Atemberaubendes White Island

Wir stehen extra früh auf, denn wir wollen uns noch von Stu verabschieden, bevor er ins Büro fährt. Eben war er noch da, das Laptop liegt aufgeklappt auf dem Tisch, die Haustür steht offen, aber wir sehen gerade noch sein Auto wegfahren… Mist, verpasst! Direkt nach dem Frühstück fahren wir los zurück in Richtung Auckland, das Wetter ändert sich alle 10 Minuten. Sonne, Regen, Nebel, Sonne, usw. In Auckland machen wir noch einen kurzen Abstecher auf den Mount Eden. In Richtung Hafen und Rangitoto-Insel ist blauer Himmel und strahlender Sonnenschein, in die andere Richtung ist der Himmel rabenschwarz, man sieht den Regen in Strömen und es blitzt und donnert. Ein Blitz schlägt sogar in den Sky-Tower ein. Es kracht mächtig gewaltig! Bevor das Unwetter noch näher zu uns kommt fahren wir weiter nach Süden, immer die Küstenstraße entlang bis nach Thames. Plötzlich ist eine Straße abgesperrt, die Autos vor uns fahren alle runter auf einen Feldweg. Na gut, steht zwar nix von Umleitung, aber die werden sich schon auskennen. Allerdings geht es schließlich nur noch im Schritttempo weiter und hinter uns bildet sich auch schon eine riesige Schlange. Also muss hier irgendwas außergewöhnliches sein. Nach ein paar hundert Metern stehen wir dann vor dem Eingang zu einem Festival. Aha! Wir fragen einen der Einweiser, was denn hier so geboten ist. Er kuckt uns etwas ungläubig an und meint: „Na, „The Splore“ halt, was sonst?! Ein riesiges Musikfestival über drei Tage. Ob wir keine Karten haben?!“ Äh, nö…?! Nun kuckt er mitleidig und meint, dann haben wir Pech gehabt, es ist nämlich komplett ausverkauft. So ein Mist aber auch! Das wäre genau unser Ding gewesen. Also bleibt uns nix anderes übrig als umzukehren und die Straße in Richtung Thames weiterzufahren, die nämlich gar nicht wirklich gesperrt ist. Da ist nur eine ziemlich dicke Baustelle. In dem alten Städtchen bekommen wir ein Zimmer im „Sunkist Backpackers“, welches in einem tollen alten Haus untergebracht ist und einen schönen Garten mit Hängematten hat. Außerdem können wir hier endlich mal wieder unser schmutziges Zeugs waschen. Da das Wetter hier spitzenmäßig ist, trocknet die Wäsche innerhalb kürzester Zeit. Und wir können mal wieder richtig was kochen, der Supermarkt ist direkt um die Ecke und die Küche ist gut ausgestattet. Internet haben wir auch, um bissle unsere weitere Reise zu planen und noch ein paar Couchsurfing-Anfragen rauszuschicken.

whiteisland (01) Blick auf Auckland vom Mount Eden

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Wir haben beschlossen noch einen weiteren Tag in diesem süßen, kleinen Städtchen zu verbringen. Zumal Samstag morgens in der Hauptstraße ein Markt stattfindet, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollen. Es gibt frisches Brot und Gemüse, außerdem gefüllte Pfannkuchen und leckere Meeresfrüchte-Omelettes. Eine kleine Band spielt Live-Musik und überall gibt es kleine Stände mit Ramsch. Echt gemütlich! Echt sehenswert ist auch die 1872 erbaute Kirche, die ganz aus Holz errichtet wurde und innen mit Teppich ausgelegt ist. Konfetti schmeißen ist hier drin aber leider verboten, das steht ganz groß am schwarzen Brett neben dem Eingang. Nach dem Stadtbummel laufen wir zu der alten Goldmine am Ortsrand. Hier wurde ab 1868 Gold und Silber abgebaut. Wir bekommen von Janet, die zu unserer Überraschung perfekt Deutsch spricht, zunächst einen Plan mit Erklärungen zu den einzelnen Gebäuden, die wir uns selbst ankucken können. Danach führt sie uns in den Stollen, wo mit Hilfe von Puppen die Arbeitssituation von damals nachgestellt wird und erklärt uns die verschiedenen Gesteinsschichten. Draußen lässt sie für uns noch die Maschine laufen, damit wir eine Vorstellung bekommen, wie die Weiterverarbeitung früher ausgesehen hat. Die Maschine zerkleinert die Gesteinsbrocken zunächst mit Hilfe einiger großer Stempel, der so entstandene Sand läuft auf einen schrägen Rütteltisch über den zusätzlich noch Wasser fließt. Nach und nach wird so das schwerere Gold und Silber vom restlichen Gestein getrennt. Allerdings wurden bei diesem Verfahren leider ca. 40 % des wertvollen Metalls mit weggespült und landeten schließlich im Meer. Im Anschluss an die Minentour fahren wir mit dem Auto ca. 20 km nach Norden, die Coromandel-Halbinsel hoch, um uns die hoch gelobten „Rapaura Water Gardens“ anzukucken. Im dazugehörigen  Restaurant bezahlen wir den Eintritt und laufen dann langsam durch den Park. Überall sind verschiedene Wasserspiele und Teiche angelegt, dazwischen stehen immer wieder kleine Tafeln mit Lebensweisheiten. Am witzigsten sind aber die Enten, die Florian, nachdem er sie mit Reiskräckern angefüttert hat, mit lautem Geschnatter nachwatscheln. Ein paar geben auf, aber zwei bleiben hartnäckig an uns dran. Dann gesellen sich noch drei aufdringlich gackernde Hühner dazu, und wir treten die Flucht an. Ein wunderschöner Seerosenteich gilt es zu umrunden, bevor der Weg zu einem Wasserfall führt, der in mehreren Stufen die Felsen herunterstürzt. Ein echt entspannender kleiner Spaziergang…

whiteisland (05) Kirche von Thames

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whiteisland (11) Goldmine in Thames

whiteisland (13) Stollen der Goldmine

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whiteisland (16) Rütteltisch

whiteisland (18) Rapaura Water Gardens

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whiteisland (21) Ganz ruhig, jeder kriegt was!

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whiteisland (26) Lieblings-Freizeibeschäftigung der Neuseeländer

Die Coromandel-Halbinsel zu umrunden ist unser heutiges Ziel. Wir fahren bei schönstem Wetter zunächst bis Coromandel Town, wo wir uns in einem schönen kleinen Straßencafé einen der besten Cappuccinos seit langem gönnen. Eine Sache, die uns hier auffällt ist, dass alle paar Kilometer ein überfahrenes „Possum“ liegt. Hier muss es also von dieser Plage nur so wimmeln. Weiter geht es direkt an den berühmten „Hot Water Beach„. Bei Ebbe kann man sich einen kleinen „Pool“ im Sand graben, denn es gibt hier heiße Quellen unter dem Strand und zusammen mit dem kühlen Meerwasser ist das Badeerlebnis dann perfekt. Wir kommen leider ein bisschen zu spät an, die Flut kommt so langsam schon wieder zurück. Und leider sind wir nicht die einzigen mit diesem Ziel heute und müssen uns den Strand mit ca. 100 anderen teilen. Wir leihen uns bei zwei Mädels, die wohl keine Lust mehr haben weiterzumachen, die Spaten aus und fangen wie wild an zu graben. Das Wasser auf das wir stoßen, ist nicht gerade kalt, aber auch nicht wirklich warm, eigentlich nicht mal lauwarm. Aber macht nix! Reinsitzen tun wir trotzdem, schon allein dafür, dass sich die Mühe mit dem Buddeln wenigstens gelohnt hat. Ins Meer gehen wir lieber nicht bzw. nur bis zum Knie, da hier überall mit Schildern vor der sehr starken Strömung gewarnt wird, es laufen sogar einige Life-Guards herum. Von hier fahren wir nach Hahei, wo es einen Wanderweg zu der „Cathedral Cove“ gibt. Ein Schild verkündet, dass für die Stecke 45 Minuten einzuplanen sind. War wohl mal wieder ein Fußlahmer, der die Zeit gestoppt hat, wir sind jedenfalls nach 25 Minuten schon am zugehörigen Strand unten. So einen überlaufenen Strand haben wir in NZ, abgesehen vom Hot-Water-Beach, bisher noch nie gesehen! Der Tunnel im Berg, quasi die „Kathedrale“ führt zu einem weiteren Strand, der mindestens genauso voll ist. Es ist mal wieder eine Geduldsfrage wenigstens ein paar Fotos ohne Touris hinzukriegen, aber wir schaffen es! Nun müssen wir uns etwas sputen, da die Strecke bis nach Whakatane doch länger ist als gedacht. Bzw. der Weg hat schon die vermuteten 200 km, aber die Straßen sind nicht dafür gedacht, schneller als 60 km/h zu fahren, dank unzähligen Kurven. Daher brauchen wir im Endeffekt eine Stunde länger als geplant bis wir bei unserem zweiten CouchSurfing-Host ankommen. Eigentlich wollten wir pünktlich zum gemeinsamen Abendessen da sein. Wir werden herzlich von Gaylene und Kyrill begrüßt und können dann unser eigenes Zimmer beziehen. Netterweise bekommen wir dann trotzdem noch was zum Abendessen, mit ganz viel Gemüse aus dem eigenen Garten. Zum Glück ist es kein warmes Essen, denn nebenher unterhalten wir uns mit den beiden über unsere Reise. Kyrill erzählt sehr interessante und anschauliche Geschichten über seine Familie und wie sie irgendwann 18sonstwas nach Neuseeland ausgewandert ist. Zwischendurch holt sich die schwarz-weiße Katze namens „Kitty“ bei jedem ein paar Streicheleinheiten ab…

whiteisland (30) Hot Water Beach

whiteisland (32) Liane am Buddeln

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whiteisland (40) Da geht's lang!

whiteisland (41) Kyrill und Gaylene, unsere zweiten CouchSurfing-Hosts aus Whakatane

whiteisland (42) Mini-Kiwi in Beerengröße :-)

Pünktlich um 8:45 Uhr stehen wir im Office von „White Island Cruises“ für unseren heutigen Tagestrip. Mit dem einem großen Ausflugs-Boot, ca. 40 Passagieren und 10 Crew-Mitgliedern geht es raus auf die 47 km vor dem Festland liegende „White Island„, ihres Zeichens der aktivste Vulkan Neuseelands und in Maori-Besitz. Schon von weitem können wir die Rauchsäule über der Insel sehen. Ein paar Kilometer vor der Insel sehen wir noch drei Delfine, die unser Boot ein Stückchen begleiten und dabei ein paar Mal aus dem Wasser springen. Nach 1 1/2 h Fahrt kommen wir dort an, bekommen Helm und Gasmaske und werden mit einem Schlauchboot an Land gebracht. Unsere Guides heißen René und Karla. Zuerst bekommen wir eine Sicherheitsinfo, was wir bei einem eventuellen Ausbruch des Vulkanes zu tun haben. Nämlich die Gasmaske aufziehen und Schutz hinter den Überbleibseln einer alten Schwefelfabrik  suchen. Alles klar! Nach ein paar Metern brauchen wir dann auch das erste Mal die Gasmasken, als der Wind dreht und wir plötzlich im nach faulen Eiern stinkenden Wasserdampf stehen. Würg! Wir haben zwar extra ein paar Bonbons bekommen, die verhindern sollen, dass wir würgen müssen, aber wirklich arg helfen tut es nicht. Zum Glück dreht sich der Wind aber auch bald wieder. Der Weg ist gesäumt von gelblichen Stellen, Schwefel, der in reiner Form eigentlich nach nix riecht, wie wir an einem Stückchen selbst testen können. Außerdem gräuliche Blubbertöpfe, mal eher wässrige und mal eher dickliche Konsistenz. Und überall zischt und faucht es vor sich hin. Der Kratersee kocht. Wir müssen am Kraterrand in sicherer Entfernung bleiben, da die Erde hier auch schnell mal instabil wird und nachgeben könnte. Bei den Ruinen der alten Fabrik bekommen wir dann noch ein paar Infos über den Schwefelabbau, der 1914 bei einem Vulkanausbruch (keine Lava, nur Asche und große Gesteinsbrocken) jäh beendet wurde. Dabei kamen auch alle 11 Arbeiter der Fabrik ums Leben. Einige Jahre später wurde sie dann noch mal aufgebaut, aber in den 30er Jahren dann endgültig aufgegeben. Zurück an Bord bekommen wir eine Lunch-Box und was zu trinken. Dann fahren wir noch ein Stückchen um die Insel herum, um eine kleine Tölpel-Kolonie zu sehen, die an der Westseite der Insel nistet, bevor wir uns auf den Rückweg nach Whakatane machen. Hier wartet am Hafen Kyrill schon auf uns. Er holt uns ab zur privaten Stadtrundfahrt, wobei wir einige interessante Punkte ansteuern. Er weiß echt viele Geschichten zu den Maoris, die hier zwischen 1340 und 1375 n. Chr. aus Polynesien mit Kanus herüberkamen und sich niederließen. Die Bay of Plenty ist damit eines der ersten Siedlungsgebiete der Maoris gewesen. Wir fahren noch auf zwei kleinere Berge hoch, von wo aus man einen Ausblick auf die Bucht hat. Als wir nach 3 h „daheim“ ankommen, hat Gaylene schon eine leckere Quiche zum Abendessen fertig und ist leicht knütterich, dass Kyrill mit uns erst so spät kommt. Aber sie meint augenzwinkernd zu uns, sie kennt ihn ja, wenn er erstmal anfängt zu erzählen gibt es kein Halten mehr… ;-)  Zum Dessert bekommen wir dann sogar noch leckere „Hokey Pokey Icecream“!

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whiteisland (44) White Island

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whiteisland (48) Schwefelgeruch überall

whiteisland (50) der Hauptkrater

whiteisland (51) wirklich atemberaubend!

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whiteisland (57) reinster Schwefel

whiteisland (59) Überreste der Schwefelfabrik

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whiteisland (65) Gottesanbeterin

whiteisland (66) Reiseplanung mit Kyrill

Hier das ganze Album:

Ein Kommentar für “Atemberaubendes White Island”

  1. Yvonne und Raphael 18 Juni 2012 at 18:51 #

    Wow!!
    Sieht ja alles wieder einmal super aus!
    Seid ihr eigentlich pünktlich zu Hause? Was wird denn euer letzter Stop?
    Mannomann: ein ganzes Jahr wart ihr weg und wir haben fast zusammen begonnen! Zum Glück können wir auch wieder los in ein paar Tagen :)

    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Yvonne & Raphael


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