben, denn außen rum wurde nur oberflächlich geprüft. Am Eingang steht ein Schild mit einer Info, wie viele Quadratmeter gesäubert und wie viele Bomben gefunden und entschärft wurden. Auf einer kleinen Ebene liegen ca. 20 Krüge unterschiedlicher Größe, weiter unten auf einem Feld weitere 300 und einige sind noch im umliegenden Gelände verstreut. Der größte hat einen Durchmesser von ca. 2,5 m. Unser Guide Lee erzählt, dass es zwei unterschiedliche Theorien gibt, wozu diese Tonkrüge, die aber aus Limestone oder Granit bestehen und nicht aus Ton, benutzt wurden. Die Einheimischen glauben, dass die Krüge vor langer Zeit zur Lagerung von Essen und Trinken genutzt wurden, um die Krieger zu ernähren. Die wissenschaftliche Erklärung ist, dass es sich um eine Art Urne handelt, in der die sterblichen Überreste der Vorfahren der Lao Theung, einer der größten Bevölkerungsgruppen in Laos, verbrannt wurden. Ein Rätsel ist jedenfalls nach wie vor, wie und wo diese riesigen, schweren Krüge entstanden sind und warum sie an so vielen verschiedenen Stellen liegen. Einige der Krüge sind auseinandergebrochen, entweder durch Bomben oder durch Umwelteinflüsse. Auf dem Gelände sind auch drei Bomben-Krater mit ca. 10 m Durchmesser, spärlich mit Gras und kleinen Büschen bewachsen. Wir machen einen Rundgang. Über einen Hügel mit schöner Aussicht laufen wir zurück zum Auto. Plötzlich hören wir einen dumpfen Knall. Naomi, eine der Engländerinnen, kuckt ganz erschreckt und fragt Liane, was das wohl war. Tja. Donner war es nicht. Lee meint, dass da gerade kontrolliert Bomben gesprengt werden. Auf dem Weg zur „Jar Site No. 2 + 3“ legen wir noch eine kurze Zwischenstation in einem kleinen Dorf ein, wo der „Lao Lao“, ein Whisky aus Reis hergestellt wird. In Fässern gärt der Reisbrei vor sich hin, nachdem er einen Tag eingeweicht und dann gekocht wurde. Zehn Tage dauert die Fermentation, dann wird der Brei wieder erhitzt und über Kondensation der Alkohol gewonnen. Es gibt drei Durchgänge, am Ende hat man dann einen 30 – 40%-igen Whisky. Die alte Frau, die das Zeug braut, macht das schon seit fast 60 Jahren. Wir probieren ein Gläschen, bis auf einen etwas seltsamen Nebengeschmack gar nicht so schlecht! Über staubig-matschige Holperpiste geht es weiter zur „Jar Site No. 2“. Am Eingang ist ein Restaurant, wo wir dann später auch unsere Nudelsuppe kriegen. Eine lange Treppe geht in Richtung Wald hoch, hier liegen ca. 20 Krüge. Teilweise im Würgegriff der Bäume. Während wir Fotos machen, hört man wieder eine Explosion. Wir fragen Lee, wie weit entfernt das ungefähr war, wenn man es in der Lautstärke hört. Er meint, so ca. 10 Kilometer entfernt. Dann fängt es plötzlich an zu regnen und wird immer stärker. Lee läuft los zum Restaurant, wir hinterher. Der Schlamm klebt mittlerweile zentimeterdick unter unseren Schuhen. So halb nass ist es auch ganz schön kalt und wir sind froh über die heiße Nudelsuppe, auch wenn sie etwas fad ist. Nach der Mittagspause fahren wir noch zur „Jar Site No. 3“. Als wir dort ankommen, kommt heute zum ersten Mal die Sonne raus. Über eine kleine Brücke und schmale Wege durch Reisfelder geht es einen knappen Kilometer, dann liegen ca. 50 Krüge vor uns. Unterschiedliche Größen, teils liegend, teils stehend. Auf einem Topf kann man mit etwas Fantasie eine Menschengestalt erkennen. Unser letzter Stopp ist bei den Überresten eines russischen Panzers, der im Krieg wohl auf eine Mine gefahren ist und dann hier im Gelände liegenblieb. Mittlerweile ist er komplett ausgeschlachtet, nur noch die Hülle rostet vor sich hin. Da die „Jar Site No. 1“ auf dem Heimweg liegt, überreden wir den Fahrer dort nochmal kurz zu halten, damit wir bei besserem Wetter nochmal ein paar Fotos machen können. Dafür will er aber extra Benzingeld (für 4 km Umweg!). Irgendwie gibt es hier in der Gegend nix umsonst. Nach dem Ausflug sind wir total platt und schlafen eine Runde. Und gehen später noch lecker laotisch Essen.

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phonsavan (06) Jar Site No. 1

phonsavan (09) Jar Site No. 1

phonsavan (11) Jar Site No. 1 mit dem größten Topf von allen

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phonsavan (13) Jar Site No. 1

phonsavan (16) Reisschnapsbrauerin

phonsavan (15) Reisschnapsprobierer

phonsavan (17) Jar Site No. 2

phonsavan (18) Jar Site No. 2

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phonsavan (25) Jar Site No. 3

phonsavan (27) Jar Site No. 3

phonsavan (28) Jar Site No. 3

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Nachdem wir ausgeschlafen haben und das Wetter erstaunlich gut zu werden scheint, planen wir heute doch noch einen weiteren Ausflug zu machen. Etwas weiter entfernt gibt es eine Höhle und ein Hmong-Dorf, das auch als „Bomb-Village“ bekannt ist. Da Florian keine Lust hat insgesamt um die 120 km mit dem Roller zu fahren und wir uns vermutlich eh tausend mal verfahren würden, meint er, wir könnten doch einfach mit dem Tuk-Tuk fahren. Dann sieht man noch was von der Umgebung. Also winken wir das nächstbeste Tuk-Tuk heran, zeigen dem Fahrer auf der Karte wo wir hinwollen, sagen ihm noch die Namen der Höhle und des Dorfes. Er nickt. Ok, was soll der Spaß kosten? 200 000 KIP, ca. 20 €. Mit 15 € ist er auch einverstanden, also los. Da er unserer Meinung nach allerdings in die komplett falsche Richtung gestartet ist, lassen wir ihn gleich mal bei der Touri-Info anhalten, die schlauerweise 2,5 km außerhalb der Stadt in Richtung Flughafen liegt. Daran merkt man, dass hier nicht wirklich viele Touris herkommen. Immer wenn man mal jemand braucht, ist natürlich niemand da und sowas wie Karten von der Umgebung gibt es auch nicht. Aber ein Touri-Polizist ist immerhin da. Er kann ungefähr 10 Worte Englisch. Immerhin. Wie vermutet, hat der Tuk-Tuk-Fahrer rein gar nix verstanden, sondern nur genickt und wollte uns dann einfach zur „Jar Site No.1“ fahren, weil da ja anscheinend die meisten Touris hinwollen. Aber zu den Jars dürfen Tuk-Tuks soweit wir mitbekommen haben sowieso nicht legal hinfahren, da kann man nur selber mit dem Motorroller oder mit einer geführten Tour hin. Jedenfalls ist es wohl ziemlich ausgeschlossen, dass wir mit dem Tuk-Tuk dahin kommen, wo wir hinwollen und das auch noch zu einem einigermaßen akzeptablen Preis. Also lassen wir uns direkt zurück fahren in die Stadt. Da er ja auch einfach mal den Kopf hätte schütteln können, als Zeichen, dass er uns nicht versteht, sehen wir es nun nicht ein ihm den vereinbarten Preis zu zahlen. Wir halten ihm als Entschädigung einen kleinen Schein hin, den er aber nicht annehmen will. Sein Pech. Wir gehen zu der Agentur mit der wir gestern die Tour gebucht hatten und fragen nach einem Transport mit Fahrer. Ist dann zwar etwas teurer, aber das ist es uns nun wert, da wir in 15 Minuten starten können. Das ist mal flexibel! Der Tuk-Tuk-Fahrer lungert immer noch in unserer Nähe rum, als wir weglaufen um uns noch was zu Trinken zu kaufen, läuft er uns nach und wedelt mit 20 000 KIP, ca. 2 EUR vor unserer Nase herum. Geht’s noch, das ist ja wohl bissle viel!? Mit zwei EUR Benzin kann er ja fast einen ganzen Tag Leute herumfahren! Sehen wir nicht ein. Da wird er fast noch handgreiflich und will Steine nach uns werfen! Irgendwie ist das hier die erste Stadt in Laos in der wirklich jeder versucht die Touris so gut es geht abzuzocken und mega-hohe Preise angesetzt werden. Das haben wir in Thailand vor ein paar Jahren ab und zu auch schon mal erlebt, aber Laos war bisher echt anders. Schließlich merkt er, dass da nix zu holen ist und verschwindet. Mittlerweile ist auch der Fahrer da und wir können los. Das erste Ziel ist die „Tham Piu Cave“ ca. 67 km östlich von Phonsavan. In dieser Höhle suchten während des Krieges die Leute aus den umliegenden Dörfern Schutz vor den Luftangriffen. Eine einzelne Fliegerbombe traf aber punktgenau die Höhle und löschte innerhalb einer Sekunde 374 Menschenleben aus. Echt abartig! Was hatten diese armen Bauern denn mit dem Krieg zu tun? Überhaupt nichts. Wir fahren ein Stück zurück in Richtung Phonsavan, zu einem Hmong-Dorf, in dem die Leute Bomben-Teile zum Bau von Häusern benutzt haben. Mittlerweile ist wohl nicht mehr so viel zu sehen, weil das meiste an Händler verkauft wurde. Wir laufen durch das Dorf. Ein Zaun besteht fast komplett aus den Hälften großer Bomben-Hüllen. Die gleichen Teile ersetzen zum Teil die Holzstelzen von kleinen Vorratshütten. Oder sie dienen als Pflanz-Kübel für Knoblauch oder ähnliches. Unglaublich! Viel los ist im Dorf allerdings nicht, die Leute sind wohl fast alle auf dem Feld. Wir sehen viele Schweine, die einen dreieckigen „Holzkragen“ verpasst bekommen haben, damit ihre Köpfe nicht durch die löchrigen Holz-Zäune passen. Kreative Lösung… Dann fahren wir wieder zurück nach Phonsavan, wo wir wieder im guten indischen Restaurant essen. Nach einer kleinen Erholungspause gehen wir noch einmal ins MAG-Center, weil wir uns hier noch einen Film ankucken wollen. Leider kommt ein anderer als wir ankucken wollten, aber der ist auch nicht schlecht. Er heißt „Bomb Harvest“, also „Bombenernte“ und erzählt von der Arbeit des MAG-Teams, die die Bomben professionell beseitigt und die Leute, aber vor allem die Kinder, davon abhalten wollen, im Wald nach Bomben zu graben. Das ist mittlerweile ein Geschäft geworden, um relativ einfach Geld zu verdienen, denn es gibt viele Stahl-Händler, die den Bomben-Schrott aufkaufen. Der Film ist von 2001 und hat etliche Preise gewonnen. Schon der Wahnsinn, wie gerade die arme Bevölkerung immer noch darunter zu leiden hat und wie wenig man von diesen Ereignissen weiß!

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phonsavan (34) Bomb-Village

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Nachdem wir im Restaurant „Crater“ gefrühstückt haben, packen wir unsere Sachen und wollen zum Flughafen. Für das Taxi in die Stadt haben wir 20 000 KIP bezahlt. Jetzt soll die Fahrt mit dem Tuk Tuk gleich mal 50 000 KIP kosten. Die sind ja echt frech! Der dritte Fahrer, den wir fragen, fährt uns schließlich für 25000 KIP zum Flughafen. Hier ist einiges los, wir zählen außer uns 3 Touristen, der Rest sind Einheimische. Und die reisen irgendwie generell mit hunderten Kartons. Würde uns ja brennend interessieren, was da so alles drin ist! Die Sicherheitskontrolle ist mal wieder zum Kaputtlachen: Da steht ein Metalldetektor, nebendran ein Handgepäck-Scanner, der seit dem 07.02.2012 kaputt ist, wie ein Schild verkündet. Also muss man das Handgepäck in kleine Körbe auf dem Tisch daneben packen, welche dann von einem Mitarbeiter des Flughafens ohne irgendeine Kontrolle auf die andere Seite des Metalldetektors geschoben werden und dort kann man alles wieder in Empfang nehmen. Sehr effektiv! Mindestens so effektiv ist das offenstehende Tor durch das man direkt am Flughafengebäude vorbei auf das Rollfeld laufen kann. Mit leichter Verspätung starten wir in Richtung Hauptstadt Vientiane. Dieses Mal nehmen wir ein Tuk-Tuk zum Guesthouse „Mixay Paradise“. Obwohl es nicht ganz so heiß ist, wie vor ein paar Tagen, nehmen wir nun ein Zimmer mit Klimaanlage. Nach einem kurzen Erholungsschlaf sind wir fit und gehen ins „Joma Café“. Dann lassen wir uns im  „White Lotus“ nochmal eine Massage verpassen. Heute nehmen wir beide die „Business Spezial“, weil diese Massage Liane letztes Mal so super gefallen hat. Sie ist wieder echt gut, aber irgendwie um einiges grober. Zum Abendessen gehen wir dann in ein Restaurant ganz in der Nähe unseres Guesthouses und essen zur Abwechslung mal thailändisch.

phonsavan (52) Flughafen von Phonsavan

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Heute ist unser letzter Tag in Laos, wir mieten uns nochmal einen Motorroller, da das mit Abstand die flexibelste und billigste Möglichkeit ist in der Stadt herumzukommen. Als erstes fahren wir zum „Patuxai“ Triumphbogen, scherzhaft auch „vertikale Landebahn“ genannt, da der hier verbaute Beton ein „Geschenk“ der USA war um den Flughafen für den Vietnamkrieg auszubauen. Etwas zweckentfremdet steht hier nun dieser Klotz von Triumphbogen. Für 30 Cent Eintritt kann man bis ganz nach oben steigen. Innendrin sind einige Ramsch-Souvenir-Läden untergebracht. Von oben hat man einen 360-Grad-Rundumblick über Vientiane oder zumindest die angrenzenden Gebäude. Wirklich schön ist das ja nicht hier oben! Also wieder runter und weiter zum „Wat That Luang“, dem Heiligtum Laos. Eigentlich ist das Ganze aber „nur“ eine goldüberzogene Stupa um die man einmal drum herumlaufen kann. Ein schönes Foto-Motiv, mehr aber auch nicht. Wir kucken noch die zwei umliegenden Tempel an und fahren dann zum riesigen Morning-Market, der aber eigentlich ganztägig ist und in dem es alles zu kaufen gibt, was man so braucht. Stände mit Früchten und Obst, Kleidung, Schmuck, Elektro-Geräte, kitschige Souvenirs, usw. In der noch größeren angrenzenden „Talat Sao Mall“ sind noch mehr solcher Läden. Ein ganzes Stockwerk ist von Juwelieren belegt. Echt krass. Wer kauft denn das alles, wo Laos doch so ein armes Land ist? Und von Markenschutz haben die hier auch noch nix gehört. Da gibt es offizielle Läden die gebrannte DVD’s verkaufen, die Cover werden direkt im Shop massenweise ausgedruckt und es gibt hier sämtliche nachgebaute Apple-Produkte, auf denen aber das Original-Logo und der dazugehörige Schriftzug ist. Und dann findet Florian doch tatsächlich einen Tempel im Reiseführer, den wir noch nicht gesehen haben. Das geht natürlich nicht! Also fahren wir hin um festzustellen, dass das wohl der langweiligste Tempel in ganz Vientiane ist. Also drehen wir gleich wieder um und machen uns auf die Suche nach dem „COPE Visitor Center“. Das ist eine Non-Profit-Organisation, die für Bomben-Opfer in Laos Prothesen anfertigt und in einem Reha-Zentrum die Leute auf ein Leben mit der Prothese vorbereitet. Hoffentlich können sie Prothesen besser als Wegweiser aufstellen, denn erst nach dem dritten Nachfragen und endlosem Herumgegurke finden wir das Center im hintersten Eck auf dem Gelände einer Klinik. Eine kleine Tour hat gerade begonnen, der Mitarbeiter gibt zuerst die uns mittlerweile schon bekannten Infos zu dem Krieg und den Bomben. Dann zeigt er einige Prothesen der Marke „Eigenbau“ meist aus Holz und/oder aus Bomben-Stahl-Teilen zusammengebastelt. Sehr unbequem und schmerzhaft zu tragen natürlich. Mittlerweile haben alle ehemaligen Träger angepasste Prothesen von COPE bekommen. Direkt daneben kann man sich eine Prothese an das Knie schnallen und damit eine Runde versuchen zu „laufen“. Außerdem gibt es an den Wänden Fotos und Geschichten von Patienten, die hier eine Prothese erhalten haben. Schon krass, über diese Schicksale zu lesen! Wobei fast genau so viele Patienten durch Bomben wie durch Verkehrsunfälle Gliedmaßen verloren haben. An einem Tisch sitzt ein ca. 20 Jahre alter Junge, dessen Arme in Stümpfen enden. Außerdem ist er blind. Er hört uns herumlaufen und spricht uns auf Englisch an. Woher wir kommen, wie wir heißen. Sein Name ist Phongsavath und er ist in einem Programm, das Bombenopfer ausbildet, damit sie in den Dörfern Aufklärung leisten können. Er kann auch einige Worte Deutsch, die er wohl von freiwilligen Helfern gelernt hat, die ab und zu hier sind. In einem kleinen Kino wird ein 15-Minuten-Film über die Arbeit und die Mitarbeiter von COPE gezeigt und ein Patient erzählt, wie er beim Reisernten mit der Hacke eine der kleinen Clusterbomben getroffen hat, welche sofort explodierte. Bis er schließlich im Provinzkrankenhaus war dauerte es einige Stunden. Aber er musste erst ins nächst größere Krankenhaus gebracht werden, bevor ihm geholfen werden konnte. Hier wurde dann sein rechtes Bein amputiert. Zu seinem Glück erfuhr sein Vater von COPE und so konnte er eine Prothese bekommen. Klar, ein bisschen Werbung für Spenden gehört natürlich dazu! Ganz krass ist dann noch ein kurzes Video-Interview mit den Eltern eines 9-jährigen Jungen der vor zwei Jahren zusammen mit zwei Schulkameraden schwer verletzt wurde, als sie mit den ballähnlichen „Bombies“ spielten, die einige Erwachsene Stahlhändler an der Straße liegengelassen hatten. Allerdings hatte er einen langsamen, qualvollen Tod, denn bis zum Hauptstadt-Krankenhaus, wo es Blutreserven und professionelle Hilfe gegeben hätte, war es zu weit und so brachten sie ihn wieder zurück ins Dorf, wo er schließlich starb. Der Mitarbeiter meint noch, dass durch die bessere Aufklärung die Zahlen der getöteten Personen durch Bomben in den letzten Jahren zurückgegangen wäre. 2010 waren es noch über 300, 2011 „nur“ noch 150. Aber das sind eben immer noch 150 zuviel! Die Hitze macht einen echt fertig, wir fahren zurück zum Guesthouse und gehen im „True Coffee“ einen echt sehr sehr guten Kaffee trinken. Liane in heißer Form, Florian eisgekühlt. Im Anschluss gehen wir ein letztes mal zur Massage ins „White Lotus“. Florian nimmt wieder die Lao-Massage, Liane probiert die Fußmassage aus, da ihr noch der Rücken von der Massage gestern wehtut. Heute geht es wieder etwas sanfter zu und wir können dann ganz entspannt zum Abendessen gehen. Heute wollen wir in das Restaurant „Makphet“, in dem ehemalige Straßenkinder ausgebildet werden als Koch oder Kellner. Unabhängig von der guten Tat wird das Essen aber auch hochgelobt. Und tatsächlich ist das was auf der Karte steht eher außergewöhnlich, aber zumindest das was wir uns aussuchen ist sehr lecker. Dazu gibt es fruchtige Saft-Kreationen, die man auch nicht jeden Tag findet. Ein echt gelungenes Konzept!

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phonsavan (60) Pha That Luang - Das Nationalsymbol von Laos

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phonsavan (75) COPE Visitor Center

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Hier das ganze Album:

Trekking im Goldenen Dreieck

Heute ist zur Abwechslung mal wieder Ausschlafen angesagt. Zum späten Frühstück gehen wir zum „Manychan Guesthouse“, wo es laut Aushang „Real Coffee“ gibt. Nach drei Tagen Lao-Kaffee brauchen wir mal wieder einen vernünftigen Cappuccino! Aus dem späten Frühstück wird allerdings ein frühes Mittagessen, denn als wir die Speisekarte sehen, kriegen wir erst recht Hunger! Daher gibt es „Pad Thai“, also Nudeln mit Gemüse und Hühnchen, für Liane und ein Chicken-Sandwich für Florian. Dann kümmern wir uns um unseren nächsten Abenteuer-Trip. Wir wollen ein Zwei-Tages-Trekking im „Nam Ha Nationalpark“ mit Übernachtung in einem „Akha-Dorf“ machen. Die Akha stammen ursprünglich aus dem tibetischen Hochland und leben heute als ethnische Minderheit abgeschieden von der Außenwelt auf Bergrücken inmitten dichter Wälder in Myanmar, Vietnam und Laos. Die Auswahl fällt gar nicht so leicht bei zehn Agenturen mit fast gleichen Angeboten. Schließlich entscheiden wir uns für die Agentur mit dem lustigsten, am besten englisch sprechenden Manager. Wir vergewissern uns nochmal, daß wir in dem Dorf dann ein Homestay haben und nicht im separaten Touri-Haus übernachten werden. Um 20:00 Uhr sollen wir nochmal vorbeikommen, evtl. melden sich noch mehr Leute, dann wird’s günstiger. Den Rest des Tages verbringen wir dann mit Tagebuch schreiben, eMails beantworten und Fotos sortieren. Abends essen wir beim „Zuela Guesthouse“, angeblich eines der besten Restaurants der Stadt. Für Liane gibt’s eine „Tom Yam“-Suppe, für Florian einen Burger. Bei der Agentur hat sich sonst niemand angemeldet, also sind wir morgen allein mit Guide. Wir bekommen noch eine kurze Info, was wir mitbringen müssen und was wir im Dorf zu beachten haben. Dann gehen wir bald ins Bett. Nachts um 01:00 Uhr ist die Nachtruhe aber erstmal beendet, dieses Mal allerdings nicht wegen einem Mega-Gewitter, sondern weil Florian plötzlich mit Riesengetöse auf den Tisch hochspringt und gegen die Decke klopft. Als Liane ihn erschreckt fragt, was denn eigentlich los ist, meint er, er hat geträumt, dass er beim Untergang der Titanic dabei war und wollte aus dem Schiff raus. Sagt‘s, dreht sich um und schläft weiter, während Liane nun hellwach ist. Super. Das kommt davon, wenn man Horrorberichte zum 100. Untergangs-Jubiläum im Internet liest!

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Wir essen nochmal beim „Manychan Guesthouse“ zum Frühstück. Um kurz vor 8:30 Uhr stellen wir unser Gepäck in den Aufbewahrungsschrank an der Rezeption im Guesthouse und machen uns mit dem Tagesrucksack auf den Weg zur Agentur. Unser Guide Sengphet wartet schon. Mit dem Tuk-Tuk fahren wir zum Morning Market um Gemüse und sonstiges Essen für die nächsten zwei Tage zu kaufen. Danach geht es noch ein Stück die geteerte Straße entlang, in Richtung „Nam Ha Nationalpark“. Irgendwann halten wir und starten die Wanderung durch einen fast nicht erkennbaren Pfad rein in den Dschungel. Zum Glück laufen wir die meiste Zeit im schattigen Wald, denn es ist schon wieder super-heiß. Nach 10 Minuten meint Sengphet, wir sollen kurz auf ihn warten, er ist gleich wieder da. Äh, ok?! Er läuft ein Stück weiter, wir hören ihn mit der Machete hantieren. Dann kommt er grinsend wieder zum Vorschein, mit neuen „Kleidern“ für uns aus riesigen Bananen-Blättern. Wir bekommen auch noch ein Hemd und einen Kopfschmuck. Sieht ganz lustig aus, aber irgendwie kommen wir uns auch leicht blöd vor. Dann geht‘s weiter. Immer wieder zeigt Sengphet uns Pflanzen und erklärt uns für welche Krankheiten diese als Medizin verwendet werden können. Da es die Nacht zuvor geregnet hat, ist es ziemlich matschig an einigen Stellen. Zum Glück sind nicht viele Moskitos unterwegs. Aber nach einer Weile merkt Liane doch einen Stich am Bein, oberhalb der Wandersocke. Sie zieht das Hosenbein ein Stück hoch und entdeckt – einen Blutegel, der gerade genüsslich zubeißen will! Sengphet ist sogleich zur Stelle und zupft ihn weg, aber eine kleine Wunde ist schon da und sie brennt ziemlich. Nun verstehen wir auch, warum die Empfehlung auf „lange Kleidung“ gelautet hat! Florian zippt auch gleich mal die langen Beine an die Wanderhose und zusätzlich stecken wir die Hosenbeine dann noch in die Socken rein. Sieht zwar doof aus, aber funktioniert. Alle paar Meter kucken wir nach, ob uns neue Blutegel angreifen wollen. Nach dem zehnten innerhalb von fünf Minuten hören wir auf zu zählen. Und die Scheißviecher sind echt schnell! Aber das ist kein Wunder, ein Blutegel hat 5 Augenpaare und einen sehr ausgeprägten Geruchssinn. Es ist direkt unheimlich, wie sie uns „wittern”. Wenn wir unsere Richtung ändern, drehen sich alle Egel, die wir erspähen können immer mit und bewegen sich dann wieder auf uns zu. Manchmal fangen wir sie erst am Oberschenkel ab, obwohl wir ständig nachkucken. Aus einer Art Bambus mit ca. 1 cm Durchmesser bastelt Sengphet dann noch eine Flöte nach Akha-Art. Er spielt darauf und führt uns einen Tanz vor. Wozu der Tanz gut sein soll, verstehen wir nicht ganz, aber vermutlich soll er die Pflanzen schneller wachsen lassen. Oder es könnte auch ein Regentanz sein.  Nach ca. 3 h Wanderung machen wir Mittagspause an einem Fluss. Es gibt Klebereis, gebratenes Hühnchen und superleckere Mangos. Serviert auf zu Tellern umfunktionierten Bananen-Blättern. Auf das Hinsitzen verzichten wir allerdings, da wir schon wieder einen Egel im Anmarsch entdeckt haben. Da wir durch das Essen abgelenkt sind, schafft es dann einer tatsächlich bis auf Florians Bauch. Man merkt so einen Egel aber leider immer erst, wenn er zubeißt. An einem umgestürzten Baum in der Nähe entdeckt Sengphet einige Pilze, die er sammelt und in ein Blatt bindet. Für das Abendessen meint er. Akha-Food. Na, hoffentlich weiß er was er tut! Zumindest scheint er zu wissen, dass die anderen drei Pilzarten, die nebendran wachsen, nicht essbar sind. Als wir weiterlaufen gibt Sengphet jedem von uns eine Pflanze mit rötlichem Stengel und meint, wenn wir diese etwas abbrechen, so dass der Saft rauskommt und den dann auf die Blutegel drücken, dann lassen sie los. Eine Zeitlang scheint es fast, als ob die Egel gemerkt haben, dass wir nun eine „Waffe“ haben, denn sie lassen uns weitgehend in Ruhe. Sengphet ahmt die Vögel nach, einen hört man ganz besonders häufig. Es klingt wie: „Khon Khut That Po“ („Leute die Sand essen“ auf Laotisch). Unser Guide erzählt uns eine Geschichte dazu, bzw. wir dürfen sie aus seinem kleinen Büchlein lesen. Hier hat sie ein anderer Touri auf Englisch aufgeschrieben. Bei einem Wasserfall mitten im Dschungel halten wir unsere schweißnassen Gesichter ins kühle Nass. Hilft ungefähr zehn Sekunden, dann fängt man wieder an zu schwitzen. Wir laufen weiter und anscheinend war es zuvor doch ein Regentanz, denn es fängt an, wie aus Kübeln zu schütten. Innerhalb kürzester Zeit sind wir nun komplett nass. Immerhin kühlt es kurzzeitig ein kleines bisschen ab. Aber dann geht es auch noch steil bergauf. Uff! Im Zick-Zack folgen wir Sengphet bis wir plötzlich in der prallen Sonne stehen. Die Baumgrenze beginnt hier schon so weit unten, weil die Leute viel Wald im Umkreis des Dorfes gerodet haben um Platz für Ackerflächen zu haben. Das setzt der Natur leider sehr schwer zu, aber da die Akha hauptsächlich von der Landwirtschaft leben, wird auch die Regierung mit diversen Entwicklungsprojekten wenig dagegen ausrichten können. Angebaut wird vor allem Hochlandreis, Baumwolle, Gemüse und teilweise auch noch Schlafmohn zur Opiumgewinnung. Daneben züchten die Akha noch Schweine und Wasserbüffel. Da wir echt früh dran sind, es ist gerade mal 14:00 Uhr, machen wir eine kleine wohlverdiente Pause. Sengphet versorgt uns mit leckeren frischen Litschis. So gut! Er erzählt, dass er einmal eine amerikanische Gruppe hatte, die waren so langsam, dass sie diesen Platz hier erst erreicht haben, als es schon dunkel war. Also nach 19:00 Uhr! Und bis zum Dorf haben sie dann nochmal über 2 Stunden gebraucht. Wir schaffen die restliche, meist flache Strecke in weiteren 30 Minuten. Dann sehen wir endlich das auf 1200 m liegende Akha-Dorf „ Ban Phouvanh“ vor uns. Hier leben etwa 400 Menschen. Als wir im Dorf ankommen, sind nur Frauen, Kinder und ältere Männer zu sehen. Die Ehemänner und die Jugendlichen arbeiten auf den umliegenden Feldern und kehren erst zur Dämmerung zurück, erklärt Sengphet. An einem Brunnen wäscht sich gerade eine Frau, nebendran rutschen ein paar Kinder auf flachgedrückten Plastik-Kanistern eine staubig-dreckige Rodelbahn runter.  Wir machen ein paar Fotos und zeigen sie den Kindern. Sie quietschen vor Vergnügen, als sie sich darauf sehen! Als Florian sich einen Kanister schnappt und auch einmal rodelt, kriegen sie sich fast nicht mehr ein vor Lachen. Wir laufen weiter durch das Dorf, die Häuser sind ganz unterschiedlich. Die traditionellen Akha Häuser sind aus Baumstämmen, Bambus und Stroh gebaut. Die meisten sind auf Stelzen, manche stehen aber auch direkt auf dem Boden. Zum Teil gibt es aber auch Holzhäuser mit richtigen Ziegeln. Einige der Häuser haben ein kleines Solar-Panel. Also ganz so abgeschieden von der übrigen Welt scheint zumindest dieses Dorf nicht mehr zu sein. Überall laufen Hühner mit kleinen Küken herum, viele Schweine in allen Größen und ein paar Ziegen. Außerdem einige Hunde. An einem flachen Stück des Weges sind gerade ca. 10 Kinder am „Kegeln“. Die Kegel sind ziemlich zerknautschte Plastikbecher und als Bowling-Kugel wird kurzerhand der Flip-Flop vom Fuß gezogen und geworfen. Im Dorf fallen uns einige sehr kleine auf hohen Stelzen gebaute Hüttchen mit Hühnerleitern davor auf. Sengphet erklärt uns, daß es hier Tradition ist, dass sich die Dorfjugend in der Trockenzeit (ca. 3 Monate im Jahr) nach Sonnenuntergang am Versammlungsplatz trifft und sich dann paarweise zu intimen Rendezvous in diese „Liebeshütten“ begibt. Dabei wechseln die Partner, bis der/die Richtige gefunden ist. Wenn die Partnerin schwanger geworden ist, wird geheiratet, nicht eher. Ansonsten wird eine neue Gefährtin gesucht. Das ist angeblich ganz offiziell gefördert von den Familien. Die Hütten werden sogar jeweils von den Vätern für Ihre Söhne errichtet. Sengphet führt uns einmal quer durchs Dorf, bis zu einer Bambus-Hütte. Unser Nachtlager ist wohl so eine Art Dorfgemeinschaftshaus. Hmm. Ein Homestay haben wir uns aber bissle anders vorgestellt! Im hinteren Bereich ist eine Art Küche, eher Feuerstelle mit Ablage. Im vorderen Bereich eine erhöhte Fläche aus Bambus, die als Matratzenlager dient. Darunter können hier Hühner, Schweine und sonstiges Getier durchlaufen. Als allererstes brauchen wir einen Nachmittagsschlaf. Die dünnen Matratzen laden zwar nicht gerade zum darauf liegen ein, aber wir sind so k. o. da ist alles egal. Nach einer Stunde wachen wir wieder auf. Sengphet fängt zusammen mit einem Einheimischen namens Gou an das Abendessen zu kochen. Also setzen wir uns raus vor die Hütte. Die Nachbarsfrau kommt gerade aus dem Haus und trägt die traditionelle Kopfbedeckung der Akha mit Silberschmuck aus Knöpfen, Kugeln und Münzen. Die Grundbestandteile der Frauentracht besteht eigentlich noch aus einer Jacke, Brusttuch, Rock, Schärpe und Gamaschen. Aber die komplette Tracht ware zum Schweinefüttern wohl auch etwas zu schade! Wir laufen hin und machen ein paar Fotos von der Schweinerei. Sofort kommen drei Kinder angerannt. Sie deuten uns, wir sollen Fotos von ihnen machen. Die Fotos werden sofort unter lautem Lachen begutachtet. Durch das Gekreische werden immer mehr Kinder angezogen. Mittlerweile sind es zehn oder mehr die uns belagern. Schließlich sollten wir mitzukommen. Also gut. Wir folgen ihnen zu einer großen Hütte etwas weiter oben und stellen fest, dass das die Schule ist! Sie drücken uns ein Stück Kreide in die Hand und einer traut sich zu fragen „What’s your name?“. Wir schreiben also unsere Namen auf die Tafel. Da der Junge außer dieser Frage wohl kein Englisch kann, fangen wir dann an Bilder zu malen und das englische Wort darunter zuschreiben. Sie finden’s lustig und zeigen uns dann ein Schulbuch, in dem einfache Matheaufgaben sind. Wir schreiben also ein paar an die Tafel, wie z.B. 3+8= und 2+5=, der Einzige der sie lösen kann, ist auch der, der uns nach dem Namen gefragt hat. Anscheinend ein ganz schlaues Käpsele! ;-) Die Akha selbst kennen keine Schrift, es gibt nur die mündliche Überlieferung von Generation zu Generation. In den Schulen lernen die Kinder die laotische Schrift. Viele junge Akha wandern in die Städte ab. So ist der Erhalt der Traditionen der Akha und auch der anderen Bergvölker sehr gefährdet. Mittlerweile ist es schon fast dunkel und das Abendessen ist auch fertig, nach fast zwei Stunden Kochzeit! In der Hütte sieht man nun gar nix mehr. Vielleicht besser so. ;-) Es gibt Reis, eine echt leckere Tomaten-Knoblauch-Zwiebel-Soße zum Dippen, die Pilze aus dem Wald mit Kartoffeln und BBQ-Spieße mit zähem Schweinefleisch. Das hat er echt mal gut hinbekommen! Daß die Akha mittlerweile aber auch mit der westlichen Zivilisation konfrontiert werden, merken wir beim Blick auf das Nachbar-Haus: Es brennt Licht und, wir trauen unseren Augen kaum, der Fernseher läuft! Der Akha-Kumpel von Sengphet baut in der Zwischenzeit das Nachtlager auf. Wie befürchtet, kommt auf die echt alten, ekligen Matratzen kein Tuch oder irgendwas mehr drauf und auch die Bettdecken sind kaum besser. Kissen Fehlanzeige, bzw. eine der Matratzen wird zusammengerollt und dient als Kissenersatz. Im Schein unserer Taschenlampe optimieren wir das Bett noch so gut es geht und legen eines unserer Handtücher quer über das Kopfende, damit wir wenigstens nicht unser Gesicht auf die Matratzen legen müssen. Angeblich ist es Tradition, dass alle Gäste, die im Dorf übernachten eine Akha-Massage erhalten und so kommen kurze Zeit später drei Mädels vorbei. Immerhin kriegt der Guide auch eine, sonst hätten wir echt gedacht, dass ist nur für Touris. Wirklich entspannend wird das Ganze aber nicht, da die drei in einem fort miteinander quatschen und kichern. Dann kommen noch zwei Jungs in die Hütte, setzen sich daneben, quatschen auch noch mit und sorgen außerdem mit dem Handy noch für den neuesten Lao-Musik-Sound, sprich viel Gedudel und Schmachtgesänge. Jedenfalls trällern die Mädels nun auch noch mit. Irgendwie sind wir froh, als die gefühlte Ewigkeit vorbei ist und wir die Augen zumachen können…

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akha (09) Tarnkleidung aus Blättern

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akha (14) Egel-ig!

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akha (35) Pimperhütte

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akha (39) unser Nachtlager

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Nachdem wir besser geschlafen haben als erwartet, werden wir mit den Hühnern wach. Oder eher mit den Hähnen. Die sind hier echte Frühaufsteher. Die Uhr zeigt gerade erst 4:30 Uhr! Also nochmal umdrehen. Um 6:00 Uhr stehen wir dann aber auf. Schließlich wollen wir bissle kucken, was im Dorf so passiert, bevor die Leute auf’s Feld gehen. Sengphet macht gerade ein Feuer und meint, wir können ruhig herumlaufen, er braucht so 30 Minuten für das Frühstück. Hm. Das ganze Dorf ist schon auf den Beinen, ein paar Kinder spielen. Zwei kleine Jungs haben einen Reifen und treiben ihn mit einem Stock durch die „Hauptstraße“. Florian versucht es auch mal, sieht bei ihm aber deutlich weniger elegant aus als bei den Kindern. Schließlich will Florian unbedingt noch einer Sau auf den Hintern hauen, er meint, dass das auf jeden Fall Glück bringt. Die meisten merken aber gleich, dass der seltsame Touri Schlimmes im Schilde führt und flüchten, sobald er nur in die Nähe kommt. Bei einer klappt es dann aber zu seinem Vergnügen dann doch noch. Als wir nach einer Stunde wieder in der Hütte zurück sind, ist vom Frühstück noch nix zu sehen. Es dauert nochmal eine weitere halbe Stunde, bis es fertig ist. Überraschung, es gibt… Reis und Tomaten-Knoblauch-Zwiebel-Soße! Und außerdem dazu ein paar Kartoffeln. In der Zwischenzeit kommen sämtliche Kinder auf dem Weg in die Schule bei uns vorbei und kucken uns mit großen Augen an. Ganz klar, die wollen Bonbons. Unser Guide hat eine Tüte voll dabei, dabei hat es zu uns extra geheißen: Keine Süßigkeiten mitbringen! Die Nachbarin bringt noch eine Holzkiste und ein Buch vorbei. Wir sollen was spenden für die Schule. Ist klar. Im Buch will sie gleich eingetragen, wieviel wir gespendet haben. So gezwungen mögen wir das ja überhaupt nicht! Aber wir geben einen kleinen Betrag. Hoffentlich wird das Geld auch tatsächlich für die Schule benutzt! Nach dem Frühstück machen wir nochmal einen kurzen Abstecher in die Schule. Anschließend laufen wir los, in Begleitung von Gou, der wohl auch ein einheimischer Guide ist. Am Rand des Dorfes ist ein Gestell aus Holz an dem hölzerne Waffen hängen. Diese Tore werden jedes Jahr neu gebaut und sollen die bösen Geister aus dem Dorf fernhalten. Die Akha sind sehr geprägt durch ihren Glauben, sie sind Anhänger einer animistischen Religion, verehren also Ahnen und Geister. Zunächst geht es ungefähr zwei Kilometer an der staubigen Buckelpiste entlang. Dann ein schmaler, steiler Pfad hoch in den Wald. Zum Glück ist es trocken, das bedeutet hoffentlich weniger Blutegel! Gou hat eine große Machete dabei und entfernt ab und zu Pflanzen, die in den Weg ragen. Es geht meistens leicht bergab, so dass wir ziemlich schnell vorankommen. Bei einer kleinen Pause essen wir die restlichen Litschis. Die beiden Guides bekommen natürlich auch was ab, und so wie es scheint, hat Gou noch nie Litschis gegessen. Er schaut erst etwas skeptisch zu, wie wir eine essen. Dann probiert er auch. Anscheinend schmeckt es ihm, denn er nimmt gleich nochmal ein paar. Einen der Kerne pflanzt er am Wegesrand, die restlichen hebt er auf um sie im Dorf zu pflanzen. Außerdem erzählt er uns stolz, dass er zehn Kinder hat. So viele Kinder wie wir im Dorf gesehen haben, ist das aber wohl nix außergewöhnliches. Kurz darauf trennen sich unsere Wege. Gou läuft am Wald entlang weiter und wir an der Straße entlang bis wir nach ca. 3 km an ein Hmong-Dorf kommen. Ohne Schatten ist es wieder brütend heiß. Hier ist ein kleiner Shop mit einer echt netten Besitzerin, die ziemlich gut Englisch spricht und uns außerdem eiskalte Cola verkauft. Hier benutzt Sengphet ihre „Küche“ und macht Rührei mit Kräutern und dazu gibt es den Rest der Tomaten-Knoblauch-Zwiebel-Soße und Reis. Von Reis haben wir jetzt dann erst einmal genug! Die Besitzerin meint zu uns, hier im Dorf gibt es auch Homestays, zum Beispiel bei ihren Nachbarn. Ja, so hätten wir uns das eigentlich auch im Akha-Dorf vorgestellt, das war viel zu wenig „Familien-Anschluss“. Da müssen wir echt nochmal bei der Agentur nachhaken, was das sollte. Wir laufen noch eine Runde durch das Dorf, vorbei an der Schule, wo gerade Pause ist und die Kinder draußen spielen. Die Mädels hüpfen Seil, die Jungs spielen mit Murmeln. Die Regeln des Murmelspiels erschließen sich uns nicht wirklich, aber die Jungs sind richtig gut und schnipsen die Murmeln über mehr als einen Meter direkt aufeinander. Dann organisiert Sengphet ein Tuk-Tuk, das uns zurück nach Luang Namtha bringt. Auf dem Rückweg erzählt er uns noch eine Geschichte. Und zwar war ein Mann im Wald zum Pilze und Beeren sammeln, als er plötzlich den ganz tiefen Ruf eines Tieres hörte: „Puuut-puuut-puuut“. Er erschrak fürchterlich und lief zurück ins Dorf. Hier erzählte er, dass im Wald ein riesengroßes Tier sein musste. Denn da ein großer Büffel eine relativ hohe Stimme hat und einen Laut wie „Gnäääh“ macht, muß das Tier im Wald mit der tiefen Stimme also viel größer sein wie ein Büffel. Alle Jäger des Dorfes machten sich mit ihren Gewehren auf in den Wald um das Tier zu erledigen. Die kamen dem Geräusch immer näher und schließlich sahen sie einen klitzekleinen Vogel auf einem Ast sitzen und er machte „Puuut-puuut-puuut“ und flog davon. Während er die Geschichte erzählt lacht er sich halb kaputt darüber. Und den Rest der Fahrt macht er ständig „Puuut-Puuut-Puuut“ und „Gnäääh“. Na, Hauptsache er hat Spaß! Im Büro müssen wir ihm die Geschichte auf Englisch in sein Büchlein schreiben, damit er sie dann auch anderen Touris zeigen kann. Dann gehen wir zum Guesthouse, wo wir unser großes Gepäck verstaut haben. Dieses Mal gönnen wir uns ein Zimmer mit Klimaanlage und machen erst mal Mittagschlaf. Später bringen wir noch unsere Wäsche zur Wäscherei. So dreckig waren unsere Klamotten schon lange nicht mehr! Wir essen ein bisschen was beim Inder und gehen dann noch zur Massage. Es gibt nur zwei Anbieter, wir entscheiden uns für den etwas professioneller aussehenden. Bringt aber nicht viel, die Massageplätze sind nur durch eine Trennwand von einem Friseursalon abgetrennt und wir werden wieder von Lao-Musik und Gequatsche beschallt. Erholung ist was anderes! Aber zumindest können wir heute Nacht gut schlafen! Angenehm kühl mit sauberer Bettwäsche, ohne Schweine und Hühner…

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akha (58) bringt Glück! ...meint Florian

akha (59) die Dorfschule

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akha (64) Geistertor

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Wir schlafen aus, gehen dann im Restaurant des „Manychan Guesthouse“ frühstücken. Hier gibt es echt leckeres Müsli mit vielen frischen Früchten und Joghurt. Dann holen wir die Wäsche ab, packen und machen uns im Tuk-Tuk auf den Weg zum Flughafen. Der ist echt winzig, in einer Minute haben wir unser Gepäck eingecheckt, der Boarding-Pass ist handgeschrieben und ein Polizist trägt jeden einzelnen Passagier von Hand in ein Buch ein. Der Flug nach Vientiane ist um 13:30 Uhr angesetzt. Vom Flieger ist noch nirgends was zu sehen. Mit 45 Minuten Verspätung starten wir schließlich in einer 50 Passagiere fassenden Propeller-Maschine vom Typ Xi’an MA60. Der Flug geht eine knappe Stunde und ist ziemlich laut und wackelig. Mit dem Bus wären wir ungefähr 20 Stunden unterwegs gewesen! In Vientiane fahren wir mit dem Taxi in die Stadt, wir gehen nun ins „Mixay Paradise Guesthouse“ eine Straße weiter als letztes Mal. Mit Frühstück für 8,50 EUR im Doppelzimmer. Wunderbar. Es ist sehr schwül heute und erst nach einer kalten Dusche sind wir einigermaßen fit und beschließen nochmal zur Massage ins „White Lotus“ zu gehen. Das war ja auch unsere erste Massage in Laos, und bisher wohl auch die Beste. Wir kommen gleich dran. Florian nimmt die traditionelle Lao-Massage, Liane eine Spezial-Massage für den Rücken. Das ist hier echt mal was anderes, mit angenehm kühlen Räumen und leiser Entspannungsmusik. Und vor allem ohne Gequatsche! Danach laufen wir total entspannt noch zwei Straßen weiter zum Nachtmarkt. Wir probieren eine Art dünnes Omlette mit Bambus-Sprossen und Hackfleisch, marinierte Chicken-Wings und eine Art kleine Dampfnudel gefüllt mit Schweinefleisch und Ei. Während wir essen kommt starker Wind auf und schon kommt schon der erste Blitz, oder eher ein Wetterleuchten. Plötzlich fangen alle Stände in Windeseile an abzubauen. Eigentlich wollten wir zum Dessert noch Kokos-Taler essen, aber die Dame hat wohl auch die Flucht ergriffen. Wir machen uns daher schleunigst auf den Rückweg zum Guesthouse. Gerade laufen wir an der hell erleuchteten „National Cultural Hall“ vorbei, als es auf einen Schlag stockdunkel ist. Stromausfall! Die Seitenstraßen sind absolut dunkel, dann geht das Licht wieder an. Für zwei Sekunden, dann ist wieder alles aus. An der Straßenecke vor unserem Guesthouse ist ein Techniker gerade dabei von einer Hebebühne aus im Stromkabel-Gewirr irgendwas zu tun. Diese Wahnsinnigen! Auf den letzten Metern kriegen wir noch ein paar Tropfen ab, aber das ist dann auch alles, was runterkommt. Und wir hatten schon gehofft, dass es etwas abkühlt durch den Regen, denn im Zimmer ist es superheiß…

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Hier das ganze Album:

Zip-lining beim Gibbon Experience

Um 8:30 Uhr treffen wir beim Büro des „Gibbon Experience“ den Rest der Gruppe und dann geht es auch schon los. Wir werden auf zwei Jeeps verteilt und zusammen mit Dylan aus Texas und Richard aus Norwegen  hinten auf die luftige Ladefläche gepackt. Die Fahrt geht fast zwei Stunden auf neuer, geteerter Straße in Richtung des 1230 km² großen „Bokeo Reserve“. Hier wurde 2004 das Gibbon Experience als Naturschutzprojekt ins Leben gerufen. Ein paar Jahre vorher wurde eine Population von schwarzen Schopfgibbons entdeckt, die schon als ausgestorben galten. Um den Lebensraum dieser Gibbons und anderer hier lebender, seltener Tiere zu erhalten, wurde den Bewohnern der umliegenden Dörfer mit Jobs im Projekt eine Alternative zur Wilderei, dem illegalen Abholzen und zur traditionellen Brandrodung geboten. Die Idee war und ist, der lokalen Bevölkerung zu zeigen, dass man Umwelt und Tiere schützen muss und damit auch sein Geld verdienen kann. Aktuell arbeiten im Projekt wohl ca. 50 Personen, als Guides, Köche oder „forest guards“, die die Wälder vor Wilderern und illegalen Holzfällern bewachen. Da das Projekt nicht auf Massentourismus ausgelegt ist, dürfen pro Tag maximal 25 Touristen im Gebiet unterwegs sein und es wird auch keine Werbung für das Projekt gemacht. Das erklärt dann auch den stolzen Preis für dieses eigentlich sehr günstige Reiseland. Wir haben den Tipp z. B. von Raphael & Yvonne bekommen, die wir in Südafrika kennengelernt hatten. Unterwegs packt Dylan seine Ukulele aus und klimpert darauf rum. Wegen den Fahrgeräuschen hört man leider fast nichts, aber dann zieht er kurzerhand ein kleines Gerät aus der Tasche, stöpselt die Ukulele dran und legt los mit einem Beatles-Song. Echt der Kracher, das kleine Ding ist ein batteriebetriebener Verstärker! Nun haben wir den richtigen Sound für die Autofahrt. In einem kleinen Dorf halten wir an und machen eine kurze Pause und tätigen letzte Einkäufe, bevor es für drei Tage in den Dschungel geht. Wir lassen außerdem einen Großteil des Gepäcks hier, da wir auf dem Rückweg von hier aus mit dem Bus gleich weiterfahren wollen. Es wird einfach neben ein Regal im Shop gelegt. Wir fragen nochmal nach, ob sie nicht einen abschließbaren Raum haben. Aber der Guide meint, dass das Gepäck absolut sicher sei hier. Naja. Mitschleppen geht jedenfalls nicht, wir haben schon mehr als genug dabei! Kurz nach dem Dorf biegen wir dann auf eine sandige Holperpiste ab um damit bis zu einem ganz versteckt in den Bergen liegenden Dorf zu fahren. Ab hier heißt es nun Laufen. Etwa 40 Minuten, meint der Guide namens Pongbee. Wir schultern unser Gepäck und marschieren in der brütenden Mittagssonne los, zunächst querfeldein, dann quasi nur noch steil bergauf, immerhin ab und zu durch den schattigen Wald. Bringt aber nicht viel, nach kürzester Zeit sind wir komplett nassgeschwitzt. Wer hat eigentlich so viel Zeugs eingepackt? Unterwegs bekommen wir ein großes Sandwich als Mittagessen. Wir wechseln uns ab beim Tragen des großen Rucksacks und nach ungefähr einer Stunde kommen wir, immerhin nicht als letzte, am Basislager des „Gibbon Experience“ heraus. Hier werden wir in zwei Gruppen mit je sechs Leuten aufgeteilt und bekommen zwei Baumhäuser zugewiesen. Gott sei Dank kommen die gackernden und schrillen Mädels aus London in die andere Gruppe. Die Gruppe, die ein Rätsel richtig löst, bekommt Baumhaus Nr. 1, die andere Nr. 7, Vor-und Nachteile werden aber erst später erklärt. Das Rätsel lautet: „Die Reichen brauchen es, die Armen haben es und wenn man es isst, dann stirbt man. Was ist das?“ Wir wissen beide sofort die Antwort: „Nichts!“ Ok, wir sind also in Baumhaus Nr. 1, aber was bringt uns das nun? Antwort: „Erstens: Es ist das Neueste, zweitens: es ist das Größte, drittens: es ist das Schönste und viertens: es ist von hier aus am Schnellsten zu Erreichen.“ Ok. Und was ist dann der Vorteil von Nr. 7? Antwort: „Dort ist die Wahrscheinlichkeit am Höchsten, dass man die Gibbons sieht.“ Hm. Naja, momentan sind uns die Gibbons ziemlich egal, wir wollen nur eine kalte Dusche mit anschießendem Mittagsschlaf. Dann bekommen wir unsere Ausrüstung für die nächsten Tage. Diese besteht aus einer Art Gurt, wie man sie vom Klettern kennt. An diesem sind diverse Seile mit Haken dran befestigt. Jeder muss unter Aufsicht ein paar Übungen absolvieren, damit wir genau wissen, wie wir uns an den Zip-Lines verhalten und sichern müssen, damit uns nichts passieren kann. Nach dem Absprung müssen wir die Beine überkreuzen, eine Hand bleibt immer am Sicherungsseil und eine Hand liegt auf einem Stück Autoreifen auf dem Stahlseil. Damit wird im Notfall gebremst. Auch das üben wir ein paarmal. Aus dem Info-Film, den wir gestern Abend noch im Office gezeigt bekommen haben, wissen wir, dass es in dem Gebiet insgesamt etwa 30 km Zip-Lines gibt, wovon die Längste 700 m misst. Das hört sich doch nach einer Menge Spaß an! Nach ein paar Minuten Wanderung kommt die erste längere Zip-Line, mit Gepäck ziemlich anstrengend. Dann wieder etwas Wanderung, eine kurze Zip-Line, schließlich geht es einen steilen Weg in den Wald runter und wir sehen endlich unser Baumhaus vor uns liegen. Echt unglaublich, dass diese Häuser angeblich ohne einen einzigen Nagel gebaut wurden! Alles wird nur mit Stahlseilen und Schraubverschlüssen gesichert. Alle zwei Jahre werden die ausgetauscht und dann z.B. für Hängebrücken in den Dörfern genutzt. Eine Zip-Line noch, dann landen wir auf der Plattform des Hauses. Anders kommt man hier gar nicht ins Haus, oder wieder davon weg. Echt schön gemacht, ganz offen, über drei Ebenen, mit einem Küchlein und großem Tisch mit Stühlen. Außerdem ein offenes Bad mit Hock-WC und Regenwasserdusche. Abschließbar nur durch einen Vorhang. Wir suchen uns eine Schlafstelle ganz oben aus, quasi ein Doppelbett. Neben uns ist noch ein Doppelbett, welches von Tong und Mee belegt wird, zwei Studenten von der Laotischen Universität, die hier irgendwas für’s Studium machen sollen. Als nächstes geht es ab unter die Dusche! Das ist echt mal ein geniales Erlebnis: Man steht auf einer Plattform gute 25 m über dem Boden, das kalte Wasser prasselt auf einen herunter, fließt durch die Bretter am Boden ab, während man direkt in den Dschungel blickt und Vögel singen hört. Absoluter Wahnsinn! Zur Erholung legen wir uns gemütlich auf das Bett und schwitzen weiter. Während Dylan und Richard zusammen mit Aniella aus Singapur dann nochmal auf Zip-Tour gehen, bleiben wir den ganzen Nachmittag einfach im Baumhaus liegen, relaxen, schlafen und lesen. Rebecca, ebenfalls aus Singapur, macht es uns nach. Am späten Nachmittag kommt dann nochmal der Guide vorbei und bringt uns unser Abendessen. Außerdem gibt es ein paar äußerst kurze Infos zum morgigen Tagesablauf, dann geht er wieder und wir machen uns hungrig über das Essen her. Es gibt Klebereis und vier verschiedene Gemüse, eines davon mit Fleischbeilage. Superlecker! Und das Essen auf Lao-Art (mit etwas Reis eine Kugel formen und damit dann das Gemüse und die Soße dippen) macht echt Spaß! Dazu gibt es eine Flasche laotischen Wein, der allerdings ziemlich gewöhnungsbedürftig ist. Wir unterhalten uns über unsere Heimatländer und Reisepläne und als Aniella und Rebecca erfahren, dass wir nach Laos nochmal einen Zwischenstopp in Singapur geplant haben, sind sie ganz begeistert und wir verabreden, dass wir uns dort dann zu einem traditionellen Krabben-Essen treffen.  Als es dunkel wird, hören wir plötzlich ein Schaben und Nagen aus Richtung Mülleimer. Als wir schnell mit der Taschenlampe hin leuchten, huscht gerade eine große Maus davon, die sich was zu Essen geschnappt hat. Sie denkt sich wohl, Frechheit siegt und kommt mit zwei Verwandten im Schlepptau zurück, als wir wieder am Tisch sitzen. Auch am Boden unter dem Baumhaus läuft irgendein Viech herum, jedenfalls hören wir ab und zu Zweige knacken. Später spielt Dylan noch ein paar Songs auf der Ukulele, aber dann zieht das Licht so viele Fliegen an, dass es keinen Spaß mehr macht und alle beschließen ins Bett zu gehen. Allerdings entdeckt Richard vorher noch am Treppenaufgang eine ziemlich große Spinne. Als wir genauer hin Kucken, sehen wir noch einige mehr und beschließen dann doch das Moskito-Netz, das eigentlich eher ein Stoff-Zelt ist, zu benutzen. Ursprünglich wollten wir es weglassen, weil erstens fast keine Fliegen, Mücken und Moskitos herumfliegen und wir zweitens die Befürchtung hatten, dass es unter dem Stoff unerträglich heiß werden würde. Was dann auch zutrifft, aber der Gedanke an herumlaufende Spinnen und Mäuse ist noch weniger unser Ding. Also legen wir uns kurzerhand auf die Zudecke, die irgendwie eh total übertrieben dick ist für die Temperaturen hier! Kurz vor dem Einschlafen hört Florian dann etwas „Großes“ draußen rumlaufen. Und das macht sich auch noch über unser Zeugs draußen her. Er will schnell das Zelt hochheben und mit der Taschenlampe hinleuchten, erwischt aber leider die falsche Seite und deshalb noch die Zeltwand von den zwei Laoten und leuchtet ihnen ins Zelt rein. Ob die beiden das genauso lustig fanden wie wir – wir wagen es mal zu bezweifeln! Kurze Zeit später findet er dann die richtige Seite und wir sehen die Maus, die gerade einen großen Mais-Taler, verpackt in Folie, über den Boden zieht. Ist ja unglaublich, jetzt frisst sie uns auch noch die Snacks weg! Sie ist nicht bereit, die Beute aufzugeben und rennt damit den Baum hoch, bis unters Dach. Hier ist ein Loch, durch das eines der Stahlseile geht, die das Baumhaus halten. Vom Dach schnüffeln noch zwei kleine Nasen herunter, da scheint dann wohl das Nest zu sein. Der Mais-Taler ist aber mehr als doppelt so groß wie das Loch und bei  Versuch ihn durch das Loch zu ziehen, stürzt er dann leider ab auf den Waldboden. Hat sich die arme Maus ganz umsonst geplagt! Jetzt sind auch Richard und Dylan wieder beruhigt, die beiden Angsthasen haben sich nicht aus ihrem Zelt getraut um zu kucken, was da „riesiges“ im Baumhaus rumläuft. Die ganze Zeit über kam aus der Richtung ihres Lagers ein aufgeregtes „What is it, Florian? Can you see it?“… Danach schlafen wir erstaunlich gut, trotz der ziemlich lauten Geräuschkulisse des Dschungels, bis ungefähr um 01:00 Uhr. Dann kommt ein Donnerschlag, wie er lauter fast nicht hätte sein können. Gefolgt von einem grellen Blitzlichtgewitter. Kurz darauf fängt es an zu regnen. Nein, eher zu schütten. Die Temperatur stürzt innerhalb von zwei Minuten von geschätzten 30° C auf vielleicht noch 15° C! Brrr! Jetzt wissen wir auch, warum die Bettdecke so dick ist! Nach 30 Minuten ist alles wieder still und wir schlafen weiter…

gibbon (01) Dylan und Richard

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gibbon (04) Begrüßungs-Komitee

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gibbon (12) unsere Gruppe

gibbon (13) unser Guide Khampee

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gibbon (16) Ankunft an "unserem" Baumhaus Nr. 1

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gibbon (20) Duschen in luftiger Höhe

gibbon (22) lecker Abendessen

gibbon (23) Abendunterhaltung

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gibbon (24) verfressener Besuch

gibbon (27) Haltet den Dieb!

Um 6:00 Uhr werden wir von einer Art Geheul geweckt. Alarmsirenen? Mitten im Dschungel? Wir brauchen kurz um draufzukommen: Na klar, das sind die Gibbons, die frühmorgens „singen“! Wir stehen sofort auf. Leider ist es total neblig und man sieht kaum die nächste Baumspitze, also müssen wir uns damit begnügen sie zu hören.  Der Guide Khampee kommt gerade an und bringt heißes Wasser für Tee oder Kaffee mit. In gebrochenem Englisch versucht er uns ein bisschen was über die Gibbons zu erzählen. Nach ca. einer Stunde hören die Gibbons auf zu singen und uns ist mittlerweile richtig kalt. Frühstück gibt es erst um 8:30 Uhr und müde sind wir schon noch ein bisschen. Also kuscheln wir uns, dieses Mal ohne das „Zelt“, wieder ins Bett und kucken dabei zu, wie sich die Sonne durch den Nebel kämpft. Zum Frühstück sind wir dann topfit. Es gibt Klebereis, Rührei und verschiedene Gemüse. Eigentlich ist es eher ein vollständiges Mittagessen.  Danach holt uns ein anderer Guide namens Wallee ab. Mit ihm erkunden wir heute den Wald bis ans am weitesten entfernte Baumhaus Nr. 5. Bis dahin sind es einige Zip-Lines, aber auch ganz schön viel Fußmarsch. Es ist mittlerweile wieder genauso heiß wie gestern Mittag und der Schweiß läuft in Strömen. Baumhaus Nr. 5 ist mega-hoch, bestimmt 80 m oder mehr. Und beim Losfahren von dort muss man auf eine ganz kleine Plattform stehen und einfach in den Wald springen. Fast wie beim Bungy-Sprung, nur dass man hier halt gleich abgefangen wird und es waagerecht weitergeht. Abgesehen von den bei dieser Hitze sehr anstrengenden Fußmärschen zwischen den Zip-Lines, die logischerweise fast immer den Berg hoch führen, macht das Zip-Lining schon richtig Spaß! Die Lines überbrücken teilweise bis zu 400 m tiefe Täler und man bekommt dabei ganz schön Fahrt drauf. Trotzdem setzen wir die Bremse eher spärlich ein. Wir wollen natürlich auf keinen Fall unterwegs hängen bleiben. Dann muss man sich nämlich mühsam mit den Händen bis zum Ende ziehen, was je nach Länge des Seils ganz schön anstrengend werden kann. Auf jeden Fall ist hier der Spaßfaktor im Vergleich zu unserer Canopy-Tour in Costa Rica deutlich grösser. Dort war alles Touri-Idiotensicher ausgelegt und die Zip-Lines waren relativ langsam und langweilig im Vergleich. Hier fühlen wir uns zwar trotzdem sicher, aber man merkt schon, dass man für sich selbst verantwortlich ist. Wallee ist leider nicht sonderlich motiviert und nachdem er Rebecca zweimal ein Stück ziehen musste, weil sie nicht genug Schwung hatte, eigentlich gar nicht mehr. Es macht ein bisschen den Eindruck, er will einfach so schnell wie möglich das Standard-Programm abspulen und dann zurück ins Dorf. Schade. Wir hätten schon gern ein paar mehr Infos zum Projekt und zu den Gibbons gehabt, aber dazu spricht er außerdem eh viel zu schlecht Englisch. Als wir dann nach ca. 4 h wieder zurück im Baumhaus sind, kommt auch gerade eine Frau aus dem Dorf mit dem Mittagessen. Wir haben noch gar keinen Hunger, aber sie hat noch eine Überraschung dabei: halbwegs kühle Coke! Kann sie vielleicht Gedanken lesen? Wir kaufen ihr zwei Cola und eine Sprite ab. Den Schnaps, den sie auch noch dabei hat, lassen wir lieber weg, denn der sieht stark nach Marke „selbstgebraut“ aus… Und auf dem Baumhaus ist mehr Alkohol als die eine Flasche Wein am Abend vielleicht eh nicht empfehlenswert! Wir gehen der Reihe nach unter die Dusche, essen doch eine Kleinigkeit und legen uns dann zum verdienten Erholungsschlaf hin. Dylan und Richard kommen auch gerade zurück, sie waren ohne Guide unterwegs und sind angeblich die ganze Zeit gelaufen und gezippt und gezippt und gelaufen und haben verrückte Videos mit ihrer GoPro gemacht, die sie sich jetzt gleich auf dem iPad ankucken. Inkl. Tarzan-Gegröle und bekloppten Ansagen. Die Mittagsruhe dauert eh nicht lange, dann kommt auf Einladung der beiden Jungs die andere Gruppe von Baumhaus 7 zu Besuch, poltert einmal rauf und runter durch „unser“ Baumhaus, findet alles ganz „amazing“ und „lovely“ (zumindest die drei höchst nervigen Mädels aus London). Zum Glück machen sie bald den Abflug und wir haben wieder himmlische Ruhe… Als die Sonne nicht mehr ganz so arg brennt, geht Florian mit den beiden Jungs nochmal auf Zip-Tour und sie kommen erst zurück als es schon dunkel wird. Mit weiteren verrückten Videos im Gepäck, unter anderem sind sie einmal zu zweit auf einer Zip-Line gewesen und einmal ist Richard komplett nackig gezippt! Verrückte Leute! Wir essen zusammen zu Abend, wieder Klebereis und Gemüse und bissle Fleisch. Danach gehen alle direkt schlafen, denn das Zippen und Laufen bei der Hitze ist ganz schön anstrengend! Um 01:30 Uhr ist die Nachtruhe wieder vorbei. Das Mega-Gewitter von gestern Nacht war gar keins merken wir. Da geht noch mehr. Unglaublich, das ganze Baumhaus knarzt und wackelt, das Gewitter muss direkt über uns sein, denn auf einen Blitz folgt sofort ein krachender Donner und darauf sofort wieder ein Blitz und so weiter. Der Wind bläht unser Zelt auf und an zwei Stellen regnet es sogar etwas rein. Nach einer guten halben Stunde ist wieder alles ruhig. Das Baumhaus steht noch, aber wir sind hellwach, an Weiterschlafen ist erst mal nicht zu denken. Irgendwann fallen uns die Augen dann wohl doch zu und es ist schon hell als wir sie wieder aufmachen…

gibbon (28) Alarm im Morgennebel

gibbon (31) Baumhaus Nr. 1

gibbon (32) Baumhaus Nr. 1

gibbon (30) Ganz schön hoch!

gibbon (34) Baumhaus Nr. 5

gibbon (36)

gibbon (37)

gibbon (43) Landung an unserem Baumhaus

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gibbon (50) verrückte Leute!

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Heute ist es weniger neblig und man kann auch schon wieder die Gibbons singen hören, dieses Mal aber einiges weiter weg. Khampee ist auch schon da, bringt heißes Wasser für Tee und meint, wenn wir wollen können wir gleich noch eine Runde zippen und dann um 10:00 Uhr direkt an der Küche das Frühstück bekommen und dann von dort aus zurück zum Basislager zu laufen. Na klar wollen wir! Wir packen unser Zeug zusammen und nehmen es gleich mit bis zum großen Baum, von dem mehrere Ziplines abgehen. Hier passt Khampee darauf auf, während wir mal nach links mal nach rechts loszippen. Zwischendurch müssen wir immer kurze Fußmärsche auf uns nehmen, um die nächsthöhere Zip-Line zu erreichen und zum Baum mit unserem Gepäck zurückzukommen. Das machen wir ca. anderthalb Stunden lang, dann laufen wir zur Küche, wo es Baguette und Rührei für uns gibt. Von hier aus geht dann ein halbstündiger Marsch zum Dorf, wo wir auf die Jeeps warten, die die neuen Gäste bringen und uns abholen. Die Rückfahrt auf dem Jeep wird noch anstrengender als die Hinfahrt, da der Fahrer über die staubige Holperpiste hoch und runter heizt wie blöd. Und wirft es ganz schön herum auf unseren Sitzen. Überall am Wegrand sind kleine Feuer zu sehen, ganze Hügel sind brandgerodet. Echt Wahnsinn, wie viel Fläche so verbrannt ist. Im Shop, wo wir auch unser Gepäck untergebracht hatten (alles noch da!) gibt es gebratenen Reis mit Gemüse zum Mittagessen. Die anderen fahren dann wieder zurück nach Huay Xay, während wir an der Straße auf den Bus nach Luang Namtha warten. Nach 10 Minuten kommt der erste um die Ecke, Florian hält ihn an. Ja, er fährt nach Luang Namtha. Wir haben genügend Zeit um unser Gepäck zu verstauen, denn die Gelegenheit wird gleich von mehreren Männern als Pinkelpause im Feld neben der Straße genutzt. Die Klappen des Gepäckstauraums sehen nicht gerade vertrauenserweckend aus, eher, als ob sie jeden Moment wieder aufspringen würden. Nach europäischen Maßstäben wäre der Bus bereits voll, wir steigen über drei Plastikstühle, die vorne im Mittelgang stehen und sitzen schließlich auf ein paar Reissäcken, die die hintere Hälfte des Mittelgangs belegen. Der Bus setzt sich schnaufend in Bewegung. Bergauf ist nicht mehr als Schrittgeschwindigkeit drin, aber was soll’s. Etwa eine halbe Stunde vor dem Ziel halten wir in einem kleinen Dorf an. Zunächst steigen nur drei Leute und der Busfahrer aus. Aber als es nach fünf Minuten immer noch nicht weitergeht, stattdessen einige Männer aus dem Dorf mit Werkzeug kommen, ist klar dass irgendwas am Bus kaputt ist. Da es immer heißer wird ohne den Fahrtwind, steigen nun alle aus. Es scheint ein Problem am linken Hinterrad zu sein. Jedenfalls werden gerade ein paar Schrauben angezogen. Insgesamt sehen wir an dem Rad zehn Löcher, aber nur acht Schrauben. Wir fragen einen der Passagiere, der etwas Englisch kann und er meint, dass zwei Schrauben abgerissen wären und wir nun halt so weiterfahren. Also werden die verbleibenden (immerhin 8) mit großem Hebel und viel Gewalt noch etwas stärker angezogen. Es sind ja nur noch 25 km… Schaffen wir! Eine gute halbe Stunde später kommen wir heil am Busterminal von Luang Namtha an. Hier nehmen wir ein Tuk-Tuk in das 7 km entfernte Stadtzentrum und entscheiden uns direkt für das „Thoulasith Guesthouse“, welches etwas zurückversetzt in einem Garten liegt. Nach einer kleinen Ruhepause machen wir uns auf zum Nachtmarkt und bestellen eine fettige gegrillte Ente, die lecker duftet. Sofort haben wir ein paar neue vierbeinige Freunde, die uns mit großen Augen jeden Bissen in den Mund kucken. Aber immerhin sind sie wohl damit einverstanden, dass wir die Reste gerecht verteilen, es gibt jedenfalls kein Geknurre oder Gekämpfe darum. Dann probieren wir noch einen „Dumbling“, vergleichbar mit einer Dampfnudel bei uns, gefüllt mit Erdnuss-Zucker-Pampe. Gar nicht mal schlecht!

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gibbon (71) Dorfladen

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Hier das ganze Album:

Relaxen auf dem Mekong

Heute wollen wir nochmal die Mönch-Almosen-Prozession ankucken, aber dieses Mal in der Gasse hinter unserem Guesthouse. Wir kommen genau rechtzeitig. Der erste Mönch läuft gerade durch. Hier ist es wirklich sehr viel ruhiger als auf der Hauptstraße. Dafür meinen ein paar Touris sie müssen auch Almosen geben. Was man ja nur machen soll, wenn es einem auch was bedeutet. In dem Fall bedeutet es höchstwahrscheinlich ein Foto, das man dann daheim zeigen kann. Danach machen wir uns mitsamt Gepäck auf den Weg zur Ablegestelle von „Shompoo Cruises“, wo um 07:00 Uhr unsere zweitägige Mekong-Tour mit dem Slowboat startet. Kaum sind wir an Bord geht es auch schon los. Diese Bootstour kann man in beide Richtungen machen, aber flussaufwärts ist sie erstens 50 US$ günstiger und zweitens wird diese Route nur selten gebucht, in unserem Fall gibt es gerade mal 7 andere Fahrgäste! Das heißt wir haben schön viel Platz und es wird ruhig und entspannend. Die Alternative wäre ein öffentliches Slow-Boat mit harten Holzbänken gewesen, auf dem theoretisch 40 Leute Platz haben, praktisch aber auch mal 70 draufgepackt werden. Kapitän Pheng tuckert also los und kurze Zeit später gibt es von Guide Khit ein kurzes Briefing über das Boot und unsere Tour generell. Das Boot heißt „Pheng Sipaserth“, benannt nach dem Kapitän und Besitzer, ist 40 m lang, 5 m breit und der Motor hat 185 PS. Nach ca. einer Stunde Fahrt kommen wir bei der „Ou Pak“-Höhle an. Eine steile Treppe führt in die Kalkstein-Höhle in der ca. 4000 Buddha-Statuen stehen. Wie Khit uns erzählt waren es mal bis zu 7000 Buddha-Statuen, aber dann wurden viele gestohlen. Deshalb wird die Höhle mittlerweile bewacht. Am Eingang sitzen ein paar Frauen, die Kerzen, Blumengestecke und Räucherstäbchen an die Besucher verkaufen. Die Höhle ist ganz nett so als Stopp während der Bootstour. Wenn wir aber extra eine Tour von Luang Prabang hierher gemacht hätten, wären wir wohl eher enttäuscht gewesen. Denn so toll, wie die Höhle angepriesen wird ist sie echt nicht. Wir fahren weiter. Khit öffnet einen Teil vom Dach des Bootes und wir machen es uns auf den Bänken und Liegestühlen bequem und schlafen eine Runde. Es ist nämlich schon wieder ganz schön heiß! Und was das Geschaukel auf einem Boot für eine Müdigkeit auslöst, haben wir ja bei der Südsee-Kreuzfahrt schon erlebt! ;-) Pünktlich zum Mittagessen wachen wir wieder auf. Es gibt eine Suppe mit einer Art Kohl, dann Reis mit Fisch im Palmblatt, Gemüse und gebratene Schweinestückchen. Absolut lecker gekocht von Bordköchin Nang, der Ehefrau des Kapitäns. Und zum Dessert gibt es frische Ananas und Wassermelone. Wir teilen uns den Tisch mit Anja und Lionel, einem deutsch-französischen Pärchen, die in Cannes leben. Nach dem Essen kucken wir die Landschaft an. Aab und zu gibt es kleine Dörfer am Uferrand oder spielende Kinder im Wasser. Kleine Herden Wasserbüffel liegen faul am bzw. im Wasser herum. Zwischendurch sehen wir am Rand ein Fischerboot dümpeln. Die Fischer werfen ihre Netze, die an den Rändern mit Gewichten bestückt sind, direkt aus dem Boot oder vom Fels daneben aus. Überall sind echt schöne goldene Strände, die aber zur Regenzeit alle verschwinden werden, weil dann der Wasserstand des Mekong um ca. 15 m steigt. An einem Strand sehen wir einige Frauen im Wasser stehen und flache Schalen schwenken. Khit erklärt uns, dass es am Ufer des Mekong wohl ganz kleine Goldstaub-Vorkommen gibt und die Einheimischen versuchen das Gold auszuwaschen. So geht es den ganzen Nachmittag, bis wir gegen 17:30 Uhr in Pakbeng ankommen. Wir laufen ein paar hundert Meter zu unserem Guesthouse namens „Santisouk“ und nehmen direkt eine kalte Dusche. Nach dem wunderschönen Sonnenuntergang laufen wir mit Anja und Lionel zurück zur Hauptstraße  auf die Suche nach unserem Abendessen. Wir entscheiden uns schließlich für ein Restaurant mit offener Terrasse und Blick auf den Mekong, da der Besitzer uns in Englisch, Französisch und ein paar Brocken Deutsch zu überzeugen versucht, dass seine Frau die beste Köchin von Laos ist. Und da wir die ersten Gäste sind, kriegen wir noch als kostenlose Vorspeise einen Teller gebackenes „Sea-Weed mit Sesam“. Nun sind wir endgültig überzeugt und ordern sofort etwas Kühles zu trinken, noch bevor wir überhaupt in die Karte kucken. Nachdem wir bestellt haben, füllt sich der Laden zusehends. Echt unglaublich! Da wo wir sind, wollen irgendwie immer plötzlich alle sein. ;-) Es wird noch ein lustiger Abend mit den beiden. Zwischendurch kommt noch Erwin vorbei, ein älterer Schweizer, der auch bei uns auf dem Boot ist. Er hat im Management einer Bank in der Schweiz gearbeitet, ist sehr früh in Ruhestand gegangen, und reist seither an die unglaublichsten Flecken der Erde. Jedenfalls erzählt er den Rest des Abends interessante und unterhaltsame Geschichten…

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mekong (03) Kapitän und Guides

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mekong (07) Ou Pak

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Wieder einmal müssen wir früh aufstehen, Abfahrt ist um 06:30 Uhr. Das Frühstück lassen wir uns daher einpacken, allerdings dauert das ungefähr genauso lang, als wenn wir es hier gegessen hätten. Mit etwas Verspätung schippern wir los. Die Landschaft wiederholt sich immer wieder, allerdings ist der Mekong auf diesem Abschnitt um einiges schmäler.  Immer mal wieder rauscht ein Speedboat in voller Fahrt an uns vorbei. Khit erzählt, dass es recht häufig Unfälle gibt, weil die Fahrer die Kontrolle verlieren und die Boote zudem viel zu voll geladen werden. Tatsächlich haben einige der Passagiere Motorradhelme auf! Was uns heute Morgen noch auffällt: Es gibt hier viel mehr Goldwäscher. Zum Teil sitzen da 30 Leute in einer Linie am Strand und buddeln und waschen wie die Weltmeister. Scheint sich ja echt zu lohnen! Nach ca. drei Stunden Fahrt halten wir an einem Khmu-Dorf namens „Ban Houey Phalam“ an und steigen bei brütender Hitze eine steile Treppe hoch. Die Dorfbewohner sind wohl Besuch gewohnt, denn gleich kommen einige Kinder angerannt und posieren mit ihren Müttern vor ihren Häusern. Wir machen einige Fotos, aber eher aus dem Hintergrund, denn so direkt die Kamera vor das Gesicht halten ist irgendwie nicht unser Stil. Überall rennen kleine Hunde rum, Schweine und Hühner. Khit fragt, ob wir mal in eines der Häuser rein kucken wollen und läuft auf eines zu in dem gerade eine Frau im Schatten in der Türe sitzt, im Arm ein neugeborenes, in ein Tuch eingewickeltes Baby. Auf seine Nachfrage sagt sie, das Baby ist fünf Tage alt und schon ihr achtes! Die Khmu-Leute glauben laut Khit an die Kraft der Natur und opfern manchmal auch Tiere. Für die üblichen Krankheiten haben sie Schamanen, die sich bestens mit Kräutern und Naturmedizin auskennen und damit fast alles heilen können. Nur im Notfall fährt man zum Arzt in Pakbeng oder Huay Xay, beides einige Stunden mit dem Boot entfernt. Was uns immer wieder verwundert ist: Egal wie ärmlich das Haus ist und wie verlumpt die Leute rumlaufen, einen großen Fernseher mit Sat-Schüssel hat quasi jeder. Als wir am Boot ankommen, nutzt Liane die Minute bis zur Abfahrt um kurz in den erfrischend kühlen Mekong zu springen. Eine ganz schön starke Strömung hat es hier! Der kurze Spaziergang hat uns so viel Energie gekostet, dass wir an Bord bis zum Mittagessen sofort einschlafen. Dieses Mal gibt’s Suppe, Reis, leckere Zitronengras-Spieße und Hühnchen-Ingwer-Gemisch. Nach dem Essen kucken wir wieder Landschaft. Khit macht uns auf die Plantagen am Strand aufmerksam und lässt uns raten, was da wohl angebaut wird… Wir haben alle möglichen Ideen, aber auf Erdnüsse wären wir nicht gekommen! In „Pak Tha““ halten wir kurz an, aber nur, damit der Kapitän irgendwelche Papiere unterzeichnen lassen kann. Dann geht es mit voller Fahrt weiter nach Huay Xay, wo wir um kurz nach halb fünf ankommen. Unsere Mitreisenden wollen alle noch weiter über die Grenze nach Thailand. Da die Immigrations-Stellen aber nur bis um 18:00 Uhr offen haben, müssen sie sich ein bisschen beeilen. Wir werden mit dem Tuk-Tuk direkt beim Büro von „Gibbon Experience“ rausgeschmissen, wo wir für unseren morgen startenden Trip in den Dschungel einchecken müssen. Dort kucken wir einen kurzen Infofilm an und unterschreiben einen A4-Wisch und verzichten damit auf jeden Schadensersatz bei Verletzungen durch Abstürze, Schlangenbisse, Egelattacken uvm. Nachdem es uns gelungen ist mit der Visa-Karte am einzigen Automaten weit und breit fünf mal nacheinander den Höchstbetrag abzuheben (schon nach dem ersten Mal kam die Meldung: Limit erreicht), sind wir kurzfristig 5-fache Millionäre… ;o) So viel Geld haben wir noch nie auf einmal in der Hand gehabt! Aber dann bezahlen wir die Tour und sind wieder um ca. 4,5 Mio. KIP ärmer. Danach kaufen noch diverse Dinge ein, die wir sicher brauchen werden. Dann machen wir uns auf die Suche nach einem Guesthouse. Nach der Internet-Abstinenz auf dem Mekong gehen wir  im „Highspeed-Internet-Café“ gegenüber des Hotels eMails checken. Nach 30 Minuten Seitenaufbau im Schneckentempo und etlichen Abstürzen geben wir auf. Also essen wir noch eine Kleinigkeit und gehen früh schlafen…

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mekong (29) Anhalter am Ufer des Mekong

mekong (30) Speedboat in voller Fahrt

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mekong (63) Endlich Millionär!

Hier das ganze Album:

Wasserschlacht in Luang Prabang

Um 7:00 Uhr werden wir vom Shuttle-Service angeholt. Liane hat kurz vorher bei der Bäckerei nebendran noch zwei Kaffee und zwei Schoko-Croissants ergattert. Im Zick-Zack geht es durch die Stadt, verschiedene Leute abholen, bevor wir zum Busbahnhof fahren. Hier steht schon der „VIP-Bus“ der uns in ca. 10 h nach Luang Prabang bringen soll. Sieht immerhin nicht so aus, als ob er bald auseinanderfällt, im Gegensatz zu einigen der anderen Busse, die gerade beladen werden. Wir kriegen alle unseren Sitzplatz zugewiesen. Kaum sind wir alle im Bus fährt er auch schon los. Die Straße ist erstaunlich gut. Wir kommen schnell voran. Nach zwei Stunden machen wir eine Pinkel-Pause, es gibt einige Stände mit Essen und Trinken. Unter anderem so leckere Sachen wie gegrillte Vögelchen oder Fledermäuse am Spieß. Um ca. 13:00 Uhr ist dann eine längere Mittagspause, gerade als es zu regnen beginnt. Mit dem Coupon an unserem Busticket können wir Reis und diverse Beilagen auswählen. Dann geht es weiter, die Straße wird immer schlechter und bergiger. Zwischendurch gibt es noch einen kurzen Stopp mitten in einem Dorf. Am Wegesrand spielen Kinder und ein Mann kämpft gerade mit einem riesigen Schwein, an dessen Hinterbein ein Strick befestigt ist. Optimale Fotomotive. Auffällig ist das fast jedes Haus eine riesige Sat-Schüssel im Garten stehen hat. Mit über einer Stunde Verspätung kommen wir in Luang Prabang an. Wobei uns schleierhaft ist, wie die Strecke hätte schneller befahren werden können. Mit dem Tuk-Tuk fahren wir in die Innenstadt zum „Souk Lan Xang Guesthouse„, welches wir im Internet reserviert haben. Eigentlich kucken wir uns das ja immer gerne vor Ort an, aber in dem Fall war es notwenig vorab zu buchen. Es ist gerade absolute Hochsaison rund um Pii Mai, das Laotische Neujahrsfest, welches wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Die Feierlichkeiten dauern insgesamt ca. 2 Wochen. Zunächst feiert man den letzten Tag des alten Jahres. Am zweiten Tag folgt dann ein Tag „zwischen den Jahren“, der weder dem alten, noch dem neuen Jahr zugeordnet ist.  Und die folgenden Tage stehen dann im Zeichen von Wasser, Wasser und nochmal Wasser. In erster Linie werden damit die Häuser und Statuen gesäubert um sie auf das neue Jahr vorzubereiten.  Aber auch die Segenswünsche für das neue Jahr werden in Form von Wasser überbracht. Wir sind schon sehr gespannt, da wir gehört bzw. gelesen haben, dass das Ganze zu regelrechten Wasserschlachten ausartet! Das Guesthouse stellt sich als schön renoviertes altes Lao-Holzhaus heraus. Unser Zimmer ist echt groß und sehr sauber. Da wir Hunger haben laufen wir auf den Nachtmarkt ein paar Straßen weiter. Gleich am Anfang des Marktes werden wir fündig: Es gibt „Banana-Pancakes“! Super! Die haben wir schon vor 5 Jahren in Thailand so gerne gegessen. Absolut lecker. Und absolut Kalorien-Bombe. Aber egal. Wir kucken zu wie der ölige Teig ganz dünn ausgebreitet und dann in einer Mischung aus Wok und Crépes-Platte gebacken wird. Bananen drauf. Zusammenklappen. Nochmal extra Butter dazu, damit es auch schön knusprig wird und dann noch wahlweise Nutella oder dickliche süße Kondensmilch obendrauf. Mmmmmh! So lecker! Wir laufen ein Stück über den Markt, Florian kriegt noch ein laotisches Sandwich mit Hühnchen. Direkt neben dem Sandwichstand gibt es einen Fruchtshake-Stand. Die Zutaten sind schön bunt ausgestellt. Man kann aussuchen was man möchte und das Ganze wird dann zusammen mit Eis und Zuckerwasser zu einem mehr oder weniger leckeren Shake gemixt. Wir nehmen einen mit ordentlich Limette und Minze drin, für umgerechnet 80 Cent. Sehr erfrischend! Und dann entdecken wir noch ein weiteres Dessert, das wir in Thailand schon gerne gegessen haben: in einer Mischung aus „Mini-Wok“ und „Muffinförmchen“ gebackene, noch warme Kokos-Milch-Plätzchen. Alles klar, hier gefällt’s uns auf Anhieb! :-)

luangprabang (01) unser Luxus-Reisebus

luangprabang (03) Hmm... lecker Vögelchen und Mäuse!

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luangprabang (05) Hier wird eine Sau durch's Dorf getrieben...

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luangprabang (09) Kokostaler... mmmhhh!!!

Unsere wohlverdiente Nachtruhe wurde zwischenzeitlich durch eine liebeskranke Katze unterbrochen, die irgendwo in der Nähe minutenlang jämmerlich geheult hat. Hört sich an wie ein schreiendes Kind. Aaaah! Da ist man dann so richtig neben der Spur, wenn man morgens feststellt, dass man das garnicht geträumt hat, sondern wirklich längere Zeit halb wach war. Wir frühstücken ganz gemütlich im Hostel und wollen dann etwas die Stadt erkunden. Wir kommen ein paar hundert Meter weit bis zum ersten Tempel namens „Wat Pha Phay Pha Phay“, machen ein paar Fotos und setzen uns dann zu einem jungen Mönch in den Schatten. Er kann echt gut Englisch, obwohl er es erst seit einem Jahr lernt und wir können ihn einige Sachen fragen, die wir über das Leben im Tempel wissen wollen. Er heißt Serth, ist 18 Jahre alt und seit zwei Jahren Novize. Also quasi die Vorstufe zum Mönch. Mönch kann man eh erst mit 20 werden, oder man kann auch Novize bleiben. Das kann man sich wohl raussuchen. Viele gehen auch nur zwischendurch mal für drei Monate in den Tempel, um sich zu besinnen und erneuern und gehen dann zurück zur Familie. Er ist in den Tempel gegangen, weil es in seinem Dorf keine gute Schule gibt und er hier unterrichtet wird, damit er später studieren kann. Im Gegenzug müssen wir dann einige seiner Fragen über Deutschland beantworten, z.B. ob es dort auch Tempel und Mönche gibt und wie das Wetter so ist. Nach einer Stunde Unterhaltung stellen wir fest, dass wir schon beim Sitzen im Schatten schwitzen wie ab. Daher machen wir noch etwas Pause im Guesthouse bis wir Hunger kriegen. Dann gehen wir bei „Luang Prabang Pizza“ eine Kleinigkeit essen und laufen noch etwas die Hauptstraße entlang. Gegenüber des ehemaligen Königspalasts geht eine Treppe den Berg hoch, zum „That Chomsi“. Von hier aus hat man einen Rundumblick auf Luang Prabang und den Mekong. Die Sonne ist mittlerweile glutrot, vor allem wegen dem Smog der hier herrscht. Wirklich weit sehen kann man nicht. Unten werden gerade schon die Stände für den Nachtmarkt aufgebaut. Diesen kucken wir uns heute mal etwas genauer an, da wir gestern ziemlich schnell drüber gelaufen waren. Wir werden auch gleich fündig und kaufen eine Tasche für Liane. Außerdem kommen wir nicht um die leckeren Fruitshakes, Banana-Pancakes und Kokos-Plätzchen drum herum. Florian will direkt zurück zum Hostel, während Liane noch einen Abstecher zur Massage macht…

luangprabang (10) Monk Chat

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Wir frühstücken im Hostel und machen uns dann auf zum Markt um gute „Water Guns“ mit großem Tank zu kaufen, damit wir bei der heutigen Wasserschlacht auch gut ausgerüstet sind. Tatsächlich stehen schon überall am Straßenrand mit Wasser bewaffnete Leute. Ausweichen ist quasi unmöglich. Wir sind daher patsch-nass bis wir am Markt ankommen. Wir können uns nicht wehren – noch nicht! ;-) Zunächst laufen wir über den riesigen Markt, der sich ewig an der Hauptstraße entlang zieht. Am Ende ist eine Art Vergnügungspark aufgebaut, mit Box-Autos, „Riesen“-rad (6 m Durchmesser) und Kettenkarussel. Keines der Fahrgeschäfte hätte in Deutschland auch nur ansatzweise eine Chance darauf durch den TÜV zu kommen, die Antriebs-Technik ist der absolute Hammer! Schließlich finden wir zwei echt gute Water Guns und machen uns auf den Weg zurück ins Zentrum, wo bereits eine Wasserschlacht tobt. Mittlerweile sind wir schon längst wieder trocken, da es einfach unglaublich heiß ist! Wir stürzen uns daher gleich wieder mittenrein ins nasse Vergnügen. Viele Einheimische haben große Wassertonnen vor ihren Häusern aufgestellt. Die Wasserschläuche laufen den ganzen Tag um sie mit Mekong-Wasser nachzufüllen. Wenn man den Tank seiner Water Gun füllen will, kann man das immer gerne tun, allerdings nicht ohne einen kleinen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet zu bekommen. Wir bleiben schließlich vor einem Reisebüro hängen, da wir da immer Nachschub kriegen. Außerdem bekommen wir ein großes Lao-Beer mit Eiswürfeln spendiert. Der kleine Sohn des Besitzers ist fleißig mit am Herumspritzen und hat jede Menge Spaß, als er mal mit unserer großen Water Gun hantieren darf. Oft haben die Leute das Wasser mit Lebensmittelfarbe in gelb, grün, blau oder rot eingefärbt oder man kriegt einfach gleich eine Hand mit Farbe ins Gesicht oder auf das T-Shirt. Manchmal ist das Wasser auch extra mit Eiswürfeln gekühlt, das ist dann besonders erfrischend. Nach kurzer Zeit sind wir jedenfalls ziemlich bunt und nass. Die Tonne läuft immer mal wieder leer, so viel Wasser brauchen wir. So eine Schlacht ist ganz schön anstrengend, Florian kriegt schon eine Blase am „Abzugfinger“ und Liane Muskelkater im Oberarm. Gegen Nachmittag reicht es uns, wir laufen zum Mekong und gehen zu einer der traditionellen Zeremonien, die parallel zu der Wasserschlacht stattfinden. Dazu setzen mit einem kleinen Boot über zu einer Art „Strand“ auf der anderen Seite des Mekong. Die Einheimischen bauen hier aus Sand verschieden große Stupas, also Sandkegel, die mit weißem Mehl bestäubt und mit Kerzen und Fähnchen mit Sternzeichen drauf geschmückt werden. Es sind haufenweise offene Zelte aufgebaut, in denen Getränke und Essen verkauft werden. Um einen besseren Überblick zu bekommen laufen wir auf den „Wat Chomphet“, einen kleinen, eher hässlichen Tempel auf dem angrenzenden Berg. Dabei müssen wir durch das kleine Bergdorf. Vor einem Haus direkt am Rand der Treppe sitzt eine Familie zusammen, sie winken uns her und bieten uns einen selbstgemachten Kräuter-Schnaps an. Gar nicht mal so schlecht! Auf dem weg nach unten kommen wir dort wieder vorbei und der Sohn der Familie lädt uns ein, dazu zu sitzen und ein BeerLao zu trinken. Er ist 22 und kann einigermaßen Englisch. Seine Onkels sind schon ziemlich blau und finden es höchst lustig mit uns. Nachdem wir noch ein paar mirabellen-ähnliche Früchte bekommen haben, meint Houmphong, wir sollen mit ihm runter an den Strand kommen zur Party. OK, nix wie hin! Seine Ex-Freundin (oder auch nur Freundin, so genau haben wir das nicht verstanden) hat hier einen Stand, zufällig ist direkt daneben ein Tisch frei und so kommen wir zu den nächsten zwei Flaschen BeerLao. Mit Eiswürfeln, wohlgemerkt! Dann geht’s ab ins Getümmel. Lustig ist, daß sich die Tanzfläche nach jedem Lied sofort komplett leert, bis das nächste Lied anfängt und alle wieder zurück stürmen. Nach der Tanzrunde holt Houmphong zwei Portionen gebratene Hühnchen und dazu einen unglaublich scharfen Krautsalat. Dazu nochmal zwei Flaschen BeerLao. Schließlich geht’s wieder auf die Tanzfläche. Hätten wir besser mal unsere Knarren mitgenommen, denn die sind natürlich weg, als wir an den Tisch zurückkommen. Schließlich wird es dunkel und wir setzen mit dem Boot wieder auf die andere Seite über und laufen in Richtung Nachtmarkt um noch einen Banana Pancake zu essen. Houmphong kommt auch mit, denn er weiß angeblich, wo heute DIE Party steigt, keine 10 Minuten mit dem Tuk-Tuk zu fahren. Unsere Klamotten sind zwar immer noch etwas nass und wir sind total dreckig. Aber Florian meint, das wär egal. Liane wird kurzerhand mit dem Argument überzeugt, dass es eigentlich nie verkehrt ist, was mit Einheimischen zu unternehmen. Also machen wir uns auf den Weg und sind kurz nach 20:00 Uhr beim „Dao Fa Night Club“. Soweit so gut. Wir gehen rein und stellen fest, dass wir die ersten Gäste sind. Die Angestellten rücken gerade noch Fässer als Tische zurecht, eine Tanzfläche gibt es nicht und auf drei großen Fernsehern läuft „Deutsche Welle“. Wo sind wir denn hier gelandet? Houmphong bestellt gleich nochmal zwei Flaschen BeerLao. So langsam können wir das Zeug nicht mehr sehen. Liane hat in ihrem ganzen Leben noch nicht so viel Bier getrunken wie am heutigen Tag! Wir sitzen nun also an einem Tisch, frieren etwas in unseren nassen Klamotten wegen der Klimaanlage und Houmphong rennt ständig raus und telefoniert seine Freunde zusammen. Mittlerweile hat er uns noch eröffnet, dass heute sein „Badai“ ist, also sein Geburtstag. Ganz langsam füllt sich der Club, um 21:30 Uhr fängt dann eine Band an zu spielen. Die ersten drei Lieder sind ganz ok, ab da geht es mit der Qualität der Musik rapide bergab. Nachdem Houmphongs Freunde aufgetaucht sind und die nächste Runde Bier auf dem Tisch steht, flüchten wir. War ja ganz interessant, aber nun haben wir genug für heute. Mit dem Tuk-Tuk fahren wir zurück zum Guesthouse und sind echt froh, als wir unter der warmen Dusche stehen und kurze Zeit später zumindest halbwegs sauber im Bett liegen.

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luangprabang (24) das "Riesenrad"

luangprabang (28) bereit für die Schlacht!

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luangprabang (38) Attacke!!!

luangprabang (43) Zeremonie am Strand

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luangprabang (48) Dixie-Klos auf laotisch...

luangprabang (49) Da kann Lara Croft abdanken! ;-)

luangprabang (51) Waffen und Schuhe bleiben draußen...

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luangprabang (59) Party am Strand

luangprabang (57) unser neuer Freund Houmphong

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Wir schaffen es dank Wecker tatsächlich auf kurz vor 6 Uhr an die Hauptstraße. Hier ist schon ganz schön was los! Denn in ein paar Minuten kommen hier die Mönche auf ihrer morgendlichen Almosen-Tour vorbei. Ein Minibus nach dem anderen fährt vor und spuckt sowohl Einheimische als auch Touris aus. Auf der einen Seite der Straße sind kleine Teppiche ausgebreitet, darauf liegt ein Kissen und davor steht ein kleines Bambus-Gefäß mit Klebereis. Die noch freien Kissen sind schnell belegt, hauptsächlich von Asiaten, ein oder zwei westliche Gesichter sind auch zu sehen. Viele bringen noch weitere Gaben mit, wie Obst oder Süßigkeiten. Alle haben ein Tuch dabei, welches über die linke Schulter gelegt wird und knien dann auf die Kissen. Dann kommt die erste Gruppe orangefarben gekleideter Mönche mit ihren meist silbernen Gefäßen, in die im Vorbeigehen von den Leuten eine kleine Handvoll Reis geben wird.  Mit traditioneller morgendlicher Zeremonie hat das hier allerdings nichts zu tun. Viele Touris stehen einen Meter daneben auf der Straße und machen wie wild Fotos. Natürlich immer mit Blitz, ist ja noch dämmrig. Total unpassend, zumal überall Infos hängen, wie man sich verhalten soll, wenn man hierher kommt: Unauffällig und ruhig auf der anderen Straßenseite stehen, ohne Blitz fotografieren, die Zeremonie nicht stören. Es kommen immer mehr Mönche, in langen Reihen laufen sie vorbei. Nach ungefähr einer halben Stunde ist das Spektakel beendet, die Minibusse fahren ab. So hatten wir uns das irgendwie nicht vorgestellt! Nach diesem fragwürdigen Erlebnis gehen wir zurück ins Guesthouse und schlafen nochmal eine Runde. Gegen Mittag laufen wir zur Hauptstraße um etwas zu essen und um uns mit neuen Water-Guns auszurüsten. Ohne die hat man hier echt keine Chance, bzw. auf jeden Fall weniger Spaß! Mit zwei Fruitshakes  – dieses Mal Apfel-Maracuja und Banane-Papaya – ausgestattet setzen wir uns dann an den Straßenrand in den Schatten und warten darauf, dass eine der zahlreichen Prozession losgeht, die in der Festwoche hier stattfinden. Es dauert ewig und es ist abartig heiß. Zum Glück kommt ab und zu jemand vorbei, der einen nassspritzt. Schließlich werden in fetten Autos die „VIPs“ her gekarrt, sie begeben sich zur überdachten Ehrentribüne und dann wird endlich der große Gong geschlagen und die Prozession startet. Ein bunter Mischmasch aus schön verkleideten Tänzern, Musikgruppen und Paradewägen, auf denen wahlweise kleine „Prinzessinnen“ sitzen oder nasse Mönche oder einmal ein fetter Sumo-Ringer, allerdings wird uns bei letzterem nicht wirklich klar, aus welchem Grund er hier „vorgeführt“ wird. Nach einer Stunde ist die Prozession vorbei und alle Leute laufen hinterher bis um Tempel „Wat Xieng Thong“. Hier werden die Blumengestecke, die von einigen Tänzerinnen getragen wurden, an verschiedene Stupas gestellt und jeder kann (gestellte) Fotos davon machen. In den Straßen fängt nun wieder die Mega-Wasserschlacht an. Nochmal eine Steigerung zu gestern, falls das überhaupt möglich ist! Laute Musik, ausgelassene Partystimmung und jeder ist bätsch-nass. Durch die Straßen fahren Pick-ups rauf und runter mit haufenweise Leuten auf der Ladefläche, die mit Wasser spritzen. Teilweise werden nun auch ganze Fässer über die Autos und Leute geschüttet. Nach ein paar Stunden haben wir erst mal genug und machen eine kleine Pause im Hostel. Zum Abendessen setzen wir uns in ein „Restaurant ohne Namen“ auf einer Terrasse direkt am Mekong. Wir sind echt hungrig und bestellen jeder ein Hauptgericht und dazu noch eine Suppe. Die Getränke kommen schnell, das Essen dauert ewig. Wir bereuen es schon ein bisschen, das wir nicht wo anders hin sind. Aber dann kommt endlich doch noch das Essen und das Warten hat sich absolut gelohnt. Wow, ist das lecker! Die Suppe namens „Tom Yam„, eine laotische Spezialität mit kleinen Tomaten, Zwiebeln und Hühnchen, ist mit Zitronengras verfeinert. Florian bekommt Klebereis mit gebratenem Hühnchen und Bambussprossen, Liane Shrimps mit verschiedenem Gemüse und Reis. Das beste Essen in Laos bisher, da sind wir uns einig. Und das alles für unglaubliche 7 € für alles! Ein Dessert hat aber auch noch Platz, wir teilen uns ein „Banana-Pancake“ und einen Limetten-Minz-Eis-Shake. Eigentlich wollten wir uns noch eine Massage gönnen, aber so vollgefuttert entscheiden wir uns dann doch gleich fürs Bett.

luangprabang (64) Warten auf die Mönche

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Heute wird ausgeschlafen, komme was wolle. Um 9:00 Uhr sitzen wir dann beim Frühstück und machen Pläne für die nächsten zwei Tage. Dann sehen wir, dass das Büro von „Shompoo-Cruises“ wieder offen hat, viele Geschäfte waren nämlich wegen Neujahr geschlossen. Wir buchen gleich unseren zweitägigen Mekong-Bootstrip nach Houay Xay ganz im Westen von Laos an der thailändischen Grenze, welche am Dienstag frühmorgens startet. Der Manager gibt uns noch einige Infos zur Stadt und zum heutigen letzten Tag des Neujahrs-Fests, u.a. das wir heute Morgen um 6:00 Uhr die wichtigste Prozession verpasst haben… Mist, wir haben extra verschiedene Leute gefragt, was so geht die drei Tage, aber das hatte uns keiner gesagt! Danach schreiben wir noch ein paar eMails und gehen dann wieder auf die Hauptstraße zur nächsten Prozession. Allerdings stellen wir bald fest, dass es genau die gleichen Gruppen und Leute sind wie am Tag davor, nur dass sie dieses Mal in die andere Richtung laufen. Das ist doch mal originell! Nach der Parade beginnt dann sofort wieder die Wasserschlacht. Wir mischen heute in der Hauptstraße mit. Es ist echt der Hammer, mit was für Fahrzeugen die Leute hier durchfahren! Unter anderem einer total ausgeschlachteten, rostigen Ente ohne Türen, bei der das Benzin in einem Kanister zwischen den Beinen des Beifahrers steht, der wiederum auf einem kleinen Holz-Schemel sitzt. Die nächsten Stunden sind wir also damit beschäftigt hauptsächlich nass und nicht ganz so bunt zu werden, was echt schwer ist, denn heute ist wohl auch noch richtig Farbschlacht angesagt. Außerdem rennen überall Leute rum, die einen mit Mehl oder so was ähnlichem „bestäuben“ wollen. Selbst die vorbeilaufenden oder -fahrenden Mönche und Polizisten werden nicht verschont! Als es dämmrig wird gehen wir zurück zum Guesthouse und stellen unter der Dusche fest, dass die Farbe ganz schön hartnäckig ist, wenn sie mal angetrocknet ist. Da hilft auch Rei-in-der-Tube nix. Dafür haben wir jetzt also Batik-T-Shirts! Mal kucken, was die nächste Waschmaschine dazu sagt. Nachdem wir zumindest wieder frisch duften, wenn wir auch immer noch etwas bunt sind – Lianes Arm ist grün, Florians Bauch ist blau – machen wir uns auf um die Fahrräder für morgen abzuholen, welche wir zum unglaublichen Preis von je 1,50 € mieten können. Von hier aus fahren wir gleich zur Fressgasse auf dem Nachtmarkt. Hier gibt’s ein Buffet, für 1 € kann man sich einmal den Teller füllen und für 80 Cent gibt es noch ein Hähnchen-Schlegel obendrauf. Zum Dessert müssen es nochmal die leckeren Kokos-Plätzchen sein und dann gehen wir noch ein bisschen einkaufen. Wir finden gleich eine schöne Lampe. Während Liane direkt in einen Kaufrausch verfallen könnte, hat Florian dann aber keinen Nerv mehr für Seidenschals und ähnliches und wir verschieben die restliche Einkaufstour auf morgen… :-)

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luangprabang (103) total durchgeknallt!!!

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luangprabang (113) Riesen-Auswahl für leckere Shakes!

Video von der Wasserschlacht:

Wir stehen wieder früh auf, da wir einen Tipp bekommen haben, dass wir etwas außerhalb des Zentrums die morgendliche Mönch-Almosen-Tour mit deutlich weniger Touris außen rum  sehen können. Wir schwingen uns auf die Fahrräder und radeln los. Leider hat Liane heute Morgen ein paar Orientierungsschwierigkeiten (ist ja auch doof, auf beiden Seiten der Straße ein brauner Fluss!) und wir fahren zunächst in die falsche Richtung. Deshalb kommen wir dann auch erst an dem Tempel „Wat Visounalath“ an, als die Mönche schon den Hof fegen und sonstige Gartenarbeit verrichten. Aber auch wenn wir gleich die richtige Richtung eingeschlagen hätten, wär‘s nix geworden, die Mönche starten ihre Tour hier nämlich schon um 5:30 Uhr! Da haben wir gerade erst den Wecker gehört. Naja, was soll’s, ein weiterer Grund warum wir so früh aufgestanden sind ist der „Food-Morning-Market“. Eine Straße und ein paar angrenzende Gässchen sind mit Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Essensständen übersäht. Dazwischen ist kaum Platz zum Laufen, was die Laoten aber nicht daran hindert, hier mit dem Roller direkt an den Stand zu fahren. Nachdem wir alles gesehen haben, brauchen wir mal wieder einen richtigen Kaffee. Und richtig heißt keinen laotischen, ein malzartig-süßes Gebräu. Deshalb setzen wir uns in die „Skandinavian Bakery“, trinken einen Cappucchino und beobachten die vorbeilaufenden Leute. Viele sind schick gekleidet, tragen Blumengestecke umher oder haben bunte Trachten an. Vorhin am Markt hatten wir schon so ein paar grüne „Froschmänner“ gesehen. Dann hasten noch haufenweise Mönche vorbei in Richtung ehemaligem Königspalast. Spätestens jetzt ist klar: Da läuft was! ;-) Also nix wie hinterher. Die Allee in Richtung Haupteingang ist schon voll mit Leuten, die allem Anschein nach Aufstellung für eine Prozession nehmen. Direkt vor der Türe steht ein goldener Wagen mit einem überdachten Podest darauf. Dann fängt ein Mönch an zu singen, einige andere stimmen ein. Schließlich wird aus dem im Palast untergebrachten Museum ein ca. 40 cm großer goldener Buddha herausgetragen und auf das Podest gestellt. Unter weiteren Gesängen und Trommelschlägen macht sich die Prozession auf den Weg. Dieser führt ca. 100 m an der Hauptstraße entlang und dann in den Hof des „Temple Mai“. Hier ist ein improvisatorisches Tempel-Zelt aufgebaut unter das der Buddha nun platziert wird. Ein Engländer, der wohl schon öfter beim Neujahrsfest in Luang Prabang dabei war, erklärt uns, dass dies der heilige „Pra Bang Buddha“ ist, nach dem auch die Stadt benannt wurde. Am morgigen letzten Tag der Feierlichkeiten werden in allen Tempeln Buddha-Statuen „gewaschen“. Dazu haben die Laoten Wasser mit Blüten angesetzt, welches dann über eine extra errichtete Vorrichtung auf den Buddha regnet und durch ein Rohr hintendran abläuft und wieder abgefüllt wird. Das Wasser ist dann quasi „heiliges Wasser“ geworden und wird dann in den Häusern verspritzt. Es ist mittlerweile schon wieder so heiß, dass wir zur Abkühlung einen kalten Fruitshake brauchen. Wie üblich Limette-Minze. Dann starten wir unsere Radtour zu den wichtigsten Tempeln von Luang Prabang. Der erste ist der „Wat Sene“ mitten im Dorf. Das einzig richtig sehenswerte ist ein großer, goldener, stehender Buddha. Und natürlich die gefühlten 13842 Buddhas im Haupttempel. Dann fahren wir nochmal zum „Wat Xieng Thong“, dem wichtigsten und größten Tempel der Stadt. Bei der Prozession war hier echt zu viel los, aber auch jetzt sind hier viele Touris. Hauptattraktion hier sind drei Mönche, die gerade mit einer großen Leiter hantieren und versuchen Kokosnüsse zu ernten. ;-) Aber auch die Gebäude sind natürlich schön renoviert. Zwei kleinere Tempel sind ganz bunt und glitzernd mit kleinen Mosaiksteinchen verziert. Schließlich fahren wir durch eine kleine Straße parallel zur Hauptstraße durch die Altstadt und bewundern die schön renovierten alten Holzhäuser. Dabei kommen wir noch am Tempel „Wat Xieng Mouane“ vorbei, der direkt hinter unserem Guesthouse ist und beim Tempel „Wat Choum Khong“. Dann ist unser Bedarf an Tempeln für heute gedeckt. Wir fahren am Mekong entlang aus der Stadt raus zum „Ock Pop Tok Living Crafts Centre“. Als wir dort ankommen werden wir freundlich begrüßt und gefragt, ob wir in ein paar Minuten die geführte Tour mitmachen wollen? Wir können ja solange auf der Terrasse noch was kühles Trinken. Gute Idee. Aus den paar Minuten wird dann zwar mehr als eine halbe Stunde, aber dann geht’s los. Zunächst bekommen wir die Seidenraupen gezeigt, die sich nach ca. 28 Tagen verpuppen und so die begehrten Seidenfäden spinnen. Nach einigen Tagen ändert sich die Farbe der Kokons von weiß zu gelb. Als nächsten Schritt werden die Kokons dann gekocht und einzelne dünne Fäden daraus gezogen. Diese sind erst einmal ziemlich grob und faserig. Dann werden sie nochmal gekocht, danach fühlen sie sich schon viel eher nach Seide an. Und für die höchste Qualität müssen sie nochmal gekocht werden. Als nächstes sehen wir die unterschiedlichen Blätter, Hölzer und Samen mit denen die Seide in den tollsten Farben eingefärbt wird. In einem offenen Raum stehen eng beieinander ca. 10 Webstühle unterschiedlicher Größe. Leider machen die Weberinnen gerade Mittagspause. Unser Guide erklärt, dass es ca. eine Woche dauert um die kleinen Schals zu weben, für die großen  werden 3-4 Wochen benötigt, je nach Schwierigkeitsstufe des Musters. Im Garten wachsen auch all die Pflanzen die für das Färben benötigt werden als Anschauungsobjekte. Die größeren Plantagen sind wohl ein paar Kilometer weit weg. Als letzte Station werden wir noch in den Shop geführt, in dem es echt ganz nette Sachen gibt, die aber unser Budget deutlich übersteigen. Wir machen uns im Anschluss auf den Weg zurück in die Stadt und da wir Hunger haben und irgendwo schön in den Schatten sitzen und was leckeres haben wollen, gehen wir nochmal zum „Restaurant ohne Namen“, welches doch einen Namen hat, wie wir von der Besitzerin erfahren. Es gehört zum Guesthouse gegenüber und heißt „Vane Chalearn Restaurant“. Steht aber halt nirgends. Mittlerweile läuft uns der Schweiß nur so den Rücken runter, aber selber schuld, bei 40° C im Schatten fährt man auch kein Fahrrad! Nach dem wieder sehr leckeren Essen begeben wir uns auf schnellstem Wege zurück ins Guesthouse, schalten die Klimaanlage auf volle Leistung (was bei der Hitze nicht viel heißt), stellen uns zum Herunterkühlen noch unter die kalte Dusche und machen eine Stunde Mittagsschlaf. Einigermaßen erholt fahren wir dann direkt zum Massagesalon „Lotus Spa“ um uns noch den fehlenden Rest an Erholung abzuholen. Wir nehmen wieder eine Stunde „Lao-Massage“. Leider ist es in dem Raum nicht wirklich kühl, daher fällt die Entspannung nur halb so gut aus als beim letzten Mal. Danach muss Florian nochmal mit auf den Nachtmarkt um nochmal eine Lampe und ein Seiden-Schal zu kaufen. Die Verkäuferinnen freuen sich wie blöd, angeblich weil wir ihre ersten Kunden heute sind und deshalb berühren sie mit dem kleinen Geldbündel ihre ganze Ware, eine rennt sogar noch zum Nachbarstand, damit die auch Glück haben heute Abend. Lustig! Vielleicht freuen sie sich aber auch nur, dass mal wieder ein paar doofe Touris den dreifachen Preis gezahlt haben. Obwohl die Laoten es eigentlich noch nicht so drauf haben, Touris übers Ohr zu hauen. So kommt es uns zumindest im Vergleich zu einigen anderen Ländern vor, die wir schon bereist haben. Als Belohnung gibt es noch einen kühlen Fruitshake für uns, während wir den Leuten im Tempel dabei zukucken, wie sie das Wasser über den goldenen Buddha kippen und dann wieder auffangen. Echt cool, nun haben wir das Ritual sogar auch noch gesehen! Dann geben wir die Räder ab und laufen über die Bambusbrücke zum Restaurant „Dyen Sabai“ auf der anderen Seite des „Nam Khan“-Flusses. In der Regenzeit kommt man hier nur sehr umständlich mit dem Boot rüber, weil die Bambusbrücke weggespült wird, wenn der Mekong auf bis auf 15 m Wassertiefe ansteigt. Jedes Jahr nach der Regenzeit wird sie dann wieder neu aufgebaut. Das Restaurant ist echt nett gemacht, mit bequemen Liegen an den flachen Tischen, aber dafür auch um einiges teurer als die anderen Restaurants. Das Essen ist gut, die Cocktails auch. Nebenher unterhalten wir uns mit Danny, einem chinesischen Kalifornier, und tauschen ein paar Reisetipps aus…

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luangprabang (114) Wat Visounalath

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luangprabang (119) Morning Market

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luangprabang (151) Wat Xieng Thong

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luangprabang (166) Brücke über den "Nam Khan"-Fluss

Hier das ganze Album:

Hash Run in Vientiane

Nachdem wir gefrühstückt und fertig gepackt haben, fahren wir mit dem Taxi an den Flughafen von Singapur. Dort legen wir mal unser gesamtes Gepäck auf eine große Waage. Alles in allem 38,2 kg. Das bedeutet, wir haben unglaubliche 20 kg an Souvenirs und Klamotten und sonstigem Zeug, das wir in Asien nicht brauchen werden, bei Eva gelassen. Wahnsinn, was sich da so alles angesammelt hat! Wir schaffen wieder ein „Check-In-in-einer-Minute“ und laufen dann zum Gate. Wir haben uns denn kürzesten und günstigsten Flug rausgesucht, allerdings mit zwei Zwischenlandungen. Zuerst geht es ein ca. 2 h Flugzeit nach „Ho Chi Minh City„, ehemals Saigon, Vietnam. Nach 1 1/2 Stunden Aufenthalt fliegen wir 1 h bis nach „Phnom Penh„, der Hauptstadt von Kambodscha. Hier haben wir nur dreißig Minuten Aufenthalt, dann geht es endlich weiter nach Vientiane, ihres Zeichens Hauptstadt von Laos. Wir teilen uns ein Taxi mit einer Deutschen, die sich den Fuß gebrochen hat und auf Krücken herumläuft. Im „Mixay Guesthouse“ bekommen wir ein Zimmer. Der Nachtmarkt ist direkt daneben, allerdings sind wir wohl zu müde zum richtig kucken und so ist alles was wir probieren nicht wirklich gut. Die Rinder-Spieße sind quasi nicht kaubar und der Crêpe schmeckt ganz seltsam nach ranziger Butter. Ok, was soll’s. Wir sind einigermaßen satt und schlafen direkt ein, sobald unser Kopf das Kissen berührt.

vientiane (01) Nachtmarkt in Vientiane

Wir wollen heute Sightseeing in Vientiane machen, aber vorher müssen wir uns natürlich erst einmal stärken. Ein paar Häuser neben unserem Guesthouse gibt es die angeblich beste Bäckerei der Stadt, das „Café Banneton“. Wir gönnen uns für das „Continenal Breakfast“ mit Rührei, Speck und frischem Baguette. Dazu gibt’s selbstgemachte Erdbeermarmelade und richtig guten Kaffee. Der Einfluss der ehemaligen Kolonialmacht ist nicht zu überschmecken! Während des Frühstücks arbeiten wir unseren Plan für unseren Aufenthalt in Vientiane aus, der vorsieht heute den Innenstadtbereich zu Fuß anzukucken und morgen einen Roller zu mieten und die Außenbereiche zu besichtigen. Wir beginnen mit dem Namensgeber unseres Guesthouses, dem „Mixay Temple“ direkt nebendran. Der ist ganz nett, aber wenig spektakulär. Im Tempel gegenüber, dem „Wat Haysoke“ ist schon etwas mehr los, ein paar junge Mönche schrauben an einer Musikanlage und Boxen herum. Ein älterer Typ, der hier rumlungert, spricht uns in schlechtem Englisch an und versucht uns etwas über die Statuen zu erzählen. Zunächst denken wir, er will vielleicht Geld für seine Dienste verlangen, aber als er zum dritten Mal das Gleiche erzählt und dabei wild kichert, wird uns klar, dass er wohl einfach etwas zurückgeblieben ist. Der nächste Tempel, „Ong Teu“ ist ziemlich groß. Es hängen große Banner herum, die auf den Geburtstag des „Chief Monk“ hinweisen. Überall sind Mönche am Streichen und Putzen. Wir fragen einen Mönch, ob er Englisch spricht. Lächeln und Kopfschütteln. Aber er winkt einen anderen herbei und dieser erklärt uns in perfektem Englisch, dass morgen der 97. Geburtstag des „Chief Monk“ von Laos gefeiert wird und über 3000 Mönche zum Mittagessen kommen und jeder herzlich eingeladen ist. Geburtstagsparty? Da sind wir natürlich dabei! Wir bedanken uns und gehen weiter. Hier gibt es fast an jeder Ecke einen Tempel, aber viele sind auch zu, man kann nur auf das Gelände und Fotos von außen machen. Wir spazieren am Mekong entlang, der hier aber ziemlich schmal und schmutzig ist. Der Präsidentenpalast ist eine einzige Baustelle. Aber direkt daneben liegt der „Wat Ho Phra Keo“, ein älterer Tempel, in dem auch ein Museum untergebracht ist. Der Eintritt kostet daher ganze 5000 laotische Kip (ca. 0,50 €). Hier sind auch ganz schön viele Touris im Gegensatz zu den anderen Tempeln. Auf der anderen Straßenseite steht der „Si Saket Temple„, erbaut 1818 im siamesischen Stil und einer der wenigen Tempel in Vientiane, die bei einem Krieg zwischen Laos und Siam 1827 nicht zerstört wurden. Hier wird Liane beim Hineingehen aufgefordert einen langen Rock umzubinden. Uff. Das macht die Hitze nicht besser! Um das Hauptgebäude herum verläuft eine überdachte Terrasse, entlang der Mauer befinden sich über 2000 Buddha-Bildnisse aus Keramik und Silber. Im Anschluss brauchen wir erst mal ein Eis zum Abkühlen. Wir machen noch einen kurzen Abstecher zum „That Dam“, einem Kreisel mit einer Stupa drauf. Eine Stupa bezeichnet ursprünglich einen Grabhügel der indischen Könige. Im Buddhismus werden hier aber Reliquien von Buddha vergraben, und die Stupas können dann im Gebet von den Gläubigen im Uhrzeigersinn umkreist werden. Dann müssen wir uns um unser Abendprogramm kümmern, wir wollen nämlich am „Hash Run“ der „Hash House Harriers Vientiane“ teilnehmen. Gruppen der „Hash House Harriers“ gibt es weltweit und wir haben das schon Mal mitgemacht, als wir vor vier Jahren auf Grenada in der Karibik waren. Das war ganz witzig damals! Eigentlich trifft man sich hauptsächlich zum Essen und Trinken, aber um das zu rechtfertigen und fürs bessere Gewissen wird vorher eine Art Schnitzeljagd veranstaltet, bei der einer aus der Gruppe vorher einen Weg mit weißem Kalk markiert hat und dabei auch versucht, die Gruppe in Sackgassen zu locken, so dass man den richtigen Weg wirklich suchen muss. Das Ganze wurde wohl 1938 von britischen Offizieren in Malaysia erfunden. Da wir keine Ahnung haben, wo der Treffpunkt ist und wie wir hinkommen, gehen wir zu Europcar. Der Chef Joe ist nämlich Gründungsmitglied und kann uns hoffentlich mehr sagen. Er ist gerade nicht da, aber sein Angestellter ruft ihn schnell an und meint, wir sollen kurz vor 17 Uhr wieder da sein, der Chef kann uns dann mitnehmen. Alles klar! Es ist eigentlich viel zu heiß zum Rumlaufen und wir sind total kaputt. Eigentlich würden wir uns jetzt gerne eine Runde hinlegen, irgendwo, wo es angenehm kühl ist… Zurück zum Guesthouse macht keinen Sinn, da wir in etwas mehr als einer Stunde wieder hier sein müssen. Eine Stunde? Das ist doch optimal! Hier werden nämlich überall Massagen angeboten für 50 000 KIP (also umgerechnet gerade mal 5 €) die Stunde. Also rein in den Salon „White Lotus“. Ja, wir können gleich loslegen. Optimal! Zunächst bekommen wir ein kurzes Fußbad. Gut für uns – und die Masseure! Dann werden wir nach oben geführt und bekommen weite, ganz leichte Kleidung. Hose und Hemd. Und dann werden wir eine Stunde lang richtig schön von oben bis unten durchgeknetet. Eine echte Wohltat! Zum Abschluss bekommen wir noch einen leckeren Tee. Im Anschluss laufen wir zurück zu Europcar, vor dem Eingang warten schon zwei ältere Herren auf die Abfahrt zum Hash. Ein paar Minuten später ist auch Joe bereit und es kann losgehen. Wir fahren ca. 15 Minuten in einen Vorort von Vientiane zu einem Restaurant „Rocks House“ in einer Holperstraße. Ok, das hätten wir im Leben nicht gefunden! Hier sind schon weitere 13 Personen versammelt. Erste Frage an uns: Ist das euer erstes Mal? Nein. Zum Glück haben wir unsere „Taufe“ (sprich Bierdusche) schon bei unserem ersten Hash Run auf Grenada hinter uns gebracht. Wir bezahlen unsere umgerechnet 6 € Startgeld und dann kann es auch schon losgehen. Die Strecke gelegt hat dieses Mal Chris, ein ca. 50-jähriger Australier mit ziemlich großer Klappe. Es gibt eine kurze Einleitung, es ist der 1675ste Montags-Run. Man kann drei Routen wählen: den kurzen, den mittleren oder den langen Weg. Der Beginn ist für alle gleich. Los geht’s! Der Weg führt durch staubige Gassen, dreckige Hinterhöfe und vorbei an gelangweilten Kühen über diverse Felder. Teilweise rennen die ersten Läufer ein Stück in die falsche Richtung, denn erst wenn nach 300 Metern keine Markierung mehr kommt ist man „lost“ und muss umkehren. Wenn sie aber den richtigen Weg gefunden haben kommt der Ruf „On-On“ und alle laufen hinterher. Zwischendurch kommen wir an einem gestreuten Kreuz vorbei, das bedeutet „Trackback“, also umkehren und noch mal kucken. Die Einheimischen grüßen freundlich, die Truppe ist hier anscheinend nicht unbekannt. Wir haben uns, wie eigentlich fast alle für die mittlere Variante entschieden und kommen nach ca. einer Stunde, es ist mittlerweile stockdunkel, wieder am Restaurant an. Es gibt kühle Getränke für alle. Dann wird ein „Circle“ gebildet und das so genannte „Socialicing“ durchgeführt. Das bedeutet, dass alle die nicht zur Stamm-Mannschaft gehören, sinnlose Fragen gestellt bekommen: „Welches ist dein Lieblings-Farm-Tier?“, auf die sinnlose Antworten folgen: „Lehrer“. Egal wie die Antwort ausfällt, das Ergebnis ist immer das gleiche: Der Befragte muss einen halben Becher Bier auf Ex trinken. Dann wird der Reihe nach „gerichtet“. Man sucht sich einen Sündenbock raus (meistens Chris, der Organisator), macht denjenigen für irgendwas verantwortlich, was beim Hash schief gelaufen ist oder einfach nur, weil einem die Nase des anderen nicht passt. Ergebnis: Richter und Opfer müssen jeder einen halben Becher Bier auf Ex trinken („down-down“). Dabei singen die anderen ein ziemlich sinnloses Lied, das immer gleich endet „…down, down, down!“, wer den Becher nicht ganz auf Ex schafft muss sich den Rest über den Kopf kippen. Schließlich ist die Zeremonie vorüber und es gibt was zu essen. Wurde auch mal Zeit! Einer der Stamm-Mannschaft erzählt uns ein bisschen was über die einzelnen Mitglieder, die zum Teil schon seit 30 Jahren mit dabei sind. Nach dem Essen fahren wir zurück in die Stadt, wo wir auf direktem Wege ins Bett gehen.

vientiane (03) auf dem Weg zur Schule...

vientiane (05) französischer Einfluss

vientiane (06) Mittagspause

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vientiane (09)

vientiane (10) Wat Haysoke

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vientiane (14) Vorbereitung auf die Geburtstagsparty vom Chief Monk

vientiane (16) lecker frittierte Frosch-Haut!

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vientiane (21) Mittagspause

vientiane (22) Wat Ho Phra Keo

vientiane (26)

vientiane (28) That Dam

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vientiane (29) Start des Hash Run

vientiane (30) Wo geht's nun lang?!

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vientiane (37) ON IN => Rein ins Restaurant!

vientiane (39) auf Ex!

Nachdem wir die halbe Nacht damit beschäftigt waren, fiese Schnaken abzuschlachten, wird es mal wieder nix mit früh raus. Florian macht gegenüber unseres Guesthouses einen Roller klar, Liane im Internet schnell noch das Zimmer in Luang Prabang für morgen Abend. Dann kann es losgehen. Wie geplant gehen wir zum „Ong Teu“ Tempel, wo gestern einige Mönche die 97. Geburtstags-Party des „Chief Monk“ vorbereitet haben. Als wir eintreffen sitzt das Geburtstagskind in einer Art Tempel und hält gerade eine Rede, ein kleines Männchen mit erstaunlich kräftiger Stimme. Ob das was er da von sich gibt auch Sinn macht, können wir leider nicht sagen, laotisch hört sich für uns ziemlich spanisch an. Obwohl, da würden wir vielleicht sogar ein paar Wörter verstehen, also dann eher noch wie chinesisch. Im Anschluss daran haben ein paar schick herausgeputzte Laoten eine Audienz und dürfen ihm ihre Geschenke überreichen. Er freut sich sichtlich, nachdem ein jüngerer Mönch ihm nochmal laut und deutlich wiederholt hat, was die Leute gesagt haben. Während wir das Schauspiel beobachten und Fotos schießen, bekommen wir jeder einen Becher Eis-Kaffee in die Hand gedrückt. Echt gut! Insgesamt haben uns die Mönche am Vortag nicht zuviel versprochen! Als wir weiterlaufen, deutet ein älterer Herr auf einen Stand etwas weiter weg und sagt „Lunch for free!“, lächelt freundlich und nickt uns aufmunternd zu. Na denn, da sagen wir nicht nein. Jeder bekommen ein abgepacktes Lunch-Paket mit allerlei unterschiedlichem Essen und Wasser dazu. Schmeckt echt gut und nachdem wir auch noch ein paar Kekse zum Dessert gefuttert haben sind wir so was von satt. Wir wollen heute zum „Buddha Park“ fahren, ca. 25 km außerhalb von Vientiane. Auf dem Weg dorthin halten wir noch am „Wat Si Muang“, einem kleineren Tempel, in dem zwei junge Mönche Zeremonien abhalten, bei denen mehrere Leute vor ihnen knien und Blumen, Kerzen und eine Schale mit Wasser mitgebracht haben. Ein Mönch zündet eine lange Kerze an und singt dazu irgendwelche Gebete. Schließlich verbeugen sich die Leute vor dem Mönch, der sie mit dem Wasser bespritzt. Nachdem wir noch für zwei Euro getankt haben (der Liter Super kostet hier einen Euro, ganz schön teuer für Laos!) fahren wir weiter. Unterwegs fragen wir dreimal nach, ob wir auch noch auf dem richtigen Weg sind. Die Wegweiser und Schilder sind nämlich alle nur auf laotisch. Nach schier endlosen 20 km auf holprigen Staubstraßen kommen wir tatsächlich an. Der Park liegt direkt am Mekong, auf der anderen Seite des ca. 100 m breiten, braunen Flusses sieht man Thailand. Ein paar Kilometer weiter gibt es eine Freundschaftsbrücke zwischen den beiden Ländern. Wir kaufen uns ein Ticket für umgerechnet 50 Cent und laufen direkt durch zum Restaurant. Wir brauchen unbedingt was Kühles zu trinken. Es gibt leckere, eiskalte, frische Kokosnuss. Optimal! Und die überdachten Hüttchen auf der Seite laden zu einem kleinen Mittagsschlaf ein. Bei der Hitze ist rumlaufen eh Selbstmord, es hat sicher 35° C im Schatten, eher mehr. Zwischendurch lassen wir uns die Kokosnuss ganz öffnen und essen das Kokosfleisch. So gut! Nach einer Stunde Pause kucken wir uns den Park an. Echt süß gemacht, eine steinerne Buddha-Statue neben der anderen. Groß, mittel, klein. Liegend, stehend, sitzend, betend. Alles da. Am Ende des Parks steht eine Art riesiges, apfelförmiges Gefäß, in das man hineinklettern kann. Und über schiefe steinerne Treppen innen kommt man nach oben und hat einen schönen Blick über den Park. Uns läuft der Schweiß in Strömen den Rücken runter, wir brauchen Fahrtwind. Allerdings ist jetzt viel mehr Verkehr als vorher und wir kriegen ordentlich von dem dreckigen Staub ab ab. Nach ein paar Kilometern halten wir an einem Straßenstand, wo eine Frau gerade Zuckerrohr durch eine Saft-Presse schiebt. Wir trinken jeder ein Glas für umgerechnet 10 Cent. Nicht zu süß, sehr erfrischend! Nun aber weiter, wir wollen schließlich noch zum „Wat That Luang„, dem buddistischen Heiligtum von Laos. Aber als wir endlich ankommen müssen wir feststellen, das der Tempel nur bis 16:00 Uhr geöffnet hat. Mist! Damit haben wir gar nicht gerechnet. Pech gehabt! Hier müssen wir dann bei unserem zweiten Aufenthalt am Ende der Laos-Reise noch mal her. Zum Abschluss der Sightseeingtour machen wir noch einen Stopp beim „Patou Xai„, der laotischen Version des „Arc de Triomphe“, welcher gerade schön von der Abendsonne beleuchtet wird. Dieser wurde in den 1960er Jahren als Denkmal für Laos Unabhängigkeit von Frankreich errichtet und er ist bis heute unvollendet. Für das 49 m hohe Bauwerk mit den 4 mächtigen Säulen, wurde hauptsächlich Beton benutzt, der eigentlich von den USA für den Bau des Flughafens zur Verfügung gestellt wurde. Deshalb hat der Bau auch scherzhaft den Namen „vertikale Landebahn“ bekommen. Für heute reicht‘s uns! Es wird sowieso langsam dunkel. Daher fahren wir direkt zurück zum Hostel, geben den Roller ab und setzen uns an einen der Tische vor dem indischen Restaurant „Ashifa“. Hier gibt es leckere selbstgemachte Limonade, frisches Naan und Hühnchen. Die Hitze macht einen ganz schön kaputt und so fallen wir nach dem Essen direkt ins Bett und es ist gerade mal kurz nach 20:00 Uhr!

vientiane (41) Chief Monk von Laos... 97 Jahre alt!

vientiane (42) gespannte Zuhörer

vientiane (44) Mini-Mönche

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vientiane (55) liegender Buddha

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vientiane (60) Hauptverkehrsstraße

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vientiane (63) Hunde-Mönch

vientiane (64) frisch gepresster Zuckerrohrsaft

vientiane (65) Wat That Luang - das buddhistische Heiligtum von Laos

vientiane (66) Patou Xai - der Arc de Triomphe von Vientiane

Hier das ganze Album: