Archiv von Januar, 2012

Conquest of Paradise

Am nächsten Vormittag kommt schließlich aus den Bordlautsprechern die Durchsage: „Laaaaand in Sicht!“. Alle stürmen an Deck und wir sehen die Insel „Nuku Hiva“ vor uns liegen. Sie gehört zu den Marquesas Inseln, die wiederum Französisch Polynesien zugeordnet sind. Die Insel ist ziemlich zerklüftet und hat bis zu 1224 m hoch aufragende Berge, diese liegen jedoch unter Wolken verborgen. Gegen Mittag erreichen wir dann in die Bucht von Taiohae, der Hauptstadt der Marquesas, mit ca. 1200 Einwohnern. Die Bucht gilt als eine der schönsten der Welt. Das würden wir jetzt nicht unterschreiben, da gibt’s mit Sicherheit schönere! Aber sie ist ganz nett. Nach dem frühen Mittagessen nehmen wir eines der ersten Tenderboote an Land, wo wir von einer Trommelgruppe und tanzenden Klischee-„Südseeschönheiten“ mit Kokos-Bikini und Blumen im Haar begrüßt werden. Da flüchten wir doch gleich und laufen die Hauptstraße an der Bucht entlang. Bei der Kathedrale machen wir Halt. Leider sind doch schon einige unserer Mitreisenden vor uns hier und stehen doof im Bild herum. Überhaupt ist es auf der Insel mit der Ruhe vorbei, da die Kreuzfahrt-Passagiere wie die Heuschrecken einfallen. Im Falle der Albatros direkt an der todschicken, grünen „Phoenix-Tasche“ zu erkennen. Wir werden uns daher hüten, diese Tasche zu benutzen, damit wir zur Not leugnen können, diese Leute zu kennen! ;-) Die Kirche ist ganz nett mit Schnitzereien von lokalen Künstlern. In einem Nebengebäude versammeln sich gerade einige Leute, die meisten haben weiße Kleidung an und bringen Blumen mit. Außerdem singen sie echt schöne zweistimmige Lieder. Neugierig stellen wir uns dazu und merken dabei, dass es sich um eine Beerdigung handelt, bei der die Leute am offenen Sarg Abschied nehmen und die Blumen ablegen. Wir bleiben ruhig in der Nähe stehen und hören zu. Einige unserer lieben Mitreisenden drängeln sich dagegen total unverschämt zwischen die Trauergäste und machen auch noch Fotos vom Sarg! Unmöglich, echt! Wir gehen weiter bis ans Ende der Bucht, wo wir ein bisschen schwimmen und am Strand liegen. Schließlich kommt noch Matze vorbei und wir gehen mit ihm noch zu einem Hotel am Berghang mit Aussichtsterrasse. Die zwei Jungs trinken jeder ein lokales Bier für umgerechnet 5 € die Dose. Ganz schön teuer! Mit einem der letzten Tenderboote fahren wir zurück zum Schiff, wo wir von der ungewohnten Anstrengung des Spaziergangs nach dem Abendessen hundemüde ins Bett fallen… Dadurch verpassen wir allerdings die Solo-Show von Rainer Schindler, „Mr. Flower Power“ höchstpersönlich. Ist aber nicht schlimm, die zwei Lieder bei der Künstler-Präsentation haben uns gereicht. Tolle 70er und 80er-Jahre-Songs… zumindest im Original!

suedsee2 (01) Nuku Hiva, Marquesas Islands

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suedsee2 (06) musikalische Begrüßung

suedsee2 (07) Kathedrale Notre-Dame in Taioahe

suedsee2 (09) Südsee-Schönheit

suedsee2 (13) noch eine Südsee-Schönheit ;o}

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Wir haben um 10:45 Uhr einen Spezialtermin „Maschinenraum besichtigen“ vereinbart. Zum Dank für den Foto-Lehrgang nehmen wir Matze mit, der sich riesig darüber freut. Mit Chef-Ingenieur Leif Dalholt treffen wir uns an der Rezeption und hinab geht’s, zunächst in den Kontrollraum. Hier erklärt er uns wie ein Schiff wie die MS Albatros gesteuert wird. Es gibt insgesamt vier Maschinen für den Antrieb, wovon aber meistens nur zwei laufen. Bei voller Kraft fährt das Schiff nämlich nicht wesentlich schneller, dafür wird aber doppelt so viel Schweröl verbraucht. Das ist sowieso unglaublich: Pro Tag werden 70 Tonnen Schweröl benötigt. In den Tanks liegen 2600 Tonnen, ungefähr 1/3 mehr als gebraucht wird für die Route um z. B. im Notfall einem anderen Schiff helfen zu können. Bei Frachtschiffen ist der Kontrollraum nur zeitweise besetzt und es gibt dann einen Alarm in der Kabine der Ingenieure, aber bei Passagierschiffen wie der MS Albatros, also quasi „lebender Fracht“ muss der Kontrollraum IMMER besetzt sein. Daher gibt es 4-Stunden-Schichten mit 8 Stunden Pause dazwischen. Leif erklärt echt gut auf eine sympathische humorvolle Art. Außerdem erklärt er uns die Aufbereitung des Meerwassers für die Kabinen. Das Wasser wird destilliert und dann mit Mineral-Zusätzen versehen. Theoretisch wäre das sogar ohne Probleme trinkbar. Die Abwärme der Motoren/Generatoren wird genutzt um das Wasser zu erhitzen. Auf dem Schiff werden ungefähr 500 m³ pro Tag verbraucht! Zum Vergleich: Eine 4-köpfige Familie verbraucht so ungefähr 160 m³ pro JAHR. Echt krass! Es läuft wie in einem Kraftwerk auch: Wenn mehr Strom gebraucht wird, z. B. bei Stoßzeiten in der Küche, werden zwei Generatoren mehr betrieben. Schließlich gehen wir dann in den Maschinenraum. Hier ist es so laut, dass er nix erklären kann und er uns nur durch Handzeichen zu verstehen gibt, was die einzelnen Maschinen so tun. Hier unten hat es ca. 35° C, wobei Leif meint, dass es momentan noch kühl ist, manchmal haben sie auch bis zu 60° C! Dann zeigt er uns auf dem Rückweg zur Rezeption noch einen Übersichtsplan des Schiffes, wo man sieht, welche Bereiche bei Wassereinbruch geschlossen und evakuiert werden. Insgesamt sind wir 1 ½ h beschäftigt, da wir ziemlich interessiert sind und es Leif auch sichtlich Spaß macht unsere Fragen zu beantworten. Da die Bananen trotz Kühlraum zu schnell reifen, gibt es mittags als Dessert „Banana Moco Loco“ auf dem Pooldeck. Sprich: Bananen-Ananas-Salat auf Eis und Likör drüber. Mjam! Der Kaffee um 16:00 Uhr steht heute unter dem Motto „Wiener Kaffeehaus“: Das Restaurant ist geschmückt und es gibt Sachertorte und Wiener Melange. Lecker! Zum Nach-dem-Kaffee-Schläfchen legen wir uns auf das Sonnendeck und genießen den blauen Himmel und die schöne Meeresbrise die hier weht. Als schließlich aber Katharina vom Phoenix-Team mit 15 Passagieren im Gefolge zu dem Programmpunkt „Walk a Mile“ losläuft, wird es uns zu ungemütlich und wir verziehen uns. Nach dem Abendessen gibt’s den zweiten Spezialtermin heute: die Küche! Der „Maître d’hôtel“ Lars Gröning führt uns durch die Großküche und erklärt uns die verschiedenen Bereiche. Insgesamt arbeiten hier 50 Leute! Überwiegend sind es Philippinos, Indonesier und Inder. Es gibt diverse Spülbereiche, einen z. B. nur für die Glassachen oder für das Besteck. In einer Ecke werden das Obst und die kalten Platten vorbereitet. Ein Koch, Arnulfo, ist nur für „Verzierungen“ zuständig, also z. B. aus Melonen irgendwelche Gesichter schnitzen, oder aus Radieschen Rosen zaubern, usw. Dann gibt es einen Backbereich, mit riesigen Teigrührmaschinen. Hier ist Roberta die Chefin, als einzige Frau in der ganzen Küche. Alle Backwaren werden hier ganz frisch gebacken. Deshalb sind die so gut und vielfältig! Dann kommt der „Warm-Speisen-Bereich“, hier wird alles in riesigen Töpfen gekocht, angebraten und angerichtet. Da es mittags und abends ein 5-Gänge-Menü und jeweils ein Buffet zu richten gibt, wird denen garantiert nicht langweilig! Dazu noch die diversen „Zwischengänge“ wie Suppe, Kaffee oder Late-Night-Snack! Hier steht auch eine riesige Kaffeemaschine, die täglich 400 l Kaffee kocht. Ein Stockwerk tiefer gibt es einen ganzen Gang voll mit Kühlräumen und Leuten, die die ganze Vorbereitung machen. Einer macht nur Schwein und Rind, einer nur Fisch, usw. Wirklich eine logistische Meisterleistung! Wir fragen, wie es sein kann, dass wir fast keine Wartezeit haben? Nachdem wir bestellt haben kommt ja eigentlich immer sofort das Essen. Sobald wir mit einem Gang fertig sind, kommt der nächste. Lars erklärt es uns: Im Restaurant arbeiten nochmal 70 Leute: Kellner und „Piccolos“, erstere servieren, zweitere rennen. Es wird vorab kalkuliert, wie viele Portionen vermutlich gebraucht werden. Sobald eine bestimmte Prozentzahl bestellt wurde, wird nachgezählt, wie viele Gäste noch in den beiden Restaurants sitzen und wie viele noch nicht bestellt haben, dementsprechend wird dann nachgeordert. Außerdem gibt es Erfahrungswerte, dass z. B. viel mehr Schnitzel zum Hauptgang essen wollen, als Pasta mit Bolognese-Soße. Die Zutaten werden in verschiedenen Häfen nur von zertifizierten Händlern eingekauft, in verschiedenen Reifegraden (bei Obst z. B.) und dann unterschiedlich gelagert. Echt mal superinteressant zu sehen was hier hinter den Kulissen abläuft. Das Essen hier ist wirklich sehr gut, ganz selten, dass etwas mal ein bisschen fad ist oder nicht ganz so schmeckt. Respekt! Abends ist dann die Solo-Show von „Schwarzblond“, die wir allerdings zur Hälfte verpassen, denn das Geschaukel macht ganz schön müde. O-Ton Matze: „Ich könnte ständig schlafen. Das Schiff ist wie eine eiserne Mama, die einen in den Schlaf schaukelt.“ Und da hat er absolut Recht! Die letzte halbe Stunde hören wir noch zu und gehen danach in „Harry’s Bar“ um dem Late-Night-Konzert von „Renata Ravell“ zu lauschen, welches uns allerdings nicht ganz so gut gefällt, wie der Solo-Abend.

suedsee2 (20) Maschinenraum-Führung mit Leif

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suedsee2 (25) Maschine Nr. 2

suedsee2 (31) Küchenführung mit Lars

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suedsee2 (36) Schwarzblond in Action

Am nächsten Morgen erreichen wir Rangiroa. Hier sieht es nun wirklich so aus, wie man sich die Südsee vorstellt: ein flacher Inselring mit Palmen und weißem Strand im türkisfarbenen Wasser. Wir fahren durch eine schmale Passage, den sogenannten Tiputa Pass, in die Lagune im Inneren, die aber mit 1600 km² so groß ist, dass wir die insgesamt 240 Inseln außen herum nur erahnen können. Die Inselchen haben insgesamt nur eine Fläche von 79 km², die 2300 Einwohner verteilen sich auf drei Dörfer. Da wir wieder auf Reede liegen, setzen wir mit dem Tender-Boot über. Weil die Insel auf der wir landen nur ca. 300 m breit ist, laufen wir gleich mal auf die andere Seite, allerdings gibt es hier keinen besonders schönen Strand… Aber das ist uns erst einmal eh egal: Wir gehen Tauchen (das heisst hier Plongée)! Da wir im Internet vorab gebucht haben, werden wir kurz nach 10 Uhr abgeholt und die paar Meter bis zum Dive-Center gefahren. Hier sind schon einige unserer lieben Mitreisenden eingefallen und es herrscht ziemliche Hektik! Dabei wollen die alle nur Schnorchel kaufen oder kucken, ob es hier auch Schnorchel-Ausflüge gibt. Drei andere Passagiere gehen dann noch mit zum Tauchen. Insgesamt sind wir eine große Gruppe, werden aber dann in 4er-Teams je mit eigenem Dive-Master eingeteilt und starten an unterschiedlichen Stellen. Wir tauchen mit Moana, als Dive-Masterin und einem Ehepaar von unserem Schiff, Barbara und Jochen, die schon eine ganze Weile nicht mehr getaucht sind und den letzten Hai unter Wasser vor 40 Jahren gesehen haben, wie sie uns erzählen. Moana macht ein kurzes Briefing und meint, dass beim ersten Tauchgang um 8:00 Uhr schon einen Manta-Rochen gesehen haben! Und dass hier öfters neugierige Delfine sind, die zum Spielen zu den Tauchern kommen. Das wär ja echt super-genial! Hier tauchen wir das erste Mal mit Nitrox. Das ist mit mehr Sauerstoff angereicherte Luft, damit kann man die Tauchzeit um einiges verlängern und man soll nach dem Tauchen weniger müde sein. Mit dem Tauchboot geht es zuerst durch den Tiputa Pass wieder raus aus der Lagune. Dann tauchen wir ein Stück am Riff entlang. Wir sehen echt schöne Korallen und viele bunte Fische, unter anderem riesige Napoleon-Fische. Das Wasser hat hier unglaubliche 28° C. Wie in einer riesigen Badewanne. Und die Sicht ist der Wahnsinn! Minimum 40 m. Schließlich geht es noch ein Stückchen raus ins „Blaue“, bis wir am Boden unter uns einen Hai entdecken, dann einen zweiten und dritten und plötzlich ist der ganze Boden voll. Es sind bestimmt 30 Haie unterschiedlicher Größe, die unter uns herumschwimmen! Schwarzspitzen-Riffhaie, Graue Riffhaie und ein großer Silberspitzenhai. Echt cool! Die Strömung macht hier richtig Spaß, besonders als wir ein Stück durch den Pass tauchen… Ungefähr auf der Hälfte des Passes werden wir vom Boot aufgesammelt und zum Dive-Center zurückgebracht. Wir legen uns (verbotenerweise) zur Erholung an den Strand des nächsten Hotels, bevor wir nachmittags zu einem zweiten Tauchgang starten. Diesmal ist Hideyo unsere Dive-Masterin. Wieder geht es raus durch den Pass, schon beim Rausfahren sehen wir ein paar Delfine vorbeischwimmen. Dieses Mal werden wir nicht am Riff abgesetzt, sondern gehen etwas weiter draußen runter. Um uns herum ist nur tiefblaues Wasser zu sehen. Wir bewegen uns in Richtung Riff, als nach ca. 5 Minuten unter Wasser Hideyo plötzlich aufgeregt hinter uns zeigt. Wir drehen uns u. Direkt vor uns „stehen“ drei ca. 3,5 m große Delfine im Wasser und kucken uns neugierig an. Wir kommen uns vor wie im Film, eine echt unglaubliche Szene! Als wir langsam auf die beiden zu schwimmen, drehen sie sich ein bisschen, wir drehen uns mit, tauchen nebeneinander her… Und so „spielen“ wir ein paar Minuten mit ihnen, könnten sie theoretisch berühren, so nah sind sie! Mit ein paar Flossenschlägen verabschieden sie sich von uns und verschwinden im Blau… Das war dann wohl Florians einmaliges Geburtstagsgeschenk! :-) Als wir an dem Platz vorbeikommen, an dem vormittags Haie waren, sehen wir, dass es mittlerweile noch viel mehr geworden sind… schätzungsweise 100 Tiere! So viele Haie auf einmal haben wir echt noch nie gesehen! Schließlich geht es wieder am Riff entlang und kurz bevor wir in den Pass zur Lagune einbiegen sehen wir noch zwei Hammerhaie! Einen ganz weit unten, nur schemenhaft und einer schwimmt über unsere Köpf hinweg, sieht echt cool aus mit der Sonneneinstrahlung von oben! Die Strömung durch den Pass ist wieder echt toll, man muss fast nix machen und zieht am Riff vorbei… Dieses Mal durchqueren wir den Pass komplett und werden innerhalb der Lagune vom Tauchboot eingesammelt. Das war bisher mit Abstand der tollste Tauchgang überhaupt! Die Begegnung mit den Delfinen war unglaublich und wir bekommen den restlichen Tag das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht! Beim Abendessen ist unser Tisch mit Luftballons geschmückt und Florian kriegt ein Ständchen gesungen. Zwar ist es fast schon ein bissle peinlich, wenn 30 Kellner um den Tisch rum stehen und mit Gitarrenbegleitung „Happy Birthday“ singen. Aber den Kuchen wollte Florian halt schon haben… Und wissen, was in dem Umschlag ist, den man überreicht bekommt. Nämlich eine Glückwunschkarte, auf der auch noch der Name falsch geschrieben ist. Klasse! :-) Später setzen wir uns noch gemütlich mit Matze auf eine Bank an Deck und er spendiert zur Feier des Tages noch einen echt leckeren von einem Freund aus Berlin selbst gebrannten Kräuterschnaps.

suedsee2 (39) Einfahrt in die Lagune von Rangiroa

suedsee2 (41) Rangiroa, Französisch-Polynesien

suedsee2 (42) musikalische Begrüßung Nr. 2

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suedsee2 (52) Delfine!!!!!

suedsee2 (53) Silberspitzenhaie

suedsee2 (54) Hammerhai

suedsee2 (56) Kuck mal, da!

suedsee2 (60) Geburtstags-Kuchen

suedsee2 (61) Geburtstags-Party

Demnächst gibt’s hier noch ein Video der Delfine!

