10 Milliarden Tonnen Salz – der Salar de Uyuni

Am nächsten Tag heißt es packen. Um 8:00 Uhr geht es los, vorher kaufen wir noch einen 5l-Kanister Wasser und tauschen unsere restlichen Pesos in Bolivianos um. Mit uns in der Gruppe sind zwei Brasilianerinnen, Vivien und Livia, ein französisches Pärchen namens Catherine und Brice und noch ein Franzose namens Xavier. Dann fahren wir zunächst mal an die Grenze, hier stehen wir ca. 1 ½ h an um die Stempel in den Pass zu kriegen. Das fängt ja gut an! Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir mitten in den Bergen im Nirgendwo die bolivianische Grenzstation. Hier bekommen wir ein Frühstück mit Kaffee, Brötchen, Käse, Wurst und Marmelade. Dann folgt noch ein bisschen Papierkram. Wir haben den bolivianischen Stempel im Pass und werden auf zwei Jeeps verteilt. Irgendwie ist jetzt noch ein Pärchen dazugekommen, Pierre und Annuschka, wohnhaft in Paris, wobei Annuschka eigentlich aus Bayern kommt. Wir teilen uns den Jeep, einen Toyota Landcruiser, mit Vivien und Livia, das Gepäck wird schön auf dem Rücksitz verstaut. Und los geht’s. Aber zuerst müssen wir uns noch unser Ticket für den Nationalpark kaufen, für 150 Bolivianos, umgerechnet ca. 15 €. Hier treffen wir die zwei versnobten Deutschen wieder, die die Wüste doch tatsächlich auf eigene Faust mit dem Mietwagen (PKW!!!!!) durchqueren wollen! Sie scheitern jedoch schon fast an der Grenze, da sie „vergessen“ haben Geld zu tauschen. Dafür werden sie jetzt beim Umrechnungskurs richtig schön beschissen! Tja Jungs, blöd gelaufen! Unser erster Stopp ist die „Laguna Blanca“, die weiße Lagune, aufgrund von großen Mengen Borax im Wasser. Wir laufen ein Stück an der Lagune entlang, bevor wir wieder in die Jeeps steigen und zur „Laguna Verde“ fahren, also der grünen Lagune, welche viel Kupfer, Arsen und Blei enthält. Direkt dahinter ist der Vulkan Lincacabur (5960 m), der sich schön im Wasser spiegelt. Da Richard nur Spanisch spricht, verstehen wir meist nur einen Teil davon und sind wir froh, die beiden Brasilianerinnen im Auto zu haben, denn sie übersetzen brav alles was er erklärt ins Englische. Wir fahren weiter zur „Laguna Chalviri“, hier gibt es auf 4400 m die Möglichkeit in einem heißen Becken der Termas de Polques (ca. 40° C) zu baden. Auch unser Fahrer Richard (typisch bolivianischer Name!) nimmt ein kleines Bad, bevor es weitergeht zum „Sol de Mañana“ – einem Geysirfeld. Es ist nix abgesperrt, Richard meint nur, wir sollen nicht zu nahe ran, weil der Boden teilweise nicht so dick ist oder rutschig. Na denn. Hier gibt es zahlreiche Löcher in denen mehr oder weniger feste graue Masse blubbert. Und ein paar schöne Farbspiele mit gelben und roten Mineralien. Außerdem stinkt es bestialisch nach Schwefel, d. h. nach faulen Eiern. Von hier aus steuern wir unsere Unterkunft in der Nähe der „Laguna Colorada“ an. Zur Begrüßung gibt es als Mittagessen Kartoffelpüree, Wienerle und Tomaten-Avocado-Salat. Das Wetter sieht nicht sonderlich gut aus, viele dunkle Wolken am Himmel und ein ziemlich kühler Wind bläst über die Hochebene auf 4278 m. Richard erzählt, dass hier bis vor ein paar Tagen noch richtig viel Schnee lag, der ein Durchkommen fast unmöglich machte. Ein paar Reste sehen wir noch an den Berghängen liegen. Wir fahren zur „Laguna Colorada“, einem hauptsächlich roten See, die Färbung entsteht durch Algen. Hier sehen wir viele farbenprächtige Flamingos! Wir können ein Stückchen am See entlanglaufen und machen mal wieder zig-tausend Bilder. Dann geht es zurück zur Unterkunft, wo wir zum Aufwärmen Kaffee, Tee und Marmelade-Brötchen bekommen. Dabei fangen wir „Beruferaten“ an. Echt interessant. Der Franzose Pierre ist unglaublicherweise Zahnarzt. Ihn hätten wir eher als Kartoon-malenden Künstler in Paris herumtingeln sehen. So kann man sich irren. Passt immerhin zum Nachnamen seiner Freundin „Kahriz“. Bald danach gibt es Abendessen: Eine Gemüsesuppe und Spaghetti mit Tomatensoße. Weil es inzwischen gefühlte -10°C hat und wir sowieso hundemüde sind, liegen wir um 20:30 Uhr im Bett und schlafen. In voller Montur (Skiunterhose, Fleece-Pulli, Schal, dicke Socken und extra Decke um die Schultern) frieren wir fast gar nicht…

uyuni-01 Grenzübergang Chile/Bolivien

uyuni-02 Laguna Blanca

uyuni-03 Laguna Verde

uyuni-04

uyuni-05

uyuni-13 Laguna Colorado

uyuni-12

Morgens ist um 7:00 Uhr Frühstück angesagt. Dann werden die Jeeps beladen und wir fahren los. An der „Laguna Colorada“ vorbei, hier müssen wir nochmal unsere Nationalpark-Tickets zeigen, warum weiß kein Mensch, schließlich sind wir ja nicht rausgefahren?! Naja. Erst mal muss an einem Jeep die Scheibe der Fahrertür repariert werden, weil sie nicht mehr zugeht. Was ziemlich schlecht ist, bei den staubigen Pisten hier! Aber dank Fahrer und den Metro-Ingenieuren Catherine und Brice geht es bald weiter. Bis zur nächsten Panne, diesmal der andere Jeep. Ein platter Reifen. Innerhalb von 5 Minuten haben die beiden Fahrer den Ersatzreifen montiert, der zwar fast kein Profil mehr hat, aber was soll‘s. Wir fahren weiter. Unser nächster Stopp ist der „Árbol de Piedra“, ein Felsen, der von Wind und Wetter wie ein Baum geformt wurde. Dann geht es weiter zu den „Seven Colored Hills“. Außer einem kurzen Fotostopp gibt es hier aber nix zu holen. Über Stock und Stein geht es weiter in Richtung „Laguna Hedionda“ auf 4186 m, in der wieder hunderte, oder eher tausende Flamingos herumwaten und auf Futtersuche sind. Der See gefällt uns viel besser als die „Laguna Colorado“, er liegt wunderschön zwischen schneebedeckten Bergen und die Sonne scheint auch noch. Wir fahren noch ein Stückchen weiter zu einer Lagune ohne Namen, dafür aber mit Salzfläche am Rand. Hier gibt es Mittagessen. Von unseren Fahrern mit Tischdecke und Geschirr auf der Kofferraumfläche des Jeeps serviert. Es gibt Thunfisch aus der Dose, frischen Tomaten-Gurken-Avocado-Salat und Reis mit Gemüse. Zum Nachtisch gibt’s knackige Äpfel. Hier ist anscheinend ein beliebter Platz um Mittagspause zu machen, aber sonst sehen wir fast keine anderen Jeeps inkl. Touris an den einzelnen Stationen! Von hier geht es quer durch das Gebirge, an Flussläufen entlang und hindurch, über endlose Flächen, die nur spärlich bewachsen sind. Die Landschaft ist einfach spektakulär und ändert sich ständig! Die faszinierendste Pflanze die hier wächst, ist die grüne „Yareta“, eine Wüstenpflanze, die pro Jahr nur 1,4 mm wächst! Dementsprechend alt sind die großen Pflanzen, die wir zu sehen bekommen. Schließlich fahren wir auf einen kleinen ausgetrockneten Salzsee, durch den die Eisenbahnlinie verläuft. Alle 3 Tage kommt hier mal ein Zug durch! Wir können daher ohne Probleme auf den Schienen rumlaufen und lustige Fotos machen. Die Metro-Ingenieure sind entsetzt über den Zustand und die Sicherheit. Aber das ist halt Südamerika! Nach endloser Fahrt erreichen wir schließlich „unser“ Salzhotel am Rande der „Salar de Uyuni“, dem größten Salzsee der Welt. Das Hotel ist (fast) komplett aus Salz gebaut und es gibt eine heiße Dusche! Und die ist echt notwendig. Zum Abendessen gibt es zuerst eine sehr leckere Gemüsesuppe und dann Lamasteaks mit Pommes und Reis. Bissle zäh das Ganze und so wirklich toll schmecken tut Lama jetzt auch nicht… Der Spruch des Tages kommt von Xavier, er meint: „Don’t ask for salt!“ und deutet auf den Boden…

uyuni-16

uyuni-19 Reifenpanne

uyuni-21 Árbol de Piedra

uyuni-25 Laguna Hedionda

uyuni-30

uyuni-31

uyuni-36 Yareta

uyuni-37

uyuni-38 Hotel aus Salz

Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns am nächsten Morgen auf durch den „Salar de Uyuni“, mit 12 000 km² die größte und mit 3653 m über dem Meer die höchste Salzwüste der Welt. Bald sehen wir nur noch Weiß mit einigen vermeintlich schwebenden Bergen am Horizont. Der Jeep fährt ganz ruhig über die glatte Fläche, fast wie auf der Autobahn. Nur dass es keine erkennbare Straße gibt! Richard erklärt uns, dass die Salzdecke zum Teil bis zu 10 m dick ist. Echt unglaublich! Nach einigen Kilometern erreichen wir die Insel „Inkahuasi“, welche früher von den Inka bewohnt wurde. Wir steigen hoch bis zum Aussichtspunkt und machen Fotos vom gleissend weißen Salar. Beim 360°-Panoramabild macht der Fotoapparat nicht mit, weil alles gleich aussieht… Die Insel ist übersäht von riesigen Kakteen mit teilweise sehr lustigen Formen. Diese wachsen pro Jahr nur 1 cm, die Höchste schätzen wir auf ca. 10 m, damit wäre sie dann 1000 Jahre alt! Zwei Lamas leben auch auf der Insel. Nach einer Stunde fahren wir weiter. Mittendrin bitten wir Richard mal anzuhalten. Durch das Weiß kann man hier super mit der Perspektive spielen und lustige Fotos machen. Wir spielen ein bisschen herum und fahren schließlich weiter in Richtung Uyuni. Am Rande des Salzsees machen wir noch Halt in Colchan, einem kleinen Dorf, das ausschließlich von der Salzgewinnung lebt. Auf dem Salzsee sind kleine Häufchen aufgeschüttet, damit das Salz trocknet und dann mit Lastwagen abtransportiert werden kann. Später wird es zu Speisesalz weiterverarbeitet und in alle Welt exportiert. Kurz vor Uyuni halten wir noch am „Cementerio de Trenes“, dem Eisenbahnfriedhof. Nachdem die Loks nicht mehr gebraucht wurden, wurden sie hier einfach abgestellt und rosten nun vor sich hin. Echt bizzar irgendwie! Als wir in Richtung Stadt fahren sehen wir schon, dass es wohl keinen gescheiten Müllentsorgungsplan gibt, überall fliegen Plastiktüten und sonstiger Müll herum. Die ganzen Büsche hängen voll damit! Am Büro von „Cordillera Traveller“ unterschreiben wir, daß wir heil angekommen sind und verabschieden wir uns von Richard und dann suchen wir uns ein sauberes kleines Hotel. Für 6 € die Nacht im Doppelzimmer sehr preiswert im Vergleich zu Argentinien und Chile. Unser Problem ist, dass wir dringend Internet bräuchten, um Saskia und Daniel „persönlich“ zur Hochzeit zu gratulieren. Allerdings sind wir internettechnisch gesehen wohl am Arsch der Welt gelandet. Es gibt zwar einige Internet-Cafes, aber die Leitung ist so langsam, dass es für Skype nicht reicht. Schließlich werden wir doch noch fündig und können mit den beiden skypen! Wir treffen nochmal den Rest unserer Truppe und gehen mit ihnen im Restaurant „Cactus“ essen. Da die anderen alle mit dem Bus um 20:00 Uhr weiterfahren und das Essen einfach nicht kommt, lassen sie es sich dann einpacken und rennen zum Busbahnhof. Für uns gibt es Steak (versprochen waren 300 g, aber das waren eher 100 g) und Lasagne. Total K. O. liegen wir mal wieder um 21:00 Uhr im Bett…

uyuni-41

uyuni-43 Isla Inkahuasi

uyuni-46

uyuni-47

uyuni-49

uyuni-50

uyuni-52

uyuni-54

uyuni-57 Salzgewinnung

uyuni-62

uyuni-66

uyuni-68 "Asi es la Vida" = So ist das Leben...

Morgens sind wir früh auf und frühstücken gemütlich in der Sonne (es hat auch nur ein Restaurant offen um 7:30 Uhr). Daher laufen wir ein bisschen über den Markt, der gerade aufgebaut wird und versuchen einige gute Fotos von den Indio-Frauen in ihrer Tracht zu machen (verschiedene Schichten, mit Rock und Melone, meist mit zwei ganz langen Zöpfen). Allerdings mögen sie es nicht wirklich fotografiert zu werden! Ein paar kriegen wir aber doch vor die Linse. Dann laufen wir zum Busterminal, kriegen mit etwas Glück die letzten zwei Tickets nach Potosí um 12:00 Uhr. Direkt am Busbahnhof verkauft eine Indio-Frau „Papas Rellenas“, eine Art knusprige Kartoffelbrei-Frikadelle mit Salat für 40 Cent! Das wird natürlich gleich probiert. Sehr lecker findet Liane. Für Florian ist das aber eher nix, deshalb bekommt er genauso leckere Empanadas. Der Bus nach Potosí kommt, unser Gepäck wird auf’s Dach gepackt und wir steigen ein. Die Platzvergabe ist ziemlich chaotisch und es wurden sowieso viel mehr Tickets verkauft, als Plätze da sind. Für eine 5 h Bustour. Na Mahlzeit! Im Gang neben uns hockt nun also eine Frau auf ihrem Koffer mit einer grünen Tasche auf dem Schoß. Plötzlich kuckt ein kleiner Hund aus der Tasche! Soooo süß! Wir erfahren, dass er Pepe heißt und gerade mal zwei Monate alt ist. Wir spielen mit ihm, er beißt einfach in alles rein was er zu schnappen kriegt und irgendwann schläft er auf Lianes Schoß ein. Total kaputt. Wir pennen auch eine Runde bei gefühlten 40°C. Der etwas altersschwache Bus ächzt ganz schön… Nach 4 ½ h machen wir eine kleine Pinkelpause in einem Dorf mitten in den Bergen. Nach weiteren 2 h kommen wir in Potosí an.

uyuni-70

uyuni-71 alte Frau in typischer Tracht mit Melone

uyuni-77 Das ist Pepe... so süß!

Hier das ganze Album:

5 Kommentare für “10 Milliarden Tonnen Salz – der Salar de Uyuni”

  1. reply 10 Januar 2012 at 21:17 #

    Hallo Liane und Florian,
    wir wünschen Euch schöne Flitterwochen tolle Bilder zum stöbern.Gruß Gudrun und Edi

  2. Raphael und Yvonne 24 Dezember 2011 at 10:16 #

    Grüetzi

    Die Fotos aus der Salzwüste sind ja lustig! Sieht aus wie in „Matrix“ (Florian hat vielleicht auch noch den Soundtrack dazu ;) Aber auch die anderen Bilder sind super!

    Wir wünschen euch beiden frohe Weihnachten!
    Liebe Grüsse
    Yvonne & Raphael

  3. Sasse 22 Dezember 2011 at 22:09 #

    Ich kann Romy nur zustimmen, sie hat mal wieder sowas von recht ;-)

  4. Moris Hanna 19 Dezember 2011 at 21:44 #

    Hi ihr zwei!
    Hier schreibt Melanie, im Namen von Moris!! (ihr wisst schon wie ichs meine! :-)!)Wollte nur mal sagen: bin sooo gerne auf eurer Homepage! Schön, dass es euch gut geht! Die Fotos in der Salzwüste gefallen mir wahnsinnig gut! Ihr fehlt uns…hier in Oberkirch! Es ist alles weihnachtlich geschmückt…!Ist ja halbzeit, jetzt! Wünschen euch wunderschöne Weihnachten und kommt gut ins Jahr 2012!!! Viele liebe Grüße Melanie

  5. Romy 19 Dezember 2011 at 09:45 #

    Sensationelle Bilder!


Kommentar schreiben