Wracktauchen in Tulamben

Heute verbinden wir den Transport nach Tulamben im Norden mit einer Tour über die Insel. Um 8:30 Uhr holt uns der Taxi-Fahrer ab, er ist wohl der Cousin unseres Homestay-Besitzers oder so ähnlich. Unser erster Halt ist die berühmte „Goa Gajah“ oder auch „Elephant Cave“. Im Eintritt ist ein „Sarong“ inklusive, also eine Art Rock, denn ohne diesen darf man keinen Tempel oder heilige Stätte betreten. Die Höhle betritt man quasi durch den Mund eines Dämons. Innen gibt es rechts, links und geradeaus jeweils einen kleinen Altar auf dem Phallus-Symbole sowie verschiedene Gottheiten stehen. Es ist unglaublich stickig und nicht wirklich sehenswert, daher kucken wir uns noch die Parkanlage an. Es gibt zwei Wasserbecken mit Fischen drin und sechs steinernen Frauen-Figuren, die jeweils ein Gefäß in der Hand halten, aus dem eine Wasserfontaine kommt. Diesen Stopp hätten wir uns also schon mal sparen können, aber mal kucken was die zwei bedeutendsten Tempel Balis können, die als nächstes auf dem Programm stehen. Auf dem Weg halten wir noch kurz an um bei der Reisernte zuzukucken, allerdings wird der Reis hier nicht von Hand gedroschen, sondern mit einer lustigen Maschine.  Der zweitwichtigste Tempel heißt „Pura Kehen“ und hat ein ganz schönes Eintrittstor, das man über Treppen erreicht, mit seitlich schön angelegten Gärten. Die Sarongs sind wieder im Eintrittspreis enthalten. Wir gehen also zu dem kleinen Häuschen, wo diese ausgegeben werden. Die erste Frage lautet immer: „Where are you from?“. Schließlich haben wir die Sarongs umgebunden und plötzlich sollen wir doch nochmal je 5000 IDR bezahlen. Sind zwar nur 40 Cent, aber das sehen wir trotzdem nicht ein. Also holen wir doch unsere eigenen Sarongs aus dem Rucksack. Als wir die Treppe hinauflaufen wollen, ruft uns nochmal einer zum Häuschen wegen Ticket oder so. Als Liane dorthin läuft und ihm die bereits gekauften Tickets zeigt, deutet er auf ein Buch. Wir sollen gleich mal noch eine Spende für den Tempel abgeben. Nun geht’s aber los! Noch bevor wir den Tempel angekuckt haben?! So langsam haben wir das Gefühl, sobald wir sagen, dass wir aus Deutschland sind, meint jeder einfach nochmal mehr Geld verlangen zu können. Echt nervig! Wir beschließen, dass wir in Zukunft auf die Frage woher wir kommen, einfach „Czech Republic“ sagen. Da weiß niemand hier so ganz genau wo das ist und ob die Leute dort Geld haben oder nicht. Der Tempel ist relativ klein und auch nicht sonderlich toll. Also weiter zum „wichtigsten“ Tempel namens „Pura Besakih“, der an der Südwest-Seite des Mount Agung, des höchsten Vulkans Balis liegt. Unser Taxi-Fahrer warnt uns gleich mal vor, dass die Guides hier sehr aggressiv seien um ihre Touren zu verkaufen. Wir sollen einfach durchlaufen, da wir keinen Guide brauchen. Gut zu wissen. Wir kaufen unsere Tickets und fahren noch ein Stück weiter bis zu einem Parkplatz mit haufenweise Shops außen rum. Nun müssen wir einen kleinen Spaziergang den Hügel hinauf machen, da der Fahrer nicht weiter hochfahren darf. Keine 10 m sind wir gelaufen, als ein Typ, der bei der „Tourist Information“ steht, uns zurückpfeift und das Ticket sehen will. Bei der Gelegenheit erklärt er uns gleich noch, dass im Tempel heute eine Zeremonie stattfindet und die meisten Bereiche gesperrt sind. Es sei denn, wir nehmen einen Guide… Na klar, so wird’s sein! Wir nehmen also keinen Guide und laufen weiter. Etwa 200 m vor dem Tempel ist eine Treppe, auf der diverse Postkarten-Verkäuferinnen auf uns warten. Außerdem zwei Typen, die uns erklären, dass heute eine Zeremonie stattfindet und sie Guardians des Tempels sind und sie uns hineinbegleiten können. Nein danke, wir brauchen keinen Guide! Sie lassen nicht locker und erklären uns, dass sie ja keine Guides sind, sondern dass sie quasi die Wächter des Tempels sind und daher befugt, Touristen ohne dass diese etwas zahlen müssen in den inneren Bereich des Tempels zu bringen. Na sicher! Wollen wir trotzdem nicht. Also weiter. Zum Haupt-Tempel gehen drei Treppen hoch, aber nur die mittlere führt direkt hinein. Wir wollen uns zuerst unten auf dem Platz die Figuren ankucken, da kommt schon wieder so ein Typ und labert uns mit dem gleichen Mist voll. Wir erklären ihm, dass er nun schon der dritte ist, der uns das erzählt. Und: Nein, nein, nein. Kein Guide, danke. Nein! Die äußeren Treppen darf man auch ohne Guide benutzen, also wollen wir rechts vom Tempel hoch. Der Typ pfeift uns zurück, das wäre die Exit-Treppe, wir müssen links hoch. Oh Mann. Ok, danke! Aber nun fängt er schon wieder damit an, dass er uns in den Tempel bringen kann. Liane platzt der Kragen und sie fährt ihn ziemlich scharf an, dass er jetzt mal mit dem Scheiß aufhören soll und wir wirklich keinen Guide wollen und er ein „Nein“ nun doch mal akzeptieren soll. Da wird er pampig und motzt zurück, dass wir hier „not so important“ sind, wie wir vielleicht glauben und so weiter. Geht’s noch? Ohne Touris hätte er ja wohl keinen Job! Ist das nervig hier, nix wie weg. Wir steigen also die Treppe links hoch und im Endeffekt sehen wir den kompletten Tempel, selbst den Bereich in dem die Zeremonie stattfindet, nur dass wir eben nicht direkt davor stehen, sondern seitlich. So wahnsinnig schön ist der Tempel eh nicht und daher reicht es uns bald. Zurück am Parkplatz essen wir noch etwas in einem der Restaurants und fahren dann weiter nach Tulamben. Allerdings versucht der Fahrer nun wohl den kürzesten Weg zu fahren, obwohl wir die Route durch die Reisfelder fahren wollten. Einmal verfährt er sich noch und schließlich müssen wir 2 km über Holperpiste fahren, weil die Straße eigentlich gerade neu gemacht wird und daher gesperrt ist. Als wir in Tulamben ankommen ist es schon 17:30 Uhr, deutlich später als geplant. Wir fragen kurz in ein paar Tauchcentern nach Preisen und Unterkünften, aber die sind alle ganz schön teuer. Ein Typ aus einem Tauchcenter empfiehlt uns die „Bla Bla Cottages“, die sind zwar noch nicht ganz fertig gebaut, aber wenn wir von ihm einen Gruß ausrichten, bekommen wir einen guten Preis. Daraus wird aber leider nix, denn die Mädels dort sind ziemlich unflexibel was die Preise angeht, dabei sind alle Cottages frei. Unseren Fahrer schicken wir nun aber weg, müssen wir halt zu Fuß weiter. Da hält gerade ein Typ auf dem Motorrad an und zufällig hat er ein Dive-Center namens „Aqua Dive Paradise“. Leider ist sein Homestay ausgebucht, aber wir würden bei seinem Kumpel ein paar hundert Meter weiter einen Sonderpreis bekommen. Simon kuckt sich schnell das Hotel an, sieht gut aus. Die Tauchpreise sind auch ziemlich gut, daher überlegen wir nur kurz und buchen dann für den nächsten Tag zwei Tauchgänge. Wir beziehen unser Zimmer im „Mimpi Bali“, Simon bekommt eine Extra-Matraze auf den Boden gelegt und da wir total verschwitzt sind, hüpfen wir gleich mal in den Pool zur Abkühlung. Danach laufen wir ins Dive-Center um unsere Ausrüstung für morgen zusammenzustellen, das geht ruck-zuck. Zum Abendessen gehen wir zum nächstbesten Restaurant, leider stellt sich das Essen als nicht so ganz gut heraus, aber wir werden immerhin satt…

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Wieder müssen wir früh aufstehen, um 7:00 Uhr steht schon unser erster Tauchgang auf dem Programm. Vom Dive-Center aus müssen wir nach dem Briefing mit unserem Dive-Master Nyoman nur ein paar hundert Meter die Straße runter, dann stehen wir schon am steinigen, schwarzen Strand. Wir legen unser Jacket mit dem Tank an, schwanken unter dem Gewicht ins Wasser, versuchen unsere Flossen anzuziehen und dann kann es losgehen. Wir tauchen gerade aus den Abhang hinunter bis auf ca. 27m, unterwegs sehen wir schon echt tolle Korallen und riesige Muscheln. Einige bunte Fische sind auch schon wach. Dann kommen wir beim Ziel unseres Tauchgangs an: dem Wrack der „USAT Liberty“, einem Schiff der US-Marine, dass hier während des zweiten Weltkrieges 1942 torpediert und schließlich versenkt wurde. Mittlerweile ist es komplett von den tollsten Korallen-Kreationen überwuchert und bietet einen Lebensraum für viele Fische und sonstiges Kleingetier. Unter anderem sehen wir hier unsere ersten bunten „Nudis“, also Nacktschnecken (engl. Nudibranches). Nicht so leicht zu entdecken, aber unser Guide findet sie alle! Wir tauchen einmal komplett um das Wrack herum, das echt riesig ist! Das Schiff ist 125 m lang und es ist noch fast vollständig zusammen. Das Heck liegt eben auf ca. 27 m Tiefe, während der Bug nur auf 5 m liegt. Wir sehen die Bord-Kanone, den Anker und das Steuerrad. Ganz zum Abschluss, als wir schon wieder in Richtung Strand unterwegs sind, begegnen wir noch einem Tintenfisch. Die ca. einstündige Pause zwischen den Dives nutzen wir zum Frühstücken im Hotel, wie überall gibt es Banana-Pancake oder dieses Mal auch in der Variante „gebackene Banane mit Honig“. Der zweite Tauchgang ist wieder beim Wrack, aber nun wird die Route etwas geändert und wir tauchen durch den Maschinenraum und zwei riesige Tanks hindurch. Das Wrack ist echt cool. Überall kann man etwas neues entdecken! Wir sehen vier verschiedene Nudibranches, zwei „Blue-Spotted Stingray“, eine Riesenmuräne und einen unglaublich großen Barracuda! Mittlerweile sind deutlich mehr Taucher am Wrack unterwegs als noch früh am Morgen. Teilweise muss man sich diese Dive-Site mit bis zu 50 anderen Tauchern teilen, da dies als eine der besten Tauchgebiete Balis gilt und ein „must-see“ auf der Liste eines jeden Tauchers hier ist. Nyoman lädt uns für abends zu einer kleinen Party am Dive-Center ein. Vorher brauchen wir aber unbedingt etwas Erholung. Ein kurzer Vor-Mittagsschlaf, dann gehen wir im Restaurant „Wayan“ Mittagessen. Hier haben sie endlich auch mal Thunfisch und was für leckeren! Mit schön viel Knoblauch. Mmmh! Da es gerade etwas regnet, verschicken wir noch ein paar eMails, machen etwas Reiseplanung und kaufen uns Tickets für das Schnellboot zu den Gili-Inseln für den nächsten Tag. Wir haben nämlich festgestellt, dass wir uns einiges an Reisezeit sparen können, weil es eine neue Bootsverbindung direkt vom 10 Minuten entfernten Amed aus gibt, die nur 50 Minuten dauert. Im Vergleich zu 2 Stunden Busfahrt und anderthalb Stunden Bootstour natürlich echt super. Im Dive-Center bekommen wir dafür noch einen Spezialpreis. Nyoman erinnert uns daran, dass wir nach dem Abendessen vorbeikommen sollen. Anschließend relaxen wir den Rest des Tages im Hotel und am Pool. Tauchen macht echt hungrig, zum Abendessen im „Safety-Stop“ begleitet uns Andreas, ein Taucher der auch bei uns im Hotel abgestiegen ist und der in Karlsruhe wohnt. Als wir gegen 20:00 Uhr zum Tauchcenter laufen, kommt uns Nyoman mit dem Roller entgegen, er wollte gerade heimfahren, weil er dachte, wir kommen nicht mehr. Äh? Wie machen denn die hier Party, es ist doch noch voll früh! Er fährt nochmal zurück, ein Kumpel ist auch noch dort und die beiden packen die Gitarren aus und spielen drauflos. Echt gut sogar, schöne Songs von Bob Marley & Co., dazu gibt es Arak mit Limette und Zucker. Aber den mit nur 15% und garantiert nicht schwarzgebrannt und mit Methanol gestreckt. Er erklärt uns, dass er das Zeug trinkt seit er 12 ist und er lebt ja nachweislich noch. Ok, überzeugt. Schließlich kommen nochmal zwei, drei Kumpels dazu. Einer spielt nun noch Trommel zu den Liedern. Echt gemütlich bei den lauen Temperaturen draußen zu sitzen und der Musik zuzuhören. Um 22:00 Uhr ist die Flasche dann leer und die Party damit vorbei. Nyoman schmeißt quasi alle raus. Wir wundern uns schon ein bisschen darüber, immerhin ist Samstagabend!?  Eine Freundin, die daheim wartet, hat er angeblich nicht und arbeiten muss er morgen auch nicht. Nun ja, andere Länder, andere Sitten…

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Hier das ganze Album:

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