Morgens kucken wir uns die Einfahrt des Schiffes in die berühmte „Cooks Bay“ von Moorea an. Die Bucht gefällt uns auf jeden Fall besser als die von Nuku Hiva! Um 8:30 Uhr nehmen wir eines der ersten Tenderboote an Land, da wir gleich wieder zum Tauchen abgeholt werden. Der erste Tauchplatz heißt „Lemon Shark Valley“. Die Korallen sind zwar fast alle abgestorben, aber vor allem der Canyon durch den die Haie ihre Kreise ziehen ist natürlich superinteressant. Unser Dive-Master Francois warnt Florian, als er gerade seine Maske im Meerwasser ausspülen will: „Achtung, hast du die Haie nicht gesehen!?“ Haha! Aber schon beim Sprung aus dem Boot müssen wir aufpassen, dass wir nicht auf einen Schwarzspitzen-Riffhai fallen, einige umkreisen schon unser Boot direkt unter der Wasseroberfläche. Unten schwimmen die Haie die ganze Zeit direkt um uns herum, zwei größere Zitronenhaie sind auch noch da. So nah haben wir Haie noch nie gesehen, zum Teil schwimmen sie einen halben Meter neben uns und kucken uns neugierig an. Die meisten Haie werden von Putzerfischen begleitet. Wenn diese zu aufdringlich werden, schnappt der Hai kurz nach ihnen und er hat eine Weile seine Ruhe. Nach einer kurzen Pause im Dive-Center fahren wir zum zweiten Tauchplatz „Tao Toi“. Auch hier sind die Haie gleich da. Außerdem ein schöner, bunter Triggerfisch, der allerdings ziemlich aggressiv ist und zu beißen versucht oder einen rammt, wenn man zu nahe an sein Nest kommt. Florian hat nicht gesehen, dass er den Kopfstand schon gemacht hat (letzte Warnung bevor er angreift!) Unser Dive-Master reagiert aber gleich und zieht ihn weg. Das hätte schiefgehen können, denn so ein Triggerfisch hat ganz schön scharfe Zähne! Wieder im Boot fragt Francois in die Runde „Everything alright?“ Ein Japaner will von uns wissen, was das auf Deutsch heißt. „Alles klar!“ Er probiert es aus. Hört sich total lustig an. Wir fragen nach, wie es auf Japanisch heißt? Antwort: „Yush!“ Wir kriegen uns fast nicht mehr ein vor Lachen und es ist seither unser Lieblingswort. ;-) Als wir um 13:00 Uhr wieder zurück am Pier sind, mieten wir uns kurzerhand noch ein Auto für den restlichen Tag um die Insel zu erkunden. Wir fahren einmal außen um die herum, das sind ca. 60 Kilometer. Leider sind viele Wolken da und es wird immer dunkler. Kurz nachdem wir losgefahren sind gibt es einen Regenschauer vom Feinsten, der ungefähr 5 Minuten dauert, dann ist alles vorbei. Die Wolken ziehen weiter, der blaue Himmel ist wieder da und die Sonne scheint. Echt krass, wie schnell das Wetter sich hier ändert! Nachmittags machen wir einen längeren Halt an einem schönen Sandstrand bei einem Hotel. Von hier fahren wir dann noch auf den „Belvédère“, den Aussichtspunkt von Moorea, mit Blick auf die beiden bekanntesten Buchten. Allerdings stellen wir fest, dass wir von hier aus keinen so schönen Sonnenuntergang sehen werden. Deshalb fahren wir ein Stückchen zurück zum „Hilton Hotel“, wo wir uns einen Sundowner gönnen wollen, allerdings sind uns 12 Euro dann doch ein bisschen zu viel und so beschränken wir uns darauf, mal den Steg entlang zu laufen, die Bungalows näher zu betrachten und Fotos zu machen… Abends gibt es einen Spezial-Programmpunkt in der Atlantik Lounge „Der Mord auf Nuku Hiva“. Anfang November 2011 wurde dort ein deutscher Weltumsegler namens Stefan Ramin ermordet. Laut Bild-Zeitung von einem Kannibalen. Burghard Pieske kennt die Familie des Ermordeten schon lange und zufälligerweise sind der Vater Erwin und der Bruder Alexander gerade auch in der Cooks Bay auf dem Katamaran von Stefan um diesen nach Papeete zu bringen und ihn dort zu verkaufen. Da das natürlich ein interessantes Thema ist und niemand so ganz genau die Fakten kennt, gibt es nun ein exklusives Interview mit den Betroffenen darüber. Der Bruder berichtet ein bisschen, was für ein Mensch Stefan war und wie er zum Segeln gekommen ist. Der Vater berichtet, was vermutlich vorgefallen ist: Stefan wollte mit einem einheimischen Jäger im Inselinneren auf traditionelle Ziegenjagd gehen und aus noch ungeklärten Gründen hat dieser Jäger ihn wohl erschossen und dann verbrannt. Das Gerücht vom Kannibalismus kam auf, weil eine Zeitung in Tahiti wohl eine kurze Schlagzeile über den Mord brachte und als kleine Gemeinheit (das ist zwischen den Marquesas und Tahiti so ungefähr wie zwischen Badnern und Schwaben) wurde noch erwähnt, dass vor 200 Jahren ja noch Menschenfresser auf Nuku Hiva gelebt haben. Dies hat die Bild-Zeitung irgendwie mitbekommen und schon war die Schlagzeile fertig. Dann ging der Medienrummel los. Die Familie konnte nicht mehr aus dem Haus gehen, ohne von Reportern belagert zu werden. Der Mörder hat sich drei Wochen später selbst bei der Polizei gemeldet, hat aber wohl noch keine Aussage zu dem Motiv gemacht. Vermutlich wird nie ganz geklärt werden, was passiert ist, aber aufgegessen wurde Stefan definitiv nicht.

suedsee2 (63) Cooks Bay

suedsee2 (64) musikalische Begrüßung Nr. 3

suedsee2 (68) Schwarzspitzen-Riffhai

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Frühmorgens legen wir am Pier von Papeete, der Hauptstadt von Tahiti an. Schon von Moorea aus konnten wir die vielen Lichter dieser Großstadt erkennen und es ist etwas befremdlich, nach so vielen Tagen auf See und auf kleinen beschaulichen Inselchen, nun Hochhäuser, Autos und viele Menschen zu sehen. Gleich um 8:30 Uhr werden wir vom Tauchboot direkt am Hafen zu unseren vorerst letzten Tauchgängen abgeholt. Franck bringt uns zuerst zum Dive-Center, wo wir unsere Ausrüstung zusammenstellen. Dann geht’s los zum ersten Tauchgang. Nach kurzer Fahrt sehen wir plötzlich ein paar Delfin-Rückenflossen. Wir fahren ein bisschen näher und sehen, dass es eine ganze Schule kleinerer Delfine ist! Als der Kapitän etwas Gas gibt, schwimmen ca. zehn der Delfine auf unserer Bug-Welle mit. Wir können sie ganz nah beobachten. Echt Wahnsinn, wie elegant Delfine schwimmen! Die erste Dive-Site ist das sogenannte „White Valley“. Sieht ein bisschen wie ein Canyon aus, mit meist toten Korallen und ganz weißem Sand am Boden. Hier sind wieder viele Schwarzspitzen-Riffhaie unterwegs und auch zwei große Zitronenhaie! Franck hatte zuvor einen Käfig mit einem großen Thunfisch-Kopf und ein paar kleineren Fischen vom Boot geworfen, dieser Geruch lockt nun natürlich die Haie an. Anscheinend war zwei Tage zuvor auch ein großer Tiger-Hai da, aber heute hat er leider keine Lust vorbeizukommen. Nachdem wir eine kleine Runde um und durch das Valley getaucht sind, knien wir uns auf den Boden. Dann öffnet Franck den Käfig und sofort taucht der größte Zitronenhai, er ist ca. 3,50 m groß, auf und verspeist das Stück Thunfisch-Kopf mit einem großen Happs. Wow! So schnell kann man fast nicht kucken. Die kleineren Fische werden von den anderen Haien und einigen größeren Fischen geschnappt. Schließlich fahren wir zurück zum Dive-Center, wo mittlerweile noch drei andere Taucherinnen warten. Unsere Dive-Masterin für den zweiten Tauchgang heißt Perrine. Wir fahren zu einem kleinen Inselchen direkt vor der Küste namens „Papa Whisky“. Die Lichter darauf dienen zum Einweisen der Flugzeuge bei der Landung. Wir tauchen dieses Mal an einer Steilwand, die aber immer flacher wird, je weiter wir  hinunter kommen. Hier gibt es haufenweise Muränen und wir sehen das erste Mal zwei außerhalb ihrer Höhle schwimmen. Bisher haben wir immer nur den herausgestreckten Kopf mit dem auf- und zuschnappenden Maul gesehen. Außer ein paar kleineren Haien sind hier auch noch zwei große Fische mit riesigen Glubschaugen, die ganz nah an uns vorbeischwimmen und uns anstarren. Es gibt eine ganz leichte Strömung, so dass wir fast nix machen müssen um voranzukommen. Zurück in Papeete kucken wir uns kurz den Markt an, entscheiden dann aber spontan mit dem öffentlichen Bus zum „Venus Point“ ganz im Norden zu fahren. Hier gibt es auch einen schönen, schwarzen Sandstrand. Von der Bushaltestelle müssen wir noch ca. 20 Minuten laufen bis wir am Leuchtturm ganz an der Spitze ankommen. Bevor wir uns auf den Weg machen kaufen wir uns im Supermarkt zur Stärkung noch eine Flasche Orangina, überhaupt kommt man sich hier vor wie in Frankreich… Es gibt Baguette, Käse, usw. Hier legen wir uns eine Weile an den Strand, schwimmen ein bisschen und kucken den Stehpaddlern zu, dabei steht man auf dem Surfbrett und hat ein Paddel zum Vorwärtskommen. Gerade als wir zurücklaufen wollen, sehen wir ein Pärchen, welches ins Auto steigt. Florian fragt einfach mal, ob sie nicht zufällig nach Papeete fahren. Tatsächlich fahren sie in die Richtung und bringen uns netterweise direkt zum Pier. Echt super! Hier hat gerade der Nachtmarkt begonnen, einige umgebaute Kleinbusse mit Garküchen. Hauptsächlich gibt es chinesisches Essen, allerdings ist das Essen hier nicht wie wir das von solchen Märkten gewohnt sind für ein paar Euro zu haben, sondern ist eher Restaurant-Niveau. Deshalb können wir der Versuchung unseres schon bezahlten 5-Gänge-Menüs an Bord leider nicht widerstehen… Nach dem Essen gibt es eine „Tahiti Folklore Show“, wir gehen allerdings lieber noch mal auf das Festland. Das Ende der Show bekommen wir dann noch mit, zeigt uns aber eher, dass wir nix verpasst haben! Schließlich verlassen wir wieder mit den Klängen zu „Conquest of Paradise“ den Hafen von Papeete und es geht weiter in Richtung Raiatea.

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suedsee2 (83) am Pier von Papeete, Tahiti

suedsee2 (87) Hai-Gewusel

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suedsee2 (91) Markthalle von Papeete

suedsee2 (94) Venus-Beach, Tahiti

suedsee2 (95) Stehpaddler

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suedsee2 (98) Nachtmarkt

Irgendwann nachts haben wir am Pier von Vaiaau festgemacht. Nach den drei Tauch-Tagen und dem auch sonst umfangreichem Programm, wollen wir uns hier einen Relax-Tag gönnen und auf eines der sogenannten „Motus“ fahren. Motus sind aus Korallentrümmern bestehende kleine Riffinseln. Sie liegen vor den Hauptinseln und haben meist viele Palmen und schöne weiße Strände. Direkt am Pier fährt ein Shuttle für 20 US$ hin und zurück. Für eine 2-Minuten-Fahrt wieder ganz schön teuer, aber was soll‘s! Je näher wir kommen, desto mehr freuen wir uns darauf, auf diesem süßen, kleinen Inselchen an den Strand zu liegen und etwas zu schnorcheln. Leider haben einige unserer älteren Mitreisenden die gleiche Idee und so können wir uns auf der Fahrt mal wieder anhören, was auf der Albatros alles nicht passt – Klimaanlage, Essen, Personal, und so weiter. Man sollte meinen, die Leute seien im Urlaub und würden sich mal entspannen, aber nein, es wird die ganze Zeit gemotzt. Meist gelingt es uns wegzuhören, aber auf dem kleinen Boot bekommen wir nun wieder die volle Ladung ab! Der absolute Höhepunkt ist eine Dame, die bei der Ankunft auf dem Motu den Bootsführer blöd anmacht, dass wir ja wohl noch nicht da sein können und wo überhaupt der schöne weiße Sandstrand wäre?! Manche Leute sind echt mit nix zufrieden! Wir legen uns daher so weit wie möglich von den anderen entfernt hin, damit wir richtig entspannen können. Das Wasser hat Badewannentemperatur und es gibt kleine Korallenbänke mit wunderschönen bunten Muscheln! Florian schnorchelt noch zu einem Riff etwas weiter weg und kommt nach einer Stunde mit zerschrammten Beinen und einer kaputten Unterwasserkamera zurück. Was ist denn da passiert? Er erzählt dass ihn ein richtig böser Fisch angegriffen und das Glas zerstört hat. Kann aber auch sein, dass er im flachen Wasser von einer Welle auf die Korallen geschleudert wurde. ;o} Kurz nachdem er zurück ist fängt es innerhalb einer Minute an, wie aus Kübeln zu schütten. Spitzenklasse! Wir stellen uns unter bis das meiste vorbei ist und fahren dann zurück an Land. Sonne haben wir echt genug abbekommen für heute, die knallt hier unglaublich! Wir laufen noch etwas durch die Markthalle und kucken uns die Handwerkskunst und den Perlen-Schmuck an, allerdings wird uns bei den Preisen fast schlecht! Das Auslaufen des Schiffes durch die Passage der Lagune kucken wir uns natürlich vom obersten Deck an, es gibt einen wunderschönen Sonnenuntergang und bereits den Blick auf unser morgiges Ziel – Bora Bora! Auf diese Insel sind wir besonders gespannt, immerhin wird sie als eine der schönsten der Welt bezeichnet! Und ist eines der teuersten Urlaubsziele überhaupt. Zum Abendessen bestellt Liane heute gleich alle drei zur Wahl stehenden Desserts, weil sie sich einfach nicht entscheiden kann! ;-) Danach gibt es auf dem Pool-Deck eine „Kirmes“. Wie das mit Südsee zusammenpasst ist uns rätselhaft! Aus reiner Neugier laufen wir einmal darüber, weil einfach ALLE dort sind! Wie grässlich ist das denn! Ballermann-Musik und dazu Tombola + Dosenwerfen. Das einzig Witzige ist eine lebende „Slot-Machine“ bestehend aus den drei Tänzerinnen und dem Tänzer der „Phoenix Dancers“. Während er als Starthebel herhalten muss, ziehen die drei Mädels jeweils blind aus einer Tasche verschiedene Früchte. Bei drei gleichen Früchten gibt’s dann einen Cocktail. Also flüchten wir gleich wieder, setzen uns mit Matze in die Bar und während Liane dann früh schlafen geht, machen die zwei Jungs einen Männerabend.

suedsee2 (101) Motu-Inselchen vor Raiatea, Französisch-Polynesien

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suedsee2 (105) Nemo - gefunden!

suedsee2 (107) unglaubliche Muschel

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suedsee2 (113) Drei Desserts! Und alles meins! :-)

Das erste was wir morgens tun, ist ein Blick auf die berühmte Lagune von Bora Bora zu werfen! Neben uns liegt noch ein weiteres Kreuzfahrtschiff vor Vaitape auf Reede die „Ocean Princess„, ein amerikanisches, relativ modernes Schiff. Dann frühstücken wir ganz schnell und fahren mit dem ersten Tenderboot an Land, um vor den Massen da zu sein. Hier kucken wir zunächst, was es kostet ein Auto zu mieten. Abartige Preise! Dann fragen wir in der Touri-Info nach dem öffentlichen Bus. Gibt es keine! Zumindest nicht, wenn Kreuzfahrtschiffe anlegen, dann werden aus den Bussen einfach mal schnell Taxis! Der Heli-Flug ist zwar bestimmt hammergeil, aber einfach nicht mit unserem Budget zu vereinbaren. Am Pier werden Touren angeboten, mangels individueller und bezahlbarer Alternativen buchen wir kurzerhand zwei Touren. Und es geht auch gleich los zur Lagunenfahrt mit Schnorcheln. In einem schicken kleinen Motorboot der Luxusklasse, sieht ganz neu aus mit stylischen weißen Polstern. Mit im Boot sind zwei ältere Herrschaften von der Albatros und vier Amerikaner vom anderen Schiff. Der Bootsführer heißt Toby, eigentlich Adrian, wie er zu dem Spitznamen kommt bleibt ungeklärt. Als er hört, dass wir aus Deutschland sind, meint er, hier auf der Insel kennt jeder den Toni Marshall. Er ist vor einigen Jahren zum Ehrenbürger ernannt worden, weil er mit seinem Lied „Bora Bora“ die Insel sehr bekannt gemacht hat. Und los geht’s! Toby erzählt uns alles Mögliche über die Entstehung des Atolls und über seine Bewohner. Echt interessant! Wir spielen noch ein bisschen Übersetzer für unsere zwei Senioren, die kein Englisch können. Die Lagunenfahrt ist echt traumhaft schön, das Wasser wechselt zwischen tiefblau und türkis hin und her, ab und zu sehen wir einen Adlerrochen durch das Wasser gleiten… Wir machen Fotos ohne Ende, ständig tauchen neue, tolle Motive mit Palmen oder Stränden auf! Von einer Sache sind wir allerdings ziemlich enttäuscht: die Überwasser-Luxus-Bungalows, die auf Stelzen in die Lagune hineingebaut sind, mit Glas-Fußboden und direktem Meerzugang über die Terrasse. Das haben wir uns ganz anders vorgestellt, und nicht dicht an dicht mit komischen Beton-Stelzen! Unglaublich, dass die zum Teil mehrere Tausend Euro die Nacht (!!!) kosten sollen! Beim anschließenden Schnorcheln sehen wir wieder die tollen bunten Muscheln und etliche Fische. Ein Einheimischer ist mit einer Harpune auf der Jagd! Und das im „Sumo-Ringer-Outfit“. Sieht etwas furchterregend aus… Jeder Schuss ist ein Treffer! Laut Toby ist es allerdings nicht mal erlaubt hier jagen zu gehen und schon gar nicht, wenn so viele Touristen außen rum schnorcheln. Mittlerweile sind nämlich leider drei mit Palmblättern geschmückte klapprige Tour-Boote angekommen, auf denen andere Kreuzfahrtpassagiere sitzen und ein Polynesier klimpert dazu auf einer Gitarre herum und spielt irgendwelche Lieder! Zum Glück waren wir schon früher da und können dem Spektakel daher halbwegs entkommen… Nach ca. drei Stunden kommen wir wieder am Pier an. Hier gibt es einen kleinen Stand von unserem Schiff, an dem wir leckeren, erfrischenden Eistee genießen können! Da wir noch etwas Zeit haben, bis zu unserer nächsten Tour kucken wir uns die abartig teuren Souvenirs an, z. B. eine Holzmaske, 15 cm groß, nicht mal sehr gut geschnitzt – umgerechnet 300 €! Um kurz nach 13 Uhr starten wir dann unsere 3-stündige Jeep-Tour. Das ist die einzige Möglichkeit um zu Aussichtspunkten auf den Bergen zu kommen. Kurzentschlossen steigen zwei Amerikaner vom anderen Kreuzfahrtschiff dazu. Wir holen auf der anderen Seite der Insel noch zwei Spanier im Luxus-Hotel ab und los geht’s um die Insel. Die zwei Amis müssen allerdings schon vor 16 Uhr wieder am Pier zurück sein und jetzt ist schon fast 14 Uhr. So ein Scheiß! Der Fahrer Daniel muss sich daher ziemlich beeilen, damit wir alle Aussichtspunkte in den Bergen anfahren können. Deshalb gibt es rund um die Insel nur ganz wenige andere Foto-Stopps. Immerhin bekommen wir unterwegs noch eine frische Kokosnuss zum Trinken. Die Wege zu den Aussichtspunkten hoch sind dermaßen steil, dass sie nur mit Allrad zu erreichen sind. Aber das Geruckel und Gestoße ist es wert – die Aussicht ist absolut fantastisch! Die Farben der Lagune mit dem Korallenriff drum herum sind echt der Knaller! Insgesamt drei dieser Aussichtspunkte, unter anderem den „Guns Hill“, wo eine alte Kanone vor sich hinrostet, fahren wir an, bevor wir wieder am Pier ankommen. Da Daniel die zwei Spanier sowieso zu ihrem Hotel zurückfahren muss, fahren wir nochmal mit und lassen uns am öffentlichen Strand namens Matira Beach rauswerfen. Wir laufen ein bisschen am Strand entlang und machen einige Bilder. Hier treffen wir auch einen Teil der Albatros-Crew, die hier ihren freien Tag verbringen. Außerdem müssen wir natürlich noch Sand einpacken, als kostengünstiges Souvenir! Daniel holt uns auf dem Rückweg wieder ab und macht noch einen kurzen Stopp beim World Famous „Bloody Mary’s„, einer Bar wo schon unzählige Promis zu Besuch waren. So besonders, wie alle machen, ist die Bar dann aber auch wieder nicht. Zurück am Pier nehmen wir das letzte Tenderboot zum Schiff. Nach dem leckeren französisch-polynesischen Abendessen kucken wir uns noch die Show des Zauberkünstler „Kalibo“ an, der ganz frisch auf dem Schiff eingetroffen ist. Er macht das ganze eher modern, also nix mit Kaninchen im Hut oder so, allerdings quatscht er echt fast ununterbrochen. Einige der Tricks sind ganz gut, andere aber schon relativ „alt“. Wir sind allerdings so müde, dass wir nebenher fast einschlafen und daher verabschieden wir uns nach der Show direkt ins Bett und freuen uns darauf, morgen mal wieder ausschlafen zu können, denn es stehen wieder zwei Seetage auf dem Programm!

suedsee2 (117) kristallklares Wasser in der Lagune von Bora Bora

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suedsee2 (132) Küstenstraße

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suedsee2 (141) Bora Bora von oben (Bild von Tina)

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suedsee2 (147) Tenderboot

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Hier das ganze Album:

Willkommen zu Hause!

Wir erledigen noch ein paar dringende Internet-Geschichten, frühstücken und machen uns dann mit dem Taxi auf zum LuK-Werk in Puebla. Hier kommt unser Gepäck in Alex‘ Auto und wir bekommen eine kleine Führung durch das Werk. Zuerst kucken wir uns die Produktionshallen an und später noch die Konstruktionsabteilung, wo uns Alex die hier arbeitenden Ingenieure vorstellt. Dann machen wir uns auf den Weg zum „CAPU“, dem riesigen Busterminal von Puebla. Wir bekommen noch locker Tickets für den nächsten Bus nach Acapulco. Allerdings sind die sauteuer im Vergleich zu anderen Strecken! Als wir nach 6 h Fahrt aus dem Bus steigen, schlägt uns schwül-warme Luft entgegen, nach der Kälte in Puebla eine ganz schöne Umstellung. Da die Stadt als nicht gerade sicher gilt und es schon stockdunkel ist, nehmen wir uns wieder ein Taxi direkt vom Busbahnhof, welches uns zum „Terminal Maritima“, also zum Pier bringt, wo wir schon von weitem das große Kreuzfahrtschiff „MS Albatros“ liegen sehen, welches für die nächsten vier Wochen unser „Zuhause“ sein wird. Wir sind anscheinend die einzigen Gäste, die selbst anreisen und ganz bestimmt die einzigen, die mit riesigen Rucksäcken daherkommen. Daher kucken die Sicherheitsbeamten unsere Pässe ganz genau an, bevor sie uns durchlassen. An der Gangway werden wir gleich mit einem Schild „Willkommen zu Hause“ begrüßt. Naja…! Die zweite „Sicherheitskontrolle“ an Bord besteht aus Pässe ankucken und Desinfektionsmittel auf uns sprühen. Dann dürfen wir durch zur Rezeption. Auch die Damen hier sind einigermaßen überrascht, als plötzlich neue Passagiere vor ihnen stehen. Irgendwie ist es für uns ganz komisch nun wieder auf Deutsch begrüßt zu werden! Das „Hola“ und „Gracias“ ist nach vier Monaten in spanischsprachigen Ländern voll drin. Es werden Fotos gemacht für den Bordausweis, wir bekommen Deckpläne und sonstige Infos und beziehen dann unsere Kabine auf Deck Nr. 3, dem Neptundeck, direkt neben dem Eingang. Für uns absolut perfekt, nicht zu klein und nicht zu groß, mit zwei Betten, Schränken, Schreibtisch, Fernseher und einem kleinen Bad. Wunderbar – auf zum Abendessen! Leider wurde das Restaurant genau 10 min vorher geschlossen und die nächste Möglichkeit für einen Snack gibt’s erst in ca. 1 1/2 h, wenn noch eine große Reisegruppe ankommt, deren Flug sich verspätet hat. Nee, solange wollen wir nicht mehr warten, deshalb machen wir uns zu Fuß auf zum Zócalo, hier werden wir wohl noch ein paar Tacos kriegen. Die Taxifahrer an der Pier wollen uns zwar das Gegenteil weißmachen, aber wir lassen uns nix einreden. Natürlich gibt es am Zócalo einige kleine Restaurants und wir bekommen unsere Tacos. Diese sind zwar bei weitem nicht so gut wie die, die wir in Puebla gegessen haben, aber zumindest sind wir satt! Als wir eine gute Stunde später, bepackt mit einem 10 l-Wasserkanister, zurück auf das Schiff gehen, ist die Reisegruppe aus Deutschland gerade angekommen. Wie wir uns schon fast gedacht haben, ist unter den ca. 200 Leuten quasi niemand unter 60 Jahren dabei, bei einigen wundert es uns sogar, dass sie selbständig die Gangway zum Schiff hochkommen! Am Eingang steht der Kreuzfahrtdirektor Joe Liemberger höchstpersönlich. Wir kommen nun in den Genuss eines festen Händedrucks und eines „Schön, dass Sie es auch geschafft haben!“ inkl. fettem Begrüßungslächeln. Ähhh?! Ja… Danke!? Drinnen steht das Reinigungspersonal zu Kofferträgern umfunktioniert Schlange um die Herrschaften zu ihren Kabinen zu begleiten. Da unsere Kabine ja direkt neben dem Eingang liegt, können wir es uns nicht nehmen lassen, dem Schauspiel noch eine Weile zuzusehen. Echt zum Lachen! Oder zum Heulen. Das wird sich noch rausstellen…

suedsee1 (01) Parade der Kofferträger

suedsee1 (02) unsere Kabine

Um 6:00 Uhr weckt uns der „fröhliche Bordwecker“. Was ist das den für ein Sch…! Erst Vogelgezwitscher, das man wunderbar in den Traum einbauen kann und dann ein „Guten Morgen!!!“ das einen so aus dem Schlaf reißt, dass man erst mal nicht weiß wo oben und unten ist! Erste Handlung: Radio ausschalten. Und abends unbedingt kontrollieren, dass der Kabinen-Putzservice das Ding nicht wieder eingeschaltet hat! Zum Frühstück gehen wir ins „Restaurant Möwe“ mit eher klassischem Ambiente auf Deck 7. Es gibt noch das „Restaurant Pelikan“, welches eher modern eingerichtet ist, aber in der Möwe gefällt es uns besser. Das Frühstücksbuffet ist riesig und es gibt quasi alles, was man sich nur wünschen kann: verschiedene Sorten Wurst und Käse, Wurstsalat, Eier, Speck, Würstchen, Joghurt, Müsli, frische Früchte, verschiedene Brote, Brötchen, Croissants, Kuchen, süße Teilchen, … die Backwaren sind ganz frisch und echt gut. Es ist wie im Schlaraffenland! Wir kommen mit dem netten Kellner Rajiv, ins Gespräch der für diesen Bereich zuständig ist. Auf unsere Frage, ob er hier an Bord schon andere Passagiere unter 50 Jahren gesehen hat, breit grinsend „I am really sorry, no!“ antwortet. Ja, das haben wir uns ja schon fast gedacht! Er kommt aus Goa, Indien, sieht aber eher aus wie ein Mexikaner und wir versuchen gleich nach dem Frühstück einen Platz für Mittag- und Abendessen an einem seiner Tische zu bekommen. Leider ist aber schon alles belegt und wir müssen an einen anderen Tisch. Dann machen wir uns auf Acapulco zu erkunden. Zuerst kucken wir uns den Zócalo bei Tag an (ziemlich hässlich) und gehen noch ein paar Sachen einkaufen, die wir auf dem Schiff brauchen. Außerdem gehen wir nochmal ins Internet, da das auf dem Schiff echt unglaublich teuer ist! 15 min kosten gleich mal 7 €! Als hier auch alles erledigt ist laufen wir zum „La Quebrada“, hier gibt es die berühmten Klippenspringer von Acapulco. Um die Show sehen zu können, müssen wir natürlich erst Eintritt bezahlen. Es wurde sogar ein großes Banner gespannt, weniger um Schatten zu spenden als vielmehr zu verhindern, dass nicht zahlende Gäste von der Straße aus mitkucken! Die ersten Springer schwimmen schon in dem engen Kanal und fangen dann an, die ca. 25 m hohe, steile Felswand hinaufzuklettern. Barfuß natürlich. Insgesamt sind es 7 Springer unterschiedlichen Alters. Die Spannung steigt, wir haben uns gute Plätze für Kucken und Fotografieren gesichert. Es dauert aber noch eine ganze Weile bis es endlich losgeht. Erst nachdem alle den Zuschauern zugewunken haben, macht sich der erste bereit. Er springt von einem kleinen Felssprung etwas unterhalb. Mit diversen Salti kommt er unten im Wasser an. Die anderen müssen warten, bis er weg ist, viel Platz ist unten im Kanal nicht. Dann springen drei gleichzeitig mit unterschiedlichen Salti. Ziemlich spektakulär! Nochmal zwei zusammen und dann kommt der letzte. Er macht aber auch erst noch ein bisschen Show oben, etwas strecken und recken, dann die Marienstatue in dem kleinen Tempel oben auf dem Fels küssen, ein Kreuzzeichen… und Sprung! Leider war es das dann auch schon! Wir hätten ein paar Durchgänge mehr erwartet, aber die Springer klettern alle auf unserer Seite hoch und verschwinden… Es gibt pro Tag fünf Shows. Bei dieser Höhe erreichen die Springer bis zu 90 km/h, wenn sie dann im Wasser aufkommen. Da wirken ganz schöne Kräfte auf den Körper, daher vermuten wir dass mehr als ein Sprung pro Show schon deshalb nicht drin ist. Einer steht noch da und verkauft T-Shirts. Es ist unglaublich heiß, wir haben schon fast die ganze Wasserflasche leergetrunken. Trotzdem laufen wir noch ein Stückchen den Berg hoch, in der Hoffnung eine schöne Aussicht auf die Bucht von Acapulco zu bekommen. Leider stehen überall Häuser und wir sehen nix. Aber dann entdecken wir eine Treppe, von der aus man eine tolle Aussicht hat. Leider müssten wir dazu durch eine offene Garage laufen. Zu unserem Glück kommt gerade der Hausbesitzer zum Auto und wir fragen, ob wir kurz ein paar Bilder machen dürfen. Klar. Kein Problem. Er macht von uns beiden noch zwei Bilder und ist ganz begeistert, dass wir aus Deutschland sind, weil da auch seine Nichte lebt. Die Straße führt weiter bis ans Wasser runter, wo wir an der Promenade entlanglaufen bis zum Zócalo zurück. Wir essen nochmal Tacos und trinken ein Kaffee, bevor wir uns mit einem weiteren 10 l-Wasserkanister zum Schiff aufmachen. Dann erkunden wir zunächst einmal das komplette Schiff, damit wir wissen, was wir während unserem Aufenthalt hier so machen können, was auf welchem Deck geboten wird. Es gibt 2 Restaurants, 6 Bars, 3 (Show-)Lounges, eine Disco, ein Kino, einen Swimmingpool, ein Whirlpool, einen Wellness- und Fitnessbereich und eine Bibliothek. Langeweile ausgeschlossen! Beim Abendessen sitzen wir dann das erste Mal an unserem Tisch Nummer 108 und stellen fest, dass wir noch zwei Tischnachbarn bekommen haben: Günther und Angelika aus Rottweil. Die zwei sind rein optisch immerhin den „jüngeren“ Passagieren zuzuordnen. Es gibt beim Abendessen immer ein Salatbuffet und Essen à la Carte, immer mit zwei Vorspeisen, dann Suppe, Hauptgericht und Dessert, je zwei oder drei Wahlmöglichkeiten. Man kann bestellen was und so viel man will. Dazu gibt es Rot- und Weißwein und Säfte. Unser Kellner heißt „Jamieson“ und sein Piccolo (ist hier das Wort für Assistent) ist „Sunshine“. Sie ist bissle schüchtern, aber sonst passt der Name. Der Service ist echt Top! Kaum bestellt, steht schon das Essen auf dem Tisch und auf den nächsten Gang muss man höchstens eine Minute warten. Unsere Tischnachbarn sind recht unterhaltsam und haben sogar gleich was für uns: ein Prospekt für das Edelsteinmuseum ihres Sohnes, welches unglaublich toll ist und wir unbedingt mal besuchen müssen. Wir sprechen während des Essens über die diversen Reiseziele, wo wir alle schon waren. Um 21:00 Uhr heißt es dann: Leinen los! Zum Auslaufen aus dem Hafen tönt durch die Lautsprecher auf dem ganzen Schiff „Conquest of Paradise“ von Vangelis. Alle Passagiere stehen an der Reling und sehen zu, wie die Lichter von Acapulco kleiner und kleiner werden. Ein älterer Herr direkt neben uns filmt die Pier mit ihren Containern und Straßenlampen und spricht dazu: „…dies sind die Lichter, die uns gestern begrüßt haben, heute verabschieden sie uns. Tschüß Acapulco, tschüß Mexiko!“ Na wunderbar, die arme Verwandtschaft, die sich dieses Video dann ansehen muss… Auf jeden Fall wird auf dem Video jemand (namens Florian) zu hören sein, der laut „Alarm“ brüllt. ;-) Beim Fotografieren auf Deck treffen wir Matthias aus Berlin, zuerst halten wir ihn für einen der offiziellen Fotografen, weil er ziemlich viel an Kameraausrüstung an seinem Gürtel hängen hat. Aber da haben wir uns geirrt: Er ist selbständiger Fotograf und auch Passagier. Und das Beste: Damit haben sich wohl die einzigen Passagiere unter 50 gefunden, denn er ist erst 43! Er ist mit seiner Mutter und deren Freundin Maria da. Zur Feier des „in See Stechens“ gönnen wir uns einen Cocktail auf dem „Lido-Deck“, hier spielt die „Atlantis-Band“ fetzige Musik und das gar nicht so schlecht!

suedsee1 (03) Zócalo von Acapulco

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suedsee1 (10) Kunstsprung von der Klippe

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suedsee1 (13) Klippenspringer von Acapulco

suedsee1 (14) Blick auf Acapulco

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suedsee1 (17) Miauuu! Hab ich einen Katzen-Hunger...!

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Heute sind wir nochmal in Mexiko, genauer gesagt im Hafen von Zihuatenejo. Hier liegen wir seit dem frühen Morgen „auf Reede“, das heißt konkret: Das Schiff ist zu groß um am Pier festzumachen, deshalb liegt es in der Bucht vor Anker und die Passagiere werden in Tenderbooten (überdachte, quietsch-orangene Boote in denen ca. 50 Leute Platz finden) an Land gebracht. Damit nicht alle gleichzeitig auftauchen, hat jeder auf dem Bordausweis einen farbigen Punkt der die Reihenfolge, bzw. Uhrzeit bestimmt, wann man an Land fahren kann. Wir frühstücken „früh“, da wir um 9:00 Uhr spätestens an Land sein müssen. Passt zwar nicht mit der Uhrzeit und Farbe überein, aber was soll‘s. Wir stellen fest, dass es kein Problem ist, da das Boot gar nicht voll wird, weil viele Passagiere erst später an Land gehen. Diese können heute sowieso nur in dem kleinen Städtchen und am zugehörigen Strand herumspazieren. Wir haben deshalb nochmal eine Runde Tauchen gebucht. Als wir vom Tenderboot an Land gehen, steht hier ein „philippinischer Mexikaner mit Sombrero“ (einer der Bordfotografen) und seine Kollegin macht Bilder. Diese kann man dann später für 5,50 € das Bild (!!!) auf dem Schiff erwerben. Landschaftsfotos gibt’s aber schon ab 3 €. Der Hammer! Zusammen mit Pako, unserem Dive-Master und einem Ehepaar aus Kanada geht’s los zur ersten Dive-Site, dem „Solitary Rock“. Wie der Name schon sagt, ein einzelner Fels nicht weit weg von der Küste. Leider ist die Sicht ziemlich schlecht, nur so 5 – 8 m. Aber wir sehen schöne Korallen, einige Fische, vor allem Pufferfische in allen Größen, verschiedene Seesterne und viele Muränen. Und unser erstes Seepferdchen! Ein süßes orangefarbenes, welches sich mit seinem Schwanz verzweifelt an irgendwelches Seegras klammert um nicht von der Strömung davongerissen zu werden. Pako schnappt sich einen mittelgroßen Pufferfisch und „massiert“ ihn ein bisschen, damit er sich aufbläst. Der Fisch macht dazu Mundbewegungen die aussehen, als ob er protestiert (tut er vermutlich auch). Zum Kaputtlachen! Was unter Wasser etwas schwierig ist, deshalb ist eher Grinsen angesagt als Lachkrampf. Das Wasser ist relativ warm, wohl um die 27° C mit einigen kühleren Strömungen. Der zweite Tauchgang ist in sehr viel flacherem Wasser, max. 13 m Tauchtiefe und wir tauchen quasi einmal im Kreis und kehren zu der Stelle zurück, an der wir gestartet sind. Auch hier sehen wir gleich zu Beginn ein „neues“ Tier: Einen Oktopus! Sieht ganz lustig aus mit den Tentakeln und dem großen Kopf! Im Sand verstecken sich viele kleinere Rochen, die man aufscheuchen kann, wenn man mit der Hand ein bisschen den Sand aufwirbelt. Laut Paco sind es „Giant Electric Rays“. Ein Rochen sieht ziemlich seltsam aus. Bei genauerem Hinsehen ist es dann auch kein Rochen, sondern eine Flunder! Haben wir bis jetzt auch noch nicht gesehen. Insgesamt ein echt schöner, gemütlicher Tauchgang. Wir bleiben mit Pako noch 20 min länger unten als die Kanadier. Mit unglaublichen 70 Minuten wird dies mit Abstand unser längster Tauchgang! Zurück am Pier gehen wir noch mit ins Büro um die Fotos die Pako unter Wasser gemacht hat zu kopieren. Außerdem wollen wir noch Geld tauschen, da der Euro die Bordwährung ist. Leider wird nix draus, weil wir unsere Pässe auf dem Schiff haben und ohne die wird kein Geld gewechselt. Was soll‘s, wird auch so irgendwie gehen! Von unseren allerletzten Pesos kaufen wir uns zum Abschied jeder noch ein Eis. Dann fahren wir mit dem letzten Tenderboot zum Schiff zurück. Kurz nach Rückkehr findet eine Rettungsübung statt, bei der man sich die Rettungswesten in der Kabine schnappen soll, um dann zu der zugewiesenen Rettungsstation laufen. Hier bekommen wir erklärt, wie man sich die Rettungsweste umbindet und dann laufen wir im Gänsemarsch (ohne Witz, die rechte Hand auf die Schulter vom Vordermann!) zu den Rettungsbooten. Damit ist die Rettungsübung erfolgreich beendet und wir gehen Kaffee trinken. Dazu gibt es kleine Häppchen wie belegte Brote und verschiedene Kuchen. Verhungern ist hier echt unmöglich. Unsere älteren Mitreisenden werden immer ganz neidisch, wenn sie unsere bunte Auswahl auf den Tellern sehen und erzählen dann von ihren Cholesterin-Problemen und Diät-Plänen. Genau was wir im Urlaub hören wollen! Wir sind gerade fertig mit Kaffeetrinken, als wieder die Auslaufmelodie aus den Lautsprechern ertönt, als Zeichen, dass wir nun Kurs nehmen auf die Südseeinseln… Wir werfen einen letzten Blick auf den amerikanischen Kontinent! Schon ein seltsames Gefühl, nach 4 1/2 Monaten in spanischsprachigen Ländern. Außerdem sind wir echt gespannt, wie diese Schiffsreise hier wird, wir haben außer Matze immer noch keine jüngeren Leute entdeckt! Vor dem Abendessen werden die neuen Gäste in der Atlantik Lounge von Kapitän Mats Nelson und Kreuzfahrtdirektor Joe Liemberger persönlich begrüßt. Insgesamt ist auf der Albatros Platz für max. 830 Passagiere, aber das Schiff ist lange nicht voll. Wir schätzen es sind vielleicht 550 an Bord, und davon machen fast 200 Personen die komplette Weltreise von Hamburg bis Monaco in 119 Tagen! Die meisten machen aber so wie wir nur eine oder zwei Etappen mit und reisen zwischendurch an und ab. Im Tagesprogramm (vier DIN-A4-Seiten, es soll ja auf keinen Fall Langeweile aufkommen!) steht „Bekleidungsvorschlag für den Abend: elegant“. Tja. Eleganter als unsere Zip-Hosen und für Florian ein kurzärmeliges Hemd und für Liane ein sauberes Top wird‘s bei uns nicht werden… Einige der Passagiere kommen wirklich im Ballkleid und Smoking. Alter Schwede! Da können wir natürlich nicht mithalten und werden auch von oben bis unten gemustert von den anderen Passagieren, aber das ist uns so was von egal! Nachdem wir schön mit Kapitän und Direktor in die Kamera gegrinst haben bekommen wir einen Begrüßungssekt, bevor es zum Kapitäns-Willkommensdinner geht. Der nächste Programmpunkt an diesem Abend ist die „Willkommensshow Ihrer Künstler“. Zunächst wird das Phoenix-Reiseleiter-Team und der Kapitän und seine Offiziere vorgestellt. Danach das Künstler- und Lektoren-Team. Wir sind ja sehr gespannt! ;-) Die Moderatorin ist eine der Reiseleiterinnen namens Lubna und sie schafft es fast jeden Satz grammatikalisch komplett zu vergeigen. Und sie erfindet neue Wörter, Highlight des Abends: „Lauschen Sie der fabelhaften Planföte…“ Außerdem ist bei ihr sowieso alles ganz „faaaabelhaft“… Nun ja, wir würden die wenigsten der vorgestellten „Künstler“ mit diesem Wort beschreiben. Aber wir werden auf jeden Fall mal in die Shows reinkucken. Wir können ja jederzeit gehen, wenn es zu schlimm wird! Die vorgestellten Lektoren halten tagsüber Vorträge oder Seminare ab. Da wären Burghard Pieske, ein Weltumsegler, Pater Alexander aus Bayern, eine Galeristin namens Christiane Hahn, die eine Ausstellung über russische Ikonen organisiert, ihr Mann Georg Hahn, der geschichtliche Vorträge über die Südsee hält, Reiki-Lehrer Ralph Herrschmann (von dem Florian meint, er würde aussehen wie „Hugo Drax“, der Bond-Bösewicht aus „Moonraker“, der die Weltherrschaft anstrebt) und seine Frau Margot Herrschmann, die Mental-Training anbietet. Und Professor Anatoli Gololobov, der abends in der Pazifik-Lounge auf dem Piano klassische Stücke zum Besten gibt. Klar, irgendwie müssen die Seetage ja auch gefüllt werden, damit den Passagieren nicht langweilig wird!

suedsee1 (29) Bis später...

suedsee1 (31) MS Albatros auf Reede

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suedsee1 (33) Zebra-Muräne

suedsee1 (36) "Blub! Blubber! Blub bluuub!" (deutsche Übersetzung: "He! Aufhören! Ich protestiere!")

suedsee1 (37) Unser erstes Seepferdchen!

suedsee1 (43) Gerettet!

suedsee1 (46) Sind wir nicht schick?! ;-))

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Die nächsten sechs Tage werden wir komplett auf See verbringen. Daher schlafen wir aus und machen uns dann über das Frühstücksbuffet her. Beim Frühstück kann man sich hinsetzen wo man will, daher lernt man dabei am ehesten irgendwelche anderen Passagiere kennen. Viele haben schon einiges von der Welt gesehen, aber eben nur vom Kreuzfahrtschiff aus. Das ist für die meisten das wahre Reisen. Aber die Wahrheit ist: Man kann auf diese Art Land und Leute nicht wirklich kennen lernen. Maximal die Menschen, die vom Tourismus leben und einem Souvenirs verkaufen wollen. Die meisten machen schon ihre x-te Kreuzfahrt. Einige haben auch spürbar ein Problem damit, dass wir ja noch so jung sind und versuchen über komische Fragen herauszufinden, wie wir uns das leisten können. Sobald wir erzählen, dass wir quasi auf Hochzeitsreise sind, kommt die für sie logische Schlussfolgerung: „Ah, dann waren die Verwandten aber großzügig!“ Äh?! Eine ältere Dame hat sogar vermutet, wir hätten die Reise zum erfolgreichen Abi von unseren Eltern geschenkt bekommen. Später kucken wir uns im Bord-Kino den IMAX-Film „Wale – Giganten der Meere“ an. Das sind einfach faszinierende Tiere! Wir hoffen ja, dass wir nach Südafrika nochmal irgendwo welche zu Gesicht bekommen werden. Beim Tauchen wäre mal noch super! Träumen kann man ja mal… :-) Der restliche Tag besteht aus Lesen (es gibt eine schöne Bord-Bibliothek), Fotos für den Blog sortieren, Sonnenbaden und das Meer ankucken. Dabei liegt man allerdings immer den fleißigen „Joggern“ im Weg, die ihre Runden auf dem Sonnendeck drehen, mehr oder weniger schnell, meist eher Zweiteres und das unter knallroter Birne und wildem Geschnaufe, viele müssen ihren Mitreisenden beweisen, wie fit sie noch sind. Matze hat eine neue Theorie, was das MS im Namen des Schiffes bedeutet: Mumien-Schiff. ;-) Und natürlich gehen wir lecker Essen. Mittlerweile sind wir und unsere Tischnachbarn dazu übergegangen, das Dessert ein zweites Mal zu bestellen, wenn es besonders gut war. Unser Kellner Jamieson grinst dann immer nur. Die ersten Alarmglocken fangen schon an zu läuten: Wenn das so weitergeht können wir in Neuseeland von Bord kugeln! Bisher verbuchen wir das aber noch unter „Reserve anfuttern“ für die nächsten 5 Monate. Wer weiß, was wir in Neuseeland und Asien so zu essen bekommen! Als wir uns gerade auf den Weg zum Late-Night-Snack machen kommt eine Durchsage: „Code Blue in der Casablanca Bar“. Uns ist gleich klar, was das im Klartext bedeutet: „Schnapsleiche! Schiffsarzt mach dich auf den Weg.“ Als wir dort ankommen, wird gerade eine Frau weggetragen und ihr Ehemann schwankt hinterher. Wobei wir uns fragen, wie man hier überhaupt betrunken werden kann, in den Cocktails ist doch fast kein Alkohol!

suedsee1 (53) Partnerlook...

Nachdem wir in der Nacht die nächste Zeitzone erreicht haben, konnten wir die Uhren eine Stunde zurückstellen und sind nun schön ausgeschlafen. Es ist echt unglaublich, was es alles an Animation und Vorträgen an Bord gibt! Kein Wunder, dass die Passagiere hier eher im Stress sind, als im Urlaub! Aber das meiste interessiert uns nicht wirklich, z. B. der „Diabetiker-Treff“ oder „Spaß und Unterhaltung beim Bingo“ oder „Basteln Sie mit Jutta kreative Geschenkverpackungen aus Papier“ – nee, danke! Daher machen wir einen gemütlichen Blog-Aufhol-Tag, der nur von den diversen Mahlzeiten unterbrochen wird. Beim Kaffee-Kränzchen lernen wir ein echt nettes holländisches Ehepaar kennen. Die zwei sind irgendwie die einzigen unter den älteren Herrschaften, mit denen wir uns über das Reisen unterhalten können, ohne dass sie versuchen uns zu übertrumpfen. Irgendwie vertragen das die meisten nicht, dass wir schon mehr von der Welt gesehen haben könnten als sie. Deshalb wird dann alles was wir erzählen gleich mit „Ach ja, da waren wir auch schon! Und damals war das ja noch ganz was Exklusives…“ kommentiert. Wir hören Geschichten, wie z. B. „Bei den Indianern im Busch in Afrika war ich ja sehr angesehen, da ICH als EINZIGER Weißer es geschafft habe mit dem Langblasrohr über NEUNEINHALB Meter eine Kokosnuss zu treffen! Können Sie sich das vorstellen?“ Nein, das können wir beim besten Willen nicht nicht! Voll anstrengend und nervig! Die meisten Ehepaare hier streiten eh fast die ganze Zeit, vielleicht sollte auf dem Schiff auch Paartherapie angeboten werden. ;-) Abends schauen wir uns dann die erste „Show“ an: Der Rumäne  Vasco Ciobanu am vierreihigen Xylophon in Begleitung der „Atlantis-Band“. Er spielt die Lieder so unglaublich schnell, dass man seine Hände kaum sieht! Und er spielt ein paar wunderschöne Lieder auf der Pan-Flöte. Dazwischen erzählt er ein bisschen von sich und den Unterschieden zwischen Deutschland und Rumänien. Insgesamt geht die Show ungefähr eine Stunde und die ist recht kurzweilig.

suedsee1 (59) Vasco Ciobanu

Heute gibt es vormittags einen Vortrag von „Weltumsegler“ Burghard Pieske zum Thema „Meine Trauminseln“ über die Südsee. Sind wir ja mal gespannt! Er erzählt gut und viel, teilweise Anekdoten, die ihm gerade so in den Sinn kommen, aber wirklich interessant. Er ist von 1977-87 mit einer kleinen Yacht um die Welt gesegelt und hat einige Zeit in der Südsee gelebt. Ergänzend dazu läuft noch ein kurzer Film. Der ist allerdings eher langweilig, da eher eine „Standard-Übersicht“ über die Inseln und keine individuellen Fotos von ihm. Aber um sich ein Bild der Inseln (hauptsächlich aus der Luft) zu machen, ganz ok. Von Phoenix aus werden bei den Landgängen verschiedene Ausflüge angeboten. Wir kucken uns den Buchungszettel und die dazugehörige Info an und entscheiden uns direkt, dass wir unser Programm lieber selber machen wollen. Erstens um dem Touri-Strom zu entgehen, der mit mehreren Bussen zu den „Sehenswürdigkeiten“ gekarrt wird und weil uns die „Besichtigung der Perlenfarm“ oder die „Küstenfahrt im Motorboot“ dann doch herzlich wenig interessiert. Außerdem sind uns die Landgänge viel zu kurz, manchmal gehen die nur drei Stunden, obwohl wir den ganzen Tag Zeit haben. Wobei ein Tag um eine Insel zu erkunden eh schon nicht viel ist, aber diesen wollen wir dann auf jeden Fall komplett ausnutzen! Abends kucken wir kurz bei der Solo-Show von „Shirley“ vorbei, sie ist Phillipinin und singt normalerweise zusammen mit Rainer in der Casablanca-Bar als Hintergrundmusik und dabei sollte sie auch besser bleiben. So alleine auf der Bühne ist nix und schon gar nicht mit solchen Liedern. Aber abgesehen von uns und Matze scheint das niemand zu merken. Die älteren Herrschaften hören vermutlich nicht mehr so gut, denn es gibt sogar mehrere Bravo-Rufe aus dem Publikum! Und das, obwohl unsere lieben Mitpassagiere sonst wirklich nur am Meckern sind: draußen ist es zu heiß, drinnen zu kalt, die Aufzüge sind zu langsam, der Schiffsarzt nicht kompetent, das Bild auf dem Bordausweis ist nicht gut (lag in dem Fall aber eher nicht am Fotografen…), das Schiff hat zu viele Macken, etc. Uns gefällt das Schiff an sich eigentlich echt gut. Es ist zwar ein ziemlich alter Kahn, aber dafür hat er eine schöne klassische Form, ist nicht zu groß und echt gemütlich.

suedsee1 (95) Matze & seine Mama

suedsee1 (96) Achtung, lose Dielen!!! (mit gelb-schwarzen Aufklebern markiert...)

Die letzte Nacht war wieder eine Stunde länger, daher sind wir früh auf und kucken den Sonnenaufgang an. Es ist unglaublich, wie früh hier die meisten immer wach sind! Als wir um 6:00 Uhr rum rauskommen, ist das „Fitnessstudio“ rappelvoll und überall an Deck joggen Leute und machen ihre Dehnübungen. Heute gibt es wieder tolle Programmpunkte wie z. B. „Lernen Sie Serviettenfalten“, „Gesprächsrunde über Kreativität und Lebensqualität“, eine „Modenschau der Schiffsboutique vorgeführt von mitreisenden Passagieren“ oder ein „Reiki-Seminar“. Das hat uns alles gerade noch gefehlt! Aber immerhin gibt’s abends eine nette Show „Viva la Diva“ mit Renata Ravell, die Evergreens von Hildegard Knef, Zara Leander, etc. singt. Wobei das Besondere dabei ist, dass Renata eigentlich Olaf heißt und ein etwas korpulenter, älterer Herr mit schütterem Haar ist, den wir schon am Künstlertisch haben sitzen sehen und uns gefragt haben, was der hier eigentlich macht. Für die Show verwandelt er sich in Renata und das so perfekt, dass einem kaum auffällt, dass hier ein Mann auf der Bühne steht. Außerdem hat er eine richtig gute Stimme! Vermutlich mit das Beste und Professionellste, was hier an Bord geboten wird. Die Stunde vergeht wie im Flug mit schönen Liedern und lustigen Sprüchen. Kurz vor Mitternacht steht dann noch etwas Besonderes an: Wir überqueren den Äquator! Mit Hilfe eines Flaschendeckels machen wir den Test, ob das Wasser im Waschbecken denn anders herum abläuft, nachdem wir den Äquator überquert haben. Und tatsächlich: vorher ging’s im Uhrzeigersinn, nun gegen den Uhrzeigersinn! Angeblich ist das ja alles nicht wahr, zumindest physikalisch gesehen („Corioliskraft“), aber bei uns hat’s echt funktioniert! Lustig! :-)

suedsee1 (90) Reservierte Liegestühle morgens um 6:00 Uhr!

suedsee1 (91) Fitness-Studio morgens um 6:00 Uhr!

suedsee1 (94)

suedsee1 (60) Renata Ravell

suedsee1 (61) Erst rechts rum, dann links rum... :-)

Bei der morgendlichen Begrüßung durch Alex, den „Bordmoderator“, kommt heute der Hinweis, dass bitte keine Liegestühle mit Handtüchern reserviert werden sollen. Typisch deutsch! Außerdem soll bitte nicht vor 9:00 Uhr, und schon gar nicht um 6:30 Uhr auf Deck 8 gejoggt werden, da sonst die Leute in den Kabinen auf Deck 7 wach werden. Um 11:00 Uhr ist dann „Äquatortaufe“, ein echt beklopptes Schauspiel! Zunächst kommt „Neptun, Herrscher aller Meere, Seen, Flüsse, Tümpel und Badewannen“ höchstpersönlich mit Gefolge auf das Pool-Deck und verliest eine mega-witzige Rede à la „Alle vom irdischen Staub Beschmutzen werden untersucht, gestempelt, mit lauterem Wasser gereinigt und in mein Reich eingelassen, sofern sie für würdig befunden…“ und so weiter. Hahaha, selten so gelacht! Es wird dann noch blöder und die „Taufwilligen“ werden tatsächlich mit buntem Eiweißschaum eingeschmiert, müssen einen nackigen Fisch küssen, bekommen einen Stempel verpasst, eine Spritze Schnaps in den Mund gespritzt und hüpfen in den Pool bzw. werden hineingeschubst. Hätten wir ja echt nicht vermutet, dass diese langweiligen Meckerer an Bord bei so was dann dabei sind! Heutige Lieblingsbeschwerde übrigens: „Warum ist der Kapitän nicht in flacherem Winkel über den Äquator gefahren? Dann hätte man auf dem TV-Infokanal die geographische Breite 0,0000° fotografieren können. So gab’s nur die 0,0002° Nord und dann gleich die 0,0004° Süd!“ Wirklich wahr!!! Haben wir von mindestens drei verschiedenen Leuten gehört! Zur Belohnung gibt’s für die Täuflinge einen kostenlosen Sangria. Den hätten wir uns eigentlich durch das Zukucken auch verdient! Als wir danach durch die Atlantik-Lounge laufen, proben gerade die „Künstler“ für diesen Abend, Chris & Verena Christian mit Trompete und Panflöte, ihre Show. Er ist ein ganz guter Musiker, aber sie kann nicht wirklich was und macht vermutlich nur mit, damit die beiden zusammen auf Kreuzfahrt gehen und doppelt kassieren können. Gerade proben sie „My heart will go on“ und sie schafft es, jeden Einsatz zu vermasseln und dreimal in einer Strophe mit dem falschen Ton anzusetzen. Na prima. Die Show werden wir uns definitiv schenken! Heute haben wir noch einen wichtigen Termin: die Besichtigung der Brücke. Durchgeführt vom Kreuzfahrtdirektor höchstpersönlich und echt informativ. Leider mit 25 anderen Passagieren, daher tritt man sich etwas auf die Füße dabei. Aber dafür ist es super interessant! Zuerst informiert er generell über das Schiff. Baujahr 1973, zwischendurch um 24,5 m verlängert und 2006 komplett überholt. Seit 2004 fährt „die weiße Lady“, wie das Schiff auch genannt wird, unter dem Namen „MS Albatros“ für Phoenix-Reisen. Es ist 205 lang und 25 m breit, 25 000 BRT schwer, hat 7,55 m Tiefgang und 10 Decks. Er zeigt uns alle Instrumente auf der Brücke und die diversen Seekarten und Flaggen. Außerdem erzählt er, dass auf dem Schiff 325 Leute aus 25 Nationen arbeiten, wobei die Crew überwiegend aus Phillipinos und Indonesiern besteht. Der aktuelle Kapitän ist Mats Nelson aus Schweden. Er nimmt sich viel Zeit und beantwortet alle Fragen. Einige Passagiere haben danach trotzdem wieder Grund zur Beschwerde: Wenn der „richtige“ Kapitän (Morten Hansen, gerade in Urlaub und bekannt aus der ARD-Serie „Verrückt nach Meer“, die ab und zu hier an Bord gedreht wird) da gewesen wäre, hätte er sich es bestimmt nicht nehmen lassen, die Führung persönlich zu machen! Nee, ist klar. Der hätte dann sicher auch noch höchstpersönlich einen Kuchen für uns gebacken und zum Kaffeekränzchen gebeten, so ein Kapitän hat ja sonst nix zu tun! Unglaublich mal wieder. Nachmittags gehen wir zum nächsten Vortrag von Weltumsegler Pieske, dieses Mal über seine Segeltour von 1998 auf den Spuren von „William Bligh“, dem Kapitän der berühmten Bounty. Dieser war nach der „Meuterei auf der Bounty“ zusammen mit 18 Seeleuten in einem kleinen Segelboot auf dem Meer ausgesetzt worden und er schaffte es bis nach Timor, Indonesien zu segeln und alle Männer, bis auf einen, zu retten. Diese Route wollte er im Auftrag des Königs von Tonga nachsegeln. Ein Kamerateam hat ihn dabei begleitet. Die Erzählungen waren wieder ganz interessant, aber irgendwie hörte es sich alles ein bisschen überheblich an „…im Auftrag des Königs“. Und zu erwähnen wie begeistert und spontan ihn die Leute in den Häfen jeweils empfangen haben, wo er doch Monate vorher schon vom König angekündigt wurde, ist auch etwas übertrieben. Er lädt noch alle Passagiere ein, um 22:00 Uhr aufs oberste Deck zu kommen, dann zeigt er uns das Kreuz des Südens. Der Sternenhimmel auf der südlichen Halbkugel ist schon ziemlich cool, vor allem mitten vom Pazifik aus ohne irgendwelche störenden Lichtquellen…

suedsee1 (63) Neptun und sein Gehilfe

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suedsee1 (67) Rentner-Suppe + Matze ;-)

suedsee1 (68) stilsicher

suedsee1 (69) Brücke

suedsee1 (72) ...und das ist der Grill vom Kapitän! ;-)

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suedsee1 (76) Kleine Kursänderung... ;-)

Am Vormittag kucken wir uns die „Große Bordolympiade – die Revanche“ an. Dabei treten ein Gäste-Team (5 ältere kräftig gebaute Herren), ein Offiziers-Team (die Titelverteidiger von der Atlantik-Überquerung), ein Crew-Team (5 kleine, schlanke Kellner aus Indonesien und den Philippinen) und ein Phoenix-Team (5 Reiseleiter, und die haben alle irgendwie einen Knall). Alex übernimmt die Moderation, quatschen kann er ja. Es wird deutlich unterhaltsamer als wir nach der komischen Äquator-Taufe vermutet hätten. Es gibt verschiedene Spiele, z. B. Sackhüpfen, Limbo, ein Koordinationsspiel mit einem Hula-Hoop-Reifen und eines bei dem mit einer Schöpfkelle Wasser aus dem Pool in einen Behälter gefüllt werden muss. Unter lautem Jubel der Passagiere gewinnt das Crewteam verdientermaßen haushoch! Nach dem Mittagessen machen wir einen kleinen Foto-Kurs bei Matze. Ist echt gut, nochmal erklärt zu kriegen, wie so eine Kamera arbeitet und was für unterschiedliche Einstellungen es gibt. So einigermaßen wissen wir ja, wie es geht, aber gerade bei schlechten Lichtverhältnissen ist es gut, wenn man vielleicht noch etwas „drehen“ kann an der Kamera. Im Anschluss zeigen wir ihm noch unsere Blog-Bilder, um mal vom Profi zu hören, ob der Bilderausschnitt und die Bearbeitung so ok sind, oder wie er es anders gemacht hätte. Mit vielen Bildern ist er einverstanden (O-Ton: „Was wollt ihr denn? Für Amateur-Fotografen echt super!“), bei einigen bekommen wir noch Tipps, wie das Bild bei anderem Schnitt gewirkt hätte, etc. Wir sind so eifrig bei der Sache, dass wir den zweiten Teil des Vortrags von Burghard Pieske über seine Segeltour auf den Spuren von Capt’n Bligh verpassen. Egal. Der Fotokurs von Matze war viel interessanter!

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suedsee1 (79) Offiziersreihe

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suedsee1 (93) Renata Ravell - tagsüber perfekt als Olaf getarnt...

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Hier das ganze Album:

Tischlein deck dich in Puebla

Wieder klingelt früh der Wecker. Wir beeilen uns mit dem Frühstück, denn um 8:15 Uhr werden wir von Alex, einem LuK-Kollegen von Liane abgeholt. Er, seine Freundin Marian und zwei weitere Freunde, Adriana und Jeronimo (arbeiten beide auch in der LuK), inkl. zwei Hunde wollen heute den inaktiven Vulkan „Malinche“ in der Nähe von Puebla besteigen. Wir fahren mit zwei Autos bis zum Parkplatz auf 3000 m ü. M. mitten im Wald. Da es wohl ein beliebtes Wochenend-Ausflugsziel ist, sind viele Leute hier unterwegs. Insgesamt laufen wir 2 h den Berg hoch. Zum Teil ist es sehr steil und matschig-rutschig, da es vor kurzer Zeit geregnet hat. Die beiden Hunde, ein älterer schwarzer Labrador namens „Toy“ und eine 18 Monate alte, riesengroße Schäferhündin namens „Naci“ (steht für „NACIonal-social“, fand irgendwer lustig, weil sie ja „Deutsche“ ist und der Name ist dann hängengeblieben) sind ziemlich aufgedreht und rennen wie wild um uns herum. Schließlich sind wir nicht mehr weit vom Aussichtspunkt über den Bäumen, aber die anderen vier wollen umkehren. Alex meint aber, es sind bloß noch ca. 20 Minuten und der Ausblick würde sich schon lohnen. Nun sind wir schon so weit gelaufen, das machen wir jetzt auch noch! Aber der Weg zieht sich und ein Ende der Bäume ist nicht in Sicht. Erst nach 40 Minuten sind wir über der Baumgrenze. Die Wolken ziehen immer mehr zu und es ist ganz schön kalt hier oben. Wir sind mittlerweile aber auch ziemlich hoch, der Vulkan selbst hat 4.462 m und wir sehen schon die Spitze. Hier liegt sogar ein bisschen Schnee! Wir machen ein paar Fotos, essen unsere Kekse und machen uns dann an den Abstieg. Nach 1 ½ h quasi ohne Pause kommen wir endlich am Parkplatz an, die anderen vier haben gerade angefangen sich Sorgen zu machen. Immerhin haben sie beim Warten schon mal was essen können. Das machen wir nun auch, es gibt „Quesadillas“, eine Art Tortilla gefüllt mit speziellem Käse und weiteren frei wählbaren Zutaten, in unserem Fall Champignons und geschnetzeltes Rindfleisch. Bisschen fettig, aber gut. Alex und Marian bringen uns zum Hostel zurück, wo wir nach der anstrengenden Wanderung einen gemütlichen Nachmittags-Schlaf einlegen. Um 20 Uhr holen uns die beiden wieder ab zum Abendessen. Sie haben sich vorgenommen mit uns sämtliche Spezialitäten Mexikos und besonders der Region Puebla auszuprobieren. Heute geht es in ein kleines Restaurant, der Eingang ist quasi gleichzeitig die Haustür der Betreiber-Familie. Wir überlassen es den beiden zu bestellen, quasi einmal die Karte rauf und runter. Zuerst gibt es ein „Tostada“ (größerer Taco mit Hühnchenfleisch und Avocado), dann eine „Pelona“ (eine Art Brötchen mit Rindfleisch), gefolgt von „Tacos Dorados“, dann sind unterschiedlich scharfe „Chalupas“ an der Reihe (ähnlich wie Tacos). Etwas ganz anderes sind dann mal „Chanclas“ (mit Fleisch gefüllte Brötchen in eine scharfe Tomaten-Soße getränkt) und eine Suppe namens „Pozole“. Der Tisch biegt sich beinahe unter dem vielen Essen, aber es ist alles so lecker!!!! Alex und Marian können es kaum glauben, dass wir tatsächlich alle Teller leer machen. Aber so vollgefressen waren wir echt auch schon lange nicht mehr!

puebla-01 Innenhof des Hostels Santo Domingo

puebla-02 von links nach rechts: Liane, Naci, Alex, Marian, Toy, Jeronimo, Adriana

puebla-03 deutsche Schäferhündin Naci

puebla-04 Spitze des Vulkans Malinche

puebla-06 Tischlein, deck dich...

puebla-08 Pelona

puebla-10 Chalupas

puebla-11 Chanclas

Heute geht das Programm um 9:30 Uhr los, Alex holt uns ab und wir fahren zuerst zum „Mercado Analco“, einem großen Wochenend-Markt, auf dem es viele unterschiedliche Stände gibt, mit Kunsthandwerk, Kleidung, kitschigen Souvenirs und auch Spezialitäten. Ein Stückchen weiter besuchen wir noch „El Panchan“, einen über drei Straßen verteilten Markt mit vielen kleinen Geschäfte mit typischen Souvenirs, wie Maya- oder Azteken-Kalendern, verschiedenen Masken, mexikanischen Spielen und Kleidung. Hier gibt es auch die „Barrio del Artista“, die Künstlergasse. Einige Künstler kann man im Atelier oder auch draußen beim Malen beobachten. Wir fahren zu einem kleinen Restaurant „Taco Maya“, um hier „Cochinita Pibil” zu essen, einem speziellen Gericht aus Yucatan. Das Fleisch in der Auslage kommt uns gleich bekannt vor, genau das hatten wir doch schon in Playa del Carmen zum Frühstück. Und das waren mit die besten Tortas, die wir bisher gegessen haben, daher haben wir nix dagegen, sie hier nochmal zu probieren. Dazu gibt es „Boing“, eine lokale Marke von Fruchtsäften. Wir testen „Mango“ und „Jamaica“ (Hibiskus-Blüte), letzteres wird direkt Lianes neues Lieblingsgetränk. Sehr erfrischend und nicht zu süß! Von hier fahren wir zu einer riesigen neuen Mall namens „Angelopolis“, mit allen nur erdenklichen Geschäften. Hier wollen wir im Canon-Shop Florians Kamera saubermachen lassen, da die Linse dreckig ist. Der Techniker ist aber leider erst morgen wieder da… Nachdem wir hier im Starbucks noch einen Kaffee getrunken haben, holen wir Marian ab und machen uns auf den Weg nach Cholula, einer schönen, kleinen Stadt die im Laufe der Zeit mit Puebla zusammengewachsen ist und nun eine Vorstadt ist. Hier gibt es (O-Ton Alex) „für jeden Tag des Jahres eine Kirche!“. Und tatsächlich ist das erste das wir sehen eine schöne, von der Sonne angestrahlte Kirche auf einem Hügel. Am Fuße des Hügels kann man noch Reste der Pyramide von Cholula sehen, die hier wohl von 200 – 700 n. Chr. errichtet wurde und dem Volumen nach die größte Pyramide der Welt war. Vermutlich wurde diese bei der Eroberung durch die Spanier mit Erde überschüttet und obendrauf dann die christliche Kirche „Santa Maria de los Remedios“ errichtet. Hier oben ist es sehr windig, weshalb viele Kinder und auch Erwachsene ihre bunten Drachen hoch in die Luft steigen lassen. Von hier oben hat man einen 360°-Rundblick und sieht auch drei Vulkane: den aktiven Popocatépetel auf der einen Seite und auf der anderen den Iztaccíhuatl und den Malinche, auf den wir ja gestern hochgewandert sind. Schließlich machen wir uns wieder auf den Rückweg und gehen noch auf den Zócalo. Hier findet ein kleiner Nachtmarkt statt und auf einer Bühne werden traditionelle Tänze aufgeführt. Wir kucken eine Weile zu. Auf dem Platz vor der Kirche „Capilla Real“ treffen wir auf einen älteren Herrn, der ein riesiges Teleskop dabei hat und einem für einen Euro beliebige Sterne zeigt. Zuerst ist es auf den Jupiter eingestellt, der aber nur gaaaaanz klein zu erkennen ist. Da gerade Vollmond ist, wollen wir natürlich den Mond sehen! Echt schön! Wir fahren zurück nach Puebla und gehen in der „Taqueria los Angeles“ direkt am Zócalo essen. Hier gibt es Tacos in allen Variationen. Wir lassen wieder die beiden das Essen bestellen. Zum Trinken gibt es hier literweise leckere selbstgemachte Fruchtsäfte zu unglaublichen Preisen! Dann kommt das Essen. Zuerst gibt es „Tacos Pastor“. Das ist einfach Scheinefleisch, welches am Spieß gegrillt wurde (bissle wie Gyros beim Griechen). Um das Ganze etwas saftiger zu machen, wird noch mit frischen Ananasstückchen und Kräutern verfeinert. Richtig gut! Die nächste Platte besteht aus sieben unterschiedlichen Tacos. Wir sollen probieren ohne zu wissen, was es ist und dann sagen, wie es uns schmeckt. Das erste heisst „Taco Árabe“ und ist relativ unspektakulär mit Rindersteak-Stückchen belegt, das zweite mit Hirn vom Rind (gar nicht mal so schlecht!), das dritte schmeckt wie bei uns Sülze (also Schweinemagen), das vierte ist mit Zunge (schmeckt halt wie Zunge), das fünfte ist mit Rinderauge (vorsichtig getestet – schmeckt bissle wie Leberwurst, aber das geht echt gar nicht!!!), das sechste ist mit Schweinsnase (relativ weiches Fleisch, ganz gut) und das siebte mit Schweinebacken, (etwas fester, aber geht noch ganz gut runter). Sehr interessant, aber müssen wir gerade nicht ein zweites Mal haben. Wir bestellen daher noch ein paar „normale“ Tacos Pastor und Árabe. Insgesamt bezahlen wir für haufenweise Essen und große Getränke 15 € für 4 Personen! Davon kann man in Deutschland nur träumen!

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puebla-18 Barrio del Artista

puebla-22 noch eine der unzähligen Kirchen in Cholula

puebla-23 Popocatepetel

puebla-24 Santa Maria de los Remedios

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puebla-29 traditionelle Tänze

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puebla-32 Einmal Mond kucken, bitte!

puebla-33 Tacos

Wir werden morgens von einer lauten Fanfare und anschließender Lautsprecherdurchsage geweckt. Als wir aus dem Fenster kucken, sehen wir einen Gas-Laster, der die Haushalte mit frischen Gasflaschen versorgt. Da es in der Innenstadt keinen Foto-Laden gibt der sich an Florians Kamera rantraut, bringt er sie zum Canon-Shop in Angelopolis. Als er zurück ist laufen wir zum „Mercado del Carmen“, wo es eine weitere Spezialität auszuprobieren gibt: Cemitas las Poblamitas! In der Markthalle gibt es einen länglichen Tresen, hinter dem 12 Leute stehen und im Akkord die Cemitas belegen: Brötchen-Boden, Avocado, eine Art dünnes Hühnchen-Schnitzel im Fett gebacken, Zwiebeln, getrocknete Peperoni, mariniertes Gemüse, spezieller Käse (bissle wie Mozzarella, aber in Streifen), Brötchen-Deckel. An dem so entstandenen „Burger“ kann man fast nicht abbeißen, so riesig ist der! Aber mal wieder echt lecker! Alex meinte vorab, wir sollen lieber mal nur einen holen, weil die so groß sind. Wir haben aber so Hunger, dass wir nochmal einen holen. Florian ist allerdings der Meinung, dass er viel weniger abgekriegt hat als Liane. Kann aber fast nicht sein, denn Liane hat immer noch Hunger! Eigentlich hat sie den aber schon seit den Tacos gestern Abend. Da die so lecker waren, gibt’s in der Stadt gleich nochmal vier Stück als „Dessert“. Wir kucken uns noch die Kathedrale an und setzen uns auf den Zócalo und trinken einen Cappuccino von „The Italian Coffee Company“, die es hier wie Sand am Meer gibt! Dabei werden wir von einer Gruppe Jugendlicher in Schuluniform entdeckt, diese haben wohl die Aufgabe bekommen, Touristen auf Englisch zu interviewen. Allerdings sind sie sowas von schüchtern! Sie haben sich die Fragen (komplett falsch) auf ein Blatt geschrieben („Where come from?“, „Why in Puebla?“, „You like?“) und lesen nun so ab, dass wir sie kaum verstehen wegen ihrem krassem Akzent und Geschnuddel. Das ganze Elend wird mit der Kamera, bzw. Handy gefilmt. Zwischendurch wird getauscht, damit auch jeder zumindest eine Frage gestellt hat. Aber ob sie unsere Antworten auch nur ansatzweise verstanden haben, wagen wir zu bezweifeln! Abends fahren wir mit dem Taxi zur „Arena“ um hier ein ganz besonderes Spektakel anzusehen: „Lucha Libre“, übersetzt „Freistilkampf“. Ist eigentlich Wrestling, nur das die Kämpfer phantasievoll maskiert sind. Laut Alex ist das hier ziemlich populär, wobei man es entweder mag oder hasst. Wir sollen nix wertvolles mitnehmen und keine guten Klamotten anziehen. Die Tickets dafür haben wir mittags in der Apotheke (ohne Witz!) gekauft. Wir sitzen ziemlich weit vorne in der 4. Reihe. Jedenfalls ist einiges los, es sind viele Familien mit Kleinkindern da. Außerdem viele trommelnde, teils ebenfalls mit Masken verkleidete Fans, die für ordentlich Stimmung sorgen. Jede Seite „Fans“ ist wohl für ein Team an Kämpfern. Es wird Trinken, Essen und auch Masken verkauft. Dann kommt der Schiedsrichter in den Ring und wird gleich mal ausgebuht. Die ersten Kämpfer laufen unter lauter Musik und noch lauterem Jubel der Fans in den Ring. Der Kampf geht los. Zuerst Mann gegen Mann, später springen auch mal drei Kämpfer auf einen los, der dann aber manchmal auch mit allen Angreifern fertig wird und schließlich siegt. Oder einer knallt mit dem Rücken auf den Boden im Ring, damit es richtig schön kracht und liefert dann eine Show à la „Ich sterbe…“, um dann aufzuspringen und seinerseits den Gegner aus dem Ring zu werfen. Sehr beliebt ist auch, von der obersten Rope des Rings möglichst theatralisch auf einen anderen Kämpfer draufzuspringen. Am liebsten unterhalb der Gürtellinie. Unter frenetischem Jubel des Publikums. Eigentlich sind es Dreier-Teams die gegeneinander antreten, aber wer gegen oder mit wem kämpft kann sich pro Kampf schon mal schnell ändern. Wir sehen uns das eine Weile an, dann kucken wir uns fragend an: Ist das deren Ernst? Das ist ja alles nur Show! Aber so, dass man richtig sieht, dass es nicht echt ist. Teilweise richtig einstudiert, da hält der eine freiwillig die Hand hin, damit der andere ihn mit einem Wurf über die Schulter auf die Bretter schmeißen kann. Und dann haut er noch extra mit der Hand drauf, damit es ja auch richtig knallt! Wir haben uns ja bisher noch nie mit Wrestling befasst, also fragen wir einen Mexikaner neben uns, der ganz begeistert ist, ob jetzt nur der erste Kampf so ist, quasi als Aufwärm-Phase für die Fans, oder ob das nun so weitergeht? Antwort: Geht so weiter. Hmm. Nächste Frage: Aber gibt’s denn auch richtige Kämpfe oder ist das IMMER nur Show? Antwort: Ja, gibt’s. Aber hier ist immer nur Show. Aha. Na denn. Wir lehnen uns zurück und versuchen, wenigstens ein paar gute Fotos hinzubekommen. Die Kämpfer wechseln alle paar Minuten, außerdem gewinnt immer einmal das eine Team, bevor das andere dann aufdreht und den nächsten Kampf gewinnt. Es gibt bessere Teams von der schauspielerischen Fähigkeit her gesehen und schlechtere. Die letzten Kämpfer die in den Ring kommen sind wohl die „Stars“ der Show und werden dementsprechend bejubelt. Zum Teil „fliegen“ die Kämpfer (im wahrsten Sinne des Wortes) aus dem Ring und kloppen sich dann davor oder im Gang zwischen den Zuschauern weiter… Insgesamt gehen die zwei Stunden recht schnell herum und wir hatten unseren Spaß. Allerdings würden wir uns das jetzt nicht unbedingt nochmal ansehen müssen!

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puebla-38 große Kathedrale von Puebla

puebla-39 Innenschiff der großen Kathedrale, 10 Fotos würden nicht reichen...

puebla-40 Zubereitung der Cemitas im Akkord

puebla-45 Fans beim Lucha Libre

puebla-46 Ring beim Lucha Libre

puebla-47 Zwei gegen einen ist doch unfair!!!

puebla-48 Attackeeeeee!!!!

puebla-50 Vorstellungsrunde Nr. 2

puebla-53 im Anflug auf den "Feind"

puebla-54 die "Stars" des Abends

puebla-55 Florians Lieblings-Lucha-Libre-Kämpfer... Hmmmm!!!

puebla-56 K.O.?! - Nöööö, gleich geht's munter weiter!

Nach dem Frühstück machen wir uns auf noch ein paar Sehenswürdigkeiten anzukucken. Zwischendurch kommen wir an einem Restaurant vorbei, in dem es „Mole Poblano“, eine Schoko-Chili-Soße gibt, die meistens mit Geflügel serviert wird. Laut Alex eines der typischen Gerichte für Puebla. Da wir nicht so sicher sind ob uns das schmeckt, dürfen wir jeder einen Löffel probieren. Nicht so schlecht, aber eine ganze Portion wollen wir davon doch nicht. Und gehen dann auf Souvenir-Jagd auf dem Markt „El Panchan“. Schließlich finden wir einen schönen „Azteken-Kalender“ und eine grüne Maya-Maske aus Stein. Nach der Maske haben wir ewig gesucht, weil es überall fast nur richtig hässliche Farben gab. Nun haben wir also auch das erledigt! Zur Belohnung essen wir am Zócalo „Tortas Árabes“. Als wir uns danach noch in eine Bank in die Sonne setzen, kommen wieder zwei Schulklassen auf uns zu, die ein Interview machen wollen. Diesmal hätten wir echt gleich nein sagen sollen, denn es dauert ewig bis sie sich unter viel Gekicher einig sind, wer filmt und wer Fragen stellt. Ohne Blatt dieses Mal. Aber das macht die Sache nicht besser, da sie sich erst eine Minute auf Spanisch überlegen, wie das nun auf Englisch heißt, um dann nach zwei Wörtern Englisch ein „Äh, oh, no!“ nachzuschieben und nochmal von vorne zu beginnen! Irgendwann haben wir es geschafft und fragen sie noch, wie alt sie denn sind. Antwort: 16! Wir sind dann doch etwas sprachlos angesichts dieser schlechten Leistung! Abends holt uns Alex vom Hostel ab und wir gehen „Molote“ essen. Dies ist, laut seinem Plan, die einzige Spezialität, die wir noch nicht probiert haben. Ist eine recht fettige Angelegenheit, aber mal wieder echt gut! Teig wird ganz dünn ausgerollt und dann mit verschiedenen Sachen gefüllt: wahlweise Hähnchenfleisch in pikanter Tomatensoße, Chicharrón (ganz knusprige Schweinefleisch-Stückchen), speziellem Käse, Kräutern und Champignons, oder Cuitlacoche, einem Mais-Schimmel, der die Kolben befällt, wenn sie zu spät geerntet werden. Hier ist es eine Spezialität, und es schmeckt gar nicht so schlecht! Nachdem wir zu dritt acht solcher Teile verdrückt haben, sind wir total vollgefuttert und lassen uns direkt beim Hostel absetzen.

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puebla-63 Molote

Hier das ganze Album:

Tempelkoller in Oaxaca

Mit einiger Verspätung kommen wir in Oaxaca an und fahren mit dem Taxi in die Stadtmitte. Hier finden wir innerhalb fünf Minuten ein nettes kleines Hostel, die „Posada del Centro“, mit gemütlichem Innenhof. Wir laufen gleich wieder zum zentralen Platz, in Mexiko nun nicht mehr „Plaza de Armas“ sondern „Zócalo“ genannt. Hier ist einiges los, der Platz vor der Kathedrale liegt voll mit Geschenken, anscheinend werden diese dann an Heilige 3 Könige an die Kinder verteilt. Wir essen in einem kleinen Laden Tortas mit Chorizo und Käse, das ist unser absolutes Lieblingsessen hier: schnell, günstig und lecker! Zum Dessert finden wir eine „Crêperia“ und gönnen uns zwei Nutella-Crêpes. Sind aber nicht so lecker wie die Marquesitas, aber so langsam glauben wir, dass es die nur auf Yucatán gibt. Leider. Wir setzen uns in die Mitte des Platzes und beobachten Leute, bis uns aufgrund des Schlafmangels anfangen die Augen zufallen und wir den schnellsten Weg zurück zum Hostel nehmen.

oaxaca-02 Innenhof des Hostels Posada del Centro

oaxaca-60 Kathedrale von Oaxaca

oaxaca-05 Geschenke am laufenden Band

Heute wollen wir mit dem Bus nach Mitla fahren um dort die Ruinen anzukucken. Da es eine Stunde Fahrt ist, stehen wir früh auf und wollen mit dem Taxi zu der von der auf der Karte der Touri-Info eingezeichneten Haltestelle fahren. Der Taxifahrer meint aber, dass der Bus am Terminal für die zweite Klasse abfährt und fährt uns dort hin. Allerdings an die Rückseite des Terminals. Irgendwie kommt uns das Spanisch vor und wir fragen nochmal einen Polizisten. Der meint aber: Alles Quatsch, Abfahrt fünf Blöcke geradeaus und zwei Blöcke rechts! Na prima. Der Taxifahrer ist noch da und wir lassen uns von ihm kostenlos zur angegebenen Stelle fahren. Dort fahren auch haufenweise Busse, aber keiner in Richtung Mitla. Wir fragen einen Busfahrer. Ja, meint der, ein Stückchen weiter die Straße runter sollen wir uns hinstellen. Okay. Aber es kommt wieder kein Bus der für uns passt. Also fragen wir noch einen Busfahrer. Der meint wieder, dass der Bus am Terminal der zweiten Klasse abfährt. Was denn nun? Zwischendurch stärken wir uns mit einer heißen Schokolade von „Chocolate Mayordomo“, die ist ganz berühmt in Mexiko. Nachdem noch zwei Busfahrer das Terminal der zweiten Klasse genannt haben, laufen wir wieder dorthin, finden nach ewigem Suchen den Eingang. Wir fragen eine Frau an einem der Schalter, sie deutet ums Eck zu einem Ausgang. Und tatsächlich! Da steht der Bus nach Mitla! Wir können unser Glück kaum fassen und machen gleich mal ein Foto. Der Busfahrer grinst nur, als wir ihm sagen, dass wir jetzt eine Stunde unterwegs waren um den Bus zu finden und meint: „Loco!“ – Verrückt! Ja, so kann man’s auch sagen. Wir steigen ein und 5 min später fährt der Bus los. Eine Stunde später sind wir dann endlich in Mitla. Von hier müssen wir noch ca. ein Kilometer laufen. In Mitla gibt es einige Bauten präkolumbischen Stils. Gegründet ca. 200 n. Chr.von den Zapoteken, wurde die Stadt später dann unter mixtekischem Einfluss wichtiges Kulturzentrum. Die Ruinen befinden sich alle mitten im Dorf, verteilt auf 5 mehr oder weniger auseinanderliegenden Gruppen, der Eingang befindet sich direkt hinter der unscheinbaren Kirche. Dieses Mal müssen wir nur einmal Ticket kaufen und nicht wie bisher zweimal bezahlen. 84 Pesos (ca. 5 €). Liane hält der gelangweilten Kassiererin einen 200 Peso-Schein hin. Sie kuckt drauf und meint, dass sie uns nicht rausgeben kann. Was?!? Da sich die Dame nicht weiter rührt, fragen wir sie, ob der Eintritt dann eben frei ist? Nein, das natürlich auch nicht. Aber wir dürfen durch, weil ihr Kollege am zweiten Eingang ein paar hundert Meter weiter bestimmt Wechselgeld hat. Okay. Los geht’s bei der „Grupo de las Columnas“. Die Ruinen sind recht überschaubar, das einzig erwähnenswerte sind umlaufende Reliefs, die ziemlich gut erhalten sind. Die ältesten Gebäude sind wohl von 200 n. Chr. und im präkolumbischen Stil erbaut. Der Kontrolleur am Eingang vor der nächsten Gruppe hat auch kein Wechselgeld. Na wunderbar. Ein alter Mann der noch bei ihm rumsteht, gibt ihm ein paar Scheine, aber damit kommen wir auch erst mal nicht weiter. Also müssen wir wieder zurück zur Kasse, die zwei Angestellten kramen aus ihren Geldbeuteln das restliche Wechselgeld zusammen. Sachen gibt’s! Bei der zweiten Stätte, der „Grupo del Sur“ gibt es zwei Grabkammern, in die man hineinkrabbeln kann. Florian tritt nach zwei Metern wieder den Rückzug an. Hier treffen wir noch auf die einzigen anderen beiden Touristen, die sich hierher verirrt haben. Schließlich wollen wir noch die zwei anderen Gruppen besuchen, aber es gibt leider keine Schilder und eine Übersichtskarte zu kopieren und an der Kasse auszulegen ist anscheinend noch niemandem eingefallen. Nach einiger Suche und Nachfrage bei zwei Einheimischen, die nicht wissen, was wir meinen, laufen wir kopfschüttelnd zurück Richtung Hauptstraße und kommen wieder an einer kleinen Ruinenstätte vorbei, die wir auf dem Hinweg zwar gesehen, aber ignoriert haben, da sie uns mehr nach Steinmauer als nach Tempel aussah. Tatsache! Das ist die gesuchte „Grupo del Arroyo“! Der vierten „Grupo de los Adobes“ sehen wir schon von weitem an, dass es sich nur um einen verfallenen Steinhaufen handelt. Um den Tag doch noch zu retten, fahren wir mit einem Moto-Taxi zu „El Mitleno – Destilado de Maguey“, einer „Mezcal-Destillerie“. Hier wird aus Agaven Schnaps gebrannt. Je nach Agavenart, Zubereitung und Lagerung variiert die Farbe, der bekannteste Mezcal ist… natürlich der Tequila! Dieser wird aber nur aus einer bestimmten Agaven-Art und nur rund um die Stadt Tequila hergestellt. Wir starten im Verkostungsraum, wo wir ein bisschen durchprobieren dürfen. Wir testen den puren Schnaps, mit den für Mezcal typischen 40% Alkohol. Zum Glück ohne den „Wurm“ der oft in den Mezcal-Flaschen schwimmt. Wobei das eigentlich eine Mottenraupe ist. Was das Ganze aber auch nicht besser macht, eklig ist es so oder so! Dann versuchen wir noch verschiedene Mischungen mit Kaffee, Minze, Mandeln, Maracuja, usw. Anschliessend bekommen wir von einem der Arbeiter erklärt, was die einzelnen Schritte sind, allerdings auf Spanisch und wir verstehen beim besten Willen nicht, warum sie in einem Loch im Boden Holzkohle herstellen!?! Denn den Ofen feuern sie jedenfalls mit dicken Ästen an. Wir lesen später im Internet nach, dass in dieser Grube die ananas-förmigen Kerne der Agaven zunächst „gekocht“ werden. Später werden sie mit einem durch 1 PS angetriebenen Mühlstein dann zermahlen. Die wässrige Pampe, die dabei entsteht, gärt dann in großen Bottichen ein paar Tage vor sich hin und wird dann zweimal destilliert. Nach dem ersten Mal ist der Alkoholgehalt noch zu gering, dafür beim zweiten Mal oft über 80%. Dann wird wohl mit Wasser verdünnt. Diese Tatsache hat der Arbeiter aber auch nach dreimaligem Nachfragen energisch verneint! Oder er hat uns nicht verstanden. Aber was ist an der Frage „Se vende mixto con agua?“ (Wird mit Wasser gemischt verkauft?), während wir mit dem Finger auf seinen 80%-Kanister deuten, falsch zu verstehen?! Hmm. Als wir uns schließlich an die Straße stellen um auf den Bus zurück nach Oaxaca zu warten, haben wir mal wieder Glück und er kommt schon nach 5 Minuten! Zurück in der Stadt essen wir gut gewürzte Tortas und machen dann eine späte Mittagspause. Dann sind wir gerade in Bilder-Sortier-Laune und legen gleich los die Fotos für den nächsten Blog-Bericht rauszusuchen. Gegen 20:00 Uhr haben wir Hunger und wir gehen zum „Nid Noi Nah Thai“. Den haben wir zufällig entdeckt und der sah echt gut aus. Die Besitzerin und Köchin ist aus Thailand, sollte also authentisch sein. Die Portionen sind zwar recht klein, aber gut! Als wir zurückkommen ist die Kreuzung neben dem Hostel mit Autos gesperrt und viele Leute stehen auf einem Fleck und reden laut und hektisch miteinander. Florian geht gleich mal hin und fragt was da los ist: Gaaaaanz großes Problem zwischen 2 Clans, bzw. sie sind sich uneinig, wer welche Marktstände auf Straße wo aufstellen darf. Diese Art Konflikte zu klären ist Als wir nach zwei Stunden nochmal schauen, ist die Diskussion immer noch im Gang. Gerade in Oaxaca gibt es viele alte Gebräuche und Gewohnheiten. Daher ist es wohl nicht selten, dass Unstimmigkeiten und Streitereien zwischen den Betroffenen offen auf der Straße geklärt werden.

oaxaca-07 Schokoladen-Herstellung bei Chocolate Mayordomo

oaxaca-10 Endlich gefunden. Juhu!

oaxaca-12 Kirche von Mitla

oaxaca-13 Templo de las Columnas

oaxaca-14 Salón de las Columnas

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oaxaca-20 Grupo del Arroyo - nicht viel mehr als eine Steinmauer...

oaxaca-22 Taco-Herstellung

oaxaca-24 Mezcal-Verkostung

oaxaca-26 Mezcal-Destillerie

oaxaca-28 Fehlt nur noch das Pferd!

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oaxaca-30 Da fließt der Schnaps in Strömen!

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oaxaca-38 Diskussionen zwischen zwei Clans

Mit viel Glück und einem sehr eifrigen Travel-Agency-Mitarbeiter, der uns schnell ein paar Straßen weiter führt, müssen wir nur 2 Minuten auf den Bus zu der Ruinenstadt Monte Albán warten. Diese liegt ca. 10 km von Oaxaca entfernt auf einer künstlich abgeflachten Bergkuppe auf 2.000 m ü. M. und war das religiöse Zentrum der Zapoteken. Die Blütezeit liegt wohl zwischen 300 und 900 n. Chr., wobei die erste Besiedlung schon im 8. Jahrhundert v. Chr. begann. Hier lebten über 30.000 Menschen. Wir laufen zuerst durch das Museum und kucken uns dann die Ruinen an. Die erste Ruinenstätte, die wir zu sehen bekommen, war ein Spielfeld, in dem ein mesoamerikanisches Mannschafts-Ballspiel gespielt wurde, zum Teil wurden so auch Streitigkeiten geschlichtet. Der Hauptplatz misst etwa 300 x 200 m und um diesen herum befinden sich verschiedene Pyramiden, Tempel und Gräber. Es gibt viele Reliefs und Hieroglyphen zu sehen. Wir schauen uns in Ruhe alles an, zum Teil kann man sogar auf die Pyramiden hochsteigen und hat einen tollen Blick über das Gelände und auf die Stadt Oaxaca. Als wir zum Ausgang kommen, ist der halbstündliche Pendel-Bus gerade bereit zur Abfahrt. Zurück in Oaxaca laufen wir noch durch den „Mercado 20 de Noviembre“ und essen in der Fressgasse bei „Carnes Asadas Irving“ ein leckeres Asado, bestehend aus Tortillas, verschiedenen, hauchdünn geschnittenen Fleischsorten, Chorizo und Nopales-Salat, einem ziemlich scharfen Salat aus einer Kaktusfrucht. Dann holen wir unser Gepäck im Hostel und machen uns mit dem Taxi auf zum Busterminal um nach Puebla zu fahren. Die Fahrt dauert ca. 4 ½ h. Hier angekommen nehmen wir, wie überall empfohlen wird ein „sicheres“ Taxi. Ist alles geregelt mit Warteschlange und direkt am Schalter bezahlten Tickets für verschiedene Entfernungen. Das hatten wir bis jetzt noch nie! Normalerweise haben wir einfach vor dem Terminal ein Taxi angehalten, damit haben wir uns noch nie unsicher gefühlt. Aber Puebla ist ja auch die viertgrößte Stadt Mexikos mit 1,5 Mio. Einwohnern. Die Fahrt nach Downtown dauert daher auch fast 30 Minuten. Wir kucken drei direkt nebeneinander liegende Hostels an und entscheiden uns für das „Santo Domingo“, ein schönes altehrwürdiges Gebäude mit Café im Atrium und einer Galerie von der die Zimmer abgehen. Ist ein bisschen teurer als die heruntergekommenen Hotels außen rum, aber dafür haben wir nun ein schönes Zimmer mit eigenem Bad und Frühstück. Da wir echt hungrig sind, laufen wir in Richtung „Zócalo“, im Stadtzentum. Aber schon nach zwei Straßenblöcken finden wir eine kleine Mall, in der noch ein Restaurant offen hat. Es ist ein Burger-Restaurant, das „VIPs“, das verspricht schnelles und günstiges Essen. Schnell geht’s, günstig ist es nicht gerade, aber immerhin schmeckt es einigermaßen und wir sind satt und können schlafen gehen…

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oaxaca-41 Spielfeld des mesoamerikanischen Ballspiels

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oaxaca-45 Patio Hundido

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oaxaca-56 Asado - lecker!

oaxaca-55 Tischnachbarn bei Carnes Asadas Irving

oaxaca-58 Iglesia San Felipe Neri

Hier das ganze Album:

12 Trauben für 12 Wünsche

Heute ist in Mérida ein großer, chaotischer Markt auf dem alles Erdenkliche verkauft wird, meist aber nur Ramsch und Plunder. Zum Glück für uns gibt es dazwischen leckere Tortas und Tacos zur Stärkung! Wir schauen uns den Markt an und danach die Kirchen und Gebäude der Stadt. Abends gehen wir eine leckere Pizza bei „Vito Corleone“ essen. Nachdem wir als Dessert noch Marquesitas gefunden haben, sind wir absolut satt und zufrieden und da es nun gerade anfängt zu regnen laufen wir zurück ins Hotel.

merida-01 Markt in den Straßen von Merida

merida-29 rotes Rathaus

merida-04 Einmal "Marquesita mit Nutella", bitte!

Heute klingelt der Wecker schon um 5:00 Uhr. Wir nehmen ein Taxi zum Busterminal, wo um 6:00 Uhr der erste Bus in das 1 ½ h entfernte Uxmal zu den Ruinen fährt. Leider haben wir mal wieder auf eine „Empfehlung“ gehört, nämlich, dass es nicht nötig ist für den Bus um die Uhrzeit Tickets vorab zu kaufen. Tja. Nun stehen wir da und sowohl dieser und der nächste Bus um 7:00 Uhr sind komplett voll! Und dann fährt erst um 10:00 Uhr wieder einer. So ein Mist! Wir beschließen ein Taxi zu nehmen. Das ist zwar fünfmal so teuer wie der Bus, kostet aber trotzdem „nur“ knapp 25 €. Wir ersparen uns damit jedenfalls zum Hotel zurückzufahren, dort 3 h irgendwie totzuschlagen und dann wieder zum Busterminal zu fahren… So sind wir sogar zu früh an den Ruinen, die erst um 8:00 Uhr aufmachen. Wir sind wieder bei den ersten Besuchern die auf das Gelände laufen, leider ist noch alles total neblig. Deshalb setzen wir uns erst mal auf eine Treppe und lassen die Ruinen und die Stimmung auf uns wirken. Schließlich schafft es die Sonne die Wolken zu verdrängen und wir kucken uns die restlichen Ruinen an. Hier gibt es zum Glück keine Verkäufer die einen ständig ansprechen und einem auf die Nerven gehen! Um 11:30 Uhr gehen wir raus und erfahren, dass der nächste Bus erst um 13:00 Uhr in Richtung Mérida fährt. Na prima! Florian hat die tolle Idee, die Leute die rausgehen zu fragen, ob sie uns vielleicht mitnehmen können. Leider kommt fast niemand raus, und diejenigen, die mit dem Auto da sind haben keinen Platz oder fahren in eine andere Richtung. Also setzen wir uns dann doch an die Hauptstraße und warten auf den Bus. In Mérida steigen wir ins Taxi und lassen uns am „Monument für das Vaterland“ absetzen und laufen einmal die „Paseo Montejo“ herunter, die ehemalige Prachtstraße, die an die „Champs Élysées“ in Paris erinnern soll. Naja. Ziel verfehlt, würden wir sagen! Außer einige schöne alte Villen aus dem 19. Jahrhundert gibt’s hier auch nicht viel zu sehen, ein kleiner Umweg zu einer weiteren Sehenswürdigkeit, der Kirche Santa Anna, erweist sich als absolut unnötig, aber immerhin finden wir dadurch einen sehr leckeren Schnell-Chinesen! Dann ist Mittagsschlaf angesagt, damit wir abends fit sind! Gegen 20:30 Uhr machen wir uns auf zur großen „Plaza de la Independencia“ mitten in der Stadt, die komplett unbeleuchtet und leer ist!??! Ähh! Wir dachten, hier steigt DIE Silvesterparty! Immerhin stehen einige Essensstände herum, wir stärken uns mit extra dick belegten Tortas. Die nächste Straße ist zumindest gesperrt für Autos und die Restaurants haben Stühle draußen und Live-Musik. Wir setzen uns vor dem „Hotel del Parque“ an einen Tisch und bestellen Cocktails, die in riesigen Gläsern serviert werden. Leider hat der Kellner uns vergessen zu sagen, dass es zur Feier des Tages einen Mindestverzehr von 300 Pesos (ca. 22 €) pro Person gibt. Tja, sein Pech! Mittlerweile hat auch die Band in der Nachbar-Kneipe angefangen zu spielen und wir sitzen in einem Mischmasch aus verschiedenen Liedern. Da kriegt man ja die Krise! Wir trinken unseren Cocktail und gehen weiter. Leider ist dieser Musik-Mischmasch hier überall zu finden. In einem Café wollen sie uns um 23:00 Uhr noch 600 Pesos (ca. 44 €) Mindestverzehr pro Person aufdrücken. Die spinnen ja wohl! Am „Parque de la Madre“ haben sich einige Leute versammelt, ein paar tanzen ein bisschen, aber die meisten sitzen rum, schlafen halb und warten auf Mitternacht. So haben wir uns das hier aber nicht vorgestellt! Kurz vor Mitternacht wird mit den Glockenschlägen der benachbarten Kirche von 12 auf 0 gezählt und jede Sekunde eine Traube gegessen. Nun ist uns auch klar, warum auf den Märkten die zwei Tage zuvor überall Trauben in kleinen Tüten verkauft wurden! Das ist wohl, wie auch in Spanien, eine Tradition hier… Na, denn: Frohes neues Jahr!!!! :-) Etwas irritiert kucken wir in den Himmel, da ist überhaupt nix mit Feuerwerk?! Die meisten gehen jetzt auch schon heim. Hmm. Uns fehlt auch definitiv das Raclette für das richtige Silvester-Feeling! :-( Unglaublicherweise liegen wir um 0:30 Uhr im Bett und schlafen… Komisches Silvester!

merida-06 Nonnenviereck

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merida-11 Diese Fledermaus hat's hinter sich...

merida-13 steile Treppe zur Hauptpyramide

merida-14 Taubenhaus

merida-15 Haupttempel

merida-18 Gouverneurs-Palast

merida-21 Monument für das Vaterland

merida-23 Schon eher "Prachtstraße"!

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merida-26 Kathedrale von Merida

merida-27 Silvesterparty?!

merida-28 Hotel del Parque

Nach dem Frühstück geht’s direkt los ans Busterminal, wo um 8:30 Uhr unser Bus nach Palenque fährt. Nach langen 8 h, zwei Zwischenstopps und 3 Filmen kommen wir dort an. Kaufen als erstes unser Busticket nach Oaxaca in zwei Tagen, buchen eine Wasserfall-Tour, essen ein gegrilltes Hähnchen im Restaurant „Los Panchos“ direkt neben dem Terminal und fahren dann mit dem Collectivo (Minibus-Sammeltaxi, das man per Handzeichen überall am Wegrand anhalten kann) ein paar Kilometer weiter in Richtung Ruinen, wo es bei „El Panchan“ quasi direkt im Dschungel einige günstige Cabanas gibt. Gerade als wir unser Zimmer beziehen bei „Margarita & Ed“ beziehen, fängt es richtig an zu schütten. Solange es nur bis morgen wieder aufhört!

Nach dem Frühstück im Restaurant „Don Muchos“ laufen wir ein paar hundert Meter zum Eingang des Nationalparks, wo wir unser erstes Ticket kaufen müssen. Von hier nehmen wir ein Collectivo zum Eingang zu den Ruinen, wo wir ein zweites Ticket kaufen müssen. Die Ruinen, einst eine bedeutende Stadt der Maya, liegen zum Teil tief im Dschungel, es sind erst 5% wieder freigelegt worden. Zuerst kucken wir uns den zentralen Palast an, der auf einer Fläche von 80 x 100m in mehreren Bauphasen innerhalb von 120 Jahren erbaut wurde. Direkt daneben ist der sehr gut erhaltene „Tempel der Inschriften“, hier kann man hineingehen und die Grabkammer besichtigen. Viele der Ruinen sind eher klein und nicht so gut erhalten bzw. restauriert und sind oft mit Pflanzen überwuchert. Die Blütezeit dieser Stadt war zwischen 600 und 800 n. Chr., dann wurde sie aus ungeklärten Gründen verlassen und der Dschungel hat sich sein Territorium zurück erobert. Wir entscheiden uns entgegen der empfohlenen Richtung zu laufen, um so noch ein bisschen unsere Ruhe zu haben. Als wir schließlich in Richtung Eingang zurück laufen ist wieder superviel los, der Himmel zieht zu und es fängt an zu tröpfeln, das ist das Zeichen zur Flucht! Nach einem längeren Mittagsschlaf gehen wir wieder ins „Don Muchos“ zum frühen Abendessen, welches mit Abstand das beste Restaurant hier zu sein scheint.

merida-30 Palast

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merida-34 fest im Griff der Würgefeige

merida-38 Tempel der Inschriften

merida-40 Tempel des Kreuzes

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Wir werden um 9:00 Uhr von Fahrer Manuel mitsamt Gepäck abgeholt auf eine Tour zu verschiedenen Wasserfällen. Den ersten erreichen wir nach einer halben Stunde Fahrt, er heißt „Misol-Ha“, besteht aus einem einzigen 30 m hohen Wasserfall, hinter dem man hindurchlaufen kann, vorausgesetzt man hat Lust darauf komplett nass zu werden. Da es noch relativ kühl ist verzichten wir darauf und trinken lieber im Restaurant einen mittelmäßigen Kaffee. Schließlich fahren wir weiter und erreichen nach einer weiteren Stunde Fahrt die zweiten Wasserfälle, genannt „Agua Azul“ (blaues Wasser). Hier geht es sehr touristisch zu, es gibt einige Restaurants und Stände mit den typischen Souvenirs. Da wir hier 3 h Zeit haben, gibt’s ein frühes Mittagessen, bevor wir uns auf den Spaziergang zu den Wasserfällen machen. Der Weg führt entlang des Wassers und zwischendurch gibt es immer wieder kleinere und größere Wasserfälle, die teils über mehrere Kaskaden fließen. Allerdings müsste es korrekterweise eher „Agua Marron“ (braunes Wasser) heißen, da gerade Regenzeit ist! Bis ganz oben brauchen wir fast 45 min. Theoretisch kann man hier schwimmen gehen, wir haben unsere Badehöschen auch schon brav drunter angezogen, aber angesichts des trüben Wassers lassen wir das mal lieber sein und machen uns langsam auf den Rückweg. Wenn die Verkäufer an den Ständen nicht so verdammt nervig wären und einem sobald man stehenbleibt gebetsmühlenartig vorbeten, was sie alles Tolles verkaufen, würden wir ja vielleicht sogar mal kucken, aber so macht das absolut keinen Spaß! Die 1 ½ h Stunden auf der Rückfahrt nutzen wir für ein kleines Schläfchen, in Palenque angekommen steigen wir direkt am Busterminal aus, essen nochmal Hähnchen. Da kann man einfach nix falsch machen, das schmeckt immer! Dazu kaufen wir noch was zu Trinken und ein paar Snacks und checken dann in unseren Bus nach Oaxaca ein. Eine 14-stündige Fahrt liegt vor uns und das ist hier bei weitem nicht so bequem wie in Südamerika, da ist nix mit Lehne weit zurückklappen! Zur Unterhaltung gibt es aber wieder diverse (meist schlechte) Filme auf Spanisch in voller Lautstärke. An viel Schlaf ist nicht zu denken, da alle halbe Stunde Fahrgäste aus-oder zusteigen und nachts um 2:00 Uhr machen wir noch eine total unnötige 30 min-Pause an einem firmeneigenen Restaurant. Wir genießen die Pause ohne Lärm und Gewackel und schlafen…

merida-42 Misol-Ha

merida-43 Aqua Azul... wohl eher Aqua Marron!

Hier das ganze Album: