Touri- und Wassermassen am Iguazú

Um 9:30 Uhr kommen wir ziemlich müde in Puerto Iguazú an, machen uns mit den Rucksäcken auf Hostel-Suche und werden ziemlich schnell fündig: Das Hostel Park Iguazú macht einen sehr guten Eindruck. Schönes Doppelzimmer zum akzeptablen Preis. Wir buchen dort auch eine Tour für den nächsten Tag auf die brasilianische Seite der Iguazú-Fälle und machen uns nach kurzer Ausruh-Phase mit dem Bus auf zu der argentinischen Seite. Der Eintritt beträgt 100 Pesos, das sind ca. 16 €. Dann erkunden wir die Fälle bei Sonnenschein und 30°C. Es gibt einen Upper und einen Lower Level zu den Fällen, beide sind sehr beeindruckend und teilweise wird man ein bisschen nass. Immer wieder hat man traumhafte Aussichten auf die riesigen Wasserfälle. Zum Schluss fahren wir noch mit der Bummelbahn zum letzten Punkt, dem „Teufelsschlund“. Hier stürzt das Wasser über 80 m tief hinunter. Man steht auf einer Plattform direkt daneben. Es ist unvorstellbar, was für Wassermassen hier herunterstürzen! Liane war hier 2008 schon mal, da war es deutlich weniger Wasser. Zurück in der Stadt essen wir bei Wok & Grill ein superleckeres Abendessen – Thai-Nudeln mit Gemüse und Rumpsteak vom Feinsten. Hier waren wir nicht zum letzten Mal!

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Um 7:30 Uhr werden wir abgeholt, es geht nach Brasilien! Zuerst sammeln wir noch 6 andere Touris ein. Dann müssen die Formalitäten an der Grenze abgewickelt werden, damit wir auch alle einen Stempel im Pass haben. Wir fahren zum Eingang des Nationalparks, der Eintritt hier beträgt 117 Pesos, ca. 20 €. Da wir aber einen leicht eingerissenen 100 Peso-Schein vorlegen, wird es fast nix mit dem Nationalpark für uns, denn beschädigte Geldscheine werden nicht angenommen! Zum Glück hat unser Guide Isaias Geld zum Wechseln dabei und tauscht ihn uns um. Mit einem großen Bus geht es dann nochmal ca. 10 km weiter bis zu den Fällen. Dort gibt es einen ziemlich überfüllten Pfad entlang des Flusses mit bombastischen Ausblicken auf die Wasserfälle auf der anderen Seite. Über 2,7 km Breite erstrecken sich die Fälle. Laut Isaias sind es heute 5 000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Gestern waren es anscheinend 9 000 Kubikmeter, weil es die Tage zuvor viel geregnet hatte und die Dämme weiter oben geöffnet worden sind. 2006 war ein Hochwasser, damals flossen unglaubliche 27 000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Unvorstellbar! Wir machen unsere Fotos so gut es geht durch die Touris hindurch, aber die sind einfach überall. Und ziemlich doof sind sie auch noch, wie wir immer wieder feststellen. Was die zum Teil für ein Schrott fotografieren ist unglaublich! Nachdem wir alles gesehen haben fahren wir nach Foz do Iguazú in die Churrascaria „Rafain“, wo es Mittagessen gibt. Ein riesiges Buffet wartet auf uns und Horden anderer Touristen, mit verschiedenen Salaten, Pasta, Gemüse und natürlich Fleisch vom Grill. Sehr lecker, dafür dass es für solche Massen gekocht wurde! Total vollgefressen setzen wir uns wieder in den Bus und fahren über die „Brücke der Freundschaft“ nach Paraguay, hier ist nix mit Grenzformalitäten. Der Grenzort besteht hauptsächlich aus Märkten, die alles nur erdenkliche Elektronische anbieten (zu höheren Preisen als in Deutschland – zumindest das was original ist!), Klamotten, Uhren uvm. Es ist heiß und ziemlich anstrengend, weil man von allen Seiten angelabert wird. Zum Glück ist die Zeit bald um und wir fahren zum Itaipu-Staudamm, hier ist das größte Wasserkraftwerk der Welt (höchste Jahresenergieproduktion). Bei einer Gesamtkapazität von 14 000 Megawatt leistet das Kraftwerk pro Jahr 95 Terawattstunden, soviel wie 12 Atomkraftwerke! Das reicht für den Strom für ganz Paraguay und für 20% von Brasilien. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Paraguay und Brasilien, deshalb sind die Mitarbeiter auch je zur Hälfte aus einem der beiden Länder. Leider besteht die „Tour“ nur aus einem kurzen Film auf Spanisch und einer kleinen Busrundfahrt zu einem Aussichtspunkt und über den Damm, die Erklärungen sind nur auf Spanisch. Super! Da haben wir uns schon etwas mehr versprochen, als Liane 2008 hier war, gabs eine „richtige“ Führung mit Besichtigung des Innenlebens des Dammes. Auf Nachfrage, ob es so eine Tour vielleicht gibt, idealerweise auf Englisch, meint die Rezeptions-Dame, dass man das ca. 1 Woche vorher beim Manager per eMail anfragen muss… Häää? Was macht das denn für Sinn? Naja. Wir fahren zurück, die Formalitäten an der Grenze dauern ewig, vor allem weil unsere Mitreisenden fleißig in Paraguay eingekauft haben…

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Video von der argentinischen Seite (Teufelsschlund):

Video von der brasilianischen Seite:

Am nächsten Tag fahren wir auf eigene Faust nach Brasilien. Da wir auf den Linienbus zu lange warten müssten, nehmen wir ein Taxi bis zum Nationalpark. Wieder müssen wir erst an der argentinischen Grenze anhalten und unseren Ausreisestempel abholen, dann ca. 1 km weiter an der brasilianische Grenze den Einreisestempel. Am Nationalpark angekommen begeben wir uns gleich zu „Heli Sul“ um uns einen Gesamtüberblick aus der Luft zu verschaffen. Zusammen mit zwei weiteren Passagieren geht’s im Helikopter einmal über die Wasserfälle. Insgesamt geht der Flug nur 10 min, aber das lohnt sich auf jeden Fall. Echt beeindruckend! Wieder zurück am Boden gehen wir noch in den „Parque das Aves“ auf der anderen Straßenseite. Dort gibt es quasi alle Vogelarten zu sehen, die sonst so im Regenwald herumflattern. Zum Teil sind es riesige Gehege, durch die man hindurchlaufen kann. Gleich im ersten sind wunderschöne Tukane. Die Schnäbel sind einfach der Kracher und sehen aus wie gemalt. Ab und zu fliegt so ein Tukan direkt an unseren Köpfen vorbei, da erschrecken wir ganz schön! Als Liane einige Papageien begrüßt, kommt tatsächlich ein „Hola“ zurück! Ein paar Krokodile und Echsen gibt es auch noch. Und ein Schmetterlings-Gehege mit wunderschönen, riesengroßen bunten Schmetterlingen und lustigen Kolibris. Plötzlich hören wir ein Riesengeschrei! Ein ganzes Gehege voller bunter Aras, die gerade eine künstliche Regendusche erhalten und sich prächtig amüsieren… Und wir laufen mittendurch. Ganz zum Schluss kann man noch einen blauen Ara auf den Arm nehmen. Und eine Boa Constrictor kann man sich um den Hals legen lassen.

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Wir haben im Internet erfahren, daß es auf der brasilianischen Seite des Itaipu-Staudamms eine Spezial-Tour gibt (die hat Liane damals dann wohl auch gemacht). Also fahren wir mit dem Bus nochmal die 10 km weiter zum Staudamm, diesmal auf die brasilianische Seite. Am Busterminal in Foz do Iquazu steigen wir um und sind kurz vor 14:30 Uhr am Ticketschalter, genau um die Zeit fängt auch eine Tour an. Es gäbe sogar noch Plätze, aber leider ist 5 min vorher schon Kassenschluss! Was??? Es ist nix zu machen, wir können warten, ob um 15:00 Uhr oder 16:00 Uhr noch Plätze frei werden, aber eigentlich ist alles ausgebucht. Na wunderbar. Wir haben Hoffnung und warten halt ab. Aber es wird kein Platz frei. Mist! Da wir die Führung aber unbedingt machen wollen, reservieren wir uns Plätze für den nächsten Tag und machen uns auf den Heimweg nach Argentinien. Den Bus kriegen wir mit viel Glück: Er hält nicht an der Haltestelle, sondern eine Querstraße weiter…

Also heißt es am nächsten Tag früh aufstehen, nochmal nach Brasilien rüber. Der Bus hält an der argentinischen Grenze, alle raus, Stempel in den Pass und wieder rein. Dann fährt er weiter an die brasilianische Grenze, alle raus. Bus fährt aber weiter… Also brasilianischen Stempel in den Pass und auf den nächsten Bus warten. Mit dem Bus einmal kreuz und quer durch Foz do Iquazu, eine große, nicht wirklich schöne Stadt. Der fährt am Busterminal vorbei… Na super. Also einen anderen Passagier angehauen, wo wir raus müssen Richtung Itaipu. Der kann sogar ein bisschen Deutsch und steigt mit uns an der Haltestelle aus wie wir auch rausmüssen. Er zeigt uns eine Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite, ein Anwohner meint dann aber, dass der Bus erst in 1 h kommt. Na Spitzenklasse! Der hilfsbereite Argentinier, der gar nicht nach Argentinier aussieht, bietet uns an, dass er sein Auto holt und uns hinfährt. Also gut. Er kommt auch wieder, aber mit einem Taxi. Er erklärt uns, dass „Sein Auto ist nicht blond!“. Ähm. Ah ja! Was soll’s – damit wir noch pünktlich zu der Führung kommen und das endlich mal klappt, nehmen wir halt das Taxi. Die sind in Brasilien ungefähr doppelt so teuer wie in Argentinien. Wir schaffen es also pünktlich zu unserer Führung. Zuerst kommt ein Werbefilm über Itaipu, allerdings auf Portugiesisch. Dann geht es mit dem Bus los in Richtung Damm. Giselle erklärt alles auf Spanisch und Portugiesisch, „unser“ Guide Roberto auf Englisch. Wir fahren auch auf den Damm, können dort aussteigen und mal runterkucken. Genau in der Mitte des Damms ist die Grenze zwischen Paraguay und Brasilien. Das gesamte Bauwerk gehört jeweils zu 50% einem der beiden Länder. Schließlich gehen wir ins Innere des Damms, sehen die Schaltzentrale direkt in der Mitte. Im ganzen Kraftwerk arbeiten genau gleich viele Paraguayer und Brasilianer. Wir haben Glück und sehen sogar die Schaufelräder und die anderen Einzelteile einer Turbine, die gerade auseinandergebaut wurde, weil irgendein Problem entdeckt wurde. Nachdem wir noch die schnelldrehenden Generatorwelle gesehen haben geht’s wieder raus an die frische Luft. Wirklich beeindruckend! Nach der Führung machen wir uns auf den Weg zurück. Da wir relativ früh ankommen und kurz darauf um 15:00 Uhr ein Bus nach San Ignacio losfährt, legen wir einen Sprint zum Hostel und (inkl. schwerer Rucksäcke) zurück zum Busterminal hin und erwischen ihn gerade noch! Um 19:00 Uhr sind wir in San Ignacio. Wir werden direkt an der Hauptstraße „rausgeschmissen“. Direkt gegenüber ist die Touri-Info, wo wir gleich Bus-Tickets nach Salta für den übernächsten Tag kaufen. Da wir ganz schön hungrig sind, essen wir in dem Restaurant direkt neben der Touri-Info, bevor wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft machen. Hier werden wir zum Glück schnell fündig und nehmen uns ein Zimmer im San Ignacio Adventure Hostel.

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Nachts fängt es an zu regnen und hört nicht mehr auf. Daher wird der Tag kurzerhand zum Internet und Faulenz-Tag erklärt. Um 17:30 Uhr sind die Wolken wohl endlich leer und wir laufen zu den Jesuitenruinen, um 19:30 Uhr findet dort eine „Sound- and Lightshow“ statt. Wir essen noch eine Kleinigkeit und kucken uns dann die Show an. Ein Riesenspaß für Groß und Klein! ;-) Es wird die Geschichte der Jesuitenmission erzählt. Mit Projektionen auf Bäumen und auf Wasservorhänge. Ein Indianer erzählt, wie die ersten Jesuiten ins Land kamen und die Mission aufbauten bis zum Niedergang nach dem Angriff der Spanier.

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Am nächsten Tag ist es zwar immer noch grau, aber es regnet zumindest nicht mehr. Daher machen wir uns gleich auf den Weg und kucken die Ruinen nochmal bei Tag an. Viel zu sehen gibt es da aber wirklich nicht mehr… Bevor wir uns auf die 20 h Busfahrt nach Salta machen, stärken wir uns nochmal mit einem Steak, Qualität mittelmäßig. Aber was anderes haben wir bei einem Touri-Attraktion-Imbiss eigentlich auch gar nicht erwartet. Dabei lernen wir noch Karin kennen, eine Deutsche aus Konstanz, die ein halbes Jahr in Südamerika unterwegs ist. Sie fährt auch nachmittags nach Salta. Daher treffen wir uns um 15:00 Uhr am Busterminal, wo schon der Bus auf uns wartet. Nach ca. 30 min gibt’s den ersten Stopp. Mitten im Nirgendwo halten wir an. Wir kucken aus dem Fenster und sehen, daß fast alle Passagiere, Busfahrer und Stewardess ausgestiegen sind und künstliche Blumengestecke bewundern, die in einem Garten ausgestellt sind. Nach ca. 5 min haben alle eingekauft und es geht weiter. Unglaublich! Als es später Essen geben soll, ist für 5 Passagiere, inkl. uns, kein warmes Essen mehr da. Deshalb fahren wir nochmal 20 min zurück zum Bus-Depot und holen die fehlenden Portionen ab!?

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Hier das ganze Album:

Ein Kommentar für “Touri- und Wassermassen am Iguazú”

  1. Yvonne und Raphael 19 November 2011 at 13:55 #

    Wow! Super, dieser Wasserfall! Den nehmen wir auch gleich mit auf die Liste aller noch zu besuchenden Orte! Die Bilder aus dem Helikopter sind gut geworden!
    Und der Nasenbär ist auch sehr süss :)

    Wie lange bleibt ihr noch in Südamerika? Ihr seid ja schon auf Galapagos.. oder anders gefragt: Wo geht ihr denn als nächstes hin?

    Liebe Grüsse und eine weitere wundervolle Reise
    Yvonne und Raphael


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