Willkommen zu Hause!

Wir erledigen noch ein paar dringende Internet-Geschichten, frühstücken und machen uns dann mit dem Taxi auf zum LuK-Werk in Puebla. Hier kommt unser Gepäck in Alex‘ Auto und wir bekommen eine kleine Führung durch das Werk. Zuerst kucken wir uns die Produktionshallen an und später noch die Konstruktionsabteilung, wo uns Alex die hier arbeitenden Ingenieure vorstellt. Dann machen wir uns auf den Weg zum „CAPU“, dem riesigen Busterminal von Puebla. Wir bekommen noch locker Tickets für den nächsten Bus nach Acapulco. Allerdings sind die sauteuer im Vergleich zu anderen Strecken! Als wir nach 6 h Fahrt aus dem Bus steigen, schlägt uns schwül-warme Luft entgegen, nach der Kälte in Puebla eine ganz schöne Umstellung. Da die Stadt als nicht gerade sicher gilt und es schon stockdunkel ist, nehmen wir uns wieder ein Taxi direkt vom Busbahnhof, welches uns zum „Terminal Maritima“, also zum Pier bringt, wo wir schon von weitem das große Kreuzfahrtschiff „MS Albatros“ liegen sehen, welches für die nächsten vier Wochen unser „Zuhause“ sein wird. Wir sind anscheinend die einzigen Gäste, die selbst anreisen und ganz bestimmt die einzigen, die mit riesigen Rucksäcken daherkommen. Daher kucken die Sicherheitsbeamten unsere Pässe ganz genau an, bevor sie uns durchlassen. An der Gangway werden wir gleich mit einem Schild „Willkommen zu Hause“ begrüßt. Naja…! Die zweite „Sicherheitskontrolle“ an Bord besteht aus Pässe ankucken und Desinfektionsmittel auf uns sprühen. Dann dürfen wir durch zur Rezeption. Auch die Damen hier sind einigermaßen überrascht, als plötzlich neue Passagiere vor ihnen stehen. Irgendwie ist es für uns ganz komisch nun wieder auf Deutsch begrüßt zu werden! Das „Hola“ und „Gracias“ ist nach vier Monaten in spanischsprachigen Ländern voll drin. Es werden Fotos gemacht für den Bordausweis, wir bekommen Deckpläne und sonstige Infos und beziehen dann unsere Kabine auf Deck Nr. 3, dem Neptundeck, direkt neben dem Eingang. Für uns absolut perfekt, nicht zu klein und nicht zu groß, mit zwei Betten, Schränken, Schreibtisch, Fernseher und einem kleinen Bad. Wunderbar – auf zum Abendessen! Leider wurde das Restaurant genau 10 min vorher geschlossen und die nächste Möglichkeit für einen Snack gibt’s erst in ca. 1 1/2 h, wenn noch eine große Reisegruppe ankommt, deren Flug sich verspätet hat. Nee, solange wollen wir nicht mehr warten, deshalb machen wir uns zu Fuß auf zum Zócalo, hier werden wir wohl noch ein paar Tacos kriegen. Die Taxifahrer an der Pier wollen uns zwar das Gegenteil weißmachen, aber wir lassen uns nix einreden. Natürlich gibt es am Zócalo einige kleine Restaurants und wir bekommen unsere Tacos. Diese sind zwar bei weitem nicht so gut wie die, die wir in Puebla gegessen haben, aber zumindest sind wir satt! Als wir eine gute Stunde später, bepackt mit einem 10 l-Wasserkanister, zurück auf das Schiff gehen, ist die Reisegruppe aus Deutschland gerade angekommen. Wie wir uns schon fast gedacht haben, ist unter den ca. 200 Leuten quasi niemand unter 60 Jahren dabei, bei einigen wundert es uns sogar, dass sie selbständig die Gangway zum Schiff hochkommen! Am Eingang steht der Kreuzfahrtdirektor Joe Liemberger höchstpersönlich. Wir kommen nun in den Genuss eines festen Händedrucks und eines „Schön, dass Sie es auch geschafft haben!“ inkl. fettem Begrüßungslächeln. Ähhh?! Ja… Danke!? Drinnen steht das Reinigungspersonal zu Kofferträgern umfunktioniert Schlange um die Herrschaften zu ihren Kabinen zu begleiten. Da unsere Kabine ja direkt neben dem Eingang liegt, können wir es uns nicht nehmen lassen, dem Schauspiel noch eine Weile zuzusehen. Echt zum Lachen! Oder zum Heulen. Das wird sich noch rausstellen…

suedsee1 (01) Parade der Kofferträger

suedsee1 (02) unsere Kabine

Um 6:00 Uhr weckt uns der „fröhliche Bordwecker“. Was ist das den für ein Sch…! Erst Vogelgezwitscher, das man wunderbar in den Traum einbauen kann und dann ein „Guten Morgen!!!“ das einen so aus dem Schlaf reißt, dass man erst mal nicht weiß wo oben und unten ist! Erste Handlung: Radio ausschalten. Und abends unbedingt kontrollieren, dass der Kabinen-Putzservice das Ding nicht wieder eingeschaltet hat! Zum Frühstück gehen wir ins „Restaurant Möwe“ mit eher klassischem Ambiente auf Deck 7. Es gibt noch das „Restaurant Pelikan“, welches eher modern eingerichtet ist, aber in der Möwe gefällt es uns besser. Das Frühstücksbuffet ist riesig und es gibt quasi alles, was man sich nur wünschen kann: verschiedene Sorten Wurst und Käse, Wurstsalat, Eier, Speck, Würstchen, Joghurt, Müsli, frische Früchte, verschiedene Brote, Brötchen, Croissants, Kuchen, süße Teilchen, … die Backwaren sind ganz frisch und echt gut. Es ist wie im Schlaraffenland! Wir kommen mit dem netten Kellner Rajiv, ins Gespräch der für diesen Bereich zuständig ist. Auf unsere Frage, ob er hier an Bord schon andere Passagiere unter 50 Jahren gesehen hat, breit grinsend „I am really sorry, no!“ antwortet. Ja, das haben wir uns ja schon fast gedacht! Er kommt aus Goa, Indien, sieht aber eher aus wie ein Mexikaner und wir versuchen gleich nach dem Frühstück einen Platz für Mittag- und Abendessen an einem seiner Tische zu bekommen. Leider ist aber schon alles belegt und wir müssen an einen anderen Tisch. Dann machen wir uns auf Acapulco zu erkunden. Zuerst kucken wir uns den Zócalo bei Tag an (ziemlich hässlich) und gehen noch ein paar Sachen einkaufen, die wir auf dem Schiff brauchen. Außerdem gehen wir nochmal ins Internet, da das auf dem Schiff echt unglaublich teuer ist! 15 min kosten gleich mal 7 €! Als hier auch alles erledigt ist laufen wir zum „La Quebrada“, hier gibt es die berühmten Klippenspringer von Acapulco. Um die Show sehen zu können, müssen wir natürlich erst Eintritt bezahlen. Es wurde sogar ein großes Banner gespannt, weniger um Schatten zu spenden als vielmehr zu verhindern, dass nicht zahlende Gäste von der Straße aus mitkucken! Die ersten Springer schwimmen schon in dem engen Kanal und fangen dann an, die ca. 25 m hohe, steile Felswand hinaufzuklettern. Barfuß natürlich. Insgesamt sind es 7 Springer unterschiedlichen Alters. Die Spannung steigt, wir haben uns gute Plätze für Kucken und Fotografieren gesichert. Es dauert aber noch eine ganze Weile bis es endlich losgeht. Erst nachdem alle den Zuschauern zugewunken haben, macht sich der erste bereit. Er springt von einem kleinen Felssprung etwas unterhalb. Mit diversen Salti kommt er unten im Wasser an. Die anderen müssen warten, bis er weg ist, viel Platz ist unten im Kanal nicht. Dann springen drei gleichzeitig mit unterschiedlichen Salti. Ziemlich spektakulär! Nochmal zwei zusammen und dann kommt der letzte. Er macht aber auch erst noch ein bisschen Show oben, etwas strecken und recken, dann die Marienstatue in dem kleinen Tempel oben auf dem Fels küssen, ein Kreuzzeichen… und Sprung! Leider war es das dann auch schon! Wir hätten ein paar Durchgänge mehr erwartet, aber die Springer klettern alle auf unserer Seite hoch und verschwinden… Es gibt pro Tag fünf Shows. Bei dieser Höhe erreichen die Springer bis zu 90 km/h, wenn sie dann im Wasser aufkommen. Da wirken ganz schöne Kräfte auf den Körper, daher vermuten wir dass mehr als ein Sprung pro Show schon deshalb nicht drin ist. Einer steht noch da und verkauft T-Shirts. Es ist unglaublich heiß, wir haben schon fast die ganze Wasserflasche leergetrunken. Trotzdem laufen wir noch ein Stückchen den Berg hoch, in der Hoffnung eine schöne Aussicht auf die Bucht von Acapulco zu bekommen. Leider stehen überall Häuser und wir sehen nix. Aber dann entdecken wir eine Treppe, von der aus man eine tolle Aussicht hat. Leider müssten wir dazu durch eine offene Garage laufen. Zu unserem Glück kommt gerade der Hausbesitzer zum Auto und wir fragen, ob wir kurz ein paar Bilder machen dürfen. Klar. Kein Problem. Er macht von uns beiden noch zwei Bilder und ist ganz begeistert, dass wir aus Deutschland sind, weil da auch seine Nichte lebt. Die Straße führt weiter bis ans Wasser runter, wo wir an der Promenade entlanglaufen bis zum Zócalo zurück. Wir essen nochmal Tacos und trinken ein Kaffee, bevor wir uns mit einem weiteren 10 l-Wasserkanister zum Schiff aufmachen. Dann erkunden wir zunächst einmal das komplette Schiff, damit wir wissen, was wir während unserem Aufenthalt hier so machen können, was auf welchem Deck geboten wird. Es gibt 2 Restaurants, 6 Bars, 3 (Show-)Lounges, eine Disco, ein Kino, einen Swimmingpool, ein Whirlpool, einen Wellness- und Fitnessbereich und eine Bibliothek. Langeweile ausgeschlossen! Beim Abendessen sitzen wir dann das erste Mal an unserem Tisch Nummer 108 und stellen fest, dass wir noch zwei Tischnachbarn bekommen haben: Günther und Angelika aus Rottweil. Die zwei sind rein optisch immerhin den „jüngeren“ Passagieren zuzuordnen. Es gibt beim Abendessen immer ein Salatbuffet und Essen à la Carte, immer mit zwei Vorspeisen, dann Suppe, Hauptgericht und Dessert, je zwei oder drei Wahlmöglichkeiten. Man kann bestellen was und so viel man will. Dazu gibt es Rot- und Weißwein und Säfte. Unser Kellner heißt „Jamieson“ und sein Piccolo (ist hier das Wort für Assistent) ist „Sunshine“. Sie ist bissle schüchtern, aber sonst passt der Name. Der Service ist echt Top! Kaum bestellt, steht schon das Essen auf dem Tisch und auf den nächsten Gang muss man höchstens eine Minute warten. Unsere Tischnachbarn sind recht unterhaltsam und haben sogar gleich was für uns: ein Prospekt für das Edelsteinmuseum ihres Sohnes, welches unglaublich toll ist und wir unbedingt mal besuchen müssen. Wir sprechen während des Essens über die diversen Reiseziele, wo wir alle schon waren. Um 21:00 Uhr heißt es dann: Leinen los! Zum Auslaufen aus dem Hafen tönt durch die Lautsprecher auf dem ganzen Schiff „Conquest of Paradise“ von Vangelis. Alle Passagiere stehen an der Reling und sehen zu, wie die Lichter von Acapulco kleiner und kleiner werden. Ein älterer Herr direkt neben uns filmt die Pier mit ihren Containern und Straßenlampen und spricht dazu: „…dies sind die Lichter, die uns gestern begrüßt haben, heute verabschieden sie uns. Tschüß Acapulco, tschüß Mexiko!“ Na wunderbar, die arme Verwandtschaft, die sich dieses Video dann ansehen muss… Auf jeden Fall wird auf dem Video jemand (namens Florian) zu hören sein, der laut „Alarm“ brüllt. ;-) Beim Fotografieren auf Deck treffen wir Matthias aus Berlin, zuerst halten wir ihn für einen der offiziellen Fotografen, weil er ziemlich viel an Kameraausrüstung an seinem Gürtel hängen hat. Aber da haben wir uns geirrt: Er ist selbständiger Fotograf und auch Passagier. Und das Beste: Damit haben sich wohl die einzigen Passagiere unter 50 gefunden, denn er ist erst 43! Er ist mit seiner Mutter und deren Freundin Maria da. Zur Feier des „in See Stechens“ gönnen wir uns einen Cocktail auf dem „Lido-Deck“, hier spielt die „Atlantis-Band“ fetzige Musik und das gar nicht so schlecht!

suedsee1 (03) Zócalo von Acapulco

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suedsee1 (10) Kunstsprung von der Klippe

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suedsee1 (13) Klippenspringer von Acapulco

suedsee1 (14) Blick auf Acapulco

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suedsee1 (17) Miauuu! Hab ich einen Katzen-Hunger...!

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Heute sind wir nochmal in Mexiko, genauer gesagt im Hafen von Zihuatenejo. Hier liegen wir seit dem frühen Morgen „auf Reede“, das heißt konkret: Das Schiff ist zu groß um am Pier festzumachen, deshalb liegt es in der Bucht vor Anker und die Passagiere werden in Tenderbooten (überdachte, quietsch-orangene Boote in denen ca. 50 Leute Platz finden) an Land gebracht. Damit nicht alle gleichzeitig auftauchen, hat jeder auf dem Bordausweis einen farbigen Punkt der die Reihenfolge, bzw. Uhrzeit bestimmt, wann man an Land fahren kann. Wir frühstücken „früh“, da wir um 9:00 Uhr spätestens an Land sein müssen. Passt zwar nicht mit der Uhrzeit und Farbe überein, aber was soll‘s. Wir stellen fest, dass es kein Problem ist, da das Boot gar nicht voll wird, weil viele Passagiere erst später an Land gehen. Diese können heute sowieso nur in dem kleinen Städtchen und am zugehörigen Strand herumspazieren. Wir haben deshalb nochmal eine Runde Tauchen gebucht. Als wir vom Tenderboot an Land gehen, steht hier ein „philippinischer Mexikaner mit Sombrero“ (einer der Bordfotografen) und seine Kollegin macht Bilder. Diese kann man dann später für 5,50 € das Bild (!!!) auf dem Schiff erwerben. Landschaftsfotos gibt’s aber schon ab 3 €. Der Hammer! Zusammen mit Pako, unserem Dive-Master und einem Ehepaar aus Kanada geht’s los zur ersten Dive-Site, dem „Solitary Rock“. Wie der Name schon sagt, ein einzelner Fels nicht weit weg von der Küste. Leider ist die Sicht ziemlich schlecht, nur so 5 – 8 m. Aber wir sehen schöne Korallen, einige Fische, vor allem Pufferfische in allen Größen, verschiedene Seesterne und viele Muränen. Und unser erstes Seepferdchen! Ein süßes orangefarbenes, welches sich mit seinem Schwanz verzweifelt an irgendwelches Seegras klammert um nicht von der Strömung davongerissen zu werden. Pako schnappt sich einen mittelgroßen Pufferfisch und „massiert“ ihn ein bisschen, damit er sich aufbläst. Der Fisch macht dazu Mundbewegungen die aussehen, als ob er protestiert (tut er vermutlich auch). Zum Kaputtlachen! Was unter Wasser etwas schwierig ist, deshalb ist eher Grinsen angesagt als Lachkrampf. Das Wasser ist relativ warm, wohl um die 27° C mit einigen kühleren Strömungen. Der zweite Tauchgang ist in sehr viel flacherem Wasser, max. 13 m Tauchtiefe und wir tauchen quasi einmal im Kreis und kehren zu der Stelle zurück, an der wir gestartet sind. Auch hier sehen wir gleich zu Beginn ein „neues“ Tier: Einen Oktopus! Sieht ganz lustig aus mit den Tentakeln und dem großen Kopf! Im Sand verstecken sich viele kleinere Rochen, die man aufscheuchen kann, wenn man mit der Hand ein bisschen den Sand aufwirbelt. Laut Paco sind es „Giant Electric Rays“. Ein Rochen sieht ziemlich seltsam aus. Bei genauerem Hinsehen ist es dann auch kein Rochen, sondern eine Flunder! Haben wir bis jetzt auch noch nicht gesehen. Insgesamt ein echt schöner, gemütlicher Tauchgang. Wir bleiben mit Pako noch 20 min länger unten als die Kanadier. Mit unglaublichen 70 Minuten wird dies mit Abstand unser längster Tauchgang! Zurück am Pier gehen wir noch mit ins Büro um die Fotos die Pako unter Wasser gemacht hat zu kopieren. Außerdem wollen wir noch Geld tauschen, da der Euro die Bordwährung ist. Leider wird nix draus, weil wir unsere Pässe auf dem Schiff haben und ohne die wird kein Geld gewechselt. Was soll‘s, wird auch so irgendwie gehen! Von unseren allerletzten Pesos kaufen wir uns zum Abschied jeder noch ein Eis. Dann fahren wir mit dem letzten Tenderboot zum Schiff zurück. Kurz nach Rückkehr findet eine Rettungsübung statt, bei der man sich die Rettungswesten in der Kabine schnappen soll, um dann zu der zugewiesenen Rettungsstation laufen. Hier bekommen wir erklärt, wie man sich die Rettungsweste umbindet und dann laufen wir im Gänsemarsch (ohne Witz, die rechte Hand auf die Schulter vom Vordermann!) zu den Rettungsbooten. Damit ist die Rettungsübung erfolgreich beendet und wir gehen Kaffee trinken. Dazu gibt es kleine Häppchen wie belegte Brote und verschiedene Kuchen. Verhungern ist hier echt unmöglich. Unsere älteren Mitreisenden werden immer ganz neidisch, wenn sie unsere bunte Auswahl auf den Tellern sehen und erzählen dann von ihren Cholesterin-Problemen und Diät-Plänen. Genau was wir im Urlaub hören wollen! Wir sind gerade fertig mit Kaffeetrinken, als wieder die Auslaufmelodie aus den Lautsprechern ertönt, als Zeichen, dass wir nun Kurs nehmen auf die Südseeinseln… Wir werfen einen letzten Blick auf den amerikanischen Kontinent! Schon ein seltsames Gefühl, nach 4 1/2 Monaten in spanischsprachigen Ländern. Außerdem sind wir echt gespannt, wie diese Schiffsreise hier wird, wir haben außer Matze immer noch keine jüngeren Leute entdeckt! Vor dem Abendessen werden die neuen Gäste in der Atlantik Lounge von Kapitän Mats Nelson und Kreuzfahrtdirektor Joe Liemberger persönlich begrüßt. Insgesamt ist auf der Albatros Platz für max. 830 Passagiere, aber das Schiff ist lange nicht voll. Wir schätzen es sind vielleicht 550 an Bord, und davon machen fast 200 Personen die komplette Weltreise von Hamburg bis Monaco in 119 Tagen! Die meisten machen aber so wie wir nur eine oder zwei Etappen mit und reisen zwischendurch an und ab. Im Tagesprogramm (vier DIN-A4-Seiten, es soll ja auf keinen Fall Langeweile aufkommen!) steht „Bekleidungsvorschlag für den Abend: elegant“. Tja. Eleganter als unsere Zip-Hosen und für Florian ein kurzärmeliges Hemd und für Liane ein sauberes Top wird‘s bei uns nicht werden… Einige der Passagiere kommen wirklich im Ballkleid und Smoking. Alter Schwede! Da können wir natürlich nicht mithalten und werden auch von oben bis unten gemustert von den anderen Passagieren, aber das ist uns so was von egal! Nachdem wir schön mit Kapitän und Direktor in die Kamera gegrinst haben bekommen wir einen Begrüßungssekt, bevor es zum Kapitäns-Willkommensdinner geht. Der nächste Programmpunkt an diesem Abend ist die „Willkommensshow Ihrer Künstler“. Zunächst wird das Phoenix-Reiseleiter-Team und der Kapitän und seine Offiziere vorgestellt. Danach das Künstler- und Lektoren-Team. Wir sind ja sehr gespannt! ;-) Die Moderatorin ist eine der Reiseleiterinnen namens Lubna und sie schafft es fast jeden Satz grammatikalisch komplett zu vergeigen. Und sie erfindet neue Wörter, Highlight des Abends: „Lauschen Sie der fabelhaften Planföte…“ Außerdem ist bei ihr sowieso alles ganz „faaaabelhaft“… Nun ja, wir würden die wenigsten der vorgestellten „Künstler“ mit diesem Wort beschreiben. Aber wir werden auf jeden Fall mal in die Shows reinkucken. Wir können ja jederzeit gehen, wenn es zu schlimm wird! Die vorgestellten Lektoren halten tagsüber Vorträge oder Seminare ab. Da wären Burghard Pieske, ein Weltumsegler, Pater Alexander aus Bayern, eine Galeristin namens Christiane Hahn, die eine Ausstellung über russische Ikonen organisiert, ihr Mann Georg Hahn, der geschichtliche Vorträge über die Südsee hält, Reiki-Lehrer Ralph Herrschmann (von dem Florian meint, er würde aussehen wie „Hugo Drax“, der Bond-Bösewicht aus „Moonraker“, der die Weltherrschaft anstrebt) und seine Frau Margot Herrschmann, die Mental-Training anbietet. Und Professor Anatoli Gololobov, der abends in der Pazifik-Lounge auf dem Piano klassische Stücke zum Besten gibt. Klar, irgendwie müssen die Seetage ja auch gefüllt werden, damit den Passagieren nicht langweilig wird!

suedsee1 (29) Bis später...

suedsee1 (31) MS Albatros auf Reede

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suedsee1 (33) Zebra-Muräne

suedsee1 (36) "Blub! Blubber! Blub bluuub!" (deutsche Übersetzung: "He! Aufhören! Ich protestiere!")

suedsee1 (37) Unser erstes Seepferdchen!

suedsee1 (43) Gerettet!

suedsee1 (46) Sind wir nicht schick?! ;-))

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Die nächsten sechs Tage werden wir komplett auf See verbringen. Daher schlafen wir aus und machen uns dann über das Frühstücksbuffet her. Beim Frühstück kann man sich hinsetzen wo man will, daher lernt man dabei am ehesten irgendwelche anderen Passagiere kennen. Viele haben schon einiges von der Welt gesehen, aber eben nur vom Kreuzfahrtschiff aus. Das ist für die meisten das wahre Reisen. Aber die Wahrheit ist: Man kann auf diese Art Land und Leute nicht wirklich kennen lernen. Maximal die Menschen, die vom Tourismus leben und einem Souvenirs verkaufen wollen. Die meisten machen schon ihre x-te Kreuzfahrt. Einige haben auch spürbar ein Problem damit, dass wir ja noch so jung sind und versuchen über komische Fragen herauszufinden, wie wir uns das leisten können. Sobald wir erzählen, dass wir quasi auf Hochzeitsreise sind, kommt die für sie logische Schlussfolgerung: „Ah, dann waren die Verwandten aber großzügig!“ Äh?! Eine ältere Dame hat sogar vermutet, wir hätten die Reise zum erfolgreichen Abi von unseren Eltern geschenkt bekommen. Später kucken wir uns im Bord-Kino den IMAX-Film „Wale – Giganten der Meere“ an. Das sind einfach faszinierende Tiere! Wir hoffen ja, dass wir nach Südafrika nochmal irgendwo welche zu Gesicht bekommen werden. Beim Tauchen wäre mal noch super! Träumen kann man ja mal… :-) Der restliche Tag besteht aus Lesen (es gibt eine schöne Bord-Bibliothek), Fotos für den Blog sortieren, Sonnenbaden und das Meer ankucken. Dabei liegt man allerdings immer den fleißigen „Joggern“ im Weg, die ihre Runden auf dem Sonnendeck drehen, mehr oder weniger schnell, meist eher Zweiteres und das unter knallroter Birne und wildem Geschnaufe, viele müssen ihren Mitreisenden beweisen, wie fit sie noch sind. Matze hat eine neue Theorie, was das MS im Namen des Schiffes bedeutet: Mumien-Schiff. ;-) Und natürlich gehen wir lecker Essen. Mittlerweile sind wir und unsere Tischnachbarn dazu übergegangen, das Dessert ein zweites Mal zu bestellen, wenn es besonders gut war. Unser Kellner Jamieson grinst dann immer nur. Die ersten Alarmglocken fangen schon an zu läuten: Wenn das so weitergeht können wir in Neuseeland von Bord kugeln! Bisher verbuchen wir das aber noch unter „Reserve anfuttern“ für die nächsten 5 Monate. Wer weiß, was wir in Neuseeland und Asien so zu essen bekommen! Als wir uns gerade auf den Weg zum Late-Night-Snack machen kommt eine Durchsage: „Code Blue in der Casablanca Bar“. Uns ist gleich klar, was das im Klartext bedeutet: „Schnapsleiche! Schiffsarzt mach dich auf den Weg.“ Als wir dort ankommen, wird gerade eine Frau weggetragen und ihr Ehemann schwankt hinterher. Wobei wir uns fragen, wie man hier überhaupt betrunken werden kann, in den Cocktails ist doch fast kein Alkohol!

suedsee1 (53) Partnerlook...

Nachdem wir in der Nacht die nächste Zeitzone erreicht haben, konnten wir die Uhren eine Stunde zurückstellen und sind nun schön ausgeschlafen. Es ist echt unglaublich, was es alles an Animation und Vorträgen an Bord gibt! Kein Wunder, dass die Passagiere hier eher im Stress sind, als im Urlaub! Aber das meiste interessiert uns nicht wirklich, z. B. der „Diabetiker-Treff“ oder „Spaß und Unterhaltung beim Bingo“ oder „Basteln Sie mit Jutta kreative Geschenkverpackungen aus Papier“ – nee, danke! Daher machen wir einen gemütlichen Blog-Aufhol-Tag, der nur von den diversen Mahlzeiten unterbrochen wird. Beim Kaffee-Kränzchen lernen wir ein echt nettes holländisches Ehepaar kennen. Die zwei sind irgendwie die einzigen unter den älteren Herrschaften, mit denen wir uns über das Reisen unterhalten können, ohne dass sie versuchen uns zu übertrumpfen. Irgendwie vertragen das die meisten nicht, dass wir schon mehr von der Welt gesehen haben könnten als sie. Deshalb wird dann alles was wir erzählen gleich mit „Ach ja, da waren wir auch schon! Und damals war das ja noch ganz was Exklusives…“ kommentiert. Wir hören Geschichten, wie z. B. „Bei den Indianern im Busch in Afrika war ich ja sehr angesehen, da ICH als EINZIGER Weißer es geschafft habe mit dem Langblasrohr über NEUNEINHALB Meter eine Kokosnuss zu treffen! Können Sie sich das vorstellen?“ Nein, das können wir beim besten Willen nicht nicht! Voll anstrengend und nervig! Die meisten Ehepaare hier streiten eh fast die ganze Zeit, vielleicht sollte auf dem Schiff auch Paartherapie angeboten werden. ;-) Abends schauen wir uns dann die erste „Show“ an: Der Rumäne  Vasco Ciobanu am vierreihigen Xylophon in Begleitung der „Atlantis-Band“. Er spielt die Lieder so unglaublich schnell, dass man seine Hände kaum sieht! Und er spielt ein paar wunderschöne Lieder auf der Pan-Flöte. Dazwischen erzählt er ein bisschen von sich und den Unterschieden zwischen Deutschland und Rumänien. Insgesamt geht die Show ungefähr eine Stunde und die ist recht kurzweilig.

suedsee1 (59) Vasco Ciobanu

Heute gibt es vormittags einen Vortrag von „Weltumsegler“ Burghard Pieske zum Thema „Meine Trauminseln“ über die Südsee. Sind wir ja mal gespannt! Er erzählt gut und viel, teilweise Anekdoten, die ihm gerade so in den Sinn kommen, aber wirklich interessant. Er ist von 1977-87 mit einer kleinen Yacht um die Welt gesegelt und hat einige Zeit in der Südsee gelebt. Ergänzend dazu läuft noch ein kurzer Film. Der ist allerdings eher langweilig, da eher eine „Standard-Übersicht“ über die Inseln und keine individuellen Fotos von ihm. Aber um sich ein Bild der Inseln (hauptsächlich aus der Luft) zu machen, ganz ok. Von Phoenix aus werden bei den Landgängen verschiedene Ausflüge angeboten. Wir kucken uns den Buchungszettel und die dazugehörige Info an und entscheiden uns direkt, dass wir unser Programm lieber selber machen wollen. Erstens um dem Touri-Strom zu entgehen, der mit mehreren Bussen zu den „Sehenswürdigkeiten“ gekarrt wird und weil uns die „Besichtigung der Perlenfarm“ oder die „Küstenfahrt im Motorboot“ dann doch herzlich wenig interessiert. Außerdem sind uns die Landgänge viel zu kurz, manchmal gehen die nur drei Stunden, obwohl wir den ganzen Tag Zeit haben. Wobei ein Tag um eine Insel zu erkunden eh schon nicht viel ist, aber diesen wollen wir dann auf jeden Fall komplett ausnutzen! Abends kucken wir kurz bei der Solo-Show von „Shirley“ vorbei, sie ist Phillipinin und singt normalerweise zusammen mit Rainer in der Casablanca-Bar als Hintergrundmusik und dabei sollte sie auch besser bleiben. So alleine auf der Bühne ist nix und schon gar nicht mit solchen Liedern. Aber abgesehen von uns und Matze scheint das niemand zu merken. Die älteren Herrschaften hören vermutlich nicht mehr so gut, denn es gibt sogar mehrere Bravo-Rufe aus dem Publikum! Und das, obwohl unsere lieben Mitpassagiere sonst wirklich nur am Meckern sind: draußen ist es zu heiß, drinnen zu kalt, die Aufzüge sind zu langsam, der Schiffsarzt nicht kompetent, das Bild auf dem Bordausweis ist nicht gut (lag in dem Fall aber eher nicht am Fotografen…), das Schiff hat zu viele Macken, etc. Uns gefällt das Schiff an sich eigentlich echt gut. Es ist zwar ein ziemlich alter Kahn, aber dafür hat er eine schöne klassische Form, ist nicht zu groß und echt gemütlich.

suedsee1 (95) Matze & seine Mama

suedsee1 (96) Achtung, lose Dielen!!! (mit gelb-schwarzen Aufklebern markiert...)

Die letzte Nacht war wieder eine Stunde länger, daher sind wir früh auf und kucken den Sonnenaufgang an. Es ist unglaublich, wie früh hier die meisten immer wach sind! Als wir um 6:00 Uhr rum rauskommen, ist das „Fitnessstudio“ rappelvoll und überall an Deck joggen Leute und machen ihre Dehnübungen. Heute gibt es wieder tolle Programmpunkte wie z. B. „Lernen Sie Serviettenfalten“, „Gesprächsrunde über Kreativität und Lebensqualität“, eine „Modenschau der Schiffsboutique vorgeführt von mitreisenden Passagieren“ oder ein „Reiki-Seminar“. Das hat uns alles gerade noch gefehlt! Aber immerhin gibt’s abends eine nette Show „Viva la Diva“ mit Renata Ravell, die Evergreens von Hildegard Knef, Zara Leander, etc. singt. Wobei das Besondere dabei ist, dass Renata eigentlich Olaf heißt und ein etwas korpulenter, älterer Herr mit schütterem Haar ist, den wir schon am Künstlertisch haben sitzen sehen und uns gefragt haben, was der hier eigentlich macht. Für die Show verwandelt er sich in Renata und das so perfekt, dass einem kaum auffällt, dass hier ein Mann auf der Bühne steht. Außerdem hat er eine richtig gute Stimme! Vermutlich mit das Beste und Professionellste, was hier an Bord geboten wird. Die Stunde vergeht wie im Flug mit schönen Liedern und lustigen Sprüchen. Kurz vor Mitternacht steht dann noch etwas Besonderes an: Wir überqueren den Äquator! Mit Hilfe eines Flaschendeckels machen wir den Test, ob das Wasser im Waschbecken denn anders herum abläuft, nachdem wir den Äquator überquert haben. Und tatsächlich: vorher ging’s im Uhrzeigersinn, nun gegen den Uhrzeigersinn! Angeblich ist das ja alles nicht wahr, zumindest physikalisch gesehen („Corioliskraft“), aber bei uns hat’s echt funktioniert! Lustig! :-)

suedsee1 (90) Reservierte Liegestühle morgens um 6:00 Uhr!

suedsee1 (91) Fitness-Studio morgens um 6:00 Uhr!

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suedsee1 (60) Renata Ravell

suedsee1 (61) Erst rechts rum, dann links rum... :-)

Bei der morgendlichen Begrüßung durch Alex, den „Bordmoderator“, kommt heute der Hinweis, dass bitte keine Liegestühle mit Handtüchern reserviert werden sollen. Typisch deutsch! Außerdem soll bitte nicht vor 9:00 Uhr, und schon gar nicht um 6:30 Uhr auf Deck 8 gejoggt werden, da sonst die Leute in den Kabinen auf Deck 7 wach werden. Um 11:00 Uhr ist dann „Äquatortaufe“, ein echt beklopptes Schauspiel! Zunächst kommt „Neptun, Herrscher aller Meere, Seen, Flüsse, Tümpel und Badewannen“ höchstpersönlich mit Gefolge auf das Pool-Deck und verliest eine mega-witzige Rede à la „Alle vom irdischen Staub Beschmutzen werden untersucht, gestempelt, mit lauterem Wasser gereinigt und in mein Reich eingelassen, sofern sie für würdig befunden…“ und so weiter. Hahaha, selten so gelacht! Es wird dann noch blöder und die „Taufwilligen“ werden tatsächlich mit buntem Eiweißschaum eingeschmiert, müssen einen nackigen Fisch küssen, bekommen einen Stempel verpasst, eine Spritze Schnaps in den Mund gespritzt und hüpfen in den Pool bzw. werden hineingeschubst. Hätten wir ja echt nicht vermutet, dass diese langweiligen Meckerer an Bord bei so was dann dabei sind! Heutige Lieblingsbeschwerde übrigens: „Warum ist der Kapitän nicht in flacherem Winkel über den Äquator gefahren? Dann hätte man auf dem TV-Infokanal die geographische Breite 0,0000° fotografieren können. So gab’s nur die 0,0002° Nord und dann gleich die 0,0004° Süd!“ Wirklich wahr!!! Haben wir von mindestens drei verschiedenen Leuten gehört! Zur Belohnung gibt’s für die Täuflinge einen kostenlosen Sangria. Den hätten wir uns eigentlich durch das Zukucken auch verdient! Als wir danach durch die Atlantik-Lounge laufen, proben gerade die „Künstler“ für diesen Abend, Chris & Verena Christian mit Trompete und Panflöte, ihre Show. Er ist ein ganz guter Musiker, aber sie kann nicht wirklich was und macht vermutlich nur mit, damit die beiden zusammen auf Kreuzfahrt gehen und doppelt kassieren können. Gerade proben sie „My heart will go on“ und sie schafft es, jeden Einsatz zu vermasseln und dreimal in einer Strophe mit dem falschen Ton anzusetzen. Na prima. Die Show werden wir uns definitiv schenken! Heute haben wir noch einen wichtigen Termin: die Besichtigung der Brücke. Durchgeführt vom Kreuzfahrtdirektor höchstpersönlich und echt informativ. Leider mit 25 anderen Passagieren, daher tritt man sich etwas auf die Füße dabei. Aber dafür ist es super interessant! Zuerst informiert er generell über das Schiff. Baujahr 1973, zwischendurch um 24,5 m verlängert und 2006 komplett überholt. Seit 2004 fährt „die weiße Lady“, wie das Schiff auch genannt wird, unter dem Namen „MS Albatros“ für Phoenix-Reisen. Es ist 205 lang und 25 m breit, 25 000 BRT schwer, hat 7,55 m Tiefgang und 10 Decks. Er zeigt uns alle Instrumente auf der Brücke und die diversen Seekarten und Flaggen. Außerdem erzählt er, dass auf dem Schiff 325 Leute aus 25 Nationen arbeiten, wobei die Crew überwiegend aus Phillipinos und Indonesiern besteht. Der aktuelle Kapitän ist Mats Nelson aus Schweden. Er nimmt sich viel Zeit und beantwortet alle Fragen. Einige Passagiere haben danach trotzdem wieder Grund zur Beschwerde: Wenn der „richtige“ Kapitän (Morten Hansen, gerade in Urlaub und bekannt aus der ARD-Serie „Verrückt nach Meer“, die ab und zu hier an Bord gedreht wird) da gewesen wäre, hätte er sich es bestimmt nicht nehmen lassen, die Führung persönlich zu machen! Nee, ist klar. Der hätte dann sicher auch noch höchstpersönlich einen Kuchen für uns gebacken und zum Kaffeekränzchen gebeten, so ein Kapitän hat ja sonst nix zu tun! Unglaublich mal wieder. Nachmittags gehen wir zum nächsten Vortrag von Weltumsegler Pieske, dieses Mal über seine Segeltour von 1998 auf den Spuren von „William Bligh“, dem Kapitän der berühmten Bounty. Dieser war nach der „Meuterei auf der Bounty“ zusammen mit 18 Seeleuten in einem kleinen Segelboot auf dem Meer ausgesetzt worden und er schaffte es bis nach Timor, Indonesien zu segeln und alle Männer, bis auf einen, zu retten. Diese Route wollte er im Auftrag des Königs von Tonga nachsegeln. Ein Kamerateam hat ihn dabei begleitet. Die Erzählungen waren wieder ganz interessant, aber irgendwie hörte es sich alles ein bisschen überheblich an „…im Auftrag des Königs“. Und zu erwähnen wie begeistert und spontan ihn die Leute in den Häfen jeweils empfangen haben, wo er doch Monate vorher schon vom König angekündigt wurde, ist auch etwas übertrieben. Er lädt noch alle Passagiere ein, um 22:00 Uhr aufs oberste Deck zu kommen, dann zeigt er uns das Kreuz des Südens. Der Sternenhimmel auf der südlichen Halbkugel ist schon ziemlich cool, vor allem mitten vom Pazifik aus ohne irgendwelche störenden Lichtquellen…

suedsee1 (63) Neptun und sein Gehilfe

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suedsee1 (67) Rentner-Suppe + Matze ;-)

suedsee1 (68) stilsicher

suedsee1 (69) Brücke

suedsee1 (72) ...und das ist der Grill vom Kapitän! ;-)

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suedsee1 (76) Kleine Kursänderung... ;-)

Am Vormittag kucken wir uns die „Große Bordolympiade – die Revanche“ an. Dabei treten ein Gäste-Team (5 ältere kräftig gebaute Herren), ein Offiziers-Team (die Titelverteidiger von der Atlantik-Überquerung), ein Crew-Team (5 kleine, schlanke Kellner aus Indonesien und den Philippinen) und ein Phoenix-Team (5 Reiseleiter, und die haben alle irgendwie einen Knall). Alex übernimmt die Moderation, quatschen kann er ja. Es wird deutlich unterhaltsamer als wir nach der komischen Äquator-Taufe vermutet hätten. Es gibt verschiedene Spiele, z. B. Sackhüpfen, Limbo, ein Koordinationsspiel mit einem Hula-Hoop-Reifen und eines bei dem mit einer Schöpfkelle Wasser aus dem Pool in einen Behälter gefüllt werden muss. Unter lautem Jubel der Passagiere gewinnt das Crewteam verdientermaßen haushoch! Nach dem Mittagessen machen wir einen kleinen Foto-Kurs bei Matze. Ist echt gut, nochmal erklärt zu kriegen, wie so eine Kamera arbeitet und was für unterschiedliche Einstellungen es gibt. So einigermaßen wissen wir ja, wie es geht, aber gerade bei schlechten Lichtverhältnissen ist es gut, wenn man vielleicht noch etwas „drehen“ kann an der Kamera. Im Anschluss zeigen wir ihm noch unsere Blog-Bilder, um mal vom Profi zu hören, ob der Bilderausschnitt und die Bearbeitung so ok sind, oder wie er es anders gemacht hätte. Mit vielen Bildern ist er einverstanden (O-Ton: „Was wollt ihr denn? Für Amateur-Fotografen echt super!“), bei einigen bekommen wir noch Tipps, wie das Bild bei anderem Schnitt gewirkt hätte, etc. Wir sind so eifrig bei der Sache, dass wir den zweiten Teil des Vortrags von Burghard Pieske über seine Segeltour auf den Spuren von Capt’n Bligh verpassen. Egal. Der Fotokurs von Matze war viel interessanter!

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suedsee1 (79) Offiziersreihe

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suedsee1 (93) Renata Ravell - tagsüber perfekt als Olaf getarnt...

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Hier das ganze Album:

2 Kommentare für “Willkommen zu Hause!”

  1. Der Taliban 9 April 2012 at 11:19 #

    Tja, ich würde ja gerne sagen „nee, nee, sooo schlimm war es ja nun auch wieder nicht“, aber Butterfahrt ins Paradies ist das, was diese schräge Reise echt am besten beschreibt. Übrigens bin ich mir mittlerweile sicher, wieso so viele alte, dahinsiechende Menschen ausgerechnet mit der MS Albatros gereist sind: die haben das mit dem Veranstalternamen Phoenix-Reisen falsch verstanden und gedacht, wenn sie die Reise buchen, wird das für sie wie eine Art Jacobspassage, an deren Ende sie dann seelisch gereinigt und mit neuer Kraft und Lebensmut wie Phoenix aus der Asche wieder auferstehen können. Na und wenn sie dann eben nach und nach merken, dass das nicht klappt und sie ihre mühsam zusammengesparte Rente lieber hätten zu Hause versaufen sollen, werden sie griessnaddelig und meckern nur noch rum.

    Mir hatte dort an Bord ein oktoberfesthumoriger Münchner den Spitznamen „Der Taliban“ verpaßt, weil ich mit meinem Kamerabeckengurt und den daran befestigten Objektiv- und Kamerataschen wie ein Selbstmordattentäter aussah. Na und wenn ich nicht so am Leben hängen würde, hätte es nicht nur eine Gelegenheit gegeben, wo ich sehr gerne einfach den Splint gezogen hätte.

    @Silvia Den Fotokurs haben die beiden echt nur aus technischer Sicht nötig gehabt (da war aber echt einiges im Argen – ich sag nur RAW bzw. für Laien verständlicher einen kleinen Ferrari besitzen, aber damit immer nur Brötchen holen kaufen, ist schon ein bißchen absurd *g*) Das ist aber eh der unwichtigere Teil des Fotografierens. Gucken, ach nee, heißt ja kucken auf lianisch *g*, muss man können, und das bringt sich viel schwerer bei als die Technikdetails, die die beiden echt schnell gerafft haben. Es gibt und gab jedenfalls eine Menge Bilder von den beiden, wo ich echt vor auf die Knie gegangen bin, so gut waren die. Ich bin mir sogar sicher, dass sie auf der Reise letztlich bessere Bilder gemacht haben als ich. Ich war einfach nur geplättet von den ganzen stressigen Momenten und der Missgunst der Passagiere untereinander. Kreuzfahrt ist nichts für mich. Als Dienstleister, wenn ich dafür bezahlt werde, gerne. Aber als zahlender Gast nicht so schnell wieder. Aber das ist eine andere Geschichte ;-))

  2. Silvia B. 8 April 2012 at 20:37 #

    Zum Abi!!! Wie geil!! Der Bart und die langen Haare bringens wirklich!
    Super unterhaltsamer Bericht! Und jetzt freu ich mich auf die Nächsten mit 1A-Bildern (mit oder ohne Fotokurs, ihr macht wirklich tolle Bilder) von Südseetraumstränden…

    Frohe Ostern
    Silvia


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