Trekking im Goldenen Dreieck

Heute ist zur Abwechslung mal wieder Ausschlafen angesagt. Zum späten Frühstück gehen wir zum „Manychan Guesthouse“, wo es laut Aushang „Real Coffee“ gibt. Nach drei Tagen Lao-Kaffee brauchen wir mal wieder einen vernünftigen Cappuccino! Aus dem späten Frühstück wird allerdings ein frühes Mittagessen, denn als wir die Speisekarte sehen, kriegen wir erst recht Hunger! Daher gibt es „Pad Thai“, also Nudeln mit Gemüse und Hühnchen, für Liane und ein Chicken-Sandwich für Florian. Dann kümmern wir uns um unseren nächsten Abenteuer-Trip. Wir wollen ein Zwei-Tages-Trekking im „Nam Ha Nationalpark“ mit Übernachtung in einem „Akha-Dorf“ machen. Die Akha stammen ursprünglich aus dem tibetischen Hochland und leben heute als ethnische Minderheit abgeschieden von der Außenwelt auf Bergrücken inmitten dichter Wälder in Myanmar, Vietnam und Laos. Die Auswahl fällt gar nicht so leicht bei zehn Agenturen mit fast gleichen Angeboten. Schließlich entscheiden wir uns für die Agentur mit dem lustigsten, am besten englisch sprechenden Manager. Wir vergewissern uns nochmal, daß wir in dem Dorf dann ein Homestay haben und nicht im separaten Touri-Haus übernachten werden. Um 20:00 Uhr sollen wir nochmal vorbeikommen, evtl. melden sich noch mehr Leute, dann wird’s günstiger. Den Rest des Tages verbringen wir dann mit Tagebuch schreiben, eMails beantworten und Fotos sortieren. Abends essen wir beim „Zuela Guesthouse“, angeblich eines der besten Restaurants der Stadt. Für Liane gibt’s eine „Tom Yam“-Suppe, für Florian einen Burger. Bei der Agentur hat sich sonst niemand angemeldet, also sind wir morgen allein mit Guide. Wir bekommen noch eine kurze Info, was wir mitbringen müssen und was wir im Dorf zu beachten haben. Dann gehen wir bald ins Bett. Nachts um 01:00 Uhr ist die Nachtruhe aber erstmal beendet, dieses Mal allerdings nicht wegen einem Mega-Gewitter, sondern weil Florian plötzlich mit Riesengetöse auf den Tisch hochspringt und gegen die Decke klopft. Als Liane ihn erschreckt fragt, was denn eigentlich los ist, meint er, er hat geträumt, dass er beim Untergang der Titanic dabei war und wollte aus dem Schiff raus. Sagt‘s, dreht sich um und schläft weiter, während Liane nun hellwach ist. Super. Das kommt davon, wenn man Horrorberichte zum 100. Untergangs-Jubiläum im Internet liest!

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Wir essen nochmal beim „Manychan Guesthouse“ zum Frühstück. Um kurz vor 8:30 Uhr stellen wir unser Gepäck in den Aufbewahrungsschrank an der Rezeption im Guesthouse und machen uns mit dem Tagesrucksack auf den Weg zur Agentur. Unser Guide Sengphet wartet schon. Mit dem Tuk-Tuk fahren wir zum Morning Market um Gemüse und sonstiges Essen für die nächsten zwei Tage zu kaufen. Danach geht es noch ein Stück die geteerte Straße entlang, in Richtung „Nam Ha Nationalpark“. Irgendwann halten wir und starten die Wanderung durch einen fast nicht erkennbaren Pfad rein in den Dschungel. Zum Glück laufen wir die meiste Zeit im schattigen Wald, denn es ist schon wieder super-heiß. Nach 10 Minuten meint Sengphet, wir sollen kurz auf ihn warten, er ist gleich wieder da. Äh, ok?! Er läuft ein Stück weiter, wir hören ihn mit der Machete hantieren. Dann kommt er grinsend wieder zum Vorschein, mit neuen „Kleidern“ für uns aus riesigen Bananen-Blättern. Wir bekommen auch noch ein Hemd und einen Kopfschmuck. Sieht ganz lustig aus, aber irgendwie kommen wir uns auch leicht blöd vor. Dann geht‘s weiter. Immer wieder zeigt Sengphet uns Pflanzen und erklärt uns für welche Krankheiten diese als Medizin verwendet werden können. Da es die Nacht zuvor geregnet hat, ist es ziemlich matschig an einigen Stellen. Zum Glück sind nicht viele Moskitos unterwegs. Aber nach einer Weile merkt Liane doch einen Stich am Bein, oberhalb der Wandersocke. Sie zieht das Hosenbein ein Stück hoch und entdeckt – einen Blutegel, der gerade genüsslich zubeißen will! Sengphet ist sogleich zur Stelle und zupft ihn weg, aber eine kleine Wunde ist schon da und sie brennt ziemlich. Nun verstehen wir auch, warum die Empfehlung auf „lange Kleidung“ gelautet hat! Florian zippt auch gleich mal die langen Beine an die Wanderhose und zusätzlich stecken wir die Hosenbeine dann noch in die Socken rein. Sieht zwar doof aus, aber funktioniert. Alle paar Meter kucken wir nach, ob uns neue Blutegel angreifen wollen. Nach dem zehnten innerhalb von fünf Minuten hören wir auf zu zählen. Und die Scheißviecher sind echt schnell! Aber das ist kein Wunder, ein Blutegel hat 5 Augenpaare und einen sehr ausgeprägten Geruchssinn. Es ist direkt unheimlich, wie sie uns „wittern”. Wenn wir unsere Richtung ändern, drehen sich alle Egel, die wir erspähen können immer mit und bewegen sich dann wieder auf uns zu. Manchmal fangen wir sie erst am Oberschenkel ab, obwohl wir ständig nachkucken. Aus einer Art Bambus mit ca. 1 cm Durchmesser bastelt Sengphet dann noch eine Flöte nach Akha-Art. Er spielt darauf und führt uns einen Tanz vor. Wozu der Tanz gut sein soll, verstehen wir nicht ganz, aber vermutlich soll er die Pflanzen schneller wachsen lassen. Oder es könnte auch ein Regentanz sein.  Nach ca. 3 h Wanderung machen wir Mittagspause an einem Fluss. Es gibt Klebereis, gebratenes Hühnchen und superleckere Mangos. Serviert auf zu Tellern umfunktionierten Bananen-Blättern. Auf das Hinsitzen verzichten wir allerdings, da wir schon wieder einen Egel im Anmarsch entdeckt haben. Da wir durch das Essen abgelenkt sind, schafft es dann einer tatsächlich bis auf Florians Bauch. Man merkt so einen Egel aber leider immer erst, wenn er zubeißt. An einem umgestürzten Baum in der Nähe entdeckt Sengphet einige Pilze, die er sammelt und in ein Blatt bindet. Für das Abendessen meint er. Akha-Food. Na, hoffentlich weiß er was er tut! Zumindest scheint er zu wissen, dass die anderen drei Pilzarten, die nebendran wachsen, nicht essbar sind. Als wir weiterlaufen gibt Sengphet jedem von uns eine Pflanze mit rötlichem Stengel und meint, wenn wir diese etwas abbrechen, so dass der Saft rauskommt und den dann auf die Blutegel drücken, dann lassen sie los. Eine Zeitlang scheint es fast, als ob die Egel gemerkt haben, dass wir nun eine „Waffe“ haben, denn sie lassen uns weitgehend in Ruhe. Sengphet ahmt die Vögel nach, einen hört man ganz besonders häufig. Es klingt wie: „Khon Khut That Po“ („Leute die Sand essen“ auf Laotisch). Unser Guide erzählt uns eine Geschichte dazu, bzw. wir dürfen sie aus seinem kleinen Büchlein lesen. Hier hat sie ein anderer Touri auf Englisch aufgeschrieben. Bei einem Wasserfall mitten im Dschungel halten wir unsere schweißnassen Gesichter ins kühle Nass. Hilft ungefähr zehn Sekunden, dann fängt man wieder an zu schwitzen. Wir laufen weiter und anscheinend war es zuvor doch ein Regentanz, denn es fängt an, wie aus Kübeln zu schütten. Innerhalb kürzester Zeit sind wir nun komplett nass. Immerhin kühlt es kurzzeitig ein kleines bisschen ab. Aber dann geht es auch noch steil bergauf. Uff! Im Zick-Zack folgen wir Sengphet bis wir plötzlich in der prallen Sonne stehen. Die Baumgrenze beginnt hier schon so weit unten, weil die Leute viel Wald im Umkreis des Dorfes gerodet haben um Platz für Ackerflächen zu haben. Das setzt der Natur leider sehr schwer zu, aber da die Akha hauptsächlich von der Landwirtschaft leben, wird auch die Regierung mit diversen Entwicklungsprojekten wenig dagegen ausrichten können. Angebaut wird vor allem Hochlandreis, Baumwolle, Gemüse und teilweise auch noch Schlafmohn zur Opiumgewinnung. Daneben züchten die Akha noch Schweine und Wasserbüffel. Da wir echt früh dran sind, es ist gerade mal 14:00 Uhr, machen wir eine kleine wohlverdiente Pause. Sengphet versorgt uns mit leckeren frischen Litschis. So gut! Er erzählt, dass er einmal eine amerikanische Gruppe hatte, die waren so langsam, dass sie diesen Platz hier erst erreicht haben, als es schon dunkel war. Also nach 19:00 Uhr! Und bis zum Dorf haben sie dann nochmal über 2 Stunden gebraucht. Wir schaffen die restliche, meist flache Strecke in weiteren 30 Minuten. Dann sehen wir endlich das auf 1200 m liegende Akha-Dorf „ Ban Phouvanh“ vor uns. Hier leben etwa 400 Menschen. Als wir im Dorf ankommen, sind nur Frauen, Kinder und ältere Männer zu sehen. Die Ehemänner und die Jugendlichen arbeiten auf den umliegenden Feldern und kehren erst zur Dämmerung zurück, erklärt Sengphet. An einem Brunnen wäscht sich gerade eine Frau, nebendran rutschen ein paar Kinder auf flachgedrückten Plastik-Kanistern eine staubig-dreckige Rodelbahn runter.  Wir machen ein paar Fotos und zeigen sie den Kindern. Sie quietschen vor Vergnügen, als sie sich darauf sehen! Als Florian sich einen Kanister schnappt und auch einmal rodelt, kriegen sie sich fast nicht mehr ein vor Lachen. Wir laufen weiter durch das Dorf, die Häuser sind ganz unterschiedlich. Die traditionellen Akha Häuser sind aus Baumstämmen, Bambus und Stroh gebaut. Die meisten sind auf Stelzen, manche stehen aber auch direkt auf dem Boden. Zum Teil gibt es aber auch Holzhäuser mit richtigen Ziegeln. Einige der Häuser haben ein kleines Solar-Panel. Also ganz so abgeschieden von der übrigen Welt scheint zumindest dieses Dorf nicht mehr zu sein. Überall laufen Hühner mit kleinen Küken herum, viele Schweine in allen Größen und ein paar Ziegen. Außerdem einige Hunde. An einem flachen Stück des Weges sind gerade ca. 10 Kinder am „Kegeln“. Die Kegel sind ziemlich zerknautschte Plastikbecher und als Bowling-Kugel wird kurzerhand der Flip-Flop vom Fuß gezogen und geworfen. Im Dorf fallen uns einige sehr kleine auf hohen Stelzen gebaute Hüttchen mit Hühnerleitern davor auf. Sengphet erklärt uns, daß es hier Tradition ist, dass sich die Dorfjugend in der Trockenzeit (ca. 3 Monate im Jahr) nach Sonnenuntergang am Versammlungsplatz trifft und sich dann paarweise zu intimen Rendezvous in diese „Liebeshütten“ begibt. Dabei wechseln die Partner, bis der/die Richtige gefunden ist. Wenn die Partnerin schwanger geworden ist, wird geheiratet, nicht eher. Ansonsten wird eine neue Gefährtin gesucht. Das ist angeblich ganz offiziell gefördert von den Familien. Die Hütten werden sogar jeweils von den Vätern für Ihre Söhne errichtet. Sengphet führt uns einmal quer durchs Dorf, bis zu einer Bambus-Hütte. Unser Nachtlager ist wohl so eine Art Dorfgemeinschaftshaus. Hmm. Ein Homestay haben wir uns aber bissle anders vorgestellt! Im hinteren Bereich ist eine Art Küche, eher Feuerstelle mit Ablage. Im vorderen Bereich eine erhöhte Fläche aus Bambus, die als Matratzenlager dient. Darunter können hier Hühner, Schweine und sonstiges Getier durchlaufen. Als allererstes brauchen wir einen Nachmittagsschlaf. Die dünnen Matratzen laden zwar nicht gerade zum darauf liegen ein, aber wir sind so k. o. da ist alles egal. Nach einer Stunde wachen wir wieder auf. Sengphet fängt zusammen mit einem Einheimischen namens Gou an das Abendessen zu kochen. Also setzen wir uns raus vor die Hütte. Die Nachbarsfrau kommt gerade aus dem Haus und trägt die traditionelle Kopfbedeckung der Akha mit Silberschmuck aus Knöpfen, Kugeln und Münzen. Die Grundbestandteile der Frauentracht besteht eigentlich noch aus einer Jacke, Brusttuch, Rock, Schärpe und Gamaschen. Aber die komplette Tracht ware zum Schweinefüttern wohl auch etwas zu schade! Wir laufen hin und machen ein paar Fotos von der Schweinerei. Sofort kommen drei Kinder angerannt. Sie deuten uns, wir sollen Fotos von ihnen machen. Die Fotos werden sofort unter lautem Lachen begutachtet. Durch das Gekreische werden immer mehr Kinder angezogen. Mittlerweile sind es zehn oder mehr die uns belagern. Schließlich sollten wir mitzukommen. Also gut. Wir folgen ihnen zu einer großen Hütte etwas weiter oben und stellen fest, dass das die Schule ist! Sie drücken uns ein Stück Kreide in die Hand und einer traut sich zu fragen „What’s your name?“. Wir schreiben also unsere Namen auf die Tafel. Da der Junge außer dieser Frage wohl kein Englisch kann, fangen wir dann an Bilder zu malen und das englische Wort darunter zuschreiben. Sie finden’s lustig und zeigen uns dann ein Schulbuch, in dem einfache Matheaufgaben sind. Wir schreiben also ein paar an die Tafel, wie z.B. 3+8= und 2+5=, der Einzige der sie lösen kann, ist auch der, der uns nach dem Namen gefragt hat. Anscheinend ein ganz schlaues Käpsele! ;-) Die Akha selbst kennen keine Schrift, es gibt nur die mündliche Überlieferung von Generation zu Generation. In den Schulen lernen die Kinder die laotische Schrift. Viele junge Akha wandern in die Städte ab. So ist der Erhalt der Traditionen der Akha und auch der anderen Bergvölker sehr gefährdet. Mittlerweile ist es schon fast dunkel und das Abendessen ist auch fertig, nach fast zwei Stunden Kochzeit! In der Hütte sieht man nun gar nix mehr. Vielleicht besser so. ;-) Es gibt Reis, eine echt leckere Tomaten-Knoblauch-Zwiebel-Soße zum Dippen, die Pilze aus dem Wald mit Kartoffeln und BBQ-Spieße mit zähem Schweinefleisch. Das hat er echt mal gut hinbekommen! Daß die Akha mittlerweile aber auch mit der westlichen Zivilisation konfrontiert werden, merken wir beim Blick auf das Nachbar-Haus: Es brennt Licht und, wir trauen unseren Augen kaum, der Fernseher läuft! Der Akha-Kumpel von Sengphet baut in der Zwischenzeit das Nachtlager auf. Wie befürchtet, kommt auf die echt alten, ekligen Matratzen kein Tuch oder irgendwas mehr drauf und auch die Bettdecken sind kaum besser. Kissen Fehlanzeige, bzw. eine der Matratzen wird zusammengerollt und dient als Kissenersatz. Im Schein unserer Taschenlampe optimieren wir das Bett noch so gut es geht und legen eines unserer Handtücher quer über das Kopfende, damit wir wenigstens nicht unser Gesicht auf die Matratzen legen müssen. Angeblich ist es Tradition, dass alle Gäste, die im Dorf übernachten eine Akha-Massage erhalten und so kommen kurze Zeit später drei Mädels vorbei. Immerhin kriegt der Guide auch eine, sonst hätten wir echt gedacht, dass ist nur für Touris. Wirklich entspannend wird das Ganze aber nicht, da die drei in einem fort miteinander quatschen und kichern. Dann kommen noch zwei Jungs in die Hütte, setzen sich daneben, quatschen auch noch mit und sorgen außerdem mit dem Handy noch für den neuesten Lao-Musik-Sound, sprich viel Gedudel und Schmachtgesänge. Jedenfalls trällern die Mädels nun auch noch mit. Irgendwie sind wir froh, als die gefühlte Ewigkeit vorbei ist und wir die Augen zumachen können…

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akha (09) Tarnkleidung aus Blättern

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akha (14) Egel-ig!

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akha (35) Pimperhütte

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akha (39) unser Nachtlager

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Nachdem wir besser geschlafen haben als erwartet, werden wir mit den Hühnern wach. Oder eher mit den Hähnen. Die sind hier echte Frühaufsteher. Die Uhr zeigt gerade erst 4:30 Uhr! Also nochmal umdrehen. Um 6:00 Uhr stehen wir dann aber auf. Schließlich wollen wir bissle kucken, was im Dorf so passiert, bevor die Leute auf’s Feld gehen. Sengphet macht gerade ein Feuer und meint, wir können ruhig herumlaufen, er braucht so 30 Minuten für das Frühstück. Hm. Das ganze Dorf ist schon auf den Beinen, ein paar Kinder spielen. Zwei kleine Jungs haben einen Reifen und treiben ihn mit einem Stock durch die „Hauptstraße“. Florian versucht es auch mal, sieht bei ihm aber deutlich weniger elegant aus als bei den Kindern. Schließlich will Florian unbedingt noch einer Sau auf den Hintern hauen, er meint, dass das auf jeden Fall Glück bringt. Die meisten merken aber gleich, dass der seltsame Touri Schlimmes im Schilde führt und flüchten, sobald er nur in die Nähe kommt. Bei einer klappt es dann aber zu seinem Vergnügen dann doch noch. Als wir nach einer Stunde wieder in der Hütte zurück sind, ist vom Frühstück noch nix zu sehen. Es dauert nochmal eine weitere halbe Stunde, bis es fertig ist. Überraschung, es gibt… Reis und Tomaten-Knoblauch-Zwiebel-Soße! Und außerdem dazu ein paar Kartoffeln. In der Zwischenzeit kommen sämtliche Kinder auf dem Weg in die Schule bei uns vorbei und kucken uns mit großen Augen an. Ganz klar, die wollen Bonbons. Unser Guide hat eine Tüte voll dabei, dabei hat es zu uns extra geheißen: Keine Süßigkeiten mitbringen! Die Nachbarin bringt noch eine Holzkiste und ein Buch vorbei. Wir sollen was spenden für die Schule. Ist klar. Im Buch will sie gleich eingetragen, wieviel wir gespendet haben. So gezwungen mögen wir das ja überhaupt nicht! Aber wir geben einen kleinen Betrag. Hoffentlich wird das Geld auch tatsächlich für die Schule benutzt! Nach dem Frühstück machen wir nochmal einen kurzen Abstecher in die Schule. Anschließend laufen wir los, in Begleitung von Gou, der wohl auch ein einheimischer Guide ist. Am Rand des Dorfes ist ein Gestell aus Holz an dem hölzerne Waffen hängen. Diese Tore werden jedes Jahr neu gebaut und sollen die bösen Geister aus dem Dorf fernhalten. Die Akha sind sehr geprägt durch ihren Glauben, sie sind Anhänger einer animistischen Religion, verehren also Ahnen und Geister. Zunächst geht es ungefähr zwei Kilometer an der staubigen Buckelpiste entlang. Dann ein schmaler, steiler Pfad hoch in den Wald. Zum Glück ist es trocken, das bedeutet hoffentlich weniger Blutegel! Gou hat eine große Machete dabei und entfernt ab und zu Pflanzen, die in den Weg ragen. Es geht meistens leicht bergab, so dass wir ziemlich schnell vorankommen. Bei einer kleinen Pause essen wir die restlichen Litschis. Die beiden Guides bekommen natürlich auch was ab, und so wie es scheint, hat Gou noch nie Litschis gegessen. Er schaut erst etwas skeptisch zu, wie wir eine essen. Dann probiert er auch. Anscheinend schmeckt es ihm, denn er nimmt gleich nochmal ein paar. Einen der Kerne pflanzt er am Wegesrand, die restlichen hebt er auf um sie im Dorf zu pflanzen. Außerdem erzählt er uns stolz, dass er zehn Kinder hat. So viele Kinder wie wir im Dorf gesehen haben, ist das aber wohl nix außergewöhnliches. Kurz darauf trennen sich unsere Wege. Gou läuft am Wald entlang weiter und wir an der Straße entlang bis wir nach ca. 3 km an ein Hmong-Dorf kommen. Ohne Schatten ist es wieder brütend heiß. Hier ist ein kleiner Shop mit einer echt netten Besitzerin, die ziemlich gut Englisch spricht und uns außerdem eiskalte Cola verkauft. Hier benutzt Sengphet ihre „Küche“ und macht Rührei mit Kräutern und dazu gibt es den Rest der Tomaten-Knoblauch-Zwiebel-Soße und Reis. Von Reis haben wir jetzt dann erst einmal genug! Die Besitzerin meint zu uns, hier im Dorf gibt es auch Homestays, zum Beispiel bei ihren Nachbarn. Ja, so hätten wir uns das eigentlich auch im Akha-Dorf vorgestellt, das war viel zu wenig „Familien-Anschluss“. Da müssen wir echt nochmal bei der Agentur nachhaken, was das sollte. Wir laufen noch eine Runde durch das Dorf, vorbei an der Schule, wo gerade Pause ist und die Kinder draußen spielen. Die Mädels hüpfen Seil, die Jungs spielen mit Murmeln. Die Regeln des Murmelspiels erschließen sich uns nicht wirklich, aber die Jungs sind richtig gut und schnipsen die Murmeln über mehr als einen Meter direkt aufeinander. Dann organisiert Sengphet ein Tuk-Tuk, das uns zurück nach Luang Namtha bringt. Auf dem Rückweg erzählt er uns noch eine Geschichte. Und zwar war ein Mann im Wald zum Pilze und Beeren sammeln, als er plötzlich den ganz tiefen Ruf eines Tieres hörte: „Puuut-puuut-puuut“. Er erschrak fürchterlich und lief zurück ins Dorf. Hier erzählte er, dass im Wald ein riesengroßes Tier sein musste. Denn da ein großer Büffel eine relativ hohe Stimme hat und einen Laut wie „Gnäääh“ macht, muß das Tier im Wald mit der tiefen Stimme also viel größer sein wie ein Büffel. Alle Jäger des Dorfes machten sich mit ihren Gewehren auf in den Wald um das Tier zu erledigen. Die kamen dem Geräusch immer näher und schließlich sahen sie einen klitzekleinen Vogel auf einem Ast sitzen und er machte „Puuut-puuut-puuut“ und flog davon. Während er die Geschichte erzählt lacht er sich halb kaputt darüber. Und den Rest der Fahrt macht er ständig „Puuut-Puuut-Puuut“ und „Gnäääh“. Na, Hauptsache er hat Spaß! Im Büro müssen wir ihm die Geschichte auf Englisch in sein Büchlein schreiben, damit er sie dann auch anderen Touris zeigen kann. Dann gehen wir zum Guesthouse, wo wir unser großes Gepäck verstaut haben. Dieses Mal gönnen wir uns ein Zimmer mit Klimaanlage und machen erst mal Mittagschlaf. Später bringen wir noch unsere Wäsche zur Wäscherei. So dreckig waren unsere Klamotten schon lange nicht mehr! Wir essen ein bisschen was beim Inder und gehen dann noch zur Massage. Es gibt nur zwei Anbieter, wir entscheiden uns für den etwas professioneller aussehenden. Bringt aber nicht viel, die Massageplätze sind nur durch eine Trennwand von einem Friseursalon abgetrennt und wir werden wieder von Lao-Musik und Gequatsche beschallt. Erholung ist was anderes! Aber zumindest können wir heute Nacht gut schlafen! Angenehm kühl mit sauberer Bettwäsche, ohne Schweine und Hühner…

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akha (58) bringt Glück! ...meint Florian

akha (59) die Dorfschule

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akha (64) Geistertor

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Wir schlafen aus, gehen dann im Restaurant des „Manychan Guesthouse“ frühstücken. Hier gibt es echt leckeres Müsli mit vielen frischen Früchten und Joghurt. Dann holen wir die Wäsche ab, packen und machen uns im Tuk-Tuk auf den Weg zum Flughafen. Der ist echt winzig, in einer Minute haben wir unser Gepäck eingecheckt, der Boarding-Pass ist handgeschrieben und ein Polizist trägt jeden einzelnen Passagier von Hand in ein Buch ein. Der Flug nach Vientiane ist um 13:30 Uhr angesetzt. Vom Flieger ist noch nirgends was zu sehen. Mit 45 Minuten Verspätung starten wir schließlich in einer 50 Passagiere fassenden Propeller-Maschine vom Typ Xi’an MA60. Der Flug geht eine knappe Stunde und ist ziemlich laut und wackelig. Mit dem Bus wären wir ungefähr 20 Stunden unterwegs gewesen! In Vientiane fahren wir mit dem Taxi in die Stadt, wir gehen nun ins „Mixay Paradise Guesthouse“ eine Straße weiter als letztes Mal. Mit Frühstück für 8,50 EUR im Doppelzimmer. Wunderbar. Es ist sehr schwül heute und erst nach einer kalten Dusche sind wir einigermaßen fit und beschließen nochmal zur Massage ins „White Lotus“ zu gehen. Das war ja auch unsere erste Massage in Laos, und bisher wohl auch die Beste. Wir kommen gleich dran. Florian nimmt die traditionelle Lao-Massage, Liane eine Spezial-Massage für den Rücken. Das ist hier echt mal was anderes, mit angenehm kühlen Räumen und leiser Entspannungsmusik. Und vor allem ohne Gequatsche! Danach laufen wir total entspannt noch zwei Straßen weiter zum Nachtmarkt. Wir probieren eine Art dünnes Omlette mit Bambus-Sprossen und Hackfleisch, marinierte Chicken-Wings und eine Art kleine Dampfnudel gefüllt mit Schweinefleisch und Ei. Während wir essen kommt starker Wind auf und schon kommt schon der erste Blitz, oder eher ein Wetterleuchten. Plötzlich fangen alle Stände in Windeseile an abzubauen. Eigentlich wollten wir zum Dessert noch Kokos-Taler essen, aber die Dame hat wohl auch die Flucht ergriffen. Wir machen uns daher schleunigst auf den Rückweg zum Guesthouse. Gerade laufen wir an der hell erleuchteten „National Cultural Hall“ vorbei, als es auf einen Schlag stockdunkel ist. Stromausfall! Die Seitenstraßen sind absolut dunkel, dann geht das Licht wieder an. Für zwei Sekunden, dann ist wieder alles aus. An der Straßenecke vor unserem Guesthouse ist ein Techniker gerade dabei von einer Hebebühne aus im Stromkabel-Gewirr irgendwas zu tun. Diese Wahnsinnigen! Auf den letzten Metern kriegen wir noch ein paar Tropfen ab, aber das ist dann auch alles, was runterkommt. Und wir hatten schon gehofft, dass es etwas abkühlt durch den Regen, denn im Zimmer ist es superheiß…

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Hier das ganze Album:

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