Relaxen auf dem Mekong

Heute wollen wir nochmal die Mönch-Almosen-Prozession ankucken, aber dieses Mal in der Gasse hinter unserem Guesthouse. Wir kommen genau rechtzeitig. Der erste Mönch läuft gerade durch. Hier ist es wirklich sehr viel ruhiger als auf der Hauptstraße. Dafür meinen ein paar Touris sie müssen auch Almosen geben. Was man ja nur machen soll, wenn es einem auch was bedeutet. In dem Fall bedeutet es höchstwahrscheinlich ein Foto, das man dann daheim zeigen kann. Danach machen wir uns mitsamt Gepäck auf den Weg zur Ablegestelle von „Shompoo Cruises“, wo um 07:00 Uhr unsere zweitägige Mekong-Tour mit dem Slowboat startet. Kaum sind wir an Bord geht es auch schon los. Diese Bootstour kann man in beide Richtungen machen, aber flussaufwärts ist sie erstens 50 US$ günstiger und zweitens wird diese Route nur selten gebucht, in unserem Fall gibt es gerade mal 7 andere Fahrgäste! Das heißt wir haben schön viel Platz und es wird ruhig und entspannend. Die Alternative wäre ein öffentliches Slow-Boat mit harten Holzbänken gewesen, auf dem theoretisch 40 Leute Platz haben, praktisch aber auch mal 70 draufgepackt werden. Kapitän Pheng tuckert also los und kurze Zeit später gibt es von Guide Khit ein kurzes Briefing über das Boot und unsere Tour generell. Das Boot heißt „Pheng Sipaserth“, benannt nach dem Kapitän und Besitzer, ist 40 m lang, 5 m breit und der Motor hat 185 PS. Nach ca. einer Stunde Fahrt kommen wir bei der „Ou Pak“-Höhle an. Eine steile Treppe führt in die Kalkstein-Höhle in der ca. 4000 Buddha-Statuen stehen. Wie Khit uns erzählt waren es mal bis zu 7000 Buddha-Statuen, aber dann wurden viele gestohlen. Deshalb wird die Höhle mittlerweile bewacht. Am Eingang sitzen ein paar Frauen, die Kerzen, Blumengestecke und Räucherstäbchen an die Besucher verkaufen. Die Höhle ist ganz nett so als Stopp während der Bootstour. Wenn wir aber extra eine Tour von Luang Prabang hierher gemacht hätten, wären wir wohl eher enttäuscht gewesen. Denn so toll, wie die Höhle angepriesen wird ist sie echt nicht. Wir fahren weiter. Khit öffnet einen Teil vom Dach des Bootes und wir machen es uns auf den Bänken und Liegestühlen bequem und schlafen eine Runde. Es ist nämlich schon wieder ganz schön heiß! Und was das Geschaukel auf einem Boot für eine Müdigkeit auslöst, haben wir ja bei der Südsee-Kreuzfahrt schon erlebt! ;-) Pünktlich zum Mittagessen wachen wir wieder auf. Es gibt eine Suppe mit einer Art Kohl, dann Reis mit Fisch im Palmblatt, Gemüse und gebratene Schweinestückchen. Absolut lecker gekocht von Bordköchin Nang, der Ehefrau des Kapitäns. Und zum Dessert gibt es frische Ananas und Wassermelone. Wir teilen uns den Tisch mit Anja und Lionel, einem deutsch-französischen Pärchen, die in Cannes leben. Nach dem Essen kucken wir die Landschaft an. Aab und zu gibt es kleine Dörfer am Uferrand oder spielende Kinder im Wasser. Kleine Herden Wasserbüffel liegen faul am bzw. im Wasser herum. Zwischendurch sehen wir am Rand ein Fischerboot dümpeln. Die Fischer werfen ihre Netze, die an den Rändern mit Gewichten bestückt sind, direkt aus dem Boot oder vom Fels daneben aus. Überall sind echt schöne goldene Strände, die aber zur Regenzeit alle verschwinden werden, weil dann der Wasserstand des Mekong um ca. 15 m steigt. An einem Strand sehen wir einige Frauen im Wasser stehen und flache Schalen schwenken. Khit erklärt uns, dass es am Ufer des Mekong wohl ganz kleine Goldstaub-Vorkommen gibt und die Einheimischen versuchen das Gold auszuwaschen. So geht es den ganzen Nachmittag, bis wir gegen 17:30 Uhr in Pakbeng ankommen. Wir laufen ein paar hundert Meter zu unserem Guesthouse namens „Santisouk“ und nehmen direkt eine kalte Dusche. Nach dem wunderschönen Sonnenuntergang laufen wir mit Anja und Lionel zurück zur Hauptstraße  auf die Suche nach unserem Abendessen. Wir entscheiden uns schließlich für ein Restaurant mit offener Terrasse und Blick auf den Mekong, da der Besitzer uns in Englisch, Französisch und ein paar Brocken Deutsch zu überzeugen versucht, dass seine Frau die beste Köchin von Laos ist. Und da wir die ersten Gäste sind, kriegen wir noch als kostenlose Vorspeise einen Teller gebackenes „Sea-Weed mit Sesam“. Nun sind wir endgültig überzeugt und ordern sofort etwas Kühles zu trinken, noch bevor wir überhaupt in die Karte kucken. Nachdem wir bestellt haben, füllt sich der Laden zusehends. Echt unglaublich! Da wo wir sind, wollen irgendwie immer plötzlich alle sein. ;-) Es wird noch ein lustiger Abend mit den beiden. Zwischendurch kommt noch Erwin vorbei, ein älterer Schweizer, der auch bei uns auf dem Boot ist. Er hat im Management einer Bank in der Schweiz gearbeitet, ist sehr früh in Ruhestand gegangen, und reist seither an die unglaublichsten Flecken der Erde. Jedenfalls erzählt er den Rest des Abends interessante und unterhaltsame Geschichten…

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mekong (03) Kapitän und Guides

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mekong (07) Ou Pak

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Wieder einmal müssen wir früh aufstehen, Abfahrt ist um 06:30 Uhr. Das Frühstück lassen wir uns daher einpacken, allerdings dauert das ungefähr genauso lang, als wenn wir es hier gegessen hätten. Mit etwas Verspätung schippern wir los. Die Landschaft wiederholt sich immer wieder, allerdings ist der Mekong auf diesem Abschnitt um einiges schmäler.  Immer mal wieder rauscht ein Speedboat in voller Fahrt an uns vorbei. Khit erzählt, dass es recht häufig Unfälle gibt, weil die Fahrer die Kontrolle verlieren und die Boote zudem viel zu voll geladen werden. Tatsächlich haben einige der Passagiere Motorradhelme auf! Was uns heute Morgen noch auffällt: Es gibt hier viel mehr Goldwäscher. Zum Teil sitzen da 30 Leute in einer Linie am Strand und buddeln und waschen wie die Weltmeister. Scheint sich ja echt zu lohnen! Nach ca. drei Stunden Fahrt halten wir an einem Khmu-Dorf namens „Ban Houey Phalam“ an und steigen bei brütender Hitze eine steile Treppe hoch. Die Dorfbewohner sind wohl Besuch gewohnt, denn gleich kommen einige Kinder angerannt und posieren mit ihren Müttern vor ihren Häusern. Wir machen einige Fotos, aber eher aus dem Hintergrund, denn so direkt die Kamera vor das Gesicht halten ist irgendwie nicht unser Stil. Überall rennen kleine Hunde rum, Schweine und Hühner. Khit fragt, ob wir mal in eines der Häuser rein kucken wollen und läuft auf eines zu in dem gerade eine Frau im Schatten in der Türe sitzt, im Arm ein neugeborenes, in ein Tuch eingewickeltes Baby. Auf seine Nachfrage sagt sie, das Baby ist fünf Tage alt und schon ihr achtes! Die Khmu-Leute glauben laut Khit an die Kraft der Natur und opfern manchmal auch Tiere. Für die üblichen Krankheiten haben sie Schamanen, die sich bestens mit Kräutern und Naturmedizin auskennen und damit fast alles heilen können. Nur im Notfall fährt man zum Arzt in Pakbeng oder Huay Xay, beides einige Stunden mit dem Boot entfernt. Was uns immer wieder verwundert ist: Egal wie ärmlich das Haus ist und wie verlumpt die Leute rumlaufen, einen großen Fernseher mit Sat-Schüssel hat quasi jeder. Als wir am Boot ankommen, nutzt Liane die Minute bis zur Abfahrt um kurz in den erfrischend kühlen Mekong zu springen. Eine ganz schön starke Strömung hat es hier! Der kurze Spaziergang hat uns so viel Energie gekostet, dass wir an Bord bis zum Mittagessen sofort einschlafen. Dieses Mal gibt’s Suppe, Reis, leckere Zitronengras-Spieße und Hühnchen-Ingwer-Gemisch. Nach dem Essen kucken wir wieder Landschaft. Khit macht uns auf die Plantagen am Strand aufmerksam und lässt uns raten, was da wohl angebaut wird… Wir haben alle möglichen Ideen, aber auf Erdnüsse wären wir nicht gekommen! In „Pak Tha““ halten wir kurz an, aber nur, damit der Kapitän irgendwelche Papiere unterzeichnen lassen kann. Dann geht es mit voller Fahrt weiter nach Huay Xay, wo wir um kurz nach halb fünf ankommen. Unsere Mitreisenden wollen alle noch weiter über die Grenze nach Thailand. Da die Immigrations-Stellen aber nur bis um 18:00 Uhr offen haben, müssen sie sich ein bisschen beeilen. Wir werden mit dem Tuk-Tuk direkt beim Büro von „Gibbon Experience“ rausgeschmissen, wo wir für unseren morgen startenden Trip in den Dschungel einchecken müssen. Dort kucken wir einen kurzen Infofilm an und unterschreiben einen A4-Wisch und verzichten damit auf jeden Schadensersatz bei Verletzungen durch Abstürze, Schlangenbisse, Egelattacken uvm. Nachdem es uns gelungen ist mit der Visa-Karte am einzigen Automaten weit und breit fünf mal nacheinander den Höchstbetrag abzuheben (schon nach dem ersten Mal kam die Meldung: Limit erreicht), sind wir kurzfristig 5-fache Millionäre… ;o) So viel Geld haben wir noch nie auf einmal in der Hand gehabt! Aber dann bezahlen wir die Tour und sind wieder um ca. 4,5 Mio. KIP ärmer. Danach kaufen noch diverse Dinge ein, die wir sicher brauchen werden. Dann machen wir uns auf die Suche nach einem Guesthouse. Nach der Internet-Abstinenz auf dem Mekong gehen wir  im „Highspeed-Internet-Café“ gegenüber des Hotels eMails checken. Nach 30 Minuten Seitenaufbau im Schneckentempo und etlichen Abstürzen geben wir auf. Also essen wir noch eine Kleinigkeit und gehen früh schlafen…

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mekong (29) Anhalter am Ufer des Mekong

mekong (30) Speedboat in voller Fahrt

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mekong (63) Endlich Millionär!

Hier das ganze Album:

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