Archiv von Oktober, 2011

Kondore beobachten im Colca Canyon

Am frühen Morgen kommen wir in Arequipa an. Mit dem Taxi fahren wir bis zu dem Hotel, das uns Maaike und Jeroen empfohlen haben, dem „Hostal Santa Catalina“. Wir haben ziemlich Hunger, daher beschließen wir, zuerst frühstücken zu gehen und uns danach ein bisschen hinzulegen. Leider haben nur zwei Cafés an der Plaza de Armas auf, wir entscheiden uns für das „Turututu“. Lustiger Name! Hier können wir auf dem Balkon in der Sonne sitzen. Leider ist das das einzig Gute an dem Café! Der Kaffee ist so bitter, dass man ihn nicht trinken kann. Mit den Brötchen könnte man jemanden erschlagen. Und das Omelette ist halb roh! Dazu kommt noch eine schlechte Bedienung und lange Wartezeit, obwohl wir quasi die einzigen Gäste sind. Als wir dann auch noch das „Highly recommended at TripAdvisor“-Schild sehen, reicht es uns. Wir beschweren uns zum ersten Mal richtig über das Essen. Mit dem Hinweis, dass wir einen netten Eintrag im TripAdvisor hinterlassen werden, verabschieden wir uns. Zurück im Hostel holen wir ein bisschen Schlaf nach, bevor wir uns aufmachen, eine Tour in den Colca Canyon zu buchen. Dieser Canyon ist besonders bekannt für die Kondore, die man dort beobachten kann. Wir entscheiden uns für die etwas teurere Tour mit „Land Adventures“, da uns die anderen etwas arg billig vorkommen. Außerdem fahren die meisten Anbieter nachts um 3:30 Uhr in Arequipa los. Darauf haben wir ja mal gar keine Lust! Bei Land Adventures werden wir erst um 7:00 Uhr abgeholt, die Tour an sich führt aber zu den gleichen Orten. Zum Mittagessen probiert Liane „Ceviche“, ein Nationalgericht in Peru. Roher Fisch und Meerestiere in Limetten-Vinaigrette mit Süßkartoffeln und Zwiebeln. Sehr lecker! Für den Nachmittag haben wir uns vorgenommen das 1579 gegründete Kloster „Santa Catalina“ zu besichtigen. Eine Führung auf Deutsch mit Milena hat kurz zuvor begonnen, wir können uns noch anschließen. Das Kloster ist wirklich riesig und sehr gepflegt. Es leben allerdings nur noch 20 Nonnen hier. Früher war es Tradition, dass die reichen spanischen Familien ihre zweite Tochter ins Kloster geschickt haben. Allerdings mussten diese eine hohe Mitgift bezahlen um ins Kloster einzutreten. Dafür hatten sie hier dann auch ein sehr luxuriöses Leben mit Dienerinnen. Die anderen Deutschen, die die Führung mitmachen, sind mal wieder komische Gestalten, für deren schlechte Witze gegenüber Milena wir uns echt schämen. Den Knaller des Tages bringt ein etwas älterer Herr, als er Liane anraunzt, dass dies eine private Führung ist und wir sollen uns hier nicht so frech dazumogeln und dann auch noch vordrängeln. Dass wir genauso bezahlen wie er, will er dann aber gar nicht hören. Im Kloster-Café trinken wir noch einen Cappuccino, bevor wir uns auf den Rückweg ins Hostel machen. Zum Abendessen gibt es richtig leckere (dafür aber auch ganz schön teure) Pizza. Dann gehen wir früh ins Bett um fit zu sein für die Colca-Tour.

colca-01 Kloster Santa Catalina

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colca-06 Waschplatz im Kloster

Um 7:00 Uhr werden wir von unserem Guide „Pepe“, eigentlich Jose Luiz, abgeholt. Er meint, sein richtiger Name klingt so schwul, deshalb ist ihm Pepe lieber. Wir fahren in einem Minibus, unser Fahrer heißt Juan Carlos. Wir haben echt Glück und sind insgesamt nur 4 Leute + Guide! Die anderen zwei sind Stephanie aus der Schweiz und Michael aus den USA. Nach 3 Stunden machen wir einen Stopp auf 4900 m um einen Coca-Mint-Tee zu trinken. Unser Fahrer kauft eine Zeitung und Pepe erzählt uns, was so drin steht. Das große Titelthema ist, dass zwei Tage zuvor die Leiche eines jungen Mannes aus Lima im Canyon gefunden wurde, der dort mit seiner Freundin vor einem halben Jahr wandern war. Seine Freundin wurde direkt nach ihrem Verschwinden lebend gefunden. Da es einige Ungereimtheiten gibt wird sie nun verdächtigt, ihn umgebracht zu haben. Drama! Zwischendurch machen wir noch ein paar Stopps um Vicuñas, Lamas und Alpakas zu fotografieren. In Chivay holen wir einen Snack ab, quasi als Ersatzfrühstück. Florian hat allerdings Magen-Darm-Probleme und verzichtet daher. In Cabanaconde auf 3287 m Höhe gibt es Mittagessen im Hostel „Posada del Conde“, eine Spargelsuppe, dann Lomo saltado mit Reis und Pommes. Von hier aus fahren wir nochmal 5 min mit dem Bus und dann beginnt der Abstieg in den Canyon, der angeblich der tiefste der Welt sein soll – 4160 m an der tiefsten Stelle. Zuerst erzählt uns Pepe noch ein bisschen was über die Gegend und die Leute, die im Canyon leben. Außerdem berichtet er uns interessante Sachen über die Pflanzen die hier wachsen, unter anderem einen Kaktus, der „San Pedro“ heißt. Der Name kommt daher, dass die Pflanze als Droge verwendet werden kann und man auf dem Trip bei Petrus an die Himmelspforte klopft… Er gibt uns den guten Rat, das Zeug nur unter Aufsicht zu probieren, da doch ziemlich seltsame Reaktionen dabei rauskommen können. Alles klar, Pepe! ;-) Im Zick-Zack geht’s nun runter in den Canyon, die Wege sind ziemlich steinig und es macht nicht wirklich Spaß hier zu laufen, da man ständig am Rutschen ist. Zwischendurch ruft plötzlich jemand hinter uns „Kondor!“, alle schauen in den Himmel. Tatsächlich fliegt oben am Canyon-Rand einer dieser riesigen, beeindruckenden Vögel. Leider sehen wir ihn nur kurz, dann lässt er sich am Fels nieder. Wir kommen schließlich auf 2200 m unten an einer Hängebrücke an, die über den Rio Colca nach San Juan de Chucho führt. Hier ist für Florian erst mal Schluss. Kreidebleich im Gesicht, mit Magenkrämpfen meint er zwar, es geht schon. Aber erst nachdem er seinen Mageninhalt den Büschen als Dünger hinterlassen hat, kriegt er wieder etwas Farbe ins Gesicht. Die letzten Meter zu unserer Unterkunft kriegen wir dann noch hin und Florian bekommt von Pepe einen speziellen Tee kredenzt (ohne San Pedro, hoffen wir!), bevor er sich gleich ins Bett legt. Hier gibt es keinen Strom, die kleinen Bungalows werden von Kerzen erhellt. Zum Abendessen gibt es superleckere, frische Avocado gefüllt mit Tomaten und Reis. Mmmh! Da es im Canyon ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem gibt, bauen die Leute hier alles was sie an Essen brauchen selbst an. Außerdem gibt es sehr viele Heilpflanzen und die Bewohner des Canyons haben ein großes Wissen, wofür sie anwendbar sind. Daher sind diese Leute für Pepe die „wahren Schamanen“. Es gibt keine Straßen für Autos, alles was benötigt wird muss mit dem Esel über den Weg den wir gekommen sind, von Cabanaconde hierher transportiert werden. Das ist ein halber Tag Fußmarsch. Uff!

colca-10 Vicuña

colca-11 Dalmatiner-Lama

colca-12 zotteliges Alpaka - die teuerste Variante

colca-15 Blick auf die Dörfer im Colca Canyon

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colca-17 der Colca Canyon - der tiefste der Welt?

Zum Frühstück gibt es leckere Pfannkuchen mit Bananen gefüllt. Mjam! Florian geht es auch besser und so laufen wir los. Zuerst geht es ein Stück fast flach, dann 20 min Zick-Zack bergauf. Oben hat eine junge Frau einen kleinen Verkaufsstand aufgebaut. Sie hat auch die Frucht des Kaktus „Sancallo“, über die Pepe uns erzählt hat. Die wird natürlich gleich probiert. Ziemlich lecker, allerdings zu viele Kerne! Das auf 2900 m Höhe liegende Dorf heißt Cosñirwa, hier leben fast nur alte und ganz junge Leute, die anderen sind wegen Studium oder Arbeit in die größeren Städte gegangen. Das Dorf ist seit einiger Zeit auch an den Strom angeschlossen, aber durch irgendein Problem in den Leitungen kann er schon länger nicht mehr genutzt werden. Wir besuchen die Dorf-Schule. Hier werden alle Klassen zusammen unterrichtet von einem Lehrer. Die Schüler sind zwischen 6 und 13 Jahre alt. Wir bringen ihnen ein Softgetränk und Kekse mit und erzählen anhand einer Landkarte, wo wir herkommen, wie lange die Reise bis nach Cosñirwa gedauert hat und wo wir noch überall in Peru hingehen. Die Schüler sind ziemlich neugierig und fragen auch, wie alt wir sind und was wir arbeiten. Dann bekommen sie von uns noch ein bisschen Englisch-Unterricht: Tiere, Zahlen, einfache Sätze. Im Kindergarten kucken wir auch noch kurz vorbei, bevor wir uns auf den Weg ins Nachbardorf Tapay machen. Hier gibt es eine einfache Kirche mit einer Plaza davor, auf der jedes Jahr einmal ein großes Fest stattfindet, bei dem für die Besucher alles umsonst ist. Es wird jedes Jahr von verschiedenen Familien gesponsert und das ganze Jahr über kräftig gespart, da das für die Vermögensverhältnisse hier sehr, sehr teuer ist! Ein Stückchen weiter befindet sich ein kleines Museum in dem verschiedene Tiere, Gegenstände zum Jagen und Kochen und einige Trachten gezeigt werden. Eine nette Frau in Tracht erzählt uns ein bisschen die Hintergründe. Dann können wir noch das traditionelle Bier „Chicha de Maiz“ probieren. Es wird aus Mais gebraut und schmeckt sehr gewöhnungsbedürftig! Wir laufen weiter und Pepe zeigt uns noch eine Kaktusart auf der komische weiße Knubbel sind. Es sind kleine Käfer, die ihr ganzes Leben auf dem Kaktus verbringen. Sie werden hier geboren, ernähren sich vom Kaktus und sterben darauf. Man kann sie mit den Fingern zerdrücken, dann kommt eine sehr intensive rote Farbe heraus, die schon von den Inkas zum Färben benutzt wurde. Die Bauern haben richtige Plantagen dieser Kakteen, da vor allem die Kosmetikindustrie dieses natürliche Färbemittel für viel Geld kauft. Allerdings ist die Ernte ziemlich gefährlich, da die Kakteen auf sehr steilem Gelände wachsen und zwischendrin eine sehr unscheinbare, aber gefährliche Pflanze namens „Jatupa“ wächst. Sie hat keine Blätter und die Äste brechen sehr leicht, wenn man dran hängenbleibt. Dann tritt eine Flüssigkeit aus, die auf der Haut ätzend wirkt und richtige Brandblasen verursacht. Wir halten uns daher lieber fern. Der Weg geht nun noch weiter nach unten in den Canyon in die „Oase Sangalle“ auf 2200 m, auch „Oasis Paraiso“ genannt. Untypischerweise für die Jahreszeit fängt es ein bisschen an zu tröpfeln. Und das ist echt schlecht, da wir uns in Erwartung eines schönen erfrischenden Bades in einem Pool durch die Hitze quälen… Aber unten angekommen, kommt schon wieder ein bisschen die Sonne raus und wir kühlen uns im Pool ab, während Pepe unser Mittagessen kocht. Es gibt zur Vorspeise Kräcker mit Guacamole. Superlecker! Pepe muss im früheren Leben Koch gewesen sein. Zum Hauptgericht gibt es Spaghetti mit einer etwas pikanten Tomaten-Zwiebel-Soße. Sogar ein Dessert gibt’s! Eine Art Gelee aus dunkelrotem Mais, sehr süß, aber echt gut. Nach einer kurzen Mittagspause machen wir uns dann an den Aufstieg. Wir müssen wieder hoch bis Cabanaconde! Theoretisch gibt’s das Angebot einen Esel zu mieten, der einen hochträgt, aber wir entscheiden alle, dass wir lieber laufen wollen. Insgesamt brauchen wir ungefähr 2 ½ h, was wohl gar nicht schlecht ist. Auf halbem Weg können wir drei Kondore beobachten, die sich fast ohne Flügelschlag in den Himmel tragen lassen. Echt tolle Tiere. Pepe erzählt uns, dass die Kondore für ihr ganzes Leben eine Partnerschaft mit einem anderen Kondor eingehen. Wenn der Partner stirbt begehen sie Selbstmord, indem sie so hoch fliegen wie sie können, (das sind beeindruckende 8000 m!) und von hier aus stürzen sie sich dann in den Tod und enden zerschmettert an einer Felswand. Krass! Trotzdem ist es dunkel, als wir oben ankommen. Mit unseren Taschenlampen bewaffnet schaffen wir den restlichen Weg durch die Felder bis zum Hostel. Wir sind im „Posada del Conde“ untergebracht, wo wir am ersten Tag schon zu Mittag gegessen haben. Unser erster Gang ist der in die Dusche, um den Schmutz und Schweiß der vergangenen zwei Tage wegzubekommen, bevor wir uns zum Abendessen treffen. Am Nebentisch hat sich eine deutschsprachige Reisegruppe breitgemacht, mit natürlich deutschsprachiger Reiseleiterin. Wir geben uns mal wieder lieber nicht als Deutsch zu erkennen, zu peinlich sind die Gespräche und Meinungen über Peru die dort geführt werden. Sagen wir’s mal so: Typisch Pauschal-Touri! :-( Nach dem Abendessen gehen wir noch in die „Pachamama“-Bar und lassen uns zeigen, wie man einen Pisco Sour zubereitet. Da wir zu spät dran sind, setzt Pepe eine Verlängerung der Happy-Hour für uns durch! Der Besitzer der Bar, Mirko, ist ein Kumpel von Pepe und hat Geburtstag, seine Freunde haben eine Sahne-Torte organisiert. Nachdem Pepe Mirko die Torte in Gesicht gedrückt hat, bekommen wir noch was von den Resten ab, bevor wir uns hundemüde auf den Weg ins Bett machen.

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colca-18 Pepe

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colca-22 Schule in Cosñirwa

colca-23 ...und hier wohnen wir!

colca-27 im Museum

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colca-33 Halbzeit beim Aufstieg!

colca-34 Abendstimmung mit Kondor

Am nächsten Morgen machen wir uns dann auf den Rückweg. Unsere erste Station ist das berühmte „Cruz del Condor“, hier hat man quasi eine Garantie die Vögel relativ nah zu sehen, da sie hier viel Futter finden. Außer uns sind nur noch schätzungsweise 250 weitere Touristen da. Wir warten eine Weile, sehen zwei Kondore in weiter Ferne. Und plötzlich lassen sich zwei Kondore den Hang hochtreiben und fliegen direkt an uns vorbei. Sie kreisen zwei, dreimal direkt über unsere Köpfe hinweg und drehen richtig den Kopf um die Tourimassen zu beobachten. Ziemlich cool! Wir wollen nach einer dreiviertel Stunde gerade gehen, als nochmal zwei Kondore am Cruz auftauchen. Diesmal ist auch ein dunkelbraunes Jungtier dabei, das aber auch schon richtig groß ist, nur hat es noch nicht die schwarz-weiß Färbung der älteren Tiere und keinen Halskranz. Wir fahren weiter und machen noch einen Stopp an einem Aussichtspunkt, von dem aus man gut die terrassenförmig angelegten Felder sehen kann. Hier herrscht ein Mikroklima, bereits ein Meter höher oder tiefer lässt manche Früchte gut gedeihen oder eben nicht. Irgendwo mitten in der Pampa halten wir an um „Colca Sour“ zu probieren. Hier wird als saure Frucht nicht Limette benutzt, sondern die Frucht des Kaktus „Sancallo“, die ein bisschen wie Kiwi aussieht und sehr sauer ist. Schmeckt sehr erfrischend! Hier stehen Frauen in Trachten mit einem Lama oder Alpaka, mit dem man sich fotografieren lassen kann. Gegen Geld versteht sich. Normalerweise machen wir das ja nicht, aber das Alpaka ist so süß, dass wir nicht widerstehen können! Es gibt sogar Bussis! OK, bei Florian versucht es eher den Bart zu fressen… Weiter geht’s zu einem Restaurant, wo wir ein Mittagsbuffet bekommen mit vielen lokalen Köstlichkeiten, unter anderem auch Alpaka (süßes Tier hin oder her – wir haben nun mal Hunger!), Lamm, Hühnchen und verschiedene Gemüsearten. Sehr lecker alles und wir sind nach dem Essen mal wieder total vollgefuttert. Auf der Rückfahrt machen wir noch einen kurzen Stopp in Maca. Auf der Plaza stehen zwei kleine Mädchen in Tracht mit Alpakas und lassen sich fotografieren. Ein Alpaka-Baby ist gerade 9 Tage alt und sooooooo flauschig, das muss man einfach einmal knuddeln! :-) Auf dem Rückweg nach Arequipa spielt Pepe uns dann seine spanischen Lieblingslieder vor, singt in voller Lautstärke mit und spielt dazu Luftgitarre…

colca-41 unglaublich majestätisch...

colca-42 der Kondor, der größte Raubvogel der Welt

colca-45 junger Kondor mit Braunfärbung

colca-46 Terrassenbau

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colca-51 Bussis!!!

colca-52 Mjam, lecker Bart! ;-)

colca-55 Frau beim Spinnen in typischer Tracht

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colca-59 Das Viech wird doch wohl nicht...? Doch!

Da heute Liane von Montezumas Rache betroffen ist, bleiben wir fast den ganzen Vormittag im Hostel, bzw. gegen Mittag treibt uns der Hunger dann doch kurz in die Stadt. Nachmittags machen wir eine kleine Führung in der Kathedrale von Arequipa mit. Hier ist ein Museum angegliedert in dem es haufenweise wertvolle Reliquien in Silber und Gold zu bestaunen gibt. Die Führerin kann ein bisschen Deutsch und übt mit uns. Außerdem können wir auf den Kirchturm hoch, in dem eine riesengroße, 5 Tonnen schwere Glocke hängt. Beim letzten großen Erdbeben im Juni 2001 wurde der Turm zerstört und an einer Stelle direkt daneben innerhalb von zwei Jahren wieder aufgebaut. Auf der Plaza de Armas sehen wir kurz darauf ein Hochzeitspaar, mit 6 mexikanischen Musikanten mit Sombrero (Mariachis) im Schlepptau. Sieht witzig aus, wie sie einmal über den Platz schlendern und dabei ein Video drehen. Ist anscheinend so Brauch, denn 10 min später kommt ein zweites Brautpaar vorbei. Auf der Plaza sind haufenweise Tauben, die alles verk***. Kein Wunder, man bekommt überall Mais und Getreide in kleinen Plastiktüten angeboten um damit die Tauben zu füttern! Wir kucken uns noch den Markt an, der sich aber nicht wirklich unterscheidet von den Märkten die wir in den anderen Städten schon gesehen haben. Aber es gibt sehr leckeren Fruchtsaft zu unschlagbaren Preisen! Außerdem entdecken wir bei unserem kleinen Spaziergang durch die Stadt ein Starbucks-Café! Das merken wir uns gleich mal für den Frühstücks-Kaffee am nächsten Morgen, denn wirklich guten Kaffee bekommt man hier ziemlich selten! Kaum im Hostel angekommen hören wir ein Feuerwerk, wir machen uns auf die Suche und werden gleich um die Ecke bei der Kirche San Augustin fündig: Ein hölzernes Gestell, von dem aus die irrsten Figuren und Farben abgebrannt werden. Das Ganze hört fast nicht mehr auf und ist rein feuerschutztechnisch gesehen die reinste Katastrophe! Das Spektakel wird zu Ehren des „Senor de los Milagros“, der „Herr der Wunder“ veranstaltet. Dann gehen wir im „El Turko“ noch einen peruanischen Döner essen.

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colca-69 Plaza de Armas

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colca-77 Markthalle

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colca-85 Kathedrale von Arequipa

Wir machen uns morgens gleich auf den Weg zu den Reisebüros um uns nach Flügen nach Iquitos zu erkundigen. Ein Reisebüro bietet uns einen „Promo-Preis“ für einen bestimmten Rückflug an, das macht gleich mal 100 US$ aus, daher schlagen wir zu. Arequipa-Lima vormittags und dann am späten Nachmittag weiter nach Iquitos. Zum Mittagessen erinnern wir uns an eine Empfehlung von Pepe, wir sollen unbedingt „Adobo“ probieren, eine pikante Biersuppe mit Schweinefleisch und Zwiebeln. Das ist eine Spezialität, die es nur sonntags und nur in Arequipa gibt. Wir fahren mit dem Taxi zu dem Restaurant „Super Adobo“, das etwas außerhalb liegt. Aber Pepe war absolut überzeugt, dass es hier das beste Adobo der Stadt gibt. Und es ist tatsächlich sehr gut! Mit Brot wird die Suppe gedippt. Das Schweinefleisch hat eine dicke, fette Schwarte. Wir essen eine Portion zusammen, weil Pepe meinte, das reicht übrig für zwei. Allerdings kennt er wohl unseren Hunger nicht! ;-) Zurück in der Stadt setzen wir uns auf einen Kaffee ins Starbucks und surfen im Internet. Abends treffen wir uns mit Stephanie um „Cuy“ essen zu gehen – also Meerschweinchen. Auch dafür hat uns Pepe ein Restaurant empfohlen und da er sonst nix vorhat, kommt er gleich mit. Wir fahren wieder mit dem Taxi in einen Bereich etwas außerhalb. Pepe will schon bezahlen, da machen wir ihn darauf aufmerksam, dass das Restaurant ziemlich geschlossen aussieht. Oh, meint er, stimmt! Aber Pepe kennt ein anderes Restaurant ein paar Straßen weiter. Wir sehen schon aus dem Taxi, daß es leider auch geschlossen hat, also weiter. Das dritte Restaurant „El Chactao“, laut Schild gibt es hier das beste Cuy der Stadt, hat auch zu, aber hier ist noch Licht an. Pepe klopft, redet kurz mit dem Besitzer und der macht nur für uns nochmal auf! Wir probieren einen Mix-Teller mit Cuy, Hase und Schwein. Dazu gibt es Kartoffeln und Mais. Florian macht sich an ein ganzes Cuy. Und wenn wir sagen „ganzes“, dann ist das wörtlich gemeint. Das Meerschweinchen ist quasi aufgeschnitten, dann paniert und dann mit einem Stein in der Pfanne plattgedrückt worden. Man sieht noch schön den Kopf mit Augen, Zähnen und Ohren und die Krallen… Mmmmh! ;-) Aber eigentlich schmeckt es ganz lecker. Ein bisschen nach Hühnchen, aber das Fleisch ist viel weicher und fetter. Aber durch die Zubereitungsart ist es ziemlich knusprig! Stephanie berichtet von einem anderen Cuy, das sie in Cusco probiert hat. Dort ist die Zubereitung ganz anders und das Meerschweinchen wird mit verschiedenen Gemüsen gestopft und die Haut ist dann eher labberig. Naja, also einmal probiert haben muss man das schon, wenn man in Peru ist, aber unser Leibgericht wird das bestimmt nicht! Nach so viel fettigem Essen brauchen auf jeden Fall noch einen Absacker. In den ganzen Bars ist abends immer Happy Hour. Das nutzen wir natürlich, aber wir trinken nun doch lieber Mojito. Dem Pisco Sour mit dem rohen Ei trauen wir nämlich nicht mehr so ganz über den Weg, nachdem wir in Peru nun doch schon öfter mit Magenproblemen zu kämpfen hatten… Pepe kommt auch mit und erzählt uns noch einige mehr oder weniger ernstgemeinte Geistergeschichten aus dem Colca Canyon…

colca-86 Cuy - gebratenes Meerschweinchen

colca-88 "Ich glaub mich kratzt ein Cuy!"

Hier das ganze Album:

Mit der Wild Group zum Machu Picchu

Morgens um 4:50 Uhr kommen wir am Busterminal von Cusco an und lassen uns mit dem Taxi zum „Samay Wasi 1 Hostel“ fahren, ein Tipp aus dem Buch im Café in Copacabana. Wir dürfen für umsonst im Dorm noch drei Stunden schlafen und ein tolles Frühstück mit frisch gepresstem O-Saft kriegen wir sogar auch! Da die Sonne scheint, setzen wir uns auf die Terrasse mit tollem Blick auf Cusco. Dort unterhalten wir uns noch eine Weile mit Sandra und Yohannes, zwei Kölnern, die ein halbes Jahr in Südamerika unterwegs sind. Wir tauschen ein paar Tipps aus. Die beiden haben eine „Jungle-Machu-Picchu-Tour“ gemacht (die Aktion-Variante mit Fahrradfahren, Wandern, Abseilen, etc.) bei James in unserem Hostel gebucht und sind sehr zufrieden. Wir sind uns noch nicht sicher, welche Route wir machen wollen. Den Inka-Trail oder den Salkantay-Trek. Hört sich beides super an! Für den „Original-Inka-Trail“ braucht man ein spezielles Permit (es dürfen pro Tag max. 500 Leute inkl. den Guides und Trägern drauf). Das haben wir natürlich nicht, aber evtl. können wir freie Plätze vom Touranbieter „Wayki Trek“ übernehmen, da dort zwei Leute gecancelt haben. Dazu müssen wir zum „Instituto National de Cultura“ und versuchen, die Namen umschreiben zu lassen. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir sind stundenlang kreuz und quer durch die Stadt geschickt worden, ohne dass irgendwer „zuständig“ war. Schließlich haben wir aufgegeben und uns für die Alternativ-Route über den Salkantay entschieden, da sind dann vermutlich auch viel weniger Leute unterwegs. Abends gehen wir noch ins Restaurant „Sumoq“ gleich um die Ecke eine Pizza essen. Eigentlich gibt’s noch einen Pisco Sour (das Nationalgetränk) für umsonst dazu, auf den wir uns echt gefreut haben. So zum Frust wegspülen. Aber heut ist wohl nicht unser Tag, sie haben keinen Pisco mehr! Wir beschließen schlafen zu gehen und den Tag abzuhaken.

Heute treffen wir uns mit James. Er erzählt uns einiges zu dem Salkantay-Trek. Ein Freund von ihm ist Guide und hat seine eigene Agentur, am Montag soll‘s losgehen. Da wir viel Wert darauf legen, direkt bei der Agentur zu buchen, die dann auch die Wanderung durchführt, akzeptieren wir auch den genannten Preis, der ein kleines bisschen teurer ist, aber immer noch vollkommen ok für 5 Tage mit allem drum und dran. Er klärt alles ab und abends kommt sogar noch der Guide „Walter“ vorbei um uns Details zu erzählen, wie das Programm aussieht und was wir mitbringen sollen. Mittags laufen wir in die Stadt und gehen knusprige Hähnchen essen, hier gibt es auch die von Florian geliebte „Inca-Kola“, ein mega-süßes gelbes Getränk. Schmeckt ein bissle wie „Red Bull“. Heute ist Faulenz-Tag, wir haben Bock auf gar nix! Nachdem der Guide nochmal da war und uns noch die Schlafsäcke gebracht hat, kucken wir einen Film an und gehen schlafen.

Heute ist Sonntag und wir ruhen uns aus um uns physisch und psychisch auf die folgenden 5 Tage einzustimmen. Mittags sitzen wir auf der Terasse und plötzlich hören wir Böllerschüsse und Blasmusik?! Also nix wie runter an die „Plaza de Armas“. Hier ist eine Tribüne aufgebaut auf der viele wichtig aussehende, meist uniformierte Leute sitzen und dem Umzug rund um die Plaza zukucken. Wir werden allerdings mal wieder nicht ganz schlau draus, wofür der Umzug genau ist. Es laufen viele Leute mit Plakaten für Krankenhäuser mit. Außerdem sehr viele Behinderte, meist mit Down-Syndrom. Eine Militärkapelle spielt dazu immer das gleiche Lied… Wir laufen noch ein bisschen durch die Straßen, gehen im „Bagdad Café“ eine Kleinigkeit essen und dann ins Hostel um noch bissle Bilder zu sortieren und eMails zu schreiben. Da es morgens früh losgeht, gehen wir auch früh schlafen. Vorher packen wir noch alles was wir für den Trek brauchen in den kleineren Rucksack, wir dürfen zusammen max. 10 kg mitnehmen. Der leere Rucksack wiegt alleine schon 3 kg…

salkantay-02 Inka-Wand in einer Gasse in Cusco

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salkantay-13 12-eckiger perfekt eingepasster Stein

salkantay-28 4 h Aufstieg

salkantay-31 am Gipfel auf 4600 m

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salkantay-35 zweites Camp

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Um 4:30 h sind wir startbereit, unser restliches Gepäck ist sicher im Hostel verstaut und von der Rezeptionistin alles fein säuberlich notiert, damit auch nix wegkommt. Der Guide ist auch pünktlich. Allerdings ist es ein anderer als der, der am Samstag das Briefing gemacht hat?! Naja. Wir holen noch eine weitere Person in der Nähe ab und laufen dann zum Bus. Als der Bus immer voller und voller wird, befürchten wir schon das schlimmste! Denn eigentlich sind pro Guide max. 11 Personen zugelassen, soweit wir wissen. Nach ca. 2 h Fahrt kommen wir in Mollepata auf 2900 m an, wo wir frühstücken und unser Gepäck für die Mulis fertigmachen. Hier kommen auch der „Horseman“ Clever, und die beiden Köche Damian und Heronimo dazu. Zum Glück stellt sich heraus, dass im Bus zwei Gruppen mitgefahren sind. Wir sind 11 Leute aus 8 Nationen in unserer Gruppe: Helen aus Kanada, Amy aus England, Maaike und Jeroen aus Holland, Keila und Rodrigo aus Brasilien, Katia aus der Schweiz, Sandrine aus Belgien, German aus Argentinien und wir zwei natürlich. Unser Guide heißt Roily, kurz Roy, und er fordert uns auf, erst mal einen Namen für unsere Gruppe zu finden. Wir entscheiden uns für „Wild Group“, da der Pass über den wir laufen werden „Salkantay“ heißt, auf deutsch „Wilder Berg“. Da das Wetter super ist, empfiehlt uns Roy, dass wir mit dem LKW der das Gepäck bis zum ersten Nachtlager transportiert, hinten auf der Ladefläche ein Stück weit mitfahren um dann einen alternativen Weg durch die Berge und nicht entlang der Straße zu nehmen. Das wird die erste „Group-Decision“, alle sind einverstanden. Die 5 Mulis, die das Gepäck ab dem zweiten Tag tragen werden, werden vor dem Auto hergescheucht… Dann heißt es auch für uns: Laufen! Zuerst geht es ziemlich hoch und wir schnaufen alle ganz schön schwer hinter Roy her! Als wir nach ca. 30 min das erste Mal Pause (O-Ton Roy: „Okay, lazy time!“) machen, fällt uns auf, dass zwei fehlen: die beiden Brasilianer! Sie brauchen fast doppelt so lang wie wir anderen und haben dann auch fast keine Pause, weil wir gleich weiterlaufen… Unterwegs werden wir von nervigen Sandfliegen belästigt, die sich trotz Insekten-Spray auf uns stürzen. Bevorzugt am Sockenbund, wo sich Schweiß sammelt und wir nicht schnell genug hinschlagen können! Nach kurzer Zeit sind wir total verstochen. Um 14:30 Uhr bekommen wir ein leckeres Mittagessen serviert. Es gibt Suppe und dann Papas Fritas und ein Fleisch-Zwiebel-Tomaten-Gemisch. Wir haben echt gute Köche dabei! Von hier können wir auch schon das Camp sehen, unterhalb des schneebedeckten Salkantay. Bis dorthin sind es nochmal zwei Stunden zu laufen, nun an der Straße entlang. Total kaputt kommen wir um ca. 17:00 Uhr in Soraypampa an, die Zelte sind in einem Unterstand schon aufgebaut und es wartet ein heißer Kaffee oder Tee auf uns und – Popcorn! Sobald die Sonne weg ist, wird es hier auf ca. 3850 m bitterkalt und der Wind bläst ganz schön vom Gletscher herunter! Deshalb gibt es nach dem Abendessen (erst Suppe, dann Gemüse, Hähnchenschlegel und Reis) niemanden mehr der aufbleiben will und wir verziehen uns alle in unsere Zelte. Zum Zähneputzen gibt es nur einen Wasserhahn aus dem eiskaltes Quellwasser kommt. Aber wir können natürlich nicht schlafen gehen, ohne vorher noch die Milchstraße und die vielen Sterne bewundert zu haben! Da es keine störenden Lichtquellen gibt, hat man hier eine hervorragende Sicht auf den Sternenhimmel! Dick eingemummelt versuchen wir zu schlafen, was theoretisch kein Problem gewesen wäre, aber ein Hund beginnt genau jetzt zu bellen, von weit entfernt antwortet ein anderer… und so geht es die ganze Nacht!

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salkantay-16 Glücksschweine

salkantay-21 Salkantay, 6264 m hoch

Nach der unruhigen Nacht müssen wir uns am nächsten Morgen wecken lassen. Um 5:00 Uhr würden wir freiwillig auch nicht aufstehen! Wir bekommen gleich einen heißen „Mate de Coca“, einen Coca-Tee ans Zelt serviert. Dieser ist gut gegen die Höhenkrankheit, mit der wir aber bisher keine Probleme haben. Aber wir sind nun auch schon fast 3 Wochen fast ständig über 3000 m, manchmal sogar länger auf 4000 m gewesen. Von daher sind wir ziemlich gut akklimatisiert! Heute ist der härteste Tag des Treks, wir wandern zuerst 4 h immer bergauf, bis auf 4700 m. Wir hätten uns theoretisch auch ein Muli mieten können, dass uns hochträgt. Aber aus unserer Gruppe haben das Angebot nur die zwei Brasilianer angenommen, aus der anderen Gruppe reiten fast alle, darunter sogar die „sportlich“ aussehenden! Ab heute übernehmen die Mulis den Transport unseres Gepäcks (zumindest 5 kg p. P.), da es keinerlei Straßen gibt. Sie werden beladen, nachdem wir schon losgelaufen sind. Nach ca. 3 h strammen Laufens werden wir dann von den Mulis und „Horseman“ Clever und den beiden Köchen überholt. Sie werden ohne größere Pause bis zum nächsten Camp durchlaufen und dort schon die Zelte aufbauen und anfangen zu kochen. Echt wahnsinnig! Roy erklärt uns, dass die Peruaner zwar klein sind, wegen des Kalziummangels im Essen, dafür haben sie eine breite Brust und eine große Lunge, aber vor allem haben sie eines: ein großes Herz! ;-) Oben am Gipfel machen wir an einem Steinhaufen ein „Opferungsritual“ wie früher die Inkas. Wir opfern nur Coca-Blätter, aber eigentlich hätten wir alle gerne den Bell-Hund von letzter Nacht geopfert! Von hier aus geht es nochmal 2 h abwärts bis zum Mittagessen, diesmal gibt es Suppe und Spaghetti mit Tomatensoße. Während des Essens ziehen dunkle Wolken auf und es wird ganz schön kalt. Deshalb machen wir uns gleich auf zum Camp für diese Nacht. Nach 20 min. Bergablaufen ändert sich plötzlich, wie von Roy angekündigt, die Vegetation und wir sind im Regenwald. Schlagartig wird es feucht-heiß und die Sonne scheint auch wieder. Hier fühlen sich auch die Moskitos wohl! Kaum bleibt man stehen geht das Gepiekse los… Nach weiteren 3 h und insgesamt anstrengenden 21 km kommen wir in Challway an. Wir richten uns wieder gemütlich im Zelt ein, diesmal läuft kein Hund rum, dafür aber ein Schwein… Das Klo ist eher ein Plumpsklo, die Spülung ein Eimer Wasser vom Brunnen außerhalb und eine Dusche gibt’s immer noch nicht. Nach Tee, Kaffee und Popcorn erklärt uns Roy das (Sauf-)Kartenspiel „Nervous“. Es wird ziemlich lustig und laut! Zum Abendessen gibt es dieses mal eine Art Schnitzel, Gemüse, Reis und Papas Fritas. Unser Koch Damian spielt uns auf der Flöte, bzw. es ist eher ein abgesägtes Eisenrohr, ein paar peruanische Melodien zur Unterhaltung. Im Anschluss spielen noch eine Weile „Nervous“ weiter, während bei der anderen Gruppe auf dem Zeltplatz nebenan schon lange alle Lichter aus sind!

salkantay-38 Beladung eines Mulis

salkantay-41 Nervous!

Am Morgen werden wir um 6:00 Uhr von einer Nebelsuppe begrüßt. Während des Frühstücks fängt es auch noch an zu regnen! Die anderen ziehen ihre Ponchos über, wir haben keine, geht aber auch so. Roy tauft uns um in „Wild Poncho Group“. Wir laufen durch den Matsch und müssen öfter mal kleinere Bäche und einen Wasserfall überqueren. Diesmal wandern wir nur bis mittags und fahren dann mit dem Minibus noch ca. 10 min. zum Mittagessen nach Playa Sahuayaco. Hier gibt es ein Fußballfeld und je 5 von beiden Gruppen spielen gegeneinander. Dann gibt wieder eine Suppe, Hähnchen, Gemüse und Reis. Von hier fahren wir mit dem Bus ca. 1 ½ h bis nach Santa Theresa zu unserem Nachtquartier. Nach einer kurzen Tee-Pause starten wir zu den heißen Quellen ein paar km weiter . Sehr entspannend nach dem vielen Wandern die letzten Tage! :-) Es gibt zwei heiße Becken und ein eiskaltes. Roy führt auch hier eine „Group-Decision“ ein. Diese heißt: alle 5 Minuten muss die ganze Wild-Group einmal ins kalte Wasser! Und keiner kneift. Sogar die beiden Brasilianer sind nach anfänglichem Zögern mit dabei! Abends kochen unsere Leib-Köche das letzte leckere Abendessen. Außerdem steht eine neue „Group Decision“ an: Wollen wir am nächsten Morgen 3 h wandern bis zur nächsten Station oder wollen wir mit dem Bus dorthin fahren? Roy meint, dass der Weg nicht sonderlich schön ist, weil er nur an der Straße entlang führt. Einstimmige Entscheidung: Wir fahren mit dem Bus. :-) Damit ist der Weg frei für: Party!!! Es gibt ein Lagerfeuer mit Bänken außen rum, Musik, Lichtorgel, dazu Pisco Sour und andere alkoholhaltige Getränke. Es wird ein lustiger Abend, bis wir um Mitternacht hundemüde ins Zelt kriechen.

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salkantay-46 "Küche" mit Chefkoch Damian

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Heute heißt es ausschlafen – wir werden erst um 7:00 Uhr geweckt! Zum letzten Frühstück gibt es heute außer dem Üblichen noch eine Überraschung von den Köchen: Einen Kuchen! Klar, heute gibt’s auch Trinkgeld zum Abschied. ;-) Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Damian und Heronimo. Laut Roy ist es üblich eine „Speech“ (Rede) auf die Köche zu halten, wofür sich Amy bereit erklärt. Gut gestärkt steigen wir in den Bus und fahren los. Die Straße ist gerade so breit, dass zwei Minibusse aneinander vorbeipassen und auf der einen Seite geht es einen steilen Abhang runter. Nach ca. 30 min. ist allerdings ein unplanmäßiger Stopp angesagt: Durch den Regen in der vergangenen Nacht hat es einen Erdrutsch gegeben, bzw. es sind riesengroße Felsbrocken auf die Straße gestürzt. Aber es ist schon ein Bagger da, der aufräumt, bzw. in dem Fall die Brocken einfach von der Straße den Abhang auf der anderen Seite runterschiebt. Wir steigen alle aus und machen Fotos, plötzlich rumpelt und kracht es gewaltig: Es stürzen noch mehr große Felsbrocken auf die Straße und fast kommt Panik auf, als alle wegrennen und die Autos rückwärts aus dem Gefahrenbereich fahren. Wer weiß, wie viel noch runterkommt! Das ist ganz schön gefährlich. Vor allem auch für den Baggerfahrer! Da die Straße nun wohl noch länger gesperrt sein wird, müssen wir doch laufen. Zuerst geht es im Zick-Zack den steilen Abhang runter, dann in Richtung Fluss. Dort gibt es eine Art Seilbahn mit einem Korb, an dem man sich durch eigene Kraft selbst über den Fluss ziehen kann. Jeweils zu zweit sitzen wir in den Korb und überqueren den Fluss. Das macht echt Laune. Als schließlich alle auf der anderen Seite angekommen sind, laufen wir los, die Straße entlang, bis uns der Minibus, der ein ganzes Stück Umweg gefahren ist, wieder aufsammelt. Wir fahren bis zu einem Ort namens „Hydroelectric“, hier müssen wir unsere Tickets und unsere Pässe zeigen. Dann laufen wir los, immer den Schienen der Eisenbahnstrecke entlang nach Aguas Calientes, d. h. zur Ausgangsbasis zum Machu Picchu. Im Endeffekt laufen wir einmal im Tal um Machu Picchu herum. Wir sehen von unten schon das am höchsten stehende Gebäude, das Wärterhäuschen. Roy erzählt uns, dass der Name aus der Quechua-Sprache kommt und fragt uns dann der Reihe nach, wie wir denn Machu Picchu aussprechen würden. Hm? Naja. „Matschu Pitschu“ halt. Er grinst sich eins und erklärt uns dann, dass das was wir da gerade alle gesagt haben, übersetzt „alter Penis“ bedeutet! Ups! Korrekt wäre „Matschu Piktschu“ (also mit dem k dazwischen), was dann übersetzt „alter Gipfel“ heißt. Na, wie gut, dass er uns das nach 4 Tagen „Matschu Pitschu“ dann auch mal sagt! ;-) Nach ca. 2 h Fußmarsch machen wir Mittagspause und essen unsere Lunchbox (Nudeln, Reis und Ei), dann geht es nochmal ca. 2 h weiter bis nach Aguas Calientes. Hier beziehen wir unser Hostel und schlafen erschöpft direkt mal 1 ½ h. Vorher haben wir unser Gepäck sowieso noch nicht. Das wird mit dem Zug mitgebracht. Als wir dann unser Zeugs am Bahnhof geholt haben, wollen wir duschen. Aber es kommt nur kaltes Wasser aus dem Hahn. Und das in einem Ort der übersetzt „heißes Wasser“ heißt. Sowas! Nachdem wir dreimal nachgefragt haben, schaltet der Hostelbesitzer netterweise die Gasheizung auf dem Dach ein und wir haben schönes heißes Wasser zum Duschen! Wir fühlen uns wie neugeboren und treffen uns mit den anderen zum Abendessen in einem Restaurant, wo wir zwischen Rind, Schwein oder Fisch wählen können. Hier kommen zwei deutsche Mädels zu unserer Gruppe hinzu, Anna und Mascha, sie haben eine etwas andere Tour gemacht und gehen am nächsten Tag aber mit uns mit. Da es am nächsten Morgen gaaaaanz früh losgeht in Richtung Machu Picchu kaufen wir noch ein bisschen Proviant und gehen dann schlafen.

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Um 4:00 Uhr klingelt der Wecker. Ausgeschlafen ist was anderes! Um 4:25 Uhr soll es losgehen. Alle sind startklar, aber die zwei „neuen“ Mädels kommen zu spät. Nicht gerade typisch deutsch und absolut nicht „Wild Group“-würdig! Wir warten nicht, sondern machen uns auf den Weg. Zuerst geht es 30 min. flach bis zu einer Brücke. Hier müssen wir nochmal unser Ticket zeigen und dann geht es die Stufen eines alten Inka-Pfads hoch. Zwischenzeitlich fängt es noch an zu regnen. Und die Stufen sind riesig. Wir fragen uns, warum die Inkas so große Stufen gemacht haben, wo sie doch eher klein waren… Nach ca. 1 ½ h Aufstieg kommen wir ziemlich durchgeschwitzt und nassgeregnet oben an. Die zwei Brasilianer und Roy sind mit dem ersten Bus hochgefahren. Um 6:00 Uhr gehen die Tore auf. Wir müssen nochmal die Pässe zeigen und dann bekommen wir eine Führung von Roy mit vielen Infos zu den verschiedenen Gebäuden und der Inka-Kultur überhaupt. Wir besuchen Machu Picchu genau 100 Jahre nach der Wiederentdeckung im Jahre 1911 durch den Amerikaner Hiram Bingham. Machu Picchu wurde im 15. Jahrhundert auf 2360 m, oberhalb des Urubamba-Tals von den Inkas gebaut. Die Stadt umfasste 216 steinerne Bauten, die auf Terrassen gelegen und durch Treppen verbunden waren. Es wird angenommen, dass bis zu 1000 Menschen hier gleichzeitig gelebt haben. Es ist bis heute nicht wissenschaftlich geklärt, welchen Zweck Machu Picchu genau hatte. Die wahrscheinlichste Theorie ist es, dass es sich um eine Zufluchtstätte der Inkas gehandelt haben könnte. Es gibt drei verschiedene Bauarten bei denen die Steine jeweils ohne Mörtel zusammengefügt wurden: der einfache „Prä-Inka-Style“, der etwas aufwendigere „Inka-Style“ und für die Tempel den perfekten „Imperial-Style“. Leider sind um 6:00 Uhr schon so viele Leute oben, dass Bilder ohne Touris quasi nicht möglich sind. Es regnet immer noch und ist sehr bewölkt, so dass man die Berge außen rum und Teile von Machu Picchu gar nicht sehen kann. So ein Mist! Aber um 9:00 Uhr ungefähr hat sich die Sonne durch die Wolken gekämpft und es wird dämpfig schwül. Wir kucken uns zusammen mit Maaike und Jeroen noch die Ruinen an und machen ein bisschen Pause an einem tollen Aussichtspunkt. Dann laufen wir zum Eingang zum Wayna Picchu, übersetzt „junger Gipfel“. Dies ist der Berg hinter dem Machu Picchu. Hier dürfen morgens zwischen 7:00 und 8:00 Uhr 200 Leute hoch und zwischen 10:00 und 11:00 Uhr nochmal 200. Wir haben zum Glück Tickets für die zweite Runde, jetzt ist nämlich richtig tolles Wetter und man sieht auch die Berge! Aber vor dem tollen Ausblick heißt es nochmal 30 min. Treppensteigen, ca. 300 Höhenmeter. Wir können jetzt bald keine Treppen mehr sehen! Aber es lohnt sich. Von hier oben sieht man gut, wie hoch Machu Picchu eingebettet im Urubamba-Tal liegt. Als wir genug gesehen haben, machen wir uns wieder an den nicht ganz ungefährlichen steilen Abstieg. Unten angekommen brauchen wir zuerst eine Pause. Wir legen uns auf eine der Terrassen mit super Aussicht auf die Ruinen und machen ein kleines, erholsames Mittagsschläfchen… Danach haben wir wieder genug Energie um noch die Wanderung zum Sun Gate (Sonnentor) zu machen. Von hier aus hat man einen tollen Überblick. Nochmal 30 min eine Strecke. Es ist quasi das letzte Stück des Inka-Trails, früher war das der einzige Zugang nach Machu Picchu. Als wir oben ankommen ist die Sonne leider schon hinter den Bergen verschwunden. Denken wir. Aber als wir kurz warten, kommt die Sonne nochmal zurück und „erleuchtet“ Machu Picchu. Sieht echt super aus! Dann laufen wir zurück und fahren mit dem Bus nach Aguas Calientes. Hier treffen wir wieder die anderen, essen zusammen noch eine Kleinigkeit und gehen dann zum Bahnhof um den Zug nach Ollantaytambo zu nehmen. Zwei Stunden geht die Zugfahrt und da Aguas Calientes nicht mit dem Auto zu erreichen ist, sondern nur per Zug ist die Fahrt dementsprechend teuer: 35 $ für eine Strecke. Dafür gibt’s in jedem Waggon einen Kellner, der heiße oder kalte Getränke reicht und ein paar Snacks. Nun ja. Von Ollantaytambo geht es dann per Bus nach Cusco zurück, d. h. nochmal 2 ½ h Busfahrt über Holperstraßen! :-( Wir versuchen ein bisschen zu schlafen. Kurz vor Cusco will Florian den Arm um Liane legen, die hebt aber grade den Kopf und dabei schaffen wir es tatsächlich, dass Lianes Brille kaputt geht. So ein Mist! Das Glas ist voll durch. Naja, zum Aufregen sind wir zu müde… und als wir endlich in Cusco sind wollen wir nur noch schlafen. Nach 83 km zu Fuß zurückgelegter Gesamtdistanz wohl auch kein Wunder!!!

salkantay-68 Machu Picchu mit Nebelsuppe

salkantay-70 Roy mit Imperial-Stil-Mauer - perfekte Handarbeit!

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salkantay-78 Postkarten-Motiv

salkantay-81 Handwerker-Viertel

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salkantay-91 Sun Gate

Nach den anstrengenden letzten Tagen ist heute ein Ruhetag angesagt. Ausschlafen. Frühstücken. eMails beantworten. Kaffee trinken an der Plaza de Armas und Leute beobachten. Außerdem müssen wir noch Lianes Brille reparieren lassen! Unglaublicherweise können wir die Brille mit einem neuen Glas in perfekter Sehstärke 4 Stunden später schon abholen und das zu dem Hammer-Preis von 15 €! Mit James haben wir am Abend noch eine kleine Diskussion. Er hatte nicht mit offenen Karten gespielt. Sein „Freund“ hat die Tour selbst gar nicht durchgeführt, sondern war nur Vermittler. So blieb jetzt bei jedem „Zwischenhändler“ etwas hängen. Wir wollten ja aber, dass unser Geld direkt denen zugutekommt, die auch die ganze Arbeit mit uns hatten auf dem Trek, also vor allem den Köchen, dem Horseman und dem Guide! Da wir aber nur im Kreis herumdiskutieren, lassen wir es dann irgendwann gut sein.

salkantay-100 "Kusi" - Alpaka im Garten des Tourismus-Ministeriums

salkantay-101 ein Vicuna - Kumpel von Kusi, aber ohne Namen

Heute machen wir uns dann doch noch auf, die Stadt ein bisschen genauer anzukucken. Allerdings besichtigen wir die Kirchen nur von außen, da unverschämt viel Eintritt verlangt wird. Bei der Plaza de Armas ist eine kleine Prozession, bei der eine Heiligen-Statue zur Kathedrale getragen wird. Die Träger bekommen zwischendurch alle mal einen Schnaps verabreicht, evtl. ist das der Lohn!? Hier gibt es auch einige Bettler, die vor allem vor den Kirchen sitzen. Dazu gibt es noch, was wir „spontane Bettler“ nennen, die laufen ganz normal durch die Straße und sobald sie einen Touri sehen, ziehen sie einfach die Mütze vom Kopf und halten sie hin. Abends treffen wir uns mit dem verbliebenen Rest der „Wild-Group“ der noch in Cusco ist. Roy ist auch mit dabei und sogar seine Freundin kommt dazu. Es wird ein lustiger Abend im „Café Trotamundos“, mit einigen Pisco Sour. Roy ist immer noch ganz hin und weg von unserer tollen Gruppe und meint, so einen Zusammenhalt hat er bisher noch nie erlebt!

salkantay-103 Prozession

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Heute gibt’s kein Frühstück im Hotel, wir haben uns mit Maaike und Jeroen im Café Trotamundos verabredet. Amy kommt auch noch vorbei. Maaike erzählt, dass sie festgestellt haben, dass auf allen Bildern die sie von Machu Picchu gemacht haben, ein Moskito auf der Linse war! Wir lachen uns fast kaputt, als wir die Fotos sehen und bieten den beiden natürlich gleich an, dass sie von uns Moskito-freie Bilder bekommen können… Nach dem späten Frühstück schleppen uns Maaike und Jeroen mit ins Casino. Hier gibt es noch die alten einarmigen Banditen für umgerechnet 3 €-Cent das Spiel. Mit 2 € können wir fast zwei Stunden zocken. Außerdem bringen einem Kellnerinnen unaufgefordert Desserts oder Getränke vorbei um einen bei Laune zu halten! Am späten Abend fährt unser Bus nach Arequipa, wir haben uns Liegesessel gegönnt, der Spaß geht nämlich mal wieder 10 h. Dieses Mal gibt’s sogar ein kleines Abendessen im Bus. Mit Schlafen wird’s allerdings die erste Hälfte nix, da der Bus über ziemlich schlechte, kurvige Straßen rumpelt…

Hier das ganze Album:

63 km Downhill bei La Paz

Nach 12 h Busfahrt kommen wir ziemlich erledigt in La Paz an. Wir suchen uns ein Hostel, was richtig anstrengend ist, da La Paz der am höchsten gelegene Regierungssitz der Welt ist (nicht zu verwechseln mit der Hauptstadt von Bolivien, Sucre!). Auf dem Altiplano oben auf ca. 4200 m leben die Armen und unten im Tal auf ca. 3200 m die Reichen, da das Klima hier deutlich angenehmer ist als auf der windigen, kalten Hochebene. Wir mieten uns im „Hostal Copacabana“ ein, das ziemlich zentral liegt und machen uns gleich auf den Weg etwas Essbares zu finden. Ein paar Meter vom Hostal entfernt treffen wir Pierre, einen der drei Franzosen, die wir in Potosí kennengelernt hatten. Er meint, dass direkt zwei Straßen weiter ein großer Markt anfängt, auf dem hauptsächlich die Indigena-Frauen in ihren Trachten frisches Gemüse und Obst oder Fleisch anbieten. Wir denken uns, da laufen wir doch mal kurz drüber. Aus dem „kurz“ wird ganz schön lange, denn der Markt ist riesengroß! Über mehrere Straßen sind die Stände verteilt, dicht an dicht. Da die Indigenos glauben, dass ein Foto ihre Seele raubt, ist es gar nicht so einfach hier zu fotografieren. Man wird sehr misstrauisch beäugt, sobald man eine Kamera in der Hand hat und einmal bekommt Florian für ein unerlaubtes Foto sogar eine Zwiebel hinterhergeworfen! Liane probiert noch eine leckere Nudelsuppe (ohne Hühnerfüße). Eine Straßenecke weiter ist der sogenannte „Hexenmarkt“. Hier gibt es alles was man als Hexe so brauchen könnte: von Katzenpfoten über Schlangenfleisch bis hin zu Lama-Föten gibt es alles. Letztere werden beim Hausbau benötigt, da in alle 4 Ecken ein Fötus eingemauert wird, zur Abschreckung von Geistern. Als wir schon wieder in Richtung Hostel unterwegs sind, sehen wir ein Schild: Chorizo mit Yuca. Alles klar – das wird das Mittagessen. Und was für eins! Die Chorizo ist superlecker. Die Yuca sowieso. Für Florian gibt’s noch Salat. Und dazu – frischen Bananenmilchshake. Richtig gut mal wieder! Für umgerechnet 3 € sind wir sowas von satt. Gegen Abend buchen wir noch unsere Tour für den nächsten Tag – Downhill auf der „Death Road“. Wir kucken vorher im TripAdvisor und entscheiden uns für „Barro Biking“, für umgerechnet 45 € p. P. sind wir dabei. Da wir schon einige andere Reisende getroffen haben, die die Tour auch schon gemacht haben (O-Ton: „… ich hatte noch nie in meinem Leben so viel Adrenalin!“) sind wir sehr gespannt und hoffen, dass das Wetter mitmacht, denn abends fängt es an zu regnen!

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lapaz-11 Lama-Föten auf dem Hexenmarkt

Um 6:30 Uhr klingelt der Wecker. Das Frühstück stellt sich leider als ähnlich schlecht wie in Sucre heraus. Um 7:30 Uhr treffen wir am Büro von Barro Biking ein und steigen zusammen zwei Schweizerinnen, einem Engländer und unserem Guide Americano in den Bus, auf dem schon die Fahrräder auf dem Dach festgemacht sind. Dann holen wir in der Stadt noch eine weitere Engländerin ab und fahren dann immer weiter durch die engen Straßen nach oben, bis wir auf 4700 m an einem kleinen See auf dem Lacumbre-Pass ankommen. Hier hat es in der Nacht einiges geschneit. Wir bekommen Knie- und Ellenbogenschoner, eine Regenhose, eine Regenjacke, Fahrradhandschuhe und einen Full-Face-Helm. So ausgestattet probieren wir die Räder aus, wir haben uns für die etwas teurere Variante mit Federgabel entschieden. Unser Guide erklärt uns noch die Handzeichen, die er während der Fahrt geben wird, vor allem „langsamer fahren“ vor einer Kurve ist natürlich sehr wichtig. Alles klar – es kann losgehen! Die ersten ca. 20 km sind wir auf geteerter Straße unterwegs, laut Americano fahren wir bis zu 60 km/h, ab und zu müssen wir mal Steinen und Schlaglöchern ausweichen. Teilweise überholen wir sogar Trucks, die auf der abschüssigen Straße ganz schön bremsen müssen. Das „Versorgungsfahrzeug“ mit Ausrüstung und Ersatzrädern fährt immer hinterher, falls irgendwas an den Rädern ist oder jemand nicht mehr weiterfahren möchte. Wir halten öfter mal an um Fotos zu machen, denn die Landschaft hier ist wirklich sehr beeindruckend und ändert sich ständig. An einem Punkt geht es senkrecht 400 m runter. Unten liegt ein verrostetes Skelett eines Busses, der hier mal im wahrsten Sinne des Wortes die Kurve nicht bekommen hat. Puh! Die „Death Road“ (eigentlich Yungas Road) heißt wirklich nicht umsonst so. Dann kaufen wir unser Permit für 25 Bolivianos (ca. 2,80 €), stärken uns mit unserem Frühstück (Bananen, Joghurt und Schokoriegel) und los geht’s auf den unbefestigten Teil. Hier beginnt die „gefährlichste Straße der Welt“, eine Schotterpiste mit unzähligen Schlaglöchern. Sie ist teilweise nur 3 m breit, auf der einen Seite geht es steil nach oben, auf der anderen Seite bis zu 500 m steil nach unten, Leitplanken gibt’s keine. Außerdem kann die Straße natürlich in beide Richtungen befahren werden, das heißt, wenn sich hier zwei LKWs begegnen, geht es um jeden Zentimeter. Deshalb herrscht hier auch Linksverkehr, damit die Fahrer den Fahrbahnrand besser einsehen können. Bis Ende 2006 sind hier jeden Monat mindestens zwei Fahrzeuge in den Abgrund gestürzt und im Jahr 200-300 Personen tödlich verunglückt. Anfang 2007 wurde dann eine Umgehungsstraße fertiggestellt, diese ist um einiges länger, aber dadurch ist jetzt viel weniger Verkehr auf der eigentlichen „Death Road“. Ein paar Fahrzeuge kommen uns entgegen, zum Glück keine großen Trucks, sondern nur PKWs. Der Guide fährt voraus, alle anderen in ihrem persönlichen Tempo hinterher. Überall am Wegrand stehen Kreuze. Seit hier Verrückte mit dem Fahrrad runterbrettern (die ersten Mitte der 90er) sind 16 Touristen tödlich verunglückt. Die Dunkelziffer ist aber anscheinend deutlich höher, im Schnitt gibt es wohl immer noch alle zwei Wochen einen tödlichen Unfall. An einem Kreuz halten wir an und unser Guide legt Blumen nieder. Er erzählt uns, dass dies ein Kumpel von ihm war, der auch als Guide gearbeitet hat und 2009 ums Leben gekommen ist. Ab hier fahren wir nochmal ein bisschen vorsichtiger. Aber wenn man eine Geschwindigkeit einhält, bei der man sicher bremsen kann, ist das aber alles gar kein Problem. Wir hatten zumindest keine Angst, dass wir gleich abstürzen. Nach ca. 63 km Abfahrt kommen wir nach ca. 3,5 h total durchgeschwitzt auf 1200 m in Yolosa an. Auf der Fahrt haben wir fast alle Klimazonen Südamerikas durchquert, von den schneebedeckten Bergen mit fast keiner Vegetation, bis in den warm-feuchten Regenwald. Gerade als wir von den Rädern steigen, fängt es an wie aus Kübeln zu schütten. Haben wir ein Glück! Denn bei Regen und Nebel ist es sicher kein Vergnügen! Wir fahren ca. 5 min mit dem Bus zu einem Restaurant, wo wir ein leckeres Essen bekommen und ganz wichtig: vorher heiß duschen können. Eine echte Wohltat! Vor der Abfahrt will der kauzige Besitzer aber unbedingt noch eine kleine Führung mit uns durch seinen Garten machen, auf den er sehr stolz ist und in dem er alle nur erdenklichen Früchte angebaut hat (Sternfrucht, Yuca, Kaffee, Kakao, verschiedene Bananenarten, usw.). Die Rückfahrt über die Umgehungsstraße nach La Paz dauert dann nochmal fast 2 h. Hier bekommen wir noch ein Promo-T-Shirt und eine CD mit den Fotos und Videos, die Americano während der Fahrt von uns gemacht hat.

lapaz-12 3, 2, 1, loooooos!

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lapaz-24 steile Wände

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Heute ist Erholung angesagt, wir haben sowieso ein bisschen Magen-Probleme, daher liegen wir den halben Tag im Hotel rum und essen dann mal ganz vorsichtig was. Nachmittags können wir uns dann doch noch aufraffen und beschließen mit dem Hop-on-Hop-off-Bus die Innenstadt zu erkunden. Allerdings stellt sich der Bus als ziemlicher Witz raus. Er hält nur einmal an einem Aussichtspunkt „Killi Killi“ 15 Minuten an, damit wir Fotos von der Stadt machen können. Sonst fährt er durch und man bekommt über Kopfhörer Infos zu den Gebäuden. Allerdings passt das Gesagte in den wenigsten Fällen zu dem was man gerade sieht! Dann wird hektisch rumgespult und schließlich kommt immer noch die falsche Ansage! Daher schalten wir einfach auf „Musik“ und kucken nur… Abends haben wir dann doch richtig Hunger und gehen in „The Steakhouse“. Ist zwar ziemlich teuer, aber die Qualität stimmt. Hier treffen wir zufällig Tine und Anne wieder, die in Salta beim Goucho-Reiten dabei waren. Sie sehen uns zuerst nicht, wir überlegen, wie wir sie überraschen können. Wir malen auf eine Serviette zwei Pferde mit Reitern und schreiben ihre Namen drunter. Den Kellner schicken wir damit dann zu ihrem Tisch rüber. Die beiden kucken erst verwirrt und lachen sich dann halb kaputt und sind sehr beeindruckt, dass wir sogar ihre Namen noch wissen!

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lapaz-32 Down-Town von La Paz

lapaz-40 statt Zebrastreifen helfen Zebras über die Straße

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Da der Aussichtspunkt „Killi Killi“ nicht soooo super war, nehmen wir morgens ein Taxi um nochmal in Richtung Yungas-Strasse zu fahren. Hier hatten wir tolle Aussichten auf die Stadt. Der Taxifahrer hält uns bald für bekloppt, aber irgendwann kommen wir doch noch an den Punkt an den wir wollten. Nach dem 3. Fotostopp innerhalb von 300 m fragt er dann auch gar nicht mehr, sondern hält einfach an, wenn er meint, dass die Aussicht gut sein könnte… Zurück in der Stadt kaufen wir noch Souvenirs und wollen dann den Erste-Klasse-Bus um 14:00 Uhr nach Copacabana nehmen. Hätte auch gerade noch gereicht, aber erstens ist er angeblich voll und zweitens fährt er ausgerechnet heute schon um 13:30 Uhr! Na egal, nehmen wir halt den öffentlichen Bus um 14:00 Uhr. Der braucht zwar eine knappe Stunde länger, aber kostet dafür deutlich weniger. Wir fahren durch tolle Landschaften, sehr ländlich und dann plötzlich taucht diese riesige blaue Fläche vor uns auf – der Titicaca See, auf einer Hochebene gelegen, 3810 m ü. M. und 15x so groß wie der Bodensee! Dann heißt es plötzlich aussteigen. Der Bus wird auf einer „Fähre“, oder eher einem Floß ohne Passagiere über einen Arm des Titicaca-Sees verschifft. Der Bus rollt auf der Fähre ein Stück nach vorne und macht dann eine Vollbremsung um sie anzuschieben, dass sie vom Ufer wegkommt. Sachen gibt’s! Echt witzig. Wir fahren in einem separaten Boot hinüber und kommen quasi zeitgleich mit dem Bus an, steigen wieder ein und fahren dann nochmal ca. eine Stunde bis nach Copacabana. Hier mieten wir uns im „Hostel 6 de Augusto“ ein und machen uns dann auf, etwas Essbares zu finden. Unsere erste Wahl „Nuevo Playa Azul“ sieht gut aus, schön beleuchtet und ist mit typischen Schilf-Schiffen am Eingang dekoriert. Die Karte sieht auch gut aus. Florian fragt, wie groß das Steak ist, der Kellner zeigt mit seinen Händen so ca. 20 cm breit. Wir bestellen und Florian geht noch kurz aufs Klo. Er kommt wieder und meint, wenn das Essen so ist wie das Klo sollten wir besser gleich gehen: Die Tür ist nicht abschließbar, das Licht geht nicht, kein Toilettenpapier und der Boden steht 5 cm unter Wasser! Naja, mal abwarten. Florians Teller ist dann auch ca. 20 cm groß, das Steak darauf ist deutlich kleiner und quasi nicht genießbar! Da wir immer noch hungrig sind, gehen wir ins Restaurant „Mankha Uta“, ein Mexikaner ein paar Häuser weiter unten, das voll ist mit Leuten (darauf müssen wir in Zukunft öfter kucken, ist meistens ein gutes Zeichen) und Live-Musik gibt’s auch noch. Wir bestellen uns zur Desinfizierung zwei Caipirinha. Das Essen kommt und ist nur ein bisschen besser als vorher, aber zumindest sind wir jetzt halbwegs satt, bzw. haben echt keinen Bock mehr nochmal ein weiteres Restaurant auszuprobieren!

lapaz-46 der Kessel von La Paz

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lapaz-49 Bus-Fähre am Titicaca-See

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Nachdem das Wetter einigermaßen gut aussieht, fahren wir um 8:30 Uhr mit dem Boot auf die „Isla del Sol“, die Sonneninsel. Wir suchen uns die „Barca Titicaca“ aus, wie wir später herauskriegen, das mit Abstand langsamste Schiff, das es hier gibt! In 2 h fahren, bzw. tuckern wir zum nördlichen Hafen der Insel, Cha’llapampa. Dort will sich gleich ein Einheimischer als Guide aufdrängen. Nein, wollen wir nicht. Wir zahlen die 10 Bolivianos (ca. 1,20 €) Eintritt für Museum und die Ruinen auf der Insel. Das Museum lassen wir gleich aus, um etwas Vorsprung auf die anderen Touris herauszulaufen. Kurz nach dem Museum wird das erste Mal kontrolliert. Wir zeigen das Ticket und dürfen passieren. Nach ca. 45 min sind wir an den Ruinen angekommen, (nochmal Kontrolle des Tickets) die sind aber nicht so der Wahnsinn, deshalb machen wir uns auf den ca. 3-stündigen Weg in den Süden der Insel. Der Weg geht immer am Kamm entlang, hoch und runter. Ganz schön anstrengend! Auf der Hälfte der Strecke steht ein weiterer Kontrollposten, wir kramen unsere Eintrittskarte heraus. Aber die will er gar nicht sehen! Die ist nämlich nur für den nördlichen Teil der Insel! Nun kommen wir in den südlichen Teil und müssen nochmal 5 Bolivianos zahlen. Unglaublich! Kurz vor dem Dorf Yumani, ganz im Süden der Insel, ist der nächste Kontrollposten. OK, für den Süden haben wir ja schon gezahlt, also Eintrittskarte zeigen. Von wegen! Da wir nun ins Dorf kommen, müssen wir nochmal 5 Bolivianos „Spende“ (oder so ähnlich, der gute Mann war überhaupt nicht zu verstehen!) bezahlen. Na prima. Auch wenn es für uns nur kleine Beträge sind, fühlen wir uns nun doch ziemlich abgezockt. Wir kommen gerade noch rechtzeitig an, bevor das Boot ablegt und wir sind nicht gerade langsam gelaufen. Nach 1 1/2 h kommen wir wieder in Copacabana an und diesmal kucken wir zuerst im TripAdvisor, wo wir Essen gehen wollen. Es wird das „Cafe Bistrot“, es dauert eine Weile bis das Essen kommt, aber so wie es schmeckt ist es frisch zubereitet. Sehr gute Wahl!

lapaz-55 Titicaca-See

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lapaz-58 Ruinen auf der Isla del Sol

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Morgens gehen wir im „The Condor & The Eagle Café“ frühstücken. Hier gibt es zwei Bücher, in denen Reisende anderen Reisenden Tipps für Copacabana, Bolivien oder Südamerika generell geben können. Superidee! Wir schmökern ein bisschen und genießen den guten Kaffee + richtiges Müsli. Dann machen wir uns auf den „Cerro Calvario“ zu besteigen, den 3966 m hohen Hausberg von Copacabana. Von oben hat man eine schöne Aussicht auf den Titicaca-See und die Stadt mit ihrer berühmten weißen Basilika. Diese besichtigen wir noch, als wir wieder unten ankommen. Von einer Wallfahrtskirche hätten wir uns allerdings etwas mehr versprochen! Um 18:30 Uhr geht unser Bus nach Cusco. Nach ca. 20 km kommen wir an der Grenze an, holen unseren Ausreise-Stempel ab. Die Touris vor uns müssen viele Fragen beantworten und noch etwas zahlen, bei uns fragt der Beamte nur: Alemania? Zwei Stempel. Fertig. Der deutsche Pass ist echt Gold wert! Dann laufen wir ca. 200 m weiter zur peruanischen Grenze, nochmal Stempel und weiter geht die Fahrt bis Puno. Zwischendurch sammelt der Bus-Steward die Tickets ein. Hm. Komisch, wir müssen in Puno ja umsteigen in einen anderen Bus, was zeigen wir denn dann? Kurz vor Puno steigt ein Typ ein und erzählt vorne alles Mögliche, wir verstehen nur „Office“ und „bezahlen“. Na wunderbar. In Puno kriegen wir dann im Office aber nur das neue Ticket bis Cusco und müssen 2 Soles (ca. 0,60 €) „Terminalgebühr“ bezahlten. Wir haben uns die Kategorie „Sofa Cama“ gegönnt, und gehen gleich mal hoch, weil bisher die bessere Kategorie immer oben im Bus war. Hier aber nicht, also wieder runter. Die Decke ist so ca. 1,70 m hoch… Naja. Die Nacht wird ziemlich unruhig und kalt. Zum Glück hat Florian von unseren letzten Bolivianos vorsorglich noch einen Coca-Schnaps zum Wärmen gekauft…

lapaz-68 Blick auf Copacabana

lapaz-69 Pilgerstätte auf dem Cerro Calvario

lapaz-70 Copacabana mit Bucht

lapaz-74 Basilika Virgen de la Candelaria

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Hier das ganze Album:

Schönste Stadt Südamerikas – Sucre!

Endlich wieder richtig durchschnaufen, denn Boliviens Hauptstadt Sucre liegt nur noch auf 2800 m! Sucre gilt mit seinen vielen gut erhaltenen Kolonialgebäuden als eine der schönsten Städte Südamerikas, die Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe. Am Busterminal angekommen nehmen wir ein Taxi zum Plaza Mayo 25 und suchen uns ein Hostel. Diesmal dauert’s etwas länger, aber dann bekommt das „Hostal Libertad“ den Zuschlag. Wir laufen gleich los und kucken uns ein paar Kirchen und Gebäude an und essen dann im „Joy Ride Café“ ein Pique Macho. Die „Happy-Hour für Nachtisch“ verpassen wir leider um zwei Minuten, Florian hat sich in der Zeit verschätzt. Und die Desserts haben richtig gut ausgesehen am Nebentisch! Gerade als wir am Hostel ankommen, hören wir laute Blasmusik und wildes Herumgeschreie. Da biegt auch schon eine lustige Parade um die Ecke, hier wird jeder Anlass genutzt um zu feiern, dieses Mal das Jubiläum der Universität Sucre. Auf jeden Fall laufen alle grell verkleidet herum und haben ihren Spaß, wir laufen ein ganzes Stück mit.

Heute steht eine Stadttour an. Bewaffnet mit einem Plan auf dem alle Sehenswürdigkeiten eingezeichnet sind machen wir uns auf den Weg. Nachdem das Frühstück mehr als schlecht war (komischer Kaffee, am Tag vorher getoasteter Toast und seltsame Brötchen), trinken wir zur Stärkung erst mal einen frischgepressten O-Saft für umgerechnet 30 Cent. Es gibt unzählige Kirchen in Sucre (die meisten sind leider geschlossen) und viele schöne, alte Gebäude. Ein bisschen andalusisches Flair. Im Park „Simon Bolivar“ gibt es Essensstände und wir probieren zum Frühstück nochmal Papas Rellenas, die knusprige Kartoffelfrikadelle, diesmal mit Zwiebelsoße drüber. Mjam! So gestärkt bummeln wir weiter durch die Stadt. Um die Plaza Mayo 25 ist immer viel los, die Straße wird gerade stückchenweise neu geteert und es ist gerade eine große Demonstration im Gange gegen den Bau einer geplanten Straße durch ein Naturschutzgebiet in Bolivien. Einige campen sogar vor dem Rathaus! Um die Mittagszeit beschließen wir Siesta zu machen. Aber vorher müssen wir was essen! Direkt in der Nachbarschaft unseres Hostels ist ein großer Markt, der „Mercado Central“, unten drin gibt es unzählige Gemüse-, Obst- und sonstigen Stände und oben viele Essensstände. Die meisten verkaufen aber das gleiche: Suppe mit Nudeln, Gemüse und Hühnerfüßen, Hühnchen gebacken, Chorizo-Würste, Salat und ein pikanter Rindfleisch-Gemüse-Mix mit Nudeln. Wir essen ziemlich gerne auf solchen Märkten mit den Einheimischen, man sieht gleich was man bekommt, es geht schnell und es schmeckt meistens sehr lecker! Und entsprechend günstig ist es auch noch, was will man also mehr?! Nach der Siesta bummeln wir einfach noch ein bisschen durch die Straßen und gehen dann im „Cafe Florin“ essen. Wieder bolivianisch: Quinoa mit Fisch und Pique Macho. Abends dann nochmal Parade, die sind wohl gestern mit dem Feiern nicht fertig geworden…

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sucre-09 Park Simon Bolivar mit Mini-Eiffelturm

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sucre-17 Garküche im Mercado Central

Heute lassen wir das Frühstück gleich weg und buchen den Bus für Abends nach La Paz. Dann kucken wir uns die restlichen Sehenswürdigkeiten an. Vom „Plaza de La Recoleta“ hat man laut Reiseführer den schönsten Ausblick auf Sucre. Es ist ganz schön anstrengend die steile Straße hochzulaufen, aber es lohnt sich! Hier ist gerade eine Klasse auf Schulausflug, einige Mädels wollen sich unbedingt mit Florian ablichten lassen. Na wenn’s mehr nicht ist… Hier gibt es auch ein gemütliches Café, das kommt uns gerade recht und wir machen eine kleine Pause. Zurück in der Innenstadt essen wir nochmal auf dem Markt. Weiter geht’s zur Kirche „San Felipe Neri“, an die eine Schule angeschlossen ist. Nach Unterrichtsende um 14:30 Uhr kann man hier an einer unscheinbaren Holztür anklopfen, um Zugang zu Innenhof und Kirchturm, bzw. Kirchendach zu bekommen. Das muss man aber auch wissen, den Eingang findet man sonst nicht! Wir zahlen einen Euro Eintritt und sind quasi die einzigen Touris. Ein wunderschönes Gebäude! Ein riesiger Innenhof mit Brunnen, außenherum Gänge, von denen die Klassenzimmer abgehen. Wir dürfen sogar aufs Dach der Schule und der Kirche. Von hier hat man einen super Blick über Sucre! Dann haben wir auf unserem Plan (fast) alles abgehakt und beschließen, dass wir eine kleine Erfrischung verdient haben, zudem ist es richtig heiß geworden. Wir gehen nochmal ins Cafe Florin, hier wird gerade das EM-Quali-Spiel Deutschland-Türkei übertragen. Bei einer kühlen Cola kucken wir ein bisschen zu, bis wir zum Hostel zurückgehen und dann mit dem Taxi zum Busbahnhof fahren. Wir haben einen Schlaf-Bus mit der Gesellschaft El Dorado gebucht, umgerechnet 14 € für eine ca. 750 km lange Strecke… Zu Essen gibt’s diesmal nix, aber wir haben zum Glück noch Knabberzeugs mit dabei. Nach ca. 1 ½ h hält der Bus dann mitten im Nichts. Zuerst denken wir, da kommen halt noch ein paar Leute dazu, aber als der Halt dafür zu lange geht kucken wir mal nach. Der Bus ist hochgebockt, die Vorderräder stehen auf Steinen?! Ein Typ im Overall liegt halb unter dem Bus und leuchtet mit einem Handy in Richtung Vorderachse. Hinter uns hat ein anderer Bus angehalten, der Busfahrer holt von dort irgendwelche Sachen… In der Zwischenzeit nutzen alle Passagiere den Halt um sich ein bisschen die Beine zu vertreten und hinter den Büschen aufs Klo zu gehen, da die Toilette im Bus ohne irgendeinen Hinweis einfach abgeschlossen ist. Schließlich ist klar: Der Federbalg der Luftfederung ist undicht. Zufälligerweise hat der andere Bus wohl eine zum Ersatz dabei und die wird schnell ausgetauscht. Nochmal korrigiert. Und dann kann es weitergehen. Im Bus kommen die gesammelten Filme von Dolph Lundgren! In Spanisch natürlich. Aber das Geballer versteht man auch so. Die Nacht wird daher relativ unruhig, zumal der Bus auch noch ständig Kurven fährt und man auf seinem Sitz hin- und herrollt…

sucre-22 Kathedrale Virgen de Guadelupe

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sucre-26 Auch Kirchen machen Siesta!

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sucre-32 Monasterio de la Recoleta

sucre-37 Casa de la Libertad

sucre-40 Iglesia San Felipe Neri

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Hier das ganze Album:

Zwei Stangen Dynamit und ’ne Cola bitte!

Am Busbahnhof schließen wir uns drei Franzosen an, die eine Hostel-Empfehlung haben, das „Koala Den“. Es ist ganz schön weit weg und außerdem geht es ziemlich bergauf. Durch die dünne Luft auf 4000 m fällt uns das Atmen schwer und wir sind völlig am Ende als wir dort ankommen. Aber es lohnt sich! Das Hostel ist nett und sauber, relativ günstig und liegt zentral. Mittlerweile ist es dunkel und wir gehen noch im Restaurant „El Meson“ essen. Hier gibt es ein leckeres „Pique Macho“, das ist ein typisch bolivianisches Essen, bestehend aus: Rindfleisch, Hühnchen, pikanter Wurst, Zwiebeln, Tomaten, serviert auf Pommes Frites in einer Biersoße. Und nicht zu vergessen: scharfen Jalapenos obendrauf! Zurück im Hostel buchen wir noch eine Minentour für den nächsten Morgen, sie kostet 10 $ p. P. und ein Teil der Einnahmen geht direkt an die Mineros. Dabei müssen wir gleich noch eine Erklärung unterschreiben, dass wir auf eigene Verantwortung in die Mine gehen. Mitzubringen: Wasser, Kamera und Sinn für Humor!?

Um 8:00 Uhr gibt es ein überraschend gutes Frühstück. Knusprige Brötchen, Butter, Marmelade, Kaffee, Rührei und frisches Obst. So gestärkt sind wir bereit für die Minentour! Wir werden vom Guide Ronald von Koala Tours abgeholt, zusammen mit ca. 20 anderen Gästen aus dem Hostel. Grinsend lässt Ronald uns durchzählen, damit auch wieder gleich viele Leute zurückkommen, von gestern würden immer noch fünf Touris fehlen… Haha. Zuerst erklärt uns Ronald, dass wir keine Touri-Attraktions-Mine besichtigen werden, sondern eine, in der richtige Mineros täglich unter härtesten Bedingungen schuften und in der es keine Sicherheitsvorkehrungen gibt. Er hat selbst für drei Jahre in der Mine gearbeitet. Dann erzählt er uns mehr zur Geschichte Potosís und der Minen. Potosí war früher einmal die reichste Stadt der Welt. Im Jahr 1575 wurde von den spanischen Besatzern im “Cerro Rico” (Reicher Berg) Silber gefunden. Indios und schwarze Sklaven wurden als Zwangsarbeiter in die Minen geschickt, angeblich kamen 8 Mio. von ihnen während der Arbeit im Berg oder durch von den Arbeitsbedingungen ausgelösten Krankheiten um. Von dem Reichtum wurden viele Leute angelockt und so war Potosí noch 1650 die größte Stadt Amerikas. Viel ist davon nicht geblieben, aus der Mine lässt sich nur noch Mineralienstaub holen. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle, sollte dieser einmal wegbrechen, wird Potosí vermutlich eine gigantische Geisterstadt werden. Aus diesem Grund wurde die Idee den Berg als Ganzes nach und nach abzutragen (was deutlich einfacher und ungefährlicher wäre) wohl auch abgelehnt. Der Berg soll auf jeden Fall als Wahrzeichen der Stadt erhalten bleiben. Laut Experten ist aus dem Berg aber ohnehin nur noch max. 5 Jahre etwas herauszuholen. Seit über 400 Jahren hat sich die primitive Arbeitsweise der Mineros fast nicht geändert. Mittlerweile ist der Berg mit einem Schweizer Käse zu vergleichen, es gibt ca. 5000 Stollen mit insgesamt über 300 Eingängen. Keiner weiß, wie sie genau verlaufen. Abgesichert ist so gut wie nichts. Immer noch arbeiten ca. 6000 Mineros täglich im Berg, darunter bis zu 1000 Kinder im Alter von 8-15 Jahren. Im Schnitt stirbt 1 Minero am Tag, 30% durch Unfälle in der Mine, 70% an den langfristigen gesundheitlichen Schäden (Staublunge). Deshalb hat der Cerro Rico den Beinamen „Der Berg, der Menschen frisst“. Weil es nach jahrelanger Ausbeutung kaum mehr Rohstoffe gibt, hat die staatliche Bergbaugesellschaft die Schürfrechte freigegeben, daher arbeiten die meisten für sich selbst. Oft haben sich Gruppen von 3-40 Mineros zu einer Cooperativa zusammengeschlossen, in der Hoffnung, gemeinsam doch noch eine Ader zu entdecken. Die Lebenserwartung eines Mineros beträgt ca. 40-45 Jahre. Sobald der Vater nicht mehr in der Mine arbeiten kann, müssen die Söhne in die Mine um Geld zu verdienen.

Wir bekommen unsere Schutzausrüstung: Eine Stoffhose und eine Stoffjacke. Einen Helm mit Lampe. Die Batterie wird mit einem Gürtel um die Taille befestigt. Gummistiefel bekommen wir auch noch. Währenddessen taucht Ronald in “spezieller” Kleidung auf: Gummistiefel, Unterhose und Helm. Damit wir uns gleich mal an so einen Anblick gewöhnen, denn bei 40° C haben die Mineros nur das nötigste an, meint er zwinkernd. Alles klar. Dann werden die Gruppen aufgeteilt in „Englisch“ und „Spanisch“, es sind nie mehr als 7 Leute in einer Gruppe. Jede Gruppe hat einen Guide und einen Assistenz-Guide mit dabei. Zuerst müssen wir unserem Team aber einen Namen geben: Wir entscheiden uns für „Explosive Team“. Ronald meint „The spanish teams are now our enemies, we bomb them away with dynamite!“ So ausgestattet fahren wir weiter zum „Miners Market“, dem einzigen Markt weltweit wo JEDER, egal ob Erwachsener oder Kind, Touri oder Einheimischer Dynamit kaufen kann. Außerdem wird hier 96%-iger Alkohol angeboten. Ronald bietet uns einen Flaschendeckel voll an, wir lassen es aber lieber, da wir unsere Geschmacksknospen und Speiseröhre doch noch behalten wollen. Es ist üblich, dass die Touristen hier Geschenke für die Mineros kaufen. Wir kaufen zwei „Completos“, also Dynamit, Zünder und Ammoniumnitrat als Zündverstärker, dazu noch zwei große Flaschen Wasser. Und je einen Mund- und Nasenschutz für uns. Draußen gibt es Stände, wo man getrocknete Coca-Blätter kaufen kann. Außerdem einen „Stein“ dazu, woraus der besteht wollen wir lieber nicht wissen. Sieht aus wie Kreide, aber er verstärkt wohl die Wirkung des Cocas. Es gibt ihn in süß oder salzig. Dann erklärt uns Ronald wie die Coca-Blätter plus ein Stückchen Stein gekaut werden und dann ca. 2-3 h als Ball im Backen bleiben. Er rät uns es zu probieren, da wir dann weniger Probleme mit den Zuständen in der Mine hätten (also Höhe, Luft, Enge). Wir machen einen kleinen Ball und die Wirkung setzt schon bald ein, die Zunge und Bereiche des Backens werden etwas taub. Schmecken tut das aber nicht. Eigentlich ein bisschen bitter, vielleicht vergleichbar mit Schwarztee. Hoffentlich hilft es, denn Florian ist nicht so ganz wohl bei dem Gedanken an die engen Stollen. Dann fahren wir mit dem Bus weiter zu der Verarbeitungsstätte der Mineralien. Ronald zeigt und erklärt uns die verschiedenen Schritte. In den Minen wird mittlerweile hauptsächlich Zinn und Zink abgebaut, es gibt kaum noch Silber. Dann fahren wir weiter den Berg hinauf. Wir folgen Ronald in den Stollen der „Candelaria“, am Anfang ist dieser noch ca. 1 m breit und 2 m hoch. Es führen viele Schläuche in die Mine, allerdings sind diese nur für die Maschinen und nicht zum Belüften! Ab und zu muss man den Kopf einziehen, weil Balken aus der Decke ragen. Nach ca. 400 m machen wir eine Pause und besuchen „ El Tio“, den Schutzpatron der Mine, den die Mineros immer freitags zum Arbeitsende in einer Art Ritual mit Geschenken (Zigaretten und Cocablättern) überhäufen in der Hoffnung, dass sie auch in der nächsten Woche wieder heil aus der Mine kommen und eine gute Ader finden. Ein bisschen vom 96%-igen Alkohol wird als Gabe verschüttet auf „Pachamama“, die Mutter Erde. Sie denken, wenn sie der Erde puren Alkohol geben, beschenkt diese sie mit purem Silber. Die restliche Flasche trinken die Mineros dann selber. Ein Stück weiter ist der Stollen nur noch ca. 1 m hoch und wir müssen gebückt laufen. Teilweise durch knöcheltiefes Wasser. Immer den Schienen entlang auf denen das Gestein in Trolleys nach draußen gebracht wird. Überall gibt es kleine Ausweichstellen, denn wenn die Trolleys in Bewegung sind, hält sie keiner mehr und man hört sie immer erst kurz bevor sie da sind. Dann kommt die erste Kletterstelle zum „Zweiten Level“. Nachdem unser Guide aber meint, dass es später noch enger wird und auch heißer, beschließt Florian seine Exit-Strategie umzusetzen (raus bevor die Panik einsetzt!) und mit einem Assistenten wieder nach draußen zu gehen. Julio begleitet ihn, was dank eines entgleisten Trolleys aber auch über 45 min dauert! Durch einen langen schmalen Gang geht es für die anderen insgesamt ca. 60 m nach unten. Ca. 150 m muss man fast auf dem Bauch robben, Lianes Wasserflasche auf dem Rücken streift am Fels. Es wird zunehmend heißer und die Luft stickiger. Die vor einem kletternden und robbenden Leute wirbeln zusätzlich Staub auf. Zum Glück haben wir die Masken. Allerdings wird damit das Atmen nicht gerade leichter! Unten angekommen machen wir eine kurze Erholungspause. Ohne die Helme hätten wir schon jetzt mehrere Beulen am Kopf! Dann geht es weiter und wir treffen die ersten Mineros, die gerade die Trolleys bereit machen zum Befüllen. Eine Trolleyladung wiegt ca. 1 Tonne. Alle haben dicke Coca-Backen, ohne das Coca könnten sie hier nicht arbeiten. Es „betäubt“ und vertreibt Hunger und Durst und lindert Schmerzen der körperlichen Arbeit. Die Ladung aus den Trolleys wird hier in große Säcke gefüllt (200 kg) und dann durch einen Schacht nach oben gezogen. Ronald fragt bei den Mineros nach, wie viele in ihrer Gruppe arbeiten, wie alt sie sind und wie lange schon in der Mine. Es sind 40 Leute, die meisten sind um die 20-30 Jahre alt und sie arbeiten im Schnitt wohl seit 10 Jahren in der Mine. Sie bekommen von uns Coca, Wasser und Dynamit-Päckchen. Wir laufen ein Stück weiter, wo eine Tür mit Schloss ist. Hier hat die Gruppe eine gute Ader entdeckt, Ronald zeigt uns im Schein der Taschenlampe, wie die Mineralien verschieden glitzern. Rot – Zink, Gelb – Zinn, Blau – Silber. Mittlerweile ist es so heiß, dass der Schweiß nur so rinnt. Wir ziehen unsere Jacken aus. Etwas besser, aber es hilft nicht viel. Wir sind mittlerweile schon mindestens 45 min ins Innere des Berges unterwegs. Über eine wackelige Leiter klettern wir nun ins ca. 40° C heiße „Level 3“. Hier treffen wir auf 5 vor Schweiß glänzende Mineros mit nacktem Oberkörper am arbeiten. An einer Winde wird hier ein Trolley nochmal ca. 20 m weiter nach unten ins „Level 4“ hinuntergelassen. Dort werden die verbliebenen Mineralien in mühsamer Handarbeit mit Hammer und Meißel aus dem Stein gehauen bzw. mit Dynamit herausgesprengt. Oben wird der Trolley dann ausgekippt und das Gestein wird mit Schaufeln weiter verteilt. Wir dürfen den Mineros „helfen“ und selber mal schaufeln. Während wir nach 20 Sekunden schon fast zusammenbrechen, arbeiten diese Männer hier bis zu 10 h am Tag. Unglaublich! Die Mineros bekommen Wasser, Saft und Coca von uns. Dann machen wir uns auf den Rückweg, raus aus der Mine. Dabei sehen wir noch, wie die Trolleys durch eine Schütte gefüllt und dann auf den Schienen von den Männern gezogen und geschoben werden. Ein Minero antwortet Ronald, dass er 45 Jahre alt ist und seit 25 Jahren in der Mine arbeitet. Zwei weitere Mineros, die wir treffen, sind 15 und 17 Jahre alt und arbeiten seit 3 Jahren in der Mine. Sie sehen ziemlich fertig aus, die Antworten sind sehr undeutlich, hauptsächlich durch die dicken Coca-Backen. Zunächst müssen wir den schmalen Gang wieder hochrobben und klettern. Als der Stollen wieder höher wird, müssen wir ab und zu Platz machen für die Trolleys. Nach ca. 2 ½ h in der Mine sind wir froh, wieder frische Luft atmen zu können! Ziemlich nachdenklich fahren wir zurück in die Stadt und geben unsere Schutzkleidung ab. Dieses Abenteuer hat doch ziemlich hungrig gemacht und wir futtern Hähnchen mit Pommes. Im Hostel angekommen heißt es erst einmal heiß duschen. Ganz weg kriegt man den Geruch aber auch nach 15 min duschen und dreimal einseifen nicht. Dann fallen wir total erschöpft in einen 2 h dauernden tiefen Mittagsschlaf. Der Rest des Tages besteht aus Nixtun…

potosi-02 "Kleidung" der Mineros

potosi-03 Explosive Zigarre

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potosi-11 Silber(staub)!!!

potosi-12 Cerro Rico

potosi-14 Hoffentlich hilft's!

potosi-16 Bereit für die Mine? - Ähhh...

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potosi-21 El Tio - der Schutzpatron der Mine

potosi-22 Ruuuuhig bleiben!

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potosi-27 Schacht zum Level 4

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potosi-29 Schwerstarbeit bei 40° C

potosi-31 Silber-Ader

potosi-36 Endlich wieder Tageslicht!

Nach dem anstrengenden Tag in der Mine lassen wir es heute ruhig angehen und schlendern etwas durch die Stadt. Die zahlreichen Kolonialgebäude Potosís wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Leider sind viele der alten Prachtbauten mittlerweile nicht mehr so prachtvoll, da kein Geld für Renovationen vorhanden war. Aber zum Teil kann man erahnen, wie es früher wohl mal ausgesehen haben muss. Liane hat mittlerweile einen ganz schönen Muskelkater von der Klettertour in der Mine und außerdem immer noch das Gefühl, tieeeeef Luft holen zu müssen und nicht genug Sauerstoff zu kriegen. Florian ist heiser und meint er hat „Schnappatmung“ wegen der dünnen Luft. Außerdem riechen wir immer noch nach Mine. Nach dem Stadtspaziergang ist wieder ein Mittagsschlaf fällig. Abends gibt’s nochmal Hähnchen vom Grill, danach kucken wir uns dann im DVD-Raum des Hostels noch einen Film über die Mineros an. Allerdings ist das eher eine mitgefilmte Minentour und ein paar Einblicke in das Leben eines Mineros dazugepackt…

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potosi-46 Hostel "Koala Den"

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Nachdem wir ausgeschlafen haben, genießen wir das Frühstück und machen uns dann auf, die restlichen Gebäude und Kirchen anzukucken, die wir noch nicht gesehen haben. Am zentralen Plaza Mayo 25 startet gerade ein Umzug. Vorneweg eine Blaskapelle, dahinter Straßenarbeiter, die für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstrieren. Und damit es sich auch lohnt, laufen noch zahlreiche Schulklassen in Uniform mit. Gegen Mittag gehen wir wieder ins Hostel zurück und machen uns mit dem Taxi auf zum Busterminal (7 km außerhalb der Stadt). Während der Fahrt fängt es tatsächlich ein bisschen an zu schneien!? Wir bekommen mit etwas Glück die letzten beiden Tickets für den 13:00 Uhr Bus nach Sucre.

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potosi-49 Casa de la Moneda

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Hier das ganze Album:

10 Milliarden Tonnen Salz – der Salar de Uyuni

Am nächsten Tag heißt es packen. Um 8:00 Uhr geht es los, vorher kaufen wir noch einen 5l-Kanister Wasser und tauschen unsere restlichen Pesos in Bolivianos um. Mit uns in der Gruppe sind zwei Brasilianerinnen, Vivien und Livia, ein französisches Pärchen namens Catherine und Brice und noch ein Franzose namens Xavier. Dann fahren wir zunächst mal an die Grenze, hier stehen wir ca. 1 ½ h an um die Stempel in den Pass zu kriegen. Das fängt ja gut an! Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir mitten in den Bergen im Nirgendwo die bolivianische Grenzstation. Hier bekommen wir ein Frühstück mit Kaffee, Brötchen, Käse, Wurst und Marmelade. Dann folgt noch ein bisschen Papierkram. Wir haben den bolivianischen Stempel im Pass und werden auf zwei Jeeps verteilt. Irgendwie ist jetzt noch ein Pärchen dazugekommen, Pierre und Annuschka, wohnhaft in Paris, wobei Annuschka eigentlich aus Bayern kommt. Wir teilen uns den Jeep, einen Toyota Landcruiser, mit Vivien und Livia, das Gepäck wird schön auf dem Rücksitz verstaut. Und los geht’s. Aber zuerst müssen wir uns noch unser Ticket für den Nationalpark kaufen, für 150 Bolivianos, umgerechnet ca. 15 €. Hier treffen wir die zwei versnobten Deutschen wieder, die die Wüste doch tatsächlich auf eigene Faust mit dem Mietwagen (PKW!!!!!) durchqueren wollen! Sie scheitern jedoch schon fast an der Grenze, da sie „vergessen“ haben Geld zu tauschen. Dafür werden sie jetzt beim Umrechnungskurs richtig schön beschissen! Tja Jungs, blöd gelaufen! Unser erster Stopp ist die „Laguna Blanca“, die weiße Lagune, aufgrund von großen Mengen Borax im Wasser. Wir laufen ein Stück an der Lagune entlang, bevor wir wieder in die Jeeps steigen und zur „Laguna Verde“ fahren, also der grünen Lagune, welche viel Kupfer, Arsen und Blei enthält. Direkt dahinter ist der Vulkan Lincacabur (5960 m), der sich schön im Wasser spiegelt. Da Richard nur Spanisch spricht, verstehen wir meist nur einen Teil davon und sind wir froh, die beiden Brasilianerinnen im Auto zu haben, denn sie übersetzen brav alles was er erklärt ins Englische. Wir fahren weiter zur „Laguna Chalviri“, hier gibt es auf 4400 m die Möglichkeit in einem heißen Becken der Termas de Polques (ca. 40° C) zu baden. Auch unser Fahrer Richard (typisch bolivianischer Name!) nimmt ein kleines Bad, bevor es weitergeht zum „Sol de Mañana“ – einem Geysirfeld. Es ist nix abgesperrt, Richard meint nur, wir sollen nicht zu nahe ran, weil der Boden teilweise nicht so dick ist oder rutschig. Na denn. Hier gibt es zahlreiche Löcher in denen mehr oder weniger feste graue Masse blubbert. Und ein paar schöne Farbspiele mit gelben und roten Mineralien. Außerdem stinkt es bestialisch nach Schwefel, d. h. nach faulen Eiern. Von hier aus steuern wir unsere Unterkunft in der Nähe der „Laguna Colorada“ an. Zur Begrüßung gibt es als Mittagessen Kartoffelpüree, Wienerle und Tomaten-Avocado-Salat. Das Wetter sieht nicht sonderlich gut aus, viele dunkle Wolken am Himmel und ein ziemlich kühler Wind bläst über die Hochebene auf 4278 m. Richard erzählt, dass hier bis vor ein paar Tagen noch richtig viel Schnee lag, der ein Durchkommen fast unmöglich machte. Ein paar Reste sehen wir noch an den Berghängen liegen. Wir fahren zur „Laguna Colorada“, einem hauptsächlich roten See, die Färbung entsteht durch Algen. Hier sehen wir viele farbenprächtige Flamingos! Wir können ein Stückchen am See entlanglaufen und machen mal wieder zig-tausend Bilder. Dann geht es zurück zur Unterkunft, wo wir zum Aufwärmen Kaffee, Tee und Marmelade-Brötchen bekommen. Dabei fangen wir „Beruferaten“ an. Echt interessant. Der Franzose Pierre ist unglaublicherweise Zahnarzt. Ihn hätten wir eher als Kartoon-malenden Künstler in Paris herumtingeln sehen. So kann man sich irren. Passt immerhin zum Nachnamen seiner Freundin „Kahriz“. Bald danach gibt es Abendessen: Eine Gemüsesuppe und Spaghetti mit Tomatensoße. Weil es inzwischen gefühlte -10°C hat und wir sowieso hundemüde sind, liegen wir um 20:30 Uhr im Bett und schlafen. In voller Montur (Skiunterhose, Fleece-Pulli, Schal, dicke Socken und extra Decke um die Schultern) frieren wir fast gar nicht…

uyuni-01 Grenzübergang Chile/Bolivien

uyuni-02 Laguna Blanca

uyuni-03 Laguna Verde

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uyuni-13 Laguna Colorado

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Morgens ist um 7:00 Uhr Frühstück angesagt. Dann werden die Jeeps beladen und wir fahren los. An der „Laguna Colorada“ vorbei, hier müssen wir nochmal unsere Nationalpark-Tickets zeigen, warum weiß kein Mensch, schließlich sind wir ja nicht rausgefahren?! Naja. Erst mal muss an einem Jeep die Scheibe der Fahrertür repariert werden, weil sie nicht mehr zugeht. Was ziemlich schlecht ist, bei den staubigen Pisten hier! Aber dank Fahrer und den Metro-Ingenieuren Catherine und Brice geht es bald weiter. Bis zur nächsten Panne, diesmal der andere Jeep. Ein platter Reifen. Innerhalb von 5 Minuten haben die beiden Fahrer den Ersatzreifen montiert, der zwar fast kein Profil mehr hat, aber was soll‘s. Wir fahren weiter. Unser nächster Stopp ist der „Árbol de Piedra“, ein Felsen, der von Wind und Wetter wie ein Baum geformt wurde. Dann geht es weiter zu den „Seven Colored Hills“. Außer einem kurzen Fotostopp gibt es hier aber nix zu holen. Über Stock und Stein geht es weiter in Richtung „Laguna Hedionda“ auf 4186 m, in der wieder hunderte, oder eher tausende Flamingos herumwaten und auf Futtersuche sind. Der See gefällt uns viel besser als die „Laguna Colorado“, er liegt wunderschön zwischen schneebedeckten Bergen und die Sonne scheint auch noch. Wir fahren noch ein Stückchen weiter zu einer Lagune ohne Namen, dafür aber mit Salzfläche am Rand. Hier gibt es Mittagessen. Von unseren Fahrern mit Tischdecke und Geschirr auf der Kofferraumfläche des Jeeps serviert. Es gibt Thunfisch aus der Dose, frischen Tomaten-Gurken-Avocado-Salat und Reis mit Gemüse. Zum Nachtisch gibt’s knackige Äpfel. Hier ist anscheinend ein beliebter Platz um Mittagspause zu machen, aber sonst sehen wir fast keine anderen Jeeps inkl. Touris an den einzelnen Stationen! Von hier geht es quer durch das Gebirge, an Flussläufen entlang und hindurch, über endlose Flächen, die nur spärlich bewachsen sind. Die Landschaft ist einfach spektakulär und ändert sich ständig! Die faszinierendste Pflanze die hier wächst, ist die grüne „Yareta“, eine Wüstenpflanze, die pro Jahr nur 1,4 mm wächst! Dementsprechend alt sind die großen Pflanzen, die wir zu sehen bekommen. Schließlich fahren wir auf einen kleinen ausgetrockneten Salzsee, durch den die Eisenbahnlinie verläuft. Alle 3 Tage kommt hier mal ein Zug durch! Wir können daher ohne Probleme auf den Schienen rumlaufen und lustige Fotos machen. Die Metro-Ingenieure sind entsetzt über den Zustand und die Sicherheit. Aber das ist halt Südamerika! Nach endloser Fahrt erreichen wir schließlich „unser“ Salzhotel am Rande der „Salar de Uyuni“, dem größten Salzsee der Welt. Das Hotel ist (fast) komplett aus Salz gebaut und es gibt eine heiße Dusche! Und die ist echt notwendig. Zum Abendessen gibt es zuerst eine sehr leckere Gemüsesuppe und dann Lamasteaks mit Pommes und Reis. Bissle zäh das Ganze und so wirklich toll schmecken tut Lama jetzt auch nicht… Der Spruch des Tages kommt von Xavier, er meint: „Don’t ask for salt!“ und deutet auf den Boden…

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uyuni-19 Reifenpanne

uyuni-21 Árbol de Piedra

uyuni-25 Laguna Hedionda

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uyuni-36 Yareta

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uyuni-38 Hotel aus Salz

Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns am nächsten Morgen auf durch den „Salar de Uyuni“, mit 12 000 km² die größte und mit 3653 m über dem Meer die höchste Salzwüste der Welt. Bald sehen wir nur noch Weiß mit einigen vermeintlich schwebenden Bergen am Horizont. Der Jeep fährt ganz ruhig über die glatte Fläche, fast wie auf der Autobahn. Nur dass es keine erkennbare Straße gibt! Richard erklärt uns, dass die Salzdecke zum Teil bis zu 10 m dick ist. Echt unglaublich! Nach einigen Kilometern erreichen wir die Insel „Inkahuasi“, welche früher von den Inka bewohnt wurde. Wir steigen hoch bis zum Aussichtspunkt und machen Fotos vom gleissend weißen Salar. Beim 360°-Panoramabild macht der Fotoapparat nicht mit, weil alles gleich aussieht… Die Insel ist übersäht von riesigen Kakteen mit teilweise sehr lustigen Formen. Diese wachsen pro Jahr nur 1 cm, die Höchste schätzen wir auf ca. 10 m, damit wäre sie dann 1000 Jahre alt! Zwei Lamas leben auch auf der Insel. Nach einer Stunde fahren wir weiter. Mittendrin bitten wir Richard mal anzuhalten. Durch das Weiß kann man hier super mit der Perspektive spielen und lustige Fotos machen. Wir spielen ein bisschen herum und fahren schließlich weiter in Richtung Uyuni. Am Rande des Salzsees machen wir noch Halt in Colchan, einem kleinen Dorf, das ausschließlich von der Salzgewinnung lebt. Auf dem Salzsee sind kleine Häufchen aufgeschüttet, damit das Salz trocknet und dann mit Lastwagen abtransportiert werden kann. Später wird es zu Speisesalz weiterverarbeitet und in alle Welt exportiert. Kurz vor Uyuni halten wir noch am „Cementerio de Trenes“, dem Eisenbahnfriedhof. Nachdem die Loks nicht mehr gebraucht wurden, wurden sie hier einfach abgestellt und rosten nun vor sich hin. Echt bizzar irgendwie! Als wir in Richtung Stadt fahren sehen wir schon, dass es wohl keinen gescheiten Müllentsorgungsplan gibt, überall fliegen Plastiktüten und sonstiger Müll herum. Die ganzen Büsche hängen voll damit! Am Büro von „Cordillera Traveller“ unterschreiben wir, daß wir heil angekommen sind und verabschieden wir uns von Richard und dann suchen wir uns ein sauberes kleines Hotel. Für 6 € die Nacht im Doppelzimmer sehr preiswert im Vergleich zu Argentinien und Chile. Unser Problem ist, dass wir dringend Internet bräuchten, um Saskia und Daniel „persönlich“ zur Hochzeit zu gratulieren. Allerdings sind wir internettechnisch gesehen wohl am Arsch der Welt gelandet. Es gibt zwar einige Internet-Cafes, aber die Leitung ist so langsam, dass es für Skype nicht reicht. Schließlich werden wir doch noch fündig und können mit den beiden skypen! Wir treffen nochmal den Rest unserer Truppe und gehen mit ihnen im Restaurant „Cactus“ essen. Da die anderen alle mit dem Bus um 20:00 Uhr weiterfahren und das Essen einfach nicht kommt, lassen sie es sich dann einpacken und rennen zum Busbahnhof. Für uns gibt es Steak (versprochen waren 300 g, aber das waren eher 100 g) und Lasagne. Total K. O. liegen wir mal wieder um 21:00 Uhr im Bett…

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uyuni-43 Isla Inkahuasi

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uyuni-57 Salzgewinnung

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uyuni-68 "Asi es la Vida" = So ist das Leben...

Morgens sind wir früh auf und frühstücken gemütlich in der Sonne (es hat auch nur ein Restaurant offen um 7:30 Uhr). Daher laufen wir ein bisschen über den Markt, der gerade aufgebaut wird und versuchen einige gute Fotos von den Indio-Frauen in ihrer Tracht zu machen (verschiedene Schichten, mit Rock und Melone, meist mit zwei ganz langen Zöpfen). Allerdings mögen sie es nicht wirklich fotografiert zu werden! Ein paar kriegen wir aber doch vor die Linse. Dann laufen wir zum Busterminal, kriegen mit etwas Glück die letzten zwei Tickets nach Potosí um 12:00 Uhr. Direkt am Busbahnhof verkauft eine Indio-Frau „Papas Rellenas“, eine Art knusprige Kartoffelbrei-Frikadelle mit Salat für 40 Cent! Das wird natürlich gleich probiert. Sehr lecker findet Liane. Für Florian ist das aber eher nix, deshalb bekommt er genauso leckere Empanadas. Der Bus nach Potosí kommt, unser Gepäck wird auf’s Dach gepackt und wir steigen ein. Die Platzvergabe ist ziemlich chaotisch und es wurden sowieso viel mehr Tickets verkauft, als Plätze da sind. Für eine 5 h Bustour. Na Mahlzeit! Im Gang neben uns hockt nun also eine Frau auf ihrem Koffer mit einer grünen Tasche auf dem Schoß. Plötzlich kuckt ein kleiner Hund aus der Tasche! Soooo süß! Wir erfahren, dass er Pepe heißt und gerade mal zwei Monate alt ist. Wir spielen mit ihm, er beißt einfach in alles rein was er zu schnappen kriegt und irgendwann schläft er auf Lianes Schoß ein. Total kaputt. Wir pennen auch eine Runde bei gefühlten 40°C. Der etwas altersschwache Bus ächzt ganz schön… Nach 4 ½ h machen wir eine kleine Pinkelpause in einem Dorf mitten in den Bergen. Nach weiteren 2 h kommen wir in Potosí an.

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uyuni-71 alte Frau in typischer Tracht mit Melone

uyuni-77 Das ist Pepe... so süß!

Hier das ganze Album